- DRAM-Preise könnten im laufenden Quartal um bis zu 95 Prozent steigen, NAND-Speicher um bis zu 60 Prozent – Grund ist die hohe Nachfrage durch KI-Rechenzentren.
- Tim Cook räumt Auswirkungen auf die Bruttomarge ein, Apple prognostiziert aber weiterhin starkes Wachstum und stabile Margen von 48 bis 49 Prozent.
- Analyst Ming-Chi Kuo erwartet, dass Apple die Einstiegspreise für iPhone-18-Modelle trotz höherer Komponentenkosten stabil halten wird.
Die Preise für Arbeitsspeicher- und NAND-Chips sind in den letzten Monaten aufgrund der hohen Nachfrage durch KI-Rechenzentren drastisch gestiegen – DRAM-Preise könnten im aktuellen Quartal um bis zu 95 Prozent steigen. Apple-CEO Tim Cook hat eingeräumt, dass die steigenden Chippreise Auswirkungen auf die Bruttomarge haben werden, kündigte aber keine konkreten Maßnahmen an. Analyst Ming-Chi Kuo erwartet, dass Apple die Einstiegspreise für die iPhone-18-Modelle trotz der höheren Komponentenkosten stabil halten wird.
Die Tech-Branche steht vor einer besonderen Herausforderung: Während Künstliche Intelligenz die Nachfrage nach leistungsstarken Servern in die Höhe treibt, werden Speicherchips zunehmend knapp – und teuer. Das bekommen auch iPhone-Nutzende zu spüren, denn Apple könnte gezwungen sein, auf die drastisch gestiegenen Preise für DRAM- und NAND-Chips zu reagieren.
Speicherchip-Preise explodieren durch KI-Boom
Die Situation am Speicherchip-Markt hat sich in den vergangenen Monaten dramatisch verschärft. Laut dem taiwanischen Marktforschungsunternehmen TrendForce könnten die Preise für herkömmliche DRAM-Chips im laufenden Quartal um bis zu 95 Prozent steigen, NAND-Speicher verteuert sich um bis zu 60 Prozent – jeweils im Vergleich zum Vorquartal.
Der Grund für diese Preisexplosion liegt in der enormen Nachfrage nach Speicherchips für KI-Server. Unternehmen wie Nvidia kaufen derzeit massive Mengen an Speicherkomponenten für ihre Rechenzentren. Die Nachfrage ist so hoch, dass Chiphersteller wie TSMC, Samsung und SK Hynix trotz Betrieb nahe der Vollauslastung nicht mit der Produktion nachkommen. Nvidia hat Apple Berichten zufolge sogar als größten Kunden des Chip-Herstellers TSMC verdrängt – und das trotz rekordverdächtiger iPhone-Verkäufe im vergangenen Quartal.
Apples Reaktion: Vorsichtig optimistisch
Auf der Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen der vergangenen Woche räumte Tim Cook ein, dass die steigenden Speicherchip-Preise im aktuellen Quartal „etwas mehr Auswirkungen“ auf die Bruttomarge des Unternehmens haben werden. Im vergangenen Quartal sei der Einfluss noch „minimal“ gewesen.
Dennoch zeigte sich Cook zuversichtlich: Apple prognostiziert für das laufende Quartal ein Umsatzwachstum von 13 bis 16 Prozent im Jahresvergleich. Die Bruttomarge soll bei stabilen 48 bis 49 Prozent liegen. Cook deutete an, dass Apple „eine Reihe von Optionen prüfen“ werde, um mit den steigenden Preisen umzugehen, nannte aber keine konkreten Pläne.
DRAM (Dynamic Random Access Memory) ist der Arbeitsspeicher in Smartphones, der für schnelle Zugriffe auf laufende Apps benötigt wird. NAND-Flash-Speicher hingegen dient als permanenter Datenspeicher für Fotos, Videos und Apps. Beide Speichertypen sind essenzielle Komponenten in jedem iPhone und ihre Preise haben direkten Einfluss auf die Produktionskosten.
Warum eine iPhone-Preiserhöhung unwahrscheinlich ist
Trotz der angespannten Situation gibt es mehrere Gründe, die gegen eine unmittelbare Preiserhöhung beim iPhone sprechen.
Erstens: Apple managt die Situation derzeit noch gut. Die prognostizierte Bruttomarge von 48 bis 49 Prozent zeigt, dass das Unternehmen finanziell stabil bleibt.
Zweitens: Laut einem Bericht der taiwanischen Publikation DigiTimes plant Apple, die Kostensenkungsforderungen an seine Zulieferer zu verschärfen. Ob dies auch Speicherchip-Lieferanten betrifft oder Apple versuchen wird, bei anderen Komponenten günstigere Konditionen auszuhandeln, um die Mehrkosten auszugleichen, ist noch unklar.
Apple ist historisch gesehen äußerst zurückhaltend, wenn es darum geht, Preiserhöhungen an Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Das Unternehmen ist bekannt für sein exzellentes Supply-Chain-Management und hat in der Vergangenheit wiederholt Kostensteigerungen absorbiert, statt die Preise anzuheben.
Ming-Chi Kuo: iPhone-18-Einstiegspreis bleibt stabil
Der renommierte Supply-Chain-Analyst Ming-Chi Kuo äußerte sich kürzlich zu Apples Preisstrategie für die iPhone-18-Modelle, die Ende des Jahres erwartet werden. Laut Kuo plant Apple, „Preiserhöhungen so weit wie möglich zu vermeiden“. Er prognostiziert, dass Apple „zumindest den Einstiegspreis stabil halten“ wird – was bedeutet, dass die iPhone-18-Pro-Modelle nicht mehr kosten werden als die aktuellen iPhone-17-Pro-Modelle.
Kuo bezog sich dabei ausdrücklich auf die Einstiegspreise. Ob Apple die Preise für die ohnehin schon teuren Speicher-Upgrades erhöhen wird, bleibt abzuwarten. Das wäre eine Möglichkeit, zusätzliche Einnahmen zu generieren, ohne die psychologisch wichtige Einstiegspreisschwelle zu erhöhen.
Apples strategische Position im Speicherchip-Markt
Apple befindet sich trotz der Herausforderungen in einer vergleichsweise komfortablen Position. Als einer der weltweit größten Elektronikhersteller verfügt das Unternehmen über erhebliche Verhandlungsmacht gegenüber Zulieferern. Berichten zufolge verhandelt Apple mittlerweile quartalsweise statt halbjährlich über Speicherchip-Preise, um flexibler auf Marktschwankungen reagieren zu können.
Laut DigiTimes erwarten einige Zulieferer, dass Apple seine Kostensenkungsforderungen intensivieren wird. Dies könnte bedeuten, dass das Unternehmen versucht, durch günstigere Konditionen bei anderen Komponenten die höheren Speicherkosten auszugleichen. Apple könnte auch seine enormen Cashreserven nutzen, um kurzfristig höhere Kosten zu absorbieren, ohne die Endkundenpreise anzupassen.
Langfristige Perspektive: Unsicherheit bleibt
Die Situation am Speicherchip-Markt bleibt volatil. Neben DRAM und NAND könnten auch andere Komponenten von Lieferengpässen betroffen sein, was zusätzlichen Preisdruck erzeugen würde. Chip-Hersteller priorisieren derzeit fortgeschrittene Speichertechnologien für KI-Server gegenüber dem Speicher für Smartphones.
Es gibt Spekulationen, dass die Preiserhöhungen bei Speicherchips zu steigenden Smartphone-Kosten über mehrere Marken hinweg führen könnten. Apple ist jedoch aufgrund seiner Marktmacht und finanziellen Ressourcen besser positioniert als viele Wettbewerber, um diese Herausforderungen zu meistern.
Ob und wann Apple gezwungen sein wird, die Preise zu erhöhen, hängt von vielen Faktoren ab: der weiteren Entwicklung am Speicherchip-Markt, Apples Verhandlungserfolgen mit Zulieferern und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Für den Moment scheint das Unternehmen entschlossen, seine traditionelle Preisstabilität beizubehalten – ein wichtiger Teil der Apple-Markenstrategie.







