Ende einer Ära

Apple könnte seine 12-jährige Chip-Strategie aufgeben

Seit 2014 lässt Apple seine Chips exklusiv von TSMC fertigen. Doch der KI-Boom könnte diese Strategie beenden – Intel steht als neuer Partner bereit.

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Apple steht möglicherweise vor einer bedeutenden Veränderung in seiner Chip-Strategie. Seit 2014 bezieht das Unternehmen seine Systems-on-a-Chip ausschließlich von TSMC – doch diese zwölfjährige Partnerschaft könnte bald aufgeweicht werden. Laut einem Bericht des Wall Street Journal erwägt Apple, einige seiner weniger leistungsstarken Prozessoren künftig von einem anderen Hersteller produzieren zu lassen.

Quickread: Auf einen Blick
  • Apple erwägt erstmals seit 2014, Chips auch von anderen Herstellern als TSMC produzieren zu lassen.
  • Intel könnte ab 2028 iPhone-Chips fertigen, würde diese aber nicht selbst designen.
  • Grund ist der KI-Boom, durch den Nvidia Apple als größten TSMC-Kunden überholt hat.

Wachsender Druck durch KI-Boom

Der Grund für diese strategische Neuausrichtung liegt im boomenden Geschäft mit künstlicher Intelligenz. TSMC arbeitet zunehmend mit Nvidia und anderen KI-Unternehmen zusammen, was die verfügbaren Kapazitäten für Apple einschränkt. Branchenkenner berichten, dass Apple deshalb prüft, ob bestimmte Prozessoren der unteren Leistungsklasse von alternativen Herstellern gefertigt werden könnten.

Konkrete Namen nennt der Bericht zwar nicht, doch frühere Gerüchte deuten auf Intel als möglichen Partner hin. Der Analyst Jeff Pu von GF Securities erwartet, dass Intel ab 2028 Chips für mindestens einige Nicht-Pro-iPhone-Modelle liefern könnte. Basierend auf diesem Zeitrahmen würde Intel möglicherweise Teile der A21- oder A22-Chips für künftige iPhones produzieren – sofern die Unternehmen sich auf eine Zusammenarbeit einigen.

Intel als Fertigungspartner, nicht als Designer

Wichtig ist dabei die Unterscheidung: Intel würde die Chips nicht selbst entwerfen, sondern ausschließlich fertigen. Dies unterscheidet sich grundlegend von der Ära der Intel-Macs, die Intel-designte Prozessoren mit x86-Architektur nutzten. Apple begann 2020 damit, sich von Intel-Prozessoren in Macs zu verabschieden und auf die eigenen Apple-Silicon-Chips umzusteigen.

System-on-a-Chip erklärt!

Ein System-on-a-Chip (SoC) integriert alle wichtigen Komponenten eines Computers auf einem einzigen Chip – darunter Prozessor, Grafikeinheit, Speicher-Controller und weitere Funktionen. Apples A-Series- und M-Series-Chips sind solche SoCs, die speziell für iPhones, iPads und Macs entwickelt wurden. Der Vorteil liegt in höherer Energieeffizienz und besserer Leistung durch die enge Integration aller Komponenten.

Die Partnerschaft mit Intel könnte sich auch auf Mac- und iPad-Chips erstrecken. Der Analyst Ming-Chi Kuo von Tianfeng Securities prognostizierte bereits im vergangenen Jahr, dass Intel ab Mitte 2027 Apples einfachsten M-Series-Chip für ausgewählte Mac- und iPad-Modelle liefern könnte. Hierfür plant Apple laut Kuo die Nutzung von Intels 18A-Prozess.

Diversifizierung zur rechten Zeit

Eine Zusammenarbeit mit Intel würde Apple helfen, seine Lieferkette zu diversifizieren – und das könnte zu einem entscheidenden Zeitpunkt kommen. Berichten zufolge hat Nvidia Apple als größten TSMC-Kunden überholt, während gleichzeitig der Wettbewerb um NAND-Speicher und RAM-Chips für KI-Server zunimmt.

TSMC ist nicht der einzige Chip-Zulieferer, der durch den KI-Server-Boom erhöhte Nachfrage verzeichnet. Laut Quellen aus der Lieferkette des Wall Street Journal haben sowohl Samsung als auch SK Hynix genug Verhandlungsmacht gewonnen, um von Apple höhere Preise für RAM-Chips zu verlangen.

Minimale Auswirkungen auf Gewinnmargen – vorerst

Bei einem Earnings Call vergangene Woche erklärte Apple-CEO Tim Cook, dass steigende Speicherchip-Preise im letzten Quartal nur „minimale Auswirkungen“ auf Apples Bruttomarge hatten. Für das laufende Quartal erwarte er jedoch „etwas mehr Einfluss“ auf die Gewinnmarge. Apple werde „eine Reihe von Optionen prüfen, um damit umzugehen“, so Cook.

Der Analyst Ming-Chi Kuo geht dennoch nicht davon aus, dass die iPhone-18-Reihe teurer wird. Apple meldete im vergangenen Quartal Rekordeinnahmen von 143,8 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 16 Prozent im Jahresvergleich. Für das laufende Quartal prognostiziert das Unternehmen ein ähnliches Wachstum von 13 bis 16 Prozent im Jahresvergleich sowie eine Bruttomarge von 48 bis 49 Prozent. Trotz der Bedenken bezüglich der Speicherchip-Preise präsentiert Apple also weiterhin beeindruckende Geschäftsergebnisse.

Die mögliche Rückkehr zu Intel als Fertigungspartner markiert einen bemerkenswerten Wendepunkt in Apples Chip-Strategie. Nach Jahren der Unabhängigkeit von Intel könnte das Unternehmen nun erneut auf den langjährigen Partner setzen – allerdings unter völlig anderen Vorzeichen als zuvor.

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