Apple erwägt offenbar, seine Chip-Fertigung breiter aufzustellen und nicht mehr ausschließlich auf TSMC zu setzen. Laut einem aktuellen Bericht von Bloomberg befinden sich Intel und Samsung im Gespräch, künftig Teile der Chip-Produktion für Apple-Geräte zu übernehmen. Diese Entwicklung würde eine jahrelange Exklusiv-Partnerschaft beenden und könnte weitreichende Folgen für Apples Lieferkette haben.
- Apple führt frühe Gespräche mit Intel und evaluiert Samsung-Produktionsstätten für künftige Chip-Fertigung.
- Intel könnte ab 2027 Low-End-Chips für iPhone, Mac und iPad produzieren, während Samsung Kamerasensoren in Texas fertigen soll.
- Die Diversifizierung erfolgt wegen steigender TSMC-Kosten und zunehmendem Wettbewerb durch KI-Unternehmen wie Nvidia.
TSMC verliert seine Sonderstellung
Seit 2016 war TSMC der alleinige Hersteller von Apples System-on-a-Chip-Lösungen – eine Dekade der engen Zusammenarbeit, die nun zu Ende gehen könnte. Bloomberg berichtet, dass Apple in frühen Gesprächen mit Intel steht und gleichzeitig Produktionsstätten von Samsung Electronics evaluiert. Der Grund für diese strategische Neuausrichtung liegt auf der Hand: Apple will sein Risiko streuen und sich unabhängiger von einem einzelnen Zulieferer machen.
Die Motivation dahinter ist nachvollziehbar. TSMC bedient mittlerweile eine wachsende Zahl von Kunden aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz, darunter Nvidia, das Apple bereits als größten TSMC-Kunden abgelöst haben soll. Diese verschärfte Konkurrenzsituation um Fertigungskapazitäten macht eine Diversifizierung für Apple zunehmend attraktiv.
Intel als möglicher Partner für Low-End-Prozessoren
Ein System-on-a-Chip vereint alle wichtigen Komponenten eines Computers auf einem einzigen Chip – Prozessor, Grafikeinheit, Speicher-Controller und mehr. Apples M-Serie und A-Serie sind solche SoCs, die für hohe Leistung bei geringem Stromverbrauch optimiert sind. Die Fertigung dieser komplexen Chips erfordert modernste Technologie, die derzeit nur wenige Unternehmen weltweit beherrschen.
Besonders interessant sind die Gerüchte rund um Intel. Analyst Jeff Pu von GF Securities geht davon aus, dass Intel bereits ab 2027 oder 2028 mit der Fertigung von Apple-Chips beginnen könnte – zunächst für günstigere iPhone-Modelle. Die Rede ist von A21- oder A22-Chips, die in künftigen Nicht-Pro-iPhones zum Einsatz kommen könnten. Auch für Mac- und iPad-Modelle könnte Intel eine Rolle spielen, speziell bei den Einstiegs-Versionen der M-Serie.
Wichtig ist dabei: Intel würde die Chips nicht selbst entwerfen, sondern lediglich fertigen. Die Architektur und das Design bleiben fest in Apples Hand – ein fundamentaler Unterschied zur früheren Zusammenarbeit, als Intel-Macs auf von Intel entwickelten x86-Prozessoren basierten. Apple hat sich 2020 von Intel-Prozessoren in Macs verabschiedet und setzt seitdem konsequent auf die eigene Apple-Silicon-Technologie.
Für die Fertigung würde Intel voraussichtlich seine 18A-Prozesstechnologie einsetzen, die als frühester verfügbarer Sub-2-Nanometer-Fertigungsknoten in Nordamerika gilt. Dies würde nicht nur Apples Lieferkette diversifizieren, sondern auch der Trump-Administration entgegenkommen, die verstärkt auf heimische Produktion setzt.
Auch für Samsung ein Gewinn
Die Koreaner hätten Apple ebenfalls gerne als Kunden für die Auftragsfertigung von Chips gewonnen. Es würde gleichzeitig dem Markt ein Zeichen senden, dass Samsung noch immer bei fortschrittlichen Fertigungstechniken mitspielen kann – wenngleich TSMC bereits seit Jahren die modernere Technik im Angebot hat.
Allerdings sind die Gespräche noch in einem frühen Stadium, wie Bloomberg berichtet. Momentan seien noch keine Aufträge erteilt worden. Innerhalb Apples gibt es zudem Bedenken, ob ein anderer Fertigungspartner als TSMC die hohen Anforderungen erfüllen könne. Der Ausgang ist also ungewiss, und bei TSMC zu bleiben und auf Besserung zu hoffen, ist immer noch eine valide Option, so der Bericht.
Steigende Kosten setzen Apple unter Druck
Die Diversifizierung der Lieferkette kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. TSMC hat Apple und andere Kunden bereits über Preiserhöhungen im Bereich von acht bis zehn Prozent für fortschrittliche Fertigungsprozesse unter fünf Nanometer informiert. Besonders drastisch sind die Kostensteigerungen bei der neuen Zwei-Nanometer-Technologie, die für den A20-Chip im kommenden iPhone 18 vorgesehen ist.
Laut Berichten könnte der A20-Chip mindestens 50 Prozent teurer werden als aktuelle Drei-Nanometer-Prozessoren. Branchenquellen sprechen von Stückpreisen um 280 US-Dollar für Flaggschiff-Chips in Zwei-Nanometer-Fertigung – eine erhebliche Kostensteigerung, die entweder Apples Margen belasten oder zu höheren Verkaufspreisen führen könnte.
Hinzu kommt der zunehmende Wettbewerb um Speicherchips. Samsung und SK Hynix haben genug Marktmacht gewonnen, um höhere Preise für RAM-Chips durchzusetzen. Apple-Chef Tim Cook räumte in einem Earnings Call ein, dass steigende Speicherpreise zwar bislang nur minimale Auswirkungen auf die Bruttomarge hatten, im laufenden Quartal aber stärker zu Buche schlagen werden.
Geopolitische Faktoren spielen eine Rolle
Die geplante Zusammenarbeit mit Intel und Samsung fügt sich in Apples breitere Strategie ein, die Produktion stärker in die USA zu verlagern. Das Unternehmen hat ein 600-Milliarden-US-Dollar-Programm für amerikanische Fertigung angekündigt, von dem 400 Millionen US-Dollar an neue Partner wie TDK, Bosch, Cirrus Logic und Qnity Electronics fließen sollen.
Diese Partner sollen verschiedene iPhone-Komponenten in den USA herstellen, darunter TMR-Sensoren, integrierte Schaltkreise für Bosch-Sensoren und Halbleitertechnologien für Face ID. Die verstärkte US-Produktion entspricht den Forderungen der Trump-Administration nach mehr heimischer Fertigung und könnte Apple helfen, mögliche Zölle zu umgehen.
Gleichzeitig plant Apple, die iPhone-Produktion in Indien massiv auszubauen. Bis Ende 2026 sollen alle für den US-Markt bestimmten iPhones in Indien gefertigt werden – eine Verdopplung der dortigen Produktionskapazität. Dies ist Teil von Apples Strategie, die Abhängigkeit von China zu reduzieren, wo derzeit noch der Großteil der iPhones hergestellt wird.
Unsichere Zukunft für die TSMC-Partnerschaft
Trotz der Diversifizierungsbemühungen bleibt TSMC vorerst Apples wichtigster Chip-Hersteller. Die langjährige Partnerschaft hat beiden Unternehmen zu ihrer heutigen Marktposition verholfen. Apple finanzierte über Jahre hinweg die Entwicklung neuer Fertigungsprozesse bei TSMC und machte den taiwanischen Konzern zum weltweit führenden Auftragsfertiger für Halbleiter.
Doch der rasante Aufstieg der KI-Industrie verändert die Machtverhältnisse. Nvidia und andere KI-Unternehmen sind mittlerweile in der Lage, ähnlich große Mengen an Fertigungskapazität zu beanspruchen wie Apple. Laut SemiAnalysis ist Apples Anteil an der Frühproduktion neuer Fertigungsknoten bereits gesunken – ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen nicht mehr die gleiche Sonderstellung genießt wie noch vor wenigen Jahren.
Eine spannende Situation. Einerseits hat TSMC das beste Produkt, andererseits sind dem Auftragsfertiger andere Kunden wichtiger geworden. Ein Wechsel auf Intel oder Samsung könnte auch ein Downgrade in der Fertigungstechnologie bedeuten – und damit alle möglichen anderen Nebenwirkungen mit sich bringen.
Allerdings stellt sich mir die Frage, ob speziell Samsung in der derzeitigen Situation solch eine große Hilfe ist: Neben den Grafik-Chips für Nvidia sind es vor allem Speicherchips, die derzeit knapp sind – und die stellt Samsung auch her, ist potenziell also kein besserer Partner als beispielsweise Micron oder SK Hynix.







