Sounddesigner: Mark Grey

Prägende Projekte

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Beat / Welche Projekte aus deiner Frühphase waren für deine heutige Arbeit besonders wichtig?

Mark / Meine ersten Sounddesign-Aufträge fanden zumeist im Bereich experimenteller zeitgenössischer Musik statt. Ich baute ausgeklügelte, riskante und häufig offen-gelötete Patch-Verbindungssysteme, um die Musik von John Cage, Karlheinz Stockhausen, Luciano Berio, Pierre Schaeffer, Pierre Henry oder Steve Reich, aber auch meine eigene Musik umzusetzen. Viele dieser Erfahrungen fanden während meines Unistudiums sowie bei elektro-akustischen Konzerten statt, bei denen ich ohne Einschränkungen mit der Technologie experimentieren konnte. Da ich im Silicon Valley in Kalifornien aufwuchs, waren kreative Geister um mich herum so reichlich gesät wie Zitronenbäume auf Sizilien.

Beat / Ein wichtiges Erlebnis war für dich der Kontakt mit dem berühmten Komponisten John Adams. Wie kam es dazu?

Mark / Ich traf John Adams zum ersten Mal im Jahr 1990 am kalifornischen Kunstinstitut CalArts. Zusammen mit meinem Kollegen Tom Mays, der viele Jahre lang ein großartiger Max-/MSP-Programmierer am französischen IRCAM-Zentrum für experimentelle Musik war und heute am Pariser Konservatorium unterrichtet, organisierten wir Sommerkurse für elektronische Musik und Komposition. Eines Tages stieß John zu uns, um eine Meisterklasse für unsere Kompositionsstudenten zu geben. Er spazierte dabei auch in die Musikstudios, die Tom und ich jedes Jahr einrichteten, und fragte mich, ob ich einen Job suche. Er hatte gerade seine zweite Oper „The Death of Klinghoffer“ fertiggestellt, und sein Studio in Nordkalifornien musste dringend repariert werden. Da wir beide in der Bay Area lebten, fingen wir sofort damit an. So begann eine wunderbare musikalische und technische Zusammenarbeit, die bis heute andauert.

Beat / Was genau beinhaltet deine Arbeit in Sachen Sounddesign für John Adams' Opern?

Mark / Nach den anfänglichen Vorbereitungen arbeite ich zusammen mit John im Studio, während er an seinen Stücken schreibt. Jedes dieser Werke enthält auch elektronische Soundscapes. Typischerweise lege ich für John eine große Klangbibliothek an, aus der er sich passende Sounds auswählen und sie modifizieren kann. Nachdem er seinen Teil der Arbeit beendet hat, setze ich diese Klangflächen zusammen, um sie in mein Sounddesign zu integrieren. Manche Werke brauchen vielleicht ein Keyboard und/oder einen Softwaresampler im Orchestergraben, andere nutzen eher Max/MSP oder Ableton Live, um die verschiedenen Szenen der Soundscapes zu organisieren. Sobald ich damit fertig bin, die elektronischen Musikwerkzeuge zu sammeln, lege ich das Soundsystem vor Ort an. Üblicherweise gibt es ein oder zwei Wochen lang reduzierte Pianoaufführungen des Werks, und ich versuche schon zu diesem Zeitpunkt, an allen wichtigen Orten schnurlose Mikrofone zu installieren. Danach balanciere ich die Sänger mit diesen Mikrofonen aus, noch bevor das Orchester im Graben sitzt. Wenn es dann da ist, brauche ich seinen komplexen Klang nur noch um das herumzubauen, was ich bereits tagelang vorbereitet habe.

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