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Pressestimmen zur ersten Apple-Keynote

Mehr Steve Jobs als Tim Cook: So kommt John Ternus’ erste Keynote als Apple-Chef an

John Ternus hat erstmals als Apple-CEO durch eine große Produktpräsentation geführt. Die ersten Reaktionen zeichnen das Bild eines ruhigen, produktorientierten Chefs – der sich bei seinem Auftritt zugleich auffällig häufig auf die Ära Steve Jobs zurückbesinnt.

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Neuer CEO, vertraute Bühne: John Ternus hat am 9. September erstmals als Apple-Chef durch das große Herbst-Event des Konzerns geführt. Die Präsentation war damit nicht nur wegen iPhone Duo und iPhone 18 Pro bemerkenswert. Nach fast 15 Jahren mit Tim Cook an der Spitze lieferte sie auch den ersten Eindruck davon, wie Ternus Apple öffentlich repräsentieren will.

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Quickread: Auf einen Blick
  • John Ternus hat erstmals als Apple-CEO durch das große September-Event geführt
  • Mehrere Medien beschreiben seinen Auftritt als ruhig und kontrolliert
  • Barron’s, Guardian und AppleInsider sehen deutliche Anleihen bei Steve Jobs
  • Ternus stellte das iPhone als „intelligent personal hub“ für das KI-Zeitalter dar
  • Die Präsentation deutet auf Kontinuität bei Apple hin, setzt aber erste eigene Akzente

Die ersten Stimmen fallen dabei erstaunlich ähnlich aus. Mehrere US-Medien beschreiben einen CEO, der zwar keinen radikalen Bruch mit der Cook-Ära vollzieht, bei Sprache, Inszenierung und Produktfokus aber deutlich häufiger an Steve Jobs erinnert.

Ein ruhiger Auftritt statt großer Gesten

Der Guardian beschreibt Ternus als freundlich und zurückhaltend und verweist auf seinen ohnehin bekannten ruhigen Stil sowie seine Liebe zum Detail. Auf der Bühne trat der neue CEO im dunklen Pullover und schwarzen Jeans auf und eröffnete die Veranstaltung mit einigen persönlichen Worten über seine inzwischen 25 Jahre bei Apple.

Auch AppleInsider sieht die Präsentation zunächst eher als Hinweis auf Ternus’ öffentlichen Führungsstil denn auf eine bereits von ihm geprägte Produktstrategie. Das ist ein wichtiger Unterschied: Die auf dem Event vorgestellten Geräte befanden sich schon lange vor seinem Amtsantritt am 1. September in Entwicklung.

Entsprechend wertet das Magazin die erste Keynote vor allem als Zeichen für Kontinuität. Ternus sei Apple-Zuschauern ohnehin bekannt, nachdem er als Hardware-Chef schon seit Jahren regelmäßig Produkte vorgestellt hatte. Neu war diesmal vor allem seine Rolle als zentrale Figur der Veranstaltung.

Der neue Apple-Chef formuliert eine eigene Richtung

Ganz ohne inhaltliche Akzente blieb der Auftritt allerdings nicht. The Verge hebt besonders Ternus’ Aussagen zur Rolle des iPhone im KI-Zeitalter hervor. Der Apple-Chef bezeichnete das Smartphone sinngemäß als „intelligent personal hub“ – also als persönlichen intelligenten Mittelpunkt, der seinen Besitzer kennt, ständig verfügbar ist und KI sowohl lokal als auch über Cloud-Systeme einsetzen kann.

Intelligent Personal Hub erklärt!

John Ternus beschreibt damit ein Gerät, das zum persönlichen Mittelpunkt für KI-Anwendungen wird. Es kennt den Kontext seines Besitzers, ist ständig verfügbar und verarbeitet Aufgaben sowohl direkt auf dem Gerät als auch über Cloud-Dienste. Für Apple soll diese Rolle offenbar weiterhin vor allem das iPhone übernehmen.

Damit formulierte Ternus zumindest eine Vorstellung davon, welche Rolle Apple-Hardware in den kommenden Jahren spielen soll. Statt ein grundsätzlich neues Gerät als Zentrum der KI-Nutzung zu positionieren, stellte er das iPhone selbst als passende Plattform für diese Aufgabe dar.

Business Insider griff denselben Teil der Präsentation auf und hob zusätzlich Ternus’ Fokus auf Datenschutz hervor. Der Apple-Chef grenzte das Unternehmen dabei recht deutlich von KI-Anbietern ab, die persönliche Daten auf ihren Servern sammeln und verarbeiten. Apple wolle Berechnungen nach Möglichkeit direkt auf dem Gerät ausführen und für aufwendigere Aufgaben auf Private Cloud Compute zurückgreifen.

Steve Jobs ist plötzlich wieder sehr präsent

Noch auffälliger als diese strategischen Aussagen war für mehrere Beobachter allerdings die Inszenierung. Barron’s überschrieb seine Reaktion sinngemäß damit, dass Ternus bei seinem ersten iPhone-Event Erinnerungen an Steve Jobs geweckt habe. Das Magazin bezeichnet den ehemaligen Hardware-Chef als „product guy“ und sieht darin bereits einen Unterschied zu Tim Cook.

Der Vergleich kommt nicht von ungefähr. Ternus griff bei der Präsentation mehrfach auf Elemente zurück, die eng mit Jobs verbunden sind. Am offensichtlichsten war das berühmte „One more thing“, mit dem Apple das iPhone Duo enthüllte. Der Guardian beschreibt, wie Ternus das Gerät anschließend aus seiner Hosentasche zog und vor die Kamera hielt.

AppleInsider bezeichnet die Szene ebenfalls ausdrücklich als Echo der Steve-Jobs-Ära. Gerade bei Ternus’ erster Veranstaltung als CEO dürfte der Rückgriff auf eine der bekanntesten Präsentationsformeln der Apple-Geschichte kaum zufällig gewirkt haben.

Auch der grundlegende Produktfokus erinnert manche Beobachter stärker an Jobs als an Cook. Während Cook vor allem als hervorragender Organisator und Betreiber des enorm gewachsenen Apple-Geschäfts galt, kommt Ternus aus der Hardware-Entwicklung. Barron’s stellt genau diesen Gegensatz heraus.

Zwischen Jobs und Cook

Der Vergleich mit Jobs bedeutet allerdings nicht, dass Ternus versucht hätte, dessen Bühnenfigur zu kopieren. Der Guardian stellt die Unterschiede ebenfalls heraus: Jobs lebte von seiner ausgesprochen dominanten Bühnenpräsenz und der bewussten Dramaturgie seiner Präsentationen. Ternus wirkte wesentlich ruhiger.

Damit zeichnet sich nach dieser ersten Veranstaltung eher eine Mischung ab. Die nüchterne, kontrollierte Art erinnert teilweise an Tim Cook, während Produktdenken, visuelle Präsentation und einige bewusst eingesetzte Referenzen stärker in Richtung Steve Jobs gehen.

Business Insider sieht in der Veranstaltung entsprechend den Beginn einer neuen Ternus-Ära bei Apple. Das Magazin verweist zugleich darauf, dass der neue CEO vor erheblichen Aufgaben steht – darunter Apples Position im KI-Wettbewerb, steigende Hardware-Kosten und geopolitische Herausforderungen.

Der Guardian zitiert Forrester-Analyst Dipanjan Chatterjee mit einer ähnlichen Einordnung: Ternus erbe von Cook ein außergewöhnlich erfolgreiches Unternehmen, müsse dessen Stärke bei Skalierung und Geschäftsentwicklung erhalten, Apple gleichzeitig aber technologisch in die nächste Phase führen.

Eine Keynote kann diese Frage naturgemäß noch nicht beantworten. Sie zeigt aber erstmals, wie John Ternus seine Rolle offenbar interpretiert: weniger als reiner Verwalter eines bestehenden Geschäfts und stärker als öffentlich sichtbarer Produktchef.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
John Ternus hinterlässt nach seiner ersten großen Präsentation als Apple-Chef vor allem einen ruhigen Eindruck. Er versucht nicht, die Bühnenfigur Steve Jobs zu imitieren – trotzdem scheint er sich deutlich mehr von dessen Art der Produktpräsentation abgeschaut zu haben, als Tim Cook es tat.

Das betrifft nicht nur das offensichtliche „One more thing“. Auffällig war auch, wie Ternus seine Vorstellung eines modernen persönlichen digitalen Zentrums formulierte. Der Gedanke erinnert stark an den „Digital Hub“, den Steve Jobs Anfang der 2000er-Jahre als strategisches Leitbild für den Mac etablierte – nun übertragen auf iPhone, persönliche Daten und KI.

Auch visuell gab es Parallelen. Während Ternus seine Idee erklärte, erschienen neben ihm einzelne Symbole und Begriffe – eine reduzierte Form der Visualisierung, wie Jobs sie in seinen Präsentationen regelmäßig einsetzte.

Interessanter als diese Referenzen ist aber, dass Ternus offenbar eine Vorstellung davon vermitteln möchte, wohin Apple unter seiner Führung gehen soll. Nach einer einzigen Keynote lässt sich daraus noch keine neue Unternehmensstrategie ableiten. Der Auftritt wirkte jedoch stärker von Produkten und einem übergeordneten technischen Leitbild geprägt, als man es von vielen Veranstaltungen der späten Cook-Jahre gewohnt war.

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