iPromise
Wohlwollender Aufpasser: Aufmerksamkeit ist eine endliche Ressource. Das merkt jeder, der sich eine Aufgabe vornimmt und zehn Minuten später in einem Dickicht aus Tabs und Benachrichtigungen wiederfindet. Klassische Fokus-Apps sperren Programme oder lassen einen Timer ticken, verstehen aber nicht, woran gerade gearbeitet wird.
iPromise vom Studio Zenbox geht einen anderen Weg: Man verspricht der App, was man fertigstellen möchte, und ein KI-„Fokus-Buddy“ beobachtet anschließend den Bildschirmzustand in Echtzeit. Driftet man ab oder verzettelt sich im Multitasking, meldet sich der Begleiter und führt sanft zur ursprünglichen Aufgabe zurück. Dahinter steht das aus der Psychologie bekannte Prinzip des „Body Doublings“, also das konzentriertere Arbeiten in Gegenwart einer anderen Person – hier nur ohne den damit sonst verbundenen sozialen Druck. Nach jeder Sitzung erstellt iPromise eine Zusammenfassung und lernt mit der Zeit, wie sein Gegenüber arbeitet.
Die App ist nativ für den Mac gebaut, integriert sich in die Notch oder schwebt frei auf dem Schreibtisch und lässt sich vollständig per Tastatur steuern. Wer Wert auf Privatsphäre legt, wird sich freuen: Es ist kein Benutzerkonto nötig, Aktivitäts-Screenshots bleiben lokal, und für die KI-Funktionen bringt man seinen eigenen API-Schlüssel von Gemini oder OpenAI mit. Eine charmante Eigenheit ist der Tonfall der Anwendung, die nicht mahnt, sondern begleitet.
Fazit: Kein stumpfer App-Blocker, sondern ein aufmerksamer Begleiter durch tägliche Aufgaben – erfreulich unaufdringlich, erstaunlich effektiv.
Slapss

Der Termin-Wecker: Termine haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie finden statt, ob man an sie denkt oder nicht. Die Erinnerung, die fünf Minuten vorher dezent in der Ecke aufpoppt und ebenso dezent wieder verschwindet, während man konzentriert tippt, hat schon manche Videokonferenz als Soloveranstaltung stattfinden lassen. Genau hier setzt Slapss von Entwickler Can Cetin an. Die App lebt in der Menüleiste, überwacht den Kalender und blendet zur richtigen Zeit einen Vollbild-Alarm ein, den man schlicht nicht übersehen kann. Unterstützt werden die macOS-Kalender mit iCloud, Google sowie Microsoft 365 ohne weitere Einrichtung. Die Vorlaufzeit lässt sich zwischen einer und 30 Minuten festlegen, per Tastendruck tritt man Konferenzen in Zoom, Teams, Google Meet oder WebEx direkt bei – und wer noch zwei Minuten braucht, nutzt die Schlummerfunktion. Die App erfasst nach Angaben des Entwicklers keine Daten, belegt nur wenig Speicher und ist vollständig kostenlos, ohne künstlich beschnittenen Funktionsumfang.

Gute Software muss nicht aus dem Silicon Valley kommen. Diese Apps aus dem deutschsprachigen Raum zeigen, wie viel Substanz in der hiesigen Entwicklerszene steckt – vom Grafikdesign über das Diktat bis zur Rechnung.
Logoist 6
Kinderleicht Logos entwerfen: Aus Mainz kommt mit Logoist 6 die neue Generation einer vielfach ausgezeichneten Design-App von Synium Software. Das Grundprinzip ist seit jeher angenehm zugänglich: Aus einfachen Formen entstehen komplexe Gebilde, die sich mit Farbverläufen, Effekten und Generatoren für Feuer, Schnee oder Risse verfeinern lassen. Logoist richtet sich an Einsteiger wie an Profis, die aufwendige Vektorgrafiken erstellen und in Formate wie SVG, PDF oder PNG exportieren möchten. Version 6 bringt neben der vollständig überarbeiteten Oberfläche vor allem drei größere Neuerungen: den Bildgenerator VectorAI 2, der aus Textbeschreibungen sprachübergreifend Vektor- und Pixelgrafiken erzeugt, eine neue Generation des Vectorizers zur Umwandlung von Bildern in auflösungsunabhängige Vektoren sowie erstmals dreidimensionale Formen für einzelne Objekte oder ganze Gruppen. Der Einmalkauf umfasst die Versionen für Mac, iPad und iPhone.
AngelWrite
Mac, zum Diktat! Manche Gedanken sind im Kopf fertig formuliert, zerfallen dann aber beim Tippen. Nicht so mit AngelWrite: Tastenkombination halten, sprechen und der Text erscheint an der Cursor-Position, in jeder App. Interessant wird AngelWrite durch die fünf Modi, die über die reine Transkription hinausgehen. Der Original-Modus überträgt wortgetreu, andere Modi bügeln Grammatik gerade und Füllwörter weg, ohne die Tonalität anzutasten, übersetzen Deutsch direkt in professionelles Englisch oder verwandeln eine im Affekt diktierte Nachricht in eine sachliche Formulierung. Beim Datenschutz hat man die Wahl zwischen lokaler Verarbeitung und Cloud. Wer mag, hinterlegt im Advanced-Tarif einen eigenen Prompt samt API-Schlüssel von OpenAI oder Anthropic. Wer indes eine kostenlose Diktatlösung sucht, ist mit MacWhisper besser bedient: Die Basisversion kommt mit systemweiter Diktierfunktion auf Grundlage des Whisper-Modells von OpenAI.
Preis: kostenfrei (In-App-Käufe möglich)
Web: angelwrite.app
SWawi easy
Günstiger Rechnungen schreiben: Genervt vom Abo-Zwang überladener Rechnungssoftware hat ein Einzelentwickler SWawi geschrieben. Die Prämisse ist erfrischend klar. Es gibt kein Abo, sondern einen einmaligen Kauf zum überschaubaren Preis von 25 Euro (zehn Rechnungen lassen sich kostenfrei erstellen), eine unkomplizierte Einrichtung und einen professionellen, rechtssicheren Rechnungsbeleg. Gebaut ist die App mit Swift statt mit aufgeblähtem Electron, was sich in Tempo und Schlankheit niederschlägt. Zukunftssicher zeigt sie sich beim Standard ZUGFeRD für E-Rechnungen sowie ebInterface für Österreich. Alle Daten bleiben lokal auf dem Mac, ein Cloud-Zwang besteht nicht. Zum Funktionsumfang gehören Stammdaten für Kunden und Artikel inklusive Ad-hoc-Positionen, Rechnungsbeleg und Rechnungskorrektur, eine Mehrfeldsuche bei der Erstellung sowie die manuelle Erfassung von Zahlungseingängen pro Rechnung. Ideal für Freelancer, Handwerk und Kleingewerbe.

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.
Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.
Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.


















