Alles zum neuen Apple-SmartphoneiPhone 6s und iPhone 6s Plus mit und ohne Vertrag: Details, Tests und Tipps

Nichts am neuen iPhone 6s und iPhone 6s Plus scheint neu und doch ist alles anders: In überschwänglichen Worten versteht es das Apple-Marketing, das neue iPhone 6s als das fortschrittlichste Smartphone auf dem Markt in Szene zu setzen. Doch bietet das neue Apple-Smartphone tatsächlich mehr als Verbesserungen im Detail? Das Gehäuse wird stabiler, das Display drucksensitiv und die Kameras besser. Infos, einen Testbericht, Tipps und vieles mehr finden Sie auf der Mac-Life-Themenseite zum iPhone-Modell 2015/2016.

Die Hardware

Von der neuen und auffälligen Gehäusefarbe „Roségold“ einmal abgesehen, sieht das Gehäuse auf den ersten Blick bekannt und gleich aus. Und dennoch handelt es sich um ein komplett neues Gehäuse. Denn Apple verwendet nun beim iPhone 6s eine selbstentwickelte Aluminium-Legierung mit einem härtenden Anteil von Zink und anderen Metallen. Das 7000er-Aluminium nutzte Apple erstmalig bei der Sport-Edition der Apple Watch. Seit diese im April auf den Markt kam, gab es Gerüchte über den Materialwechsel für das iPhone. Der neue Werkstoff ist nach Apple-Angaben 60 Prozent stärker als gängige Legierungen und bietet noch weitere Vorteile. Ob Apple damit ein neuerliches Bendgate verhindern kann, wird man sehen. Vor einem Jahr verbogen einige Tester das iPhone 6 Plus mit der Kraft ihrer Hände.

Ein weiteres Thema ist nach wie vor der Glasbruch. Als neues Material kommt beim iPhone-Bildschirm dasselbe gehärtete Glas wie bei der Apple-Sportuhr zum Einsatz. Es wird auf molekularer Ebene chemisch gehärtet und soll daher besser vor Schäden schützen. Das neue Glas des iPhone 6s wird wie für die Apple Watch Sport in einem speziellen doppelten Ionen-Austauschprozess hergestellt, wobei kleinere Ionen durch größere ausgetauscht werden, um eine Außenschicht zu schaffen, die deutlich widerstandsfähiger ist als gewöhnliches Glas.

(Bild: falkemedia)

Weitere Änderungen betreffen die Abmessungen und das Gewicht. Während das iPhone in den zurückliegenden Jahren beständig abnahm und dünner wurde, legen die 6s-Modelle ein bisschen zu. Das iPhone 6s bringt 143 Gramm, also 14 Gramm mehr als das iPhone 6, auf die Waage. Im direkten Vorgängervergleich sind die S-Modelle 0,1 Millimeter breiter und 0,2 Millimeter tiefer. Die Abmessungen scheinen eher unbedeutend, da man sein iPhone nur in seltenen Fällen mit dem Messschieber anfassen wird. Die Gewichtszunahme dürfte sich jedoch positiv in besserer Handhabung auswirken.

Aluminium 7000: Neue Materialien

Beim iPhone 6s verwendet Apple neue Materialien. An erster Stelle ist das Gehäuse zu nennen. Obwohl es optisch dem Vorgängermodell in der 6er-Linie ähnelt, handelt es sich doch um ein neues Gehäuse aus einem neuen Material. Zum ersten Mal verwendet Apple eine selbstentwickelte Aluminium 7000er-Legierung. Dabei handelt es sich um eine Legierung aus Aluminium mit vornehmlich Zink und weiteren Metallen. 7000er-Aluminium ist 60 Prozent stärker als gängige Legierungen und hat dabei eine Gleichmäßigkeit, die mit traditionellen Aluminium-Legierungen nur schwer zu erreichen ist. Nach Apple-Angaben werden derartige Werkstoffe in der Luftfahrt und Raumfahrt eingesetzt, sowie von Apple in der Sport-Edition der Apple Watch. Unmittelbar nach der Präsentation der Apple-Uhren wurde deutlich, dass Apple einen Weg gefunden hat, um das iPhone-Gehäuse verbessern zu können.

An zweiter Stelle ist der Bildschirm des Apple-Smartphone zu erwähnen. Denn Glasbruch ist nach wie vor ein Problem, und zwar sowohl für Apple als auch den Anwender. Das neue Glas des iPhone 6s wird wie für Apple Watch Sport in einem speziellen doppelten Ionen-Austauschprozess hergestellt, wobei kleinere Ionen durch größere ausgetauscht werden, um eine Außenschicht zu schaffen, die deutlich widerstandsfähiger ist als gewöhnliches Glas. So wird es auf molekularer Ebene chemisch gehärtet. Das neue Glas soll daher besser vor Schäden schützen. Apple verwendet ein Glas aus Aluminiumsilikat, wie es auch für die Fenster von Space Shuttles und Schnellzügen verwendet wird.

Tasten und 3D Touch

Zunächst einmal befinden sich alle Bedienelemente an den bekannten Positionen. Dies sind der Kopfhörer- und Lightning-Anschluss an der Unterseite. An der linken Seite befinden sich die Taster für die Lautstärke und der Stummschalter. Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich die Standby-Taste, die den Bildschirm verdunkelt. Bislang keine Neuigkeiten. Neu ist jedoch der neue Touch-ID-Schalter der zweiten Generation. Der in die Hometaste integrierte Fingerabdrucksensor soll Fingerabdrücke seiner Nutzer jetzt noch zuverlässiger und schneller erkennen als zuvor.

Eine weitere Neuerung betrifft den Bildschirm. Das Retina-HD-Display ist mit neuen Multitouch-Sensoren ausgestattet, die Apple als 3D Touch und als Multi-Touch der nächsten Generation bezeichnet. Zusätzlich zu den bekannten Multi-Touch-Gesten wie Tippen, Streichen und Auf- und Zuziehen bringt 3D Touch auch ganz neue Gesten: Peek und Pop. Das iPhone bekommt so eine völlig neue Dimension der Funktionalität, die von haptischem Feedback unterstützt wird. Im Display messen kapazitive Sensoren mikroskopische Veränderungen des Abstands zwischen Glasabdeckung und Hintergrund-Beleuchtung. Das Betriebssystem iOS 9 setzt diese Informationen in Befehle um und kann mittels eines kräftigeren Druck auf ein App-Icon ein Kontext-Menü mit den wichtigen Programmfunktionen erscheinen lassen. Oder die Vorschau einer E-Mail öffnen und nach noch stärkerem Druck eine Antwort auf diese Nachricht erstellen. 3D Touch unterstützt auf jeden Fall die Bedienung mit einer Hand. Sogenannte Quick Actions bieten gängige Befehle als Kontext-Menü an. Auf Fingerdruck schaltet die virtuelle Tastatur um in den Trackpad-Modus. Funktionen wie der Programmumschalter profitieren vom 3D Touch – und nicht zuletzt nutzen Zeichen-Apps die neuen kreativen Möglichkeiten der drucksensitiven Eingabe. Zudem werden sich Spieleentwickler dankbar auf 3D Touch stürzen. Ein kräftiger Druck beschleunigt das Spielgeschehen oder wechselt Waffen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Die neue Kamera

Die Hauptkamera steht immer noch aus dem Gehäuse hervor, aber sie hat jetzt einen 12-Megapixel-Sensor. Dabei handelt es sich um einen neuen rückwärtig belichteten Sensor mit mehr Pixeln, optimiertem Tone-Mapping und verbesserter Rauschunterdrückung. Die optische Bildstabilisierung bleibt nach wie vor dem iPhone 6s Plus vorbehalten. Dort arbeitet sie jetzt auch im Video-Modus und unterstützt die Aufnahme von 4k-Video (3840 x 2160 Pixel mit 30 fps), die auch mit dem iPhone 6s möglich ist. Während der Aufnahme oder Wiedergabe von 4K-Video, kann man in diese Bilder hineinzoomen. Für den Videoschnitt wird Apple die iMovie-App aktualisieren. Mit ein paar Fingertipps lassen sich Videos in 4K-Auflösung bei YouTube hochladen. Zeitlupenvideo in 1080p mit 120 fps oder 720p mit 240 fps erweitern die kreativen Möglichkeiten.

Für Standbilder gibt es eine Neuheit namens Live Photo. Dieser Modus ist voreingestellt. Die Kamera speichert automatisch 1,5 Sekunden vor und nach der Aufnahme als animierte Sequenz ab. Um den Moment der Aufnahme anzuschauen, genügt ein Force Touch auf das Bild. Diese zusätzlichen Daten für Bewegung und Ton verdoppelt jedoch den Speicherbedarf. Unter Wahrung der Privatsphäre werden Live-Photo-Daten erst gespeichert, wenn der Auslöser gedrückt wird, verspricht Apple.

Die zweite Kamera wird ebenfalls und endlich verbessert. Als FaceTime-Kamera steht nun eine 5 Megapixel-Selfie-Kamera zur Verfügung. Als Besonderheit nutzt sie den iPhone-Bildschirm als Blitz, indem die Helligkeit blitzschnell verdreifacht wird.

Prozessoren und Power

Im Jahrestakt entwickelt Apple einen neuen Prozessor für das iPhone. Der neue A9-Chip bringt die Leistung des iPhone 6s auf eine neue Stufe. In der dritten Generation der 64-Bit-Architektur verbessert Apple die CPU-Leistung um bis zu 70 Prozent und die Grafikleistung steigt im Vergleich zum A8-Chip im iPhone 6 sogar um 90 Prozent. Für mehr Effizienz ist der M9-Motion-Coprozessor nun direkt in den A9-Chip integriert. Zusammen mit dem Beschleunigungssensor, Kompass, Gyrosensor und Barometer ermöglicht der M9 eine Vielzahl von Fitness-Tracking-Features. Durch die Integration kann aber auch die Siri-Sprachassistenz immer im Hintergrund laufen und auf den Befehl „Hey Siri“ warten.

Voice over LTE gibt es seit dem vergangenen Jahr. Jetzt hält mit LTE Advanced eine weitere Neuerung Einzug in die iPhone-Familie. Über LTE Advanced werden bis zu 300 Mbit/s und 23 LTE-Frequenzbänder unterstützt, wenn der Mobilfunkanbieter entsprechend ausgerüstet ist. Zur Kommunikation mit der Außenwelt sind auch WLAN 802.11ac mit MIMO (866 Mbit/s) und das verbesserte Bluetooth 4.2 eingebaut.

Bei so viel moderner Technik wirkt es „altbacken, dass Apple meint, man könne mit 16 Gigabyte Speicher auskommen. Uns erscheint diese Konfiguration grenzwertig. Sie dient einzig dem Zweck, die Kunden zur Anschaffung der 64 Gigabyte-Version zu bewegen. Da gleichzeitig ein zum US-Dollar geschwächter Euro zur Preiserhöhung von 40 Euro bis 70 Euro geführt hat und zudem sogar die Apple-Care-Versicherung für das iPhone 6s deutlich verteuert wurde, fühlt man sich in Europa als Kunde zweiter Klasse. Nicht bei der Vorstellung erwähnt, aber inzwischen in der Entwicklungsumgebung Xcode bestätigt, verdoppelt Apple immerhin den Arbeitsspeicher beim iPhone 6s auf 2 GB RAM.

Fazit

In den USA bleiben die iPhone-Preise auf Vorjahres-Niveau. Dort hilft zudem ein neues Vertriebsmodell namens „iPhone Upgrade Program“, stets das aktuelle iPhone in den Händen zu halten. In Deutschland sind vergleichbare Endgeräte-Optionen bei den Mobilfunk-Providern erhältlich und entsprechend in die monatlichen Raten für das Telefon eingepreist.

Abgesehen von den neuen Preispunkten vermögen iPhone 6s und iPhone 6s Plus in allen Disziplinen zu überzeugen. Das iPhone dringt leistungsmäßig in den Desktop-Klasse vor und bietet sich als Upgrade von allen vorherigen iPhone-Modellen einschließlich des iPhone 6 an. Die beständig aktive Siri-Sprachassistenz wird sich im Alltag beweisen müssen. Die 12 Megapixel-Kamera ist schon beeindruckend. Von der verbesserten Kamera profitieren auch Panoramaaufnahmen. Mit bis zu 63 Megapixeln können Panoramas aufgenommen werden. Beim iPhone 6 lag die Grenze bei 43 Megapixeln.

Das stärkste Argument für das iPhone 6s ist jedoch das stabilere Display mit besonders gehärtetem X-Ion-Glas, das zugleich über 3D Touch und mit haptischem Feedback noch empfindlicher wird und mit iOS 9 neue, intuitive und produktive Arbeitsabläufe ermöglichen wird.

Kommentar

Apple kann es sich beim iPhone alles erlauben. Sogar ein hochtrabendes „Roségold“, das je nach Tagesform als schwaches Rot oder als „Grumpy Pink“ durchgeht. Viele halten diese Farbe für einen Fehler. Ich halte sie für ein Feature. Und das neue iPhone 6s steckt voller neuer Funktionen, auf die Apple den Anwender zum Teil ganz schön lang hat warten lassen. Überfällig waren das Arbeitsspeicher-Upgrade, das Kamera-Upgrade und das Selfie-Cam-Upgrade. Die Foto-Fähigkeiten machen einen großen Satz nach vorne. Live-Fotos sind einfach genial, weil man über den Fotostream nicht nur ein Bild, sondern eine Emotion teilen kann. Wahrscheinlich sieht man Live-Fotos nur mit iOS 9, dennoch handelt es sich um eine tolle Funktion. Ein anderes Feature ist das Force-Touch-Display mit Taptic-Engine und haptischen Feedback. Komplizierte Technik, aber einfacher Nutzen: Multi-Touch erreicht damit die nächste Stufe. Die neuen Handgriffe und Fingerübungen werden schnell in Fleisch und Blut übergehen. Ich bin mir sicher: Mit dem iPhone 6s sieht Apple rosigen Zeiten entgegen, weil Rosa inzwischen eine Uni-Sex-Farbe ist. Als modisches Statement kann man nur in rosé zeigen, dass man das neue neue iPhone sein Eigen nennt. Apple kann es sich erlauben.

Matthias Parthesius

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