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Handarbeit aus Leipzig

OpenPaper L im Test: quelloffener E-Ink-Bilderrahmen

Mit dem OpenPaper 7 hat ein junges Team aus Leipzig gezeigt, dass ein digitaler Bilderrahmen nicht wie ein Monitor aussehen muss. Der OpenPaper L bringt dieselbe Idee auf 13,3 Zoll – und dazu eine Software, die im vergangenen Jahr kräftig gewachsen ist.

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Als wir vor gut einem Jahr den OpenPaper 7 getestet haben, war das Modell aus Leipzig eine kleine Überraschung: ein digitaler Bilderrahmen, den man auf zwei Meter Entfernung nicht als solchen erkennt, weil das E-Ink-Display eben nicht leuchtet. Schon damals kündigte Entwickler Robert Gühne im Podcast ein größeres Modell an – ein 13-Zöller. „Das wird vom Prinzip her dasselbe Panel sein wie beim Reflection Frame.“ Genau dieses Gerät steht nun vor uns. Es heißt OpenPaper L, kostet 339 Euro und ist in fast jeder Hinsicht das reifere Produkt.

Sommer-Angebot

In größer noch schöner

Der erste Eindruck ist schlicht: Der OpenPaper L sieht aus wie ein Bilderrahmen. Punkt. Der Echtholzrahmen misst rund 40 mal 32 Zentimeter bei drei Zentimetern Tiefe, das weiße Passepartout gibt dem Bild Luft, und hinter dem Glas sitzt eine sichtbare Displayfläche von 20 mal 26,8 Zentimetern. Das entspricht ganz grob DIN A4 – ein Format, das im Regal oder an der Wand deutlich mehr Präsenz entwickelt als die postkartengroße Fläche des kleinen Bruders.

Unser Testgerät kam in dunklem Holz, einer Variante, die im Shop noch nicht bestellbar ist. Schade eigentlich, denn gerade das dunkle Holz wirkt ausgesprochen edel und nimmt dem Rahmen den letzten Rest Bastelcharme. Wer heute bestellt, wählt zwischen Echtholz natur, Weiß und Schwarz – letztere gab es damals beim OpenPaper 7 noch nicht.

Neu ist außerdem das UV70-Museumsglas. Das klingt nach Marketing, macht in der Praxis aber einen spürbaren Unterschied: Der Rahmen darf auch mal gegenüber dem Fenster hängen, ohne dass man vor allem sich selbst darin sieht. Bei einem Display, das sein Licht ausschließlich aus der Umgebung bezieht, ist jede vermiedene Reflexion Gold wert.

Zwei Generationen nebeneinander: Links der OpenPaper 7, rechts das große Modell, dessen Museumsglas das Licht schluckt statt es zurückzuwerfen.
Zwei Generationen nebeneinander: Links der OpenPaper 7, rechts das große Modell, dessen Museumsglas das Licht schluckt statt es zurückzuwerfen. (Bild: Sven T. Möller)

Mehr Pixel, dieselbe Physik

Im Inneren arbeitet wie beim OpenPaper 7 ein Spectra-6-Display von E Ink, nun mit 13,3 Zoll Diagonale und einer Auflösung von 1.600 mal 1.200 Pixeln. Das ergibt 150 Pixel pro Inch – gegenüber 127 ppi beim kleinen Modell also nicht nur mehr Fläche, sondern auch eine feinere Darstellung. Das Dithering, das beim OpenPaper 7 aus der Nähe deutlich ins Auge fiel, tritt hier merklich zurück. Feine Strukturen in detailreichen Fotos überleben den Weg auf den Rahmen wesentlich besser.

An der grundsätzlichen Charakteristik der Technik ändert das nichts. Ein Spectra-6-Panel ist im ausgeschalteten Zustand nicht weiß, sondern grau, und auf diesem Grau baut sich das Bild auf. Farben wirken dadurch gedämpft, kräftiges Rot oder tiefes Blau bleiben eine Ansage, die das Display nur andeutet. Wer noch nie ein farbiges E-Ink-Display gesehen hat, wird im ersten Moment blass aus der Wäsche schauen – im Wortsinn. Das ist kein Vorwurf an den Rahmen, sondern schlicht der Stand der Technik. Und es ist die Kehrseite genau der Eigenschaft, die den Reiz ausmacht: Ein Bild, das nicht leuchtet, kann eben auch nicht strahlen.

Im Wohnzimmer relativiert sich das ohnehin. Neben analogen Rahmen fällt der OpenPaper L nicht auf, und aus dem üblichen Betrachtungsabstand von einem halben Meter oder mehr sieht man weder Pixel noch Dithering-Punkte. Grafiken, Illustrationen und kontrastreiche Motive kommen besonders gut, klassische Urlaubsfotos brauchen ein wenig Bildauswahl.

Das Dithering wird erst im Detail sichtbar. Ganz reflexionsfrei ist auch das Museumsglas nicht – im Alltag stört das jedoch nicht.
Das Dithering wird erst im Detail sichtbar. Ganz reflexionsfrei ist auch das Museumsglas nicht – im Alltag stört das jedoch nicht. (Bild: Sven T. Möller)

Strom ist weiterhin Nebensache

Vier AA-Batterien oder NiMH-Akkus derselben Bauform versorgen den Rahmen, alternativ läuft er dauerhaft per USB-C. Bei täglicher Aktualisierung gibt das Team rund sechs Monate Laufzeit an – ein Wert, den wir im Testzeitraum nicht abschließend prüfen konnten, der aber plausibel ist, denn Strom fließt praktisch nur beim Bildwechsel. Der dauert nach wie vor um die 15 Sekunden, in denen das Panel sichtbar flackert. Eine Diashow im Minutentakt ist damit keine Option, ein neues Motiv pro Stunde oder pro Tag dagegen genau die richtige Betriebsart.

Am Energiemanagement hat das Team seit dem OpenPaper 7 spürbar geschraubt: WiFi 6 sorgt für kürzere Funkzeiten, und die Firmware geht deutlich sparsamer mit Aufwachzyklen um. Wer den Rahmen nur alle paar Tage aktualisiert, kommt deutlich über die sechs Monate hinaus.

Funzt ooch bei Stromausfall: Hinter dem Passepartout sitzen die offen gelegte Platine und vier AA-Zellen.
Funzt ooch bei Stromausfall: Hinter dem Passepartout sitzen die offen gelegte Platine und vier AA-Zellen. (Bild: Sven T. Möller)

Die App ist erwachsen geworden

Bilder gelangen wahlweise über die App für iOS und Android oder über den Browser auf den Rahmen. Und hier zeigt sich am deutlichsten, wie viel im vergangenen Jahr passiert ist. Wer mehrere Rahmen betreibt, verwaltet sie in derselben Oberfläche, ohne umständlich das Konto zu wechseln – das funktioniert unaufgeregt und ist genauso gelöst, wie man es sich wünscht.

Der Bildeditor beherrscht neben Zuschnitt und Drehung auch Sättigung, Kontrast, Helligkeit und Klarheit sowie Texte, Formen, Sticker und QR-Codes. Hinzugekommen ist eine Kunstgalerie mit über 59.000 gemeinfreien Werken – eine Fundgrube, die überraschend gut zum Charakter des Displays passt, weil Gemälde und Grafiken dem Panel entgegenkommen. Diashows lassen sich in fester oder zufälliger Reihenfolge abspielen, das Wechselintervall bestimmen Sie selbst.

Dazu kommen die Integrationen: Google Kalender, Wetter, RSS, beliebige Webseiten, Home Assistant und der selbst gehostete Fotodienst Immich. Der Rahmen wird so bei Bedarf zum Infodisplay, das morgens den Tag zusammenfasst und abends wieder ein Foto zeigt. Charmant und ein wenig verrückt ist die Druckfunktion: Der OpenPaper L meldet sich als IPP-Drucker im Netzwerk an, sodass Sie aus Word, dem Browser oder jeder anderen App direkt aufs E-Paper „drucken“ können.

Open Source, jetzt auch ohne Wolke

Beim OpenPaper 7 hatten wir angemerkt, dass die Bilder den Umweg über einen Server nehmen. Das ist weiterhin der Standardweg, denn dort passieren Rendering und Dithering, und nur so funktionieren die Integrationen mit ihren Live-Daten. Neu ist die Alternative: Mit der optionalen Offline-Firmware läuft der Rahmen vollständig lokal, Bilder wandern per Bluetooth oder aus dem Heimnetz auf das Display. Weder Internet noch die Server aus Leipzig sind dann nötig.

Das ist mehr als eine Fußnote, es ist die konsequente Einlösung eines Versprechens. Hardware und Software sind Open Source, die Platinenpläne liegen offen, die API ist dokumentiert, und alle Komponenten sind laut Hersteller zugänglich und austauschbar. Wer eigene Integrationen bauen möchte, kann das tun; wer nur ein Gerät möchte, das auch dann noch Bilder anzeigt, wenn es die Firma einmal nicht mehr geben sollte, bekommt hier eine Zusicherung, die in dieser Produktkategorie ihresgleichen sucht.

Der OpenPaper L hängt am liebsten in Gesellschaft: Welches Bild digital ist, fällt erst auf den zweiten Blick auf.
Der OpenPaper L hängt am liebsten in Gesellschaft: Welches Bild digital ist, fällt erst auf den zweiten Blick auf. (Bild: Sven T. Möller)

Fazit

Der OpenPaper L ist der OpenPaper 7, wie er immer gemeint war: größer, feiner aufgelöst, besser verarbeitet und mit einer Software, die vom Bastelprojekt zum runden Produkt gereift ist. Die 339 Euro sind kein Pappenstiel und liegen über den rund 290 Euro, die Robert im Podcast noch in Aussicht gestellt hatte – angesichts der Displaypreise in dieser Größe und der allgemeinen Weltlage ist das aber nachvollziehbar. Der einzige echte Kritikpunkt bleibt das Panel selbst: Trotz höherer Auflösung fehlt es an Brillanz und Farbtreue. Wer das akzeptiert – und wer sich bewusst für E-Ink entscheidet, tut das ohnehin –, bekommt den derzeit sympathischsten digitalen Bilderrahmen auf dem Markt.

Testergebnis
ProduktnameOpenPaper L
HerstellerThe Wire UG
Preis339 €
Webseitewww.paperlesspaper.de
Pro
  • edles Echtholz­design, 13,3 Zoll mit 150 ppi, Museums­glas reduziert Reflexionen, umfangreiche App ­inklusive ­Kunst-
  • galerie, optionale Offline-Firmware, Open Source, lange Laufzeit, Handarbeit aus Deutschland
Contra
  • Farben bleiben technikbedingt blass, Bildwechsel dauert rund 15 Sekunden
Bewertung
1,3sehr gut