Die Spekulationen um die Zukunft von Tim Cook als Apple-CEO haben in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen. Nachdem der langjährige Unternehmenslenker im November 65 Jahre alt wurde – ein übliches Rentenalter in den USA – mehren sich die Berichte über eine mögliche Nachfolgeregelung. Doch die Einschätzungen verschiedener Quellen gehen dabei weit auseinander.
- Die Financial Times berichtet, Tim Cook könnte bereits Anfang 2026 als Apple-CEO zurücktreten, doch Bloomberg-Journalist Mark Gurman hält dies für unwahrscheinlich.
- John Ternus, Senior Vice President of Hardware Engineering, gilt als wahrscheinlichster Nachfolger und erhielt Ende 2025 zusätzlich die Aufsicht über Apples Designteams.
- Cook könnte nach seinem Rücktritt als CEO Vorstandsvorsitzender werden und den 75-jährigen Arthur Levinson ablösen, der die Altersgrenze erreicht hat.
Widersprüchliche Berichte zur Nachfolge
Im November berichtete die Financial Times, dass Apple die Vorbereitungen für Cooks Rücktritt intensiviert habe und dieser bereits Anfang 2026 erfolgen könnte. Die Zeitung sprach von Quellen, die behaupteten, der Vorstand und die Führungsebene hätten ihre Planungen für eine Übergabe „kürzlich intensiviert“. Eine Ankündigung früh im Jahr würde einen reibungslosen Übergang vor der Worldwide Developers Conference im Juni und der iPhone-Präsentation im September ermöglichen.
Bloomberg-Journalist Mark Gurman widersprach dieser Darstellung jedoch vehement. In seinem Newsletter „Power On“ bezeichnete er den Zeitrahmen als „unwahrscheinlich“ und die Berichterstattung der Financial Times sogar als „einfach falsch“. Gurman betonte, es gebe „kaum interne Anzeichen“ dafür, dass Cook in naher Zukunft zurücktrete. Er wäre „schockiert“, wenn Cook zwischen Ende Januar und Juni 2026 seinen Posten aufgeben würde.
Die CEO-Nachfolge beschreibt den Prozess, bei dem ein Unternehmen die Übergabe der obersten Führungsposition plant und durchführt. Besonders bei großen Konzernen wie Apple ist dies ein strategisch wichtiger Vorgang, der sorgfältig geplant werden muss, um Kontinuität zu gewährleisten. Üblicherweise bevorzugen Unternehmen interne Kandidaten, die bereits mit der Unternehmenskultur und den Geschäftsprozessen vertraut sind.
John Ternus als wahrscheinlichster Nachfolger
Trotz der unterschiedlichen Einschätzungen zum Zeitpunkt herrscht Einigkeit darüber, wer Cook nachfolgen könnte: John Ternus, Apples Senior Vice President of Hardware Engineering. Der 50-jährige Manager, der seit 2001 bei Apple arbeitet, gilt als führender Kandidat für die CEO-Position. Seine Rolle wurde Ende 2025 weiter gestärkt, als Cook ihm die Aufsicht über Apples Designteams übertrug – ein Schritt, den Gurman als „kristallklar“ für Ternus’ Status als Spitzenkandidat bezeichnete.
Ternus gehört zu den jüngeren Führungskräften bei Apple und könnte potenziell eine lange Amtszeit als CEO vor sich haben. Seine Ernennung würde Apples Tradition entsprechen, interne Kandidaten für Spitzenpositionen zu bevorzugen. Cook selbst hatte in der Vergangenheit betont, dass das Unternehmen „sehr detaillierte Nachfolgepläne“ habe.
Mögliche Rolle als Vorstandsvorsitzender
Eine interessante Wendung könnte Cooks Zukunft nach seinem Rücktritt als CEO nehmen. Der aktuelle Vorstandsvorsitzende Arthur Levinson ist 75 Jahre alt und hat damit die Altersgrenze erreicht, die Apple für seine Vorstandsmitglieder vorsieht. Nach den Unternehmensrichtlinien dürfen Direktoren in der Regel nicht mehr zur Wiederwahl antreten, wenn sie 75 Jahre alt sind.
Dies könnte den Weg für Cook ebnen, Levinson als Vorstandsvorsitzenden zu beerben. Mit 65 Jahren könnte Cook diese Position für bis zu ein Jahrzehnt ausüben, bevor die Altersgrenze auch für ihn greift. Dabei ist noch unklar, ob er als „Chairman“ oder „Executive Chairman“ fungieren würde – letztere Rolle würde eine stärkere Einbindung in das operative Geschäft bedeuten und könnte den Übergang zu einem neuen CEO erleichtern.
Führungswechsel bei Apple
Die Diskussion um Cooks Nachfolge fällt in eine Zeit mehrerer Führungswechsel bei Apple. Der ehemalige Chief Operating Officer Jeff Williams trat im November offiziell in den Ruhestand, nachdem er mehrere Monate damit verbracht hatte, seine Verantwortlichkeiten an andere Führungskräfte zu übergeben. Im Dezember folgten weitere hochrangige Abgänge: KI-Chef John Giannandrea trat zurück, Politikchefin Lisa Jackson und Justiziarin Kate Adams kündigten ihren Ruhestand an, und UI-Design-Leiter Alan Dye wechselte zu Meta.
Diese Veränderungen haben zu Spekulationen geführt, dass Apple möglicherweise absichtlich Informationen an die Financial Times durchsickern ließ, um Investoren und die Öffentlichkeit auf kommende Veränderungen vorzubereiten. Einige Beobachter wie John Gruber von Daring Fireball vermuten, dass es sich dabei um einen bewussten „Heads-up“ handelte, um Überraschungen zu vermeiden.
Cooks Vermächtnis
Tim Cook übernahm die Rolle des CEO im August 2011 von Apple-Mitgründer Steve Jobs und steht damit seit fast 15 Jahren an der Spitze des Unternehmens. Unter seiner Führung erreichte Apple mehrfach Rekordwerte beim Umsatz und beim Börsenwert. Das Unternehmen meldete im September-Quartal 2025 Rekordumsätze, und der Aktienkurs notiert nahe seinem Allzeithoch.
Cook gilt als maßgeblich verantwortlich für Apples Strategie, die Fertigung auszulagern, was dem Unternehmen ermöglichte, in deutlich größerem Maßstab zu operieren als zuvor. Gleichzeitig sah er sich mit verschiedenen Kontroversen konfrontiert, von Datenschutzfragen über Arbeitsbedingungen in der Lieferkette bis hin zu politischen Auseinandersetzungen.
Ausblick
Wann genau Cook zurücktreten wird, bleibt vorerst offen. Die unterschiedlichen Berichte zeigen jedoch, dass eine Nachfolgeregelung nicht mehr in ferner Zukunft liegt. Ob dies bereits in der ersten Jahreshälfte 2026 geschieht, wie die Financial Times berichtete, oder erst später – fest steht, dass Apple sich auf einen der bedeutendsten Führungswechsel seiner Geschichte vorbereitet.
Die kommenden Monate dürften zeigen, welche der widersprüchlichen Einschätzungen sich als zutreffend erweist. Apples jährliche Hauptversammlung im Februar könnte erste Hinweise liefern, insbesondere im Hinblick auf die Zusammensetzung des Vorstands und mögliche Veränderungen in der Unternehmensführung.







