Kurzsichtigkeit: Darum wagt Apple keinen völlig schwarzen Dark Mode

Quelle: https://www.maclife.de/news/darum-wagt-apple-keinen-voellig-schwarzen-dark-mode-100108013.html

Autor: Alexander Trust

Datum: 09.10.18 - 16:22 Uhr

Darum wagt Apple keinen völlig schwarzen Dark Mode

Kurzsichtigkeit: Darum wagt Apple keinen völlig schwarzen Dark Mode. Vielleicht haben Sie schon mal von der Forderung gehört, Apple möge doch bitte seine Benutzeroberfläche komplett einschwärzen. Mit macOS Mojave fügte das Unternehmen seinen Macs gerade erst einen „Dark Mode“ hinzu. Doch der ist nur dunkelgrau und nicht schwarz. Das läge an der Display-Technologie (LCD gegenüber OLED) schreiben viele und meinen noch viel mehr. Ich möchte Ihnen heute eine andere Meinung präsentieren, eine, die an Apples Interesse für wissenschaftliche Erkenntnisse appelliert.

Die Andeutung in der Einleitung mit dem Verweis auf „Kurzsichtigkeit“ hat nichts damit zu tun, dass Apple womöglich keine langfristigen Pläne in der Schublade liegen hat.

Falsche Kontraste befördern Myopie

Vielmehr ist es ein Fingerzeig auf die Myopie (Kurzsichtigkeit) als Augenkrankheit. Seit der Computerisierung, heißt es, habe die Zahl der Kurzsichtigen weltweit zugenommen, und zwar auf eine Weise, die sich nicht mehr mit „natürlichem“, evolutivem Wandel erklären lässt.

Sie würden sich wundern. Tatsächlich gibt es bereits viele Studien zu diesem Phänomen, die versuchen zu ergründen, wie es dazu kommt. Eine der aktuellsten wurde erst diesen Sommer in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht und trägt eine interessante Erkenntnis vor. Die falschen Kontraste auf Buchseiten, in Zeitschriften oder auf Monitoren würden Kurzsichtigkeit befördern.

Zu langes Wachstum der Augen

Einfach formuliert: Als eigentliche Ursache für Myopie gilt unter Forschern mittlerweile die These, dass ein zu großes Auge in einem zu kleinen Schädel steckt. Der Augapfel wird irgendwann gestaucht und kann auf weite Entfernungen nicht mehr korrekt scharf stellen.

Doch der Grund für gesteigertes Augenwachstum im Kindesalter sollen tatsächlich „falsche“ Kontraste sein. Denn die würden das Auge zum Wachstum „stimulieren“. Es gibt offenbar Belege aus neuerer Forschung die zeigen, dass es unterschiedliche „Inputs“ gibt, die entweder das Wachstum anregen (ON) oder abschwächen (OFF).

Ergebnisse der optischen Kohärenztomographie

Bildgebende Verfahren wie die optische Kohärenztomographie (OCT) zeigen, dass die Aderhaut (Choroidea) schrumpft oder wächst, je nachdem welche Kontraste das Auge gerade wahrzunehmen hat. In einer Stunde ließ sich ein Rückgang der Aderhaut um 16 Mikrometer (µm) feststellen, wenn die Probanden eine Stunde lang schwarzen Text auf weißem Hintergrund lasen. Tatsächlich bewirkte weißer Text auf schwarzem Hintergrund das Gegenteil. In ebenfalls einer Stunde wuchs die Aderhaut um 10 µm.

Nun kann eine dickere Aderhaut dazu beitragen, dass das Auge länger in Form gehalten wird und weniger wächst. Ein „Dark Mode“ kann also der Kurzsichtigkeit vorbeugen.

Starke Kontraste vermeiden

Doch die Antwort ist nicht so einfach, denn es gibt ergänzende Studien – auch aus der Vergangenheit –, die zeigen, dass vor allem die stärksten Kontraste am meisten Einfluss haben. Wenn Sie das Thema interessiert, finden Sie auf Quora eine interessante Diskussion mit weiteren Anhaltspunkten.

Vielleicht öffnen Sie einmal die Kindle-App oder Apples iBooks. Beide bieten Alternativen zum Standard an, bei denen das digitale „Papier“ nicht weiß, sondern grau oder gelb (Sepia) gefärbt wird.

Apple interessiert sich für die Wissenschaft

Erinnern Sie sich noch an die Präsentation der EarPods? Apple wies die Öffentlichkeit darauf hin, wie viel Aufwand das Unternehmen betrieb, um mit wissenschaftlichen Methoden dasjenige Modell ausfindig zu machen, das möglichst vielen Menschen besonders gut im Ohr liegt.

Apple hörte aber auch auf die Forschung, als es den „Night Shift“-Modus nach und nach erst auf iPhones und iPads und später dann auf dem Mac anbot. Dieser filtert blaues Licht, das uns länger wach hält, aber vor allem auch das Auge. Genau diese blauen Lichtanteile sollen laut einigen Wissenschaftlern ebenfalls Auswirkungen auf die Kurzsichtigkeit haben.

Darum wagt Apple keinen völlig schwarzen Dark Mode

Meines Erachtens nach wagt Apple auch deshalb keinen komplett schwarzen Dark Mode, weil es solche Erkenntnisse berücksichtigt. Zugegeben, das klingt jetzt plausibel.

Aber die technische Begründung, dass OLED-Displays deutlich besser Schwarz anzeigen können als LCD-Displays ist damit noch nicht vom Tisch.

Ob Sie nun meiner These Glauben schenken oder nicht. In jedem Fall hoffe ich, dass Sie diesen Beitrag zumindest halbwegs interessant fanden, so wie ich als Brillenträger die Beschäftigung mit der Kurzsichtigkeit immer mal wieder spannend finde.