RSS-Spezial: Warum RSS wichtig ist
Die Geschichte von RSS reicht zurück in die Anfangstage des populären Internets. Damals entstanden verschiedene Ansätze für Systeme zur Verbreitung von Webinhalten. Durchgesetzt hat sich schließlich Really Simple Syndication – kurz RSS. Bereits 1999 erschien die erste Version. Dank seines offenen Standards und seiner Einfachheit konnte praktisch jede Website Inhalte als RSS-Feed veröffentlichen, die RSS-Reader anschließend auslesen und darstellen konnten.
Mit der Zeit entwickelte sich RSS zum Verteilmechanismus für nahezu jede Art von Information – von Nachrichtenüberschriften über Blogbeiträge bis hin zu Podcasts. Frühe Webportale basierten auf RSS, und rund um die Technik entstand ein ganzes Ökosystem aus Diensten und Apps. Inhalte-Anbietende und Entwickler wollten gleichermaßen von den Möglichkeiten profitieren. Nutzende konnten beliebig viele Feeds abonnieren und sicher sein, keinen neuen Artikel mehr zu verpassen – ganz ohne die Websites ständig selbst aufrufen zu müssen.
Traurige Entwicklung
Doch diese goldene Zeit hielt nicht ewig. Der kostenlose, browserbasierte Google Reader wurde so dominant, dass er den Markt für RSS-Reader praktisch im Alleingang leer fegte. Und dann machte Google das, was Google manchmal tut: Das Unternehmen stellte den Dienst kurzerhand ein – vermutlich, weil sich der Aufwand nicht mehr lohnte.
Eine treue Gemeinschaft von RSS-Fans hielt die Technik zwar am Leben, doch Mitte der 2010er-Jahre hatten soziale Netzwerke die Rolle als wichtigste Nachrichtenquelle übernommen. RSS galt plötzlich als Auslaufmodell.
Und trotzdem verschwand RSS nie ganz. Im Hintergrund sorgte es weiterhin zuverlässig dafür, dass Podcasts Millionen Menschen erreichten. Die meisten Websites schalteten ihre RSS-Feeds nie ab. Gleichzeitig begannen soziale Netzwerke ihre Nutzer zunehmend zu frustrieren, indem sie Inhalte nach den Vorgaben von Algorithmen sortierten, statt nach den Interessen der Leser. Genauigkeit und Kontrolle – zwei der größten Stärken von RSS – gingen verloren. Nach und nach entdeckten deshalb immer mehr Menschen RSS als unkomplizierte und direkte Möglichkeit wieder, Online-Inhalte zu verfolgen.
Vielleicht verwenden Sie bereits eine RSS-App – oder eine App, die RSS im Hintergrund nutzt –, ohne es überhaupt zu wissen. Nachrichten-Feeds werden häufig in andere Apps eingebunden, etwa in den Musik-Neuheiten-Tracker Music Harbor (siehe Seite 96) oder den Spiele-Organizer Gametrack.
Dann wäre da noch Mela. Mit der App speichern Sie Rezepte aus dem Internet und arbeiten sich Schritt für Schritt zum Küchenprofi vor. Gleichzeitig können Sie Rezept-Blogs abonnieren, wodurch Sie neue Gerichte deutlich einfacher entdecken. Angesichts der ausgefeilten RSS-Funktionen überrascht es kaum, dass Mela vom Entwickler des beliebten RSS-Readers Reeder stammt.

Die Vorteile von RSS sind bis heute unverändert. Die Technik gehört keinem einzelnen Unternehmen. Sie ist ein offener Standard, den Websites ebenso wie Apps nutzen können. Außerdem dominiert heute kein einzelner Anbieter den Markt. Stattdessen gibt es wieder ein lebendiges Ökosystem mit zahlreichen Apps und Diensten.
Eine richtig gute Lösung
Für Einzelpersonen macht RSS das Verfolgen von Websites besonders einfach. Zwar liefern alle RSS-Feeds ihre Inhalte chronologisch, doch wie einzelne Apps diese Informationen präsentieren, unterscheidet sich zum Teil erheblich. Speisen Sie dieselben hundert Feeds in ein Dutzend verschiedener RSS-Apps ein, erhalten Sie zwölf unterschiedliche Ergebnisse – abhängig davon, welche Idee der Entwickler verfolgt und wie viele Anpassungsmöglichkeiten die App bietet.
Das kann eine einzige große Liste mit Schlagzeilen sein, durch die Sie sich im Eiltempo arbeiten. Andere Apps unterscheiden dagegen verschiedene Inhaltstypen, sodass sich lange Artikel, kurze Beiträge oder Podcasts leichter voneinander unterscheiden lassen. Manche kombinieren Texte, Audio und Videos besonders übersichtlich und erleichtern so den Medienkonsum.
Der wichtigste Einsatzzweck von RSS bleibt allerdings die Nachrichtenverfolgung. Verbinden Sie einen RSS-Reader mit einer Website, erhalten Sie deren aktuelle Schlagzeilen automatisch, sobald Sie die App öffnen. Weil RSS jedoch auch die Grundlage vieler anderer Dienste bildet, können Sie damit ebenso Podcasts, Youtube-Videos oder Beiträge aus sozialen Netzwerken verfolgen.
RSS ist also wieder relevant – und dieses Mal ohne einen dominierenden Konzern, der den Markt kontrolliert. Für Sie ist das eine gute Nachricht, denn Sie profitieren von allen Vorteilen, die RSS schon immer geboten hat.
Es gibt viele hervorragende RSS-Apps. Unsere Auswahl beschränkt sich auf sechs Apps, die unserer Meinung nach das Beste repräsentieren, was es für Apple-Geräte gibt. Jede deckt einen eigenen Einsatzzweck ab. Viele sind kostenlos oder bieten eine Gratisversion, sodass Sie sie vor einer Entscheidung ausprobieren können. Sofern nicht anders angegeben, sind alle Apps für Mac, iPhone und iPad erhältlich.
Netnewswire
Preis: gratis
Web: netnewswire.com
Netnewswire gehört fast genauso lange zur RSS-Welt wie RSS selbst. Die aktuelle Version wirkt modern, schnell und angenehm schnörkellos. Die aufgeräumte Oberfläche rückt Inhalte in den Mittelpunkt, zahlreiche Optionen erlauben eine individuelle Anpassung.
Fiery Feeds
Preis: gratis · 9,99 Euro
Web: voidstern.net
Wer gerne an Einstellungen feilt, findet hier die passende App. Sie bietet zahlreiche Layout-Varianten, darunter eine überraschend gelungene geteilte Ansicht auf dem iPhone. Tags, Offline-Unterstützung und Schnelllinks sprechen vor allem erfahrene RSS-Nutzende an.
Unread
Unread nur als RSS-App für Design-Fans zu bezeichnen, würde ihr nicht gerecht. Zwar bietet sie zahlreiche Funktionen, doch besonders ihre elegante Oberfläche sticht hervor. Auch Audio- und Videoinhalte verarbeitet sie hervorragend. Das Abo schaltet weitere Funktionen frei.
Feeeed
Preis: gratis
Web: nateparrott.com
Feeeed ist auch komplett kostenlos, verfolgt dabei aber einen ganz anderen Ansatz als Netnewswire. Neben der freundlichen Oberfläche integriert die App Sprachlernkarten und sogar Ihre täglichen Schrittzahlen in den Feed. Diese ungewöhnliche Kombination funktioniert überraschend gut.
Reeder
Preis: gratis · 10 Euro/Jahr
Web: reeder.app
Der ursprüngliche Reeder – heute als Reeder Classic erhältlich – war ein klassischer RSS-Reader. Der Nachfolger versteht sich dagegen als zentrale Anlaufstelle für sämtliche Inhalte. Er bündelt RSS-Feeds, Podcasts, Videos, soziale Netzwerke und „Später lesen“-Dienste in einer gemeinsamen Timeline.
Current Reader
Preis: 9,99 Euro
Web: currentreader.app
Current Reader verwandelt Ihren Feed in einen fortlaufenden Strom aus Artikeln. Sie bestimmen selbst, wie lange Inhalte sichtbar bleiben. Weil die App auf „Ungelesen“-Markierungen verzichtet und stattdessen auf einen natürlichen Lesefluss setzt, fühlt sich RSS hier deutlich entspannter an.
RSS-Spezial
Dieser Artikel ist Teil unserer Artikel-Serie „RSS-Spezial“. Hier finden Sie weitere Artikel der Serie:
- Lang lebe der Feed!
- Warum RSS wichtig ist
- RSS optimal nutzen

Wenn jemand bei der Mac Life Ordnung ins Chaos bringt, dann ist es Sven T. Möller – und das gleich in doppelter Hinsicht. Als Layouter gibt er jeder Ausgabe ihre unverwechselbare Gestalt, als Redakteur sorgt er dafür, dass Apple-Themen mit der nötigen Tiefe behandelt werden. Sven ist seit Mitte der 2000er Jahre an Bord und damit eines der echten Urgesteine des Teams. Smarthome beschäftigt ihn als Eigenheimbesitzer mit besonderer Ernsthaftigkeit – und gelegentlich auch Frustration. Außerdem ist er mit Leidenschaft Musikhörer, wobei „hören“ bei Sven gerne auch als „beschallen“ interpretiert werden darf: Tests etwa für Bluetooth-Lautsprecher verantwortet er, frei nach dem Motto „je größer und lauter, desto besser“. Sven ist Mitbegründer und Co-Host des Apple-Podcasts Schleifenquadrat.
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