MacBook Neo in Gefahr

Apple könnte günstigstes MacBook Neo streichen – Chip-Kosten steigen

Steigende Chip- und Speicherkosten setzen Apple unter Druck: Das Unternehmen erwägt, die 699-Euro-Version des MacBook Neo zu streichen.

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Apple erwägt offenbar, die günstigste Konfiguration des MacBook Neo aus dem Sortiment zu nehmen. Grund dafür sind die steigenden Kosten für Komponenten, wie der in Taiwan ansässige Tech-Kolumnist und ehemalige Bloomberg-Reporter Tim Culpan berichtet.

Quickread: Auf einen Blick
  • Apple erwägt die Streichung des MacBook Neo für 599 US-Dollar aufgrund steigender Kosten für Chips und Arbeitsspeicher.
  • Die Produktionskapazität soll auf zehn Millionen Einheiten verdoppelt werden, doch TSMC hat kaum freie Drei-Nanometer-Kapazitäten für A18-Pro-Chips.
  • Als Alternative könnte Apple neue Farboptionen einführen oder die Preise erhöhen, ähnlich wie bei Mac Studio und Mac mini.

Das MacBook Neo wird derzeit ab 699 Euro für ein Modell mit 256 Gigabyte Speicher angeboten, die Version mit 512 Gigabyte kostet 799 Euro. In seinem aktuellen Culpium-Newsletter schreibt Culpan, dass die Streichung des Einstiegsmodells mit 256 Gigabyte zu den Optionen gehört, die Apple angesichts steigender Komponentenkosten in Betracht zieht. Ein solcher Schritt würde den effektiven Einstiegspreis des Neo um 100 US-Dollar (und wahrscheinlich Euro) anheben, ohne dass der Preis einer einzelnen Konfiguration erhöht werden müsste.

Ähnliche Strategie bei anderen Mac-Modellen

Apple hat kürzlich eine ähnliche Vorgehensweise bei zwei anderen Mac-Modellen gewählt. Im März stoppte das Unternehmen das Angebot des Mac Studio mit 512 Gigabyte RAM, und in der vergangenen Woche entfiel beim Mac mini die niedrigste Speicheroption mit 256 Gigabyte. Diese Maßnahmen wurden aufgrund höher als erwarteter Nachfrage und eines weltweiten Mangels an Speicherchips getroffen, der die Kosten in die Höhe treibt, während der Ausbau von KI-Rechenzentren die Versorgung einschränkt.

Produktionsengpässe beim MacBook Neo

Binned Chips erklärt!

Binned Chips sind Prozessoren, die während der Fertigung kleine Defekte aufweisen, etwa einen fehlerhaften GPU-Kern. Statt sie zu entsorgen, deaktiviert der Hersteller die defekten Teile und verkauft sie günstiger. Apple nutzte solche A18-Pro-Chips mit fünf statt sechs GPU-Kernen im MacBook Neo, um Kosten zu sparen.

Culpan führt die Preisbelastung beim Neo auf Apples Bestreben zurück, die Produktion hochzufahren. Die Lieferzeiten auf Apples Website liegen derzeit bei zwei bis drei Wochen für die gesamte Produktpalette, nachdem die Nachfrage die Erwartungen übertroffen hat. Berichten zufolge hat das Unternehmen seine Zulieferer angewiesen, die Produktionskapazität auf zehn Millionen Einheiten zu erhöhen – etwa das Doppelte der ursprünglichen Prognose von fünf bis sechs Millionen.

Um das überarbeitete Produktionsziel zu erreichen, benötigt Apple eine neue Lieferung von A18-Pro-Chips von TSMC. Das Neo verwendet denselben Chip wie das iPhone 16 Pro, doch die vorhandenen Lagerbestände waren Berichten zufolge durch die frühe Nachfrage erschöpft. TSMC soll zudem nur über begrenzte freie Drei-Nanometer-Kapazitäten verfügen, da KI-bezogene Aufträge einen Großteil der Produktion beanspruchen.

Höhere Kosten durch Chip-Produktion

Apples Kosten werden zusätzlich dadurch verkompliziert, dass die erste Neo-Charge niedrigere A18-Pro-Chips mit einem deaktivierten GPU-Kern verwendete. Eine neue Produktionsrunde würde jedoch mehr voll funktionsfähige Chips produzieren, was die Stückkosten erhöht, noch bevor etwaige Aufschläge für beschleunigte Fertigung hinzukommen.

Sollte Apple sich letztendlich gegen die Streichung der 699-Euro-Konfiguration des MacBook Neo entscheiden, erwägt das Unternehmen laut Culpan alternativ die Einführung neuer Farboptionen für die aktuelle Neo-Generation, um eine mögliche Preiserhöhung abzufedern.

Standpunkt

Das ist eine wahrlich unglückliche Situation für Apple: Das MacBook Neo „erstickt“ an seinem eigenen Erfolg und den ungünstigen Bedingungen. Dabei sind es gerade sie, die das Gerät so attraktiv machten: Die Fachpresse weltweit ist voll des Lobes, welchen unglaublichen Wert der Laptop für sein Geld mitbringt – speziell im Vergleich mit der PC-Konkurrenz im selben Preissegment.

Das ist natürlich nur so, weil alle Hersteller momentan zusehen müssen, wo sie ihre Komponenten herbekommen. Gewissermaßen hat der Erfolg den Selling-Point des MacBook Neo außer Gefecht gesetzt.

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