Quelle: https://www.maclife.de/news/hessen-verbietet-office-365-iwork-google-docs-schulen-mac-life-100114276.html

Autor: Ben Otterstein

Datum: 15.07.19 - 18:20 Uhr

Hessen verbietet Office 365, iWork und Google Docs in Schulen

Während es deutsche Behörden nicht immer so genau mit dem Datenschutz nehmen und sogar Bürgerdaten verkauf(t)en, sieht der Hessische Beauftrage für Datenschutz und Informationsfreiheit, kurz HBDI, ein Problem bei Cloud-basierten Anwendungen wie Microsoft Office 365, Google Docs und Apples iWork. In einer Stellungnahme führt man nun die Gründe für ein Verbot der besagten Dienste in hessischen Schulen auf.

Unsere Welt wird immer vernetzter und sogar im Schulalltag setzt man immer mehr auf digitale Anwendungen, um Schülern und Lehrern miteinander zu verbinden. Dies beginnt bei Ausfallplänen auf der Schulwebsite und endet bei der Abgabe von Hausarbeiten via E-Mail. Je nach Schule ist der Einsatz der Technik natürlich unterschiedlich stark ausgeprägt. Nun scheint man in Hessen jedoch auf ein Problem mit Cloud-Diensten gestoßen zu sein, dass die Nutzung von Office 365 sowie anderen Anwendungen verbieten soll.

Datenversand in die USA

Laut dem HBDI werden telemetrische Daten aus Deutschland in die USA versandt. Dies stellt eigentlich kein Problem dar, wenn man das Einverständnis erteilt. Allerdings sind Kinder rechtlich dazu nicht in der Lage, sodass die Anwendungen nicht genutzt werden dürfen. Auch die Einwilligung durch die Eltern soll diesen Umstand nicht ändern, weil dem HBDI zufolge nicht nachvollziehbar ist, welche Daten tatsächlich übermittelt werden. 

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Warum die Cloudanwendung von Office 365 derzeit unzulässig ist

Die Nutzung von Cloud-Anwendungen durch Schulen ist generell kein datenschutzrechtliches Problem. Viele Schulen in Hessen wenden bereits Cloud-Lösungen an. Ob zum Beispiel die Lernplattform oder das elektronische Klassenbuch: Schulen können sich datenschutzkonform digitaler Anwendungen bedienen, soweit die Sicherheit der Datenverarbeitung und die Teilhabe der Schülerinnen und Schüler gewährleistet ist. Anders ist die Rechtslage bei Office 365 als Cloudlösung. Seit Jahren befinden sich die Aufsichtsbehörden mit Microsoft in der Diskussion. Dabei ist der entscheidende Aspekt, ob die Schule als öffentliche Einrichtung personenbezogene Daten (von Kindern) in einer (europäischen) Cloud speichern kann, die z.B. einem möglichen Zugriff US-amerikanischer Behörden ausgesetzt ist. Öffentliche Einrichtungen in Deutschland haben eine besondere Verantwortung hinsichtlich der Zulässigkeit und Nachvollziehbarkeit der Verarbeitung personenbezogener Daten. Auch muss die digitale Souveränität staatlicher Datenverarbeitung gewährleistet sein. Hinzu kommt ein weiteres Problem, auf das im Herbst 2018 das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie die Öffentlichkeit hingewiesen hat. Mit der Verwendung des Betriebssystems Windows 10 werden eine Fülle von Telemetrie-Daten an Microsoft übermittelt, deren Inhalte trotz wiederholter Anfragen bei Microsoft nicht abschließend geklärt sind. Derartige Daten werden auch bei der Nutzung von Office 365 übermittelt.

Kein Cloud: Alles nur lokal

Allerdings weiß der HDBI natürlich, dass die Arbeitsweise in einigen (Berufs-)Schulen auf die Nutzung der Dienste ausgelegt ist und man daher mit den Anbietern an einer Lösung arbeitet, damit man Fragen zu möglichen Zugriffen durch Dritte auf die Daten sowie der Übertragung der Telemetrie-Daten klären kann. Dabei soll beides nachvollziehbar und datenschutzkonform (DSGVO) erfolgen. Bis dahin sollen Schulen auf lokale Anwendungen ausweichen. 

Andere Cloudlösungen von z.B. Google und Apple

Was für Microsoft gilt, ist auch für die Cloud-Lösungen von Google und Apple zutreffend. Die Cloud-Lösungen dieser Anbieter sind bislang ebenfalls nicht transparent und nachvollziehbar dargelegt worden. Deshalb gilt auch hier, dass für Schulen die datenschutzkonforme Nutzung derzeit nicht darstellbar ist.

Aktuell gelten diese Regelungen nur in Hessen. Ob auch andere Bundesländer auf den Zug aufspringen werden, bleibt abzuwarten.