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Muss Apple wirklich Radio machen?

„Ein Thema, zwei Meinungen“: Wer braucht schon Beats 1 Radio?

Als Teil von Apple Music betreibt Apple seit dem Start des Streamingdienstes im Sommer 2015 auch einen eigenen Radio-Sender mit Live-Shows, Interviews und Stars, die als Musikkuratoren fungieren. Aber brauchen wir tatsächlich noch einen Musik-Sender? Bei Mac Life sind diesmal Redakteurin Stefanie Seidler und Chefredakteur Sebastian Schack der Frage nachgegangen in der Rubrik: „Ein Thema, zwei Meinungen“.

The American Way

(Bild: Stefanie Seidler)

Das Radio hat in Deutschland eine lange, wenn auch nicht immer rühmliche Geschichte. Gerade in die letzten Jahre gehören nicht zu Glanzzeiten vor allem der unzähligen privaten Radiosender. Denn die gehören immer öfter zu größeren, übergeordneten Senderverbänden und gleichen das Programm immer mehr an. Die Charts sind natürlich die Charts. Aber auch abseits der Top-50-Sendungen gleicht sich die Musikauswahl stark. So stark, dass man beim durchschalten regionaler Sender immer häufiger praktisch zeitgleich die selben Songs auf mehreren Sendern hört. Ähnliches gilt für (Gewinn-)Spiele, Hörer-Aktionen und auch die Nachrichten. Alles verkommt immer mehr zu einem Einheitsbrei und man hat ständig das Gefühl, „das“ doch schon einmal irgendwo gehört zu haben.

Apples hauseigener Radiosender, Beats 1 Radio, ist da anders. An vielen Stellen aber auch einfach nur anders schlecht. Oder zumindest: ungeeignet. Klar, die US-amerikanische Art, Radio zu machen wirkt erfrischend. Einfach weil es „mal was anderes“ ist. Letztlich nutzt sich aber auch das schneller ab, als es einem lieb ist. Alles ist immer „das beste“, alles immer „awesome“ oder zumindest „amazing“. Und wenn man schon mal Moderatoren hat, die nicht so drauf sind, sind es die Künstler, die ja häufig auch nur noch in Marketing-Phrasen sprechen. Wobei man in den im Vergleich zum deutschen Radio deutlich längeren Interview-Passagen auf Beats 1 Radio zumindest einmal die Chance hat, etwas interessantes, noch nicht gehörtes zu erfahren. Dafür mangelt es an Internationalität. Wo bleibt „Beats 1 Radio Germany“? Wo „Beats 1 Radio Italy“? Fast zwei Jahre nach dem Start ist Beats 1 Radio einfach noch zu Amerika-zentrisch.

Stefanie Seidler

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Unbedingt, ja!

(Bild: Sebastian Schack)

Radio ist eigentlich kein einfaches Thema für mich. Ich bin ein absoluter Podcast-Junkie und konsumiere über diesen Weg auch viele Sendungen von öffentlich-rechtlichen Radiosendern. Tatsächlich kann ich mich aber nicht daran erinnern, wann ich zum letzten Mal Radio gehört habe. Vermutlich bei Freunden im Auto. Denn in meinem Auto laufen entweder Podcasts oder Musik über Apple Music. Besonders der deutsche Dudelfunk funktioniert für mich nicht. Die immer gleichen Lieder mit meist völlig beliebig austauschbaren Moderatoren, die durch‘s Programm führen. Die Ausnahme ist der „Sprechfunk“, also Radio-Features, Diskussionen und so weiter. Aber die höre ich dann eben doch lieber zeitsouverän als Podcast.

Entsprechend skeptisch war ich beim Start von Beats 1 Radio. Und überhaupt nur, weil es ein Apple-Musik-Sender ist, habe ich mehr als einmal reingehört. In weiten Teilen ist Beats 1 Radio aber tatsächlich das, was mir am deutschen Musik-Radio fehlt. Klar, streckenweise ist auch Beats 1 Radio dem von mir verhassten Dudelfunk sehr nahe. Größtenteils aber eben nicht. Da sind seriöse Musikjournalisten und authentische Moderatoren, die die Traute haben, auch mal neue und ungewöhnliche Musik zu spielen. Besonders Zane Lowe trifft dabei immer wieder meinen persönlichen Geschmack sehr gut. Außerdem gibt es Interviews. Viele Interviews. Und zwar sogar Interviews, die länger als 90 Sekunden dauern. Und das alles auch noch zum Nachhören in Apple Music, wenn man eine Sendung verpasst hat. Für mich hat sich Beats 1 Radio – natürlich neben Freunden – zur primären Quelle für das Auffinden neuer Musik und das Kennenlernen neuer Künstler entpuppt und mir geholfen, Radio neu für mich zu entdecken.

Sebastian Schack

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Es gibt in der deutschen Radiolandschaft durchaus Stationen, die sich deutlich von dem Einheitsbrei der Dudelsender unterscheiden. Allen voran ist hier der Berliner Sender FluxFM ganz weit vorne, weil er nicht nur die ganzen Chart-Hits meidet, sondern auch noch verschiedene Genres bedient und die Moderatoren zum großen Teil wirklich Ahnung vom Musikmachen haben und deshalb gut einschätzen können, ob Musik wirklich gut gemacht ist oder nicht. Gewinnspiele gibt es zwar auch, aber die Gewinner werden nicht on air geschaltet, um sich selbst, den Gewinnern und vor allem auch den Zuhörern peinliche Momente zu ersparen. Solange es FluxFM gibt, gibt es zumindest eine Bastion, die den ganzen Chart-Buden etwas entgegensetzt.

Ich glaube eher, dass die Leute nur deshalb nicht on air geschaltet werden, weil die Sendungen, bis auf wenige Ausnahmen selten live sind. Nichts gegen Flux FM, die höre ich schon seit der Zeit, als sie noch Motor FM hießen.
Neben Flux sollte man aber auch noch Radio Eins (RBB), D-Radio Wissen (seit kurzem "NOVA") und die Östereicher von FM4 als überaus hörenswerte Sender erwähnen.

Ich mag den Sender.....besser als der Deutsche Müll!!!

Ich höre auch Beats 1 sehr gerne. Was mir daran gefällt: Keine Werbung, keine Nachrichten (bei uns eher Paniknachrichten mit negativem Touch) und Abwechslung. Habe schon sehr viele Songs gehört und lieben gelernt, die ich sonst nie gehört hätte. OK, ist auf englisch. Kann ich nicht so gut. Aber dadurch muss ich mich auch nicht über irgend jemandem ärgern. Stimmung ist jedenfalls gut. Musikauswahl passt. Man ist quasi schon gezwungen, auch einmal Musikrichtungen zu hören, die man vielleicht gar nicht mag. Wird dadurch aber nicht gleich zum Ablehnen gezwungen sondern eher zum Verständnis geleitet.

Ich bleib auf alle Fälle dabei.

Ja und die übertriebene Fröhlichkeit gibt es auch nicht. Un den ganzen Blödsinn, was sich da ausgedacht wird. Du kannst gewinnen und so. Letztlich wirst du doch nur missbraucht.

Wofür denn noch ein Radio? Es gibt Radioapps, zB radio.de, mit denen hat man 40.000 Radiosender der ganzen Welt. Musikalisch ist sicher für jeden etwas dabei. Und das Gequatsche von Künstlern und Moderatoren ist überflüssig, da sie sowieso nichts zu sagen haben, außer Werbung. Wenn ein Künstler etwas zu sagen hätte, würde er vielleicht ein Buch schreiben. Insofern bin ich auch immer froh, die Songtexte nur selten zu verstehen, die unterscheiden sich in ihrer Dummheit nämlich auch in anderen Sprachen nicht vom deutschen Schlagergesülze.