Tipps & Tricks

Astrofotografie mit dem iPhone

Der Nachthimmel fasziniert Menschen seit jeher. Lange Zeit war es unmöglich, diese Faszination ohne teure Ausrüstung im Bild festzuhalten. Inzwischen reicht das iPhone.

Von   Uhr

Vor wenigen Jahren wäre der Gedanke absurd gewesen: Mit einem Telefon den Sternenhimmel fotografieren?! Unmöglich. Die Sensoren waren stecknadelkopfgroß, das Rauschen bei hohen ISO-Werten unerträglich und die Objektive, so man die kleinen Plastiklinsen so nennen mag, viel zu lichtschwach. Doch die Smartphone-Fotografie hat einen Quantensprung vollzogen. Dank größerer Sensoren in den Flaggschiff-Modellen, lichtstarker Weitwinkel-Optiken und massiver Rechenleistung für die Bildverarbeitung ist der Einstieg in die Astrofotografie heute auch ohne teures Spezialgerät möglich.

Wer sein iPhone jedoch einfach nur in den nächtlichen Himmel hält, wird enttäuscht. Zwar vollbringt es bei nächtlichen Stadtszenen wahre Wunder – am filigranen Sternenhimmel aber stößt das Telefon an Grenzen. Wer das Band der Milchstraße wirklich einfangen möchte, muss etwas tiefer in den Werkzeugkasten aus Hard- und Software greifen.

Vorbereitung ist alles

Bevor es losgeht, braucht es drei Dinge: ein aktuelles iPhone, einen möglichst dunklen Ort und ein Stativ. Im Nachtmodus gewährt Apples Kamera-App nämlich nur auf dem Stativ die extra lange Belichtungszeit von 30 Sekunden. Das Stativ ist also keine Option, sondern Pflicht.

Ebenso entscheidend ist der Standort. Städtisches Licht überstrahlt die schwachen Sterne gnadenlos. Fahre also raus aufs Land. Zertifizierte Sternenparks wie das Westhavelland in Brandenburg oder die Rhön bieten in Deutschland die besten Bedingungen. Generell gilt: Je dunkler der Himmel, desto deutlicher tritt das Band der Milchstraße hervor. Auch Mondlicht sollte gemieden werden – am besten fotografierst du daher in den Nächten rund um Neumond.

April bis Oktober ist Milchstraßen-Saison

Das Zentrum der Milchstraße ist von Mitteleuropa aus nur von April bis Oktober sichtbar. Die eigentliche Hochsaison liegt zwischen Juni und August, wenn das helle Kernband tief über dem südlichen Horizont steht. Plane deine Ausfahrt mit PhotoPills (12,99 Euro) oder dem kostenlosen Stellarium: Die Apps zeigen auf die Minute genau, wann und wo das Band aufgeht – und ersparen so manch vergebliche Nacht auf einer kalten Wiese.

Nach der Aufnahme

Das ProRAW-Bild auf dem Display wirkt zunächst flach und unspektakulär. Keine Panik – ein RAW-Foto ist ein digitales Negativ, das erst in der Nachbearbeitung sein volles Potenzial entfaltet. Öffne das Bild in Lightroom Mobile oder in Apples Fotos-App. Hebe Belichtung und Kontrast an, senke die Tiefen ab, um den Himmel tief schwarz zu halten, und erhöhe die Klarheit, damit die Sterne knackig wirken. Der Regler „Dunst entfernen” in Lightroom wirkt bei Milchstraßenfotos oft Wunder – allerdings dosiert einsetzen, sonst verstärkt er das ohnehin vorhandene Farbrauschen. Mit etwas Übung und Geduld holst du aus dem unscheinbaren RAW-Negativ ein Bild, das kaum glauben lässt, dass es mit einem iPhone entstand.

Die Milchstraße mit dem iPhone fotografieren

Schritt 1

Unter „Einstellungen > Kamera > Formate > Apple ProRAW“ aktivieren. Dann die Kamera-App öffnen, „RAW“ antippen. Selbstauslöser auf 3 Sekunden stellen, damit das iPhone nach dem Auslösen ruhig steht.

Schritt 2

Auf die hellste Stelle am Himmel tippen und halten, bis „AE/AF-Sperre“ erscheint. Zum Fotografieren des Nachthimmels nur die 1x-Kamera verwenden, sie liefert nachts die besten Ergebnisse.

Schritt 3

Ein Stativ ist Pflicht. Tippe dann am oberen rechten Bildschirmrand auf das Menüsymbol und stelle dort den Nachtmodus auf 30 Sekunden. Löse dann aus und fertige mehrere Aufnahmen an.

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