Blick zurück: Apple Park – Steve Jobs’ letzte Vision
Das Jahr 2026 feiert für Apples zweiten Firmencampus gleich mehrere Jubiläen. Steve Jobs präsentierte vor zwanzig Jahren erstmals dem Stadtrat von Cupertino die Pläne für ein neues Firmengelände. Vor fünfzehn Jahren zeigte er dann bei seinem letzten öffentlichen Auftritt konkrete Ideen zum Bauvorhaben. Und im Jahr 2017 eröffnete der Apple Park dann erstmals seine Türen und Tore für die eigenen Mitarbeiter und die staunende Öffentlichkeit. Dabei begann alles sehr bescheiden.
Die Planung
Das erste Zeichen für ein neues Firmengelände setzte Steve Jobs persönlich im Rahmen einer Stadtratssitzung von Cupertino. Am 18. April 2006 nutzte Jobs den Teil der Sitzung, der für öffentliche Anhörungen reserviert war. Seine drei Minuten Redezeit füllte er mit einer simplen und fast schon bescheidenen Neuigkeit: Apple sei auf der Suche nach Grundstücken für ein zweites Firmengelände fündig geworden. Da Apples Expansion auch eine Expansion der Belegschaft bedeutete, wollte man sich nicht weiterhin in verschiedenen Büros im Stadtgebiet von Cupertino zerstreuen, sondern künftig auf einem zweiten Campus arbeiten. Dazu hatte Apple bereits die nötigen Grundstücke erworben. Teile davon gehörten dem ehemaligen Konkurrenten Hewlett-Packard. Jobs betonte, dass es weder konkrete Baupläne noch entsprechende Genehmigungen gäbe. Man wollte sich aber schnell an die Arbeit für das neue Firmengelände machen. Der Stadtrat applaudierte Apples Entscheidung.
In den folgenden Jahren machten sich Steve Jobs und Jony Ive an die Arbeit und entwarfen zusammen mit dem Architekten Norman Foster das konkrete Bauvorhaben. Foster war bereits bei der Planung der Glaskuppel des Deutschen Reichstages und der Millennium Bridge in London involviert.
Am 7. Juni 2011 sprach Steve Jobs erneut vor dem Stadtrat von Cupertino. Sichtlich geschwächt und nur einen Tag nach seiner letzten WWDC-Präsentation präsentierte er die konkreten Pläne und Bauvorhaben. Diese änderten sich in den fünf Jahren zwischen seinen beiden Auftritten vor dem Stadtrat. Der neue Apple-Campus sollte fortan bis zu 12.000 Mitarbeiter in einem einzigen Gebäude behausen. Jobs führte die Versammlung durch konkrete Baupläne und Konzeptentwürfe zum neuen Hauptgebäude, das er selbst liebevoll als „Raumschiff“ bezeichnete. Dieser Vortrag war Jobs’ letzter öffentlicher Auftritt vor seinem Tod im Oktober 2011. Den Baubeginn im Jahr 2014 und die Fertigstellung im Jahr 2017 sollte er selbst nicht mehr miterleben. Und dennoch ist der Apple-Mitbegründer über seinen Tod hinaus für immer mit dem Firmengelände verbunden.
Das Gelände und die Gebäude
Steve Jobs’ Traum von einem einmaligen Firmencampus ist in Erfüllung gegangen. Das Hauptgebäude besticht durch seine kreisrunde Form mit gebogenen Fensterfassaden sowie vier Stockwerken oberhalb und drei Stockwerken unterhalb der Erde. Apple hat seine Erfahrungen im Bau der eigenen Apple Stores sichtbar eingebracht und umgesetzt. Ein Großteil der Parkplätze befindet sich unter der Erde und stört somit den Gesamteindruck der Landschaft nicht. Denn rund 80 Prozent des Firmengeländes bestehen aus Grünflächen. Mehr als 6.000 Bäume, darunter einige Obstbäume und überwiegend regionale Pflanzenarten, begrünen die Anlage. In der Mitte des „Raumschiffes“ befindet sich ein Innenhof inklusive künstlich angelegtem Teich und der ikonischen Regenbogenbühne, die einst von Jony Ive für die große Eröffnungsfeier aufgestellt und mittlerweile durch eine permanente Installation abgelöst wurde.
1: Apple Park Hauptgebäude
2: Steve Jobs Theater
3: Visitor Center
4: Developer Center
5: Forschung & Entwicklung
6: Wellness- & Fitness-Center
7: Observatory
8: Parkplätze
9: Wohngebäude (kein Teil des Apple Park)
Doch nicht nur Apples Hauptzentrale und viel Natur befinden sich auf dem Gelände. Ein eigenes Wellness- und Fitness-Center und extra abgesonderte Forschungsgebäude sind ebenfalls Teil von Apple Park. Sogar ein eigenes Denkmal befindet sich auf dem Gelände: Eine historische Holzscheune aus dem Jahr 1916 steht im nördlichen Teil des Geländes neben dem Fitness-Center. Apple einigte sich mit dem Stadtrat auf den Erhalt des historischen Denkmals, musste das Gebäude aber zunächst ab- und an anderer Stelle wieder aufbauen. Die Scheune wird sogar weiterhin als Abstellraum für Gartengeräte genutzt.
Weiterhin sind im Laufe der Jahre weitere Gebäude zum Apple Park hinzugekommen. Allen voran das Steve Jobs Theater. Das eigentliche Auditorium umfasst 1.000 Sitzplätze und befindet sich im Keller des Gebäudes. Die oberirdische Konstruktion zeichnet sich ebenfalls durch eine kreisrunde Glasfassade aus. Das Besondere dabei: Das Dach des Gebäudes liegt ohne weitere Betonstützen direkt auf den Fenstern auf. Das Ergebnis ist ein perfekter Panorama-Ausblick aus der Eingangshalle ohne störende Strukturen im Blickfeld.
Weitere Gebäude sind das öffentlich zugängliche Apple Park Visitor Center, das Apple Park Developer Center sowie das 2024 eröffnete Observatory. Das Apple Park Visitor Center ist wie ein Apple Store aufgebaut und verkauft exklusive Fanartikel wie T-Shirts und Tassen mit Apple-Logo. Das Apple Park Developer Center nutzt Apple nicht nur während der Entwicklungskonferenz WWDC im Sommer jedes Jahres zum Austausch mit Entwicklern. Die neueste Konstruktion ist das Observatory, südlich des Hauptgebäudes und westlich des Steve Jobs Theaters. In diesem unterirdischen Gebäude sollen Demonstrationen neuer Geräte stattfinden.
Steve Jobs’ Traum wurde wahr
Was Steve Jobs in den Jahren 2006 und 2011 bescheiden und nüchtern dem Stadtrat von Cupertino präsentierte, wurde Wirklichkeit. Die ehemaligen Betonflächen von HP verwandelte Apple mit großem Aufwand und einer Menge Sorgfalt in die neue Hauptzentrale. Jony Ive und Steve Jobs erdachten für sich und alle anderen Apple-Angestellten ein Raumschiff inmitten eines Naturparks. Unzählige Visionen konnte Apple beim Bau der neuen Anlage umsetzen. Beispielsweise setzt der Apple Campus seit 2018 komplett auf erneuerbare Energien und kann sich allein durch die installierten Solarzellen auf dem Dach zu 75 Prozent selbst mit Strom versorgen.
Dennoch gab und gibt es Kritik an Apples Hauptzentrale. Kritisiert wird zunächst die grundsätzliche Planung, die die Zersiedelung Cupertinos vorantreibe und zu stark auf die Autonutzung der Mitarbeitenden setze. Apples Perfektionismus und Individualismus verursachten Streit mit der lokalen Brandschutzbehörde. Doch das dürften alles nur kleine Randnotizen in der großen Geschichte rund um Apples neuen Campus sein. Denn mit dem Apple Park erschuf sich Steve Jobs schlussendlich sein eigenes Denkmal, das ihn nicht nur im Angesicht von Apple-Fans unsterblich machte.

Das Hauptgebäude im Apple Park besticht sofort durch seine runde Form. Erst auf den zweiten Blick fällt dabei auf, dass dies ebenfalls auf die komplette Glasfassade zutrifft. Jedes einzelne Außenfenster ist gebogen. Um diese ungewöhnliche Konstruktion umzusetzen, musste Apple nach Augsburg reisen. Die dort ansässige „Seele GmbH“ kümmerte sich zuvor schon um Apples Glaswürfel an der New Yorker Fifth Avenue, dem Apple-Flagship-Store. Doch zu viel Glas kann auch zu Problemen führen: In den Anfangstagen des neuen Apple-Hauptquartiers sind Berichten zufolge mehrere Mitarbeiter unbeabsichtigt gegen Glaswände und -türen gelaufen und mussten teilweise sogar notärztlich versorgt werden.

Für Christian Steiner, derzeit in Wuppertal lebend, ist Apple-Geschichte kein Nostalgietrip, sondern Aufklärungsarbeit. In seiner Rubrik „Ein Blick zurück“ bei der Mac Life nimmt er die wichtigen Momente aus Apples Unternehmensgeschichte unter die Lupe, ordnet sie ein und erklärt, warum sie bis heute nachwirken. Als junger Familienvater interessiert ihn dabei auch, wie Apple-Produkte das Familienleben verbessern können.










