Der härteste Test für eine Kamera: einfach drauflos filmen, ohne vorher die Anleitung zu lesen. Bei der Osmo Pocket 4P verlief das im besten Sinne unspektakulär – ein größeres Kompliment gibt es nicht. Vor dem ersten Bild verlangt DJI nur eine Aktivierung per Mimo-App. Danach nie wieder.
Display aufdrehen, zwei Sekunden warten, loslaufen. Wer mag, aktiviert „Bildschirm drehen & aufnehmen“: Dann beginnt die Aufzeichnung in derselben Handbewegung, mit der die Kamera aufwacht. Der mechanische Gimbal bügelt mit drei Achsen Schritte, Treppen und hastige Schwenks so glatt, dass selbst Urlaubsvideos aus Amateurhand ihren Schrecken verlieren. Nur das sanfte Auf und Ab beim schnellen Gehen bleibt wahrnehmbar – dagegen kommen auch drei Achsen nicht zu 100 Prozent an.
Interessant wird es in der Dämmerung. Wo Smartphones die Nacht zu einer weichgezeichneten Behauptung der Wirklichkeit hochrechnen, bleibt die Pocket 4P nüchtern-sachlich: Straßenbeleuchtung franst nicht aus, Schatten behalten Zeichnung, Gesichter ihren Ton. Das Testlabor von CineD maß am Weitwinkel 16 Blendenstufen bei einem Signal-Rausch-Verhältnis von 2 und 17,2 Blendenstufen bei SNR 1 – das beste Ergebnis der Redaktionsgeschichte und beim reinen Dynamikumfang oberhalb der Arri Alexa 35, die dort 15,1 Blendenstufen erreicht. Bei der Belichtungslatitude bleibt die Kinokamera klar vorn: In der Praxis begrenzt der komprimierte 10-Bit-Codec, wie weit sich unterbelichtetes Material zurückholen lässt. Die Telekamera liegt mit maximal 12,9 Blendenstufen deutlich darunter.
Praktisch ist die bereits vom Smartphone-Gimbal Osmo Mobile 8P bekannte Fernbedienung Osmo FrameTap. Das Gerät hat die Größe einer Streichholzschachtel und zeigt das Livebild, startet die Aufnahme und aktiviert die Motivverfolgung per Doppeltipp. Selbst auf 20 Metern gehorchte die 4P noch, obwohl DJI für die Bluetooth-Steuerung nur 10 Meter zusichert und für die Bildübertragung 25 Meter nennt.
Kein Digitalgematsche
Die 4P ist DJIs erste Pocket-Kamera mit zwei echten Optiken. Vorn sitzt ein Weitwinkel mit 20 Millimetern Kleinbildäquivalent und ƒ/2,0 auf einem 1-Zoll-Sensor, daneben ein Mitteltele mit 60 Millimetern und ƒ/1,8 auf eigenem 1/1,28-Zoll-Sensor. Der Wechsel gelingt per Tastendruck, auch während der Aufnahme, und liefert keinen hochgerechneten Ausschnitt: Porträts wirken natürlicher, Hintergründe dichter. DJI gibt dreifach optischen und bis zu zwölffach digitalen Zoom an, Letzteren nicht in den Foto-, Zeitlupen- und Zeitraffermodi. Bis etwa zur sechsfachen Vergrößerung bleibt das Ergebnis bei Tageslicht sauber, nachts fällt die Telekamera sichtbar ab.
Auch der Rest ergibt Sinn: 103 Gigabyte interner Speicher, von denen gut 102 nutzbar sind, erweiterbar per microSD-Karte, Übertragung per USB-C mit bis zu 800 Megabyte pro Sekunde oder drahtlos ans iPhone. ActiveTrack 8.0 hält Personen im Bild, auch wenn sie kurz hinter einer Litfaßsäule verschwinden, sechs Filmlooks liefern brauchbare Farben direkt aus der Kamera und sparen den Grading-Abend am Mac. Wer mehr will, nimmt in 10-Bit D-Log 2 auf – nur mit dem Weitwinkel. Wo andere Pocket-Kameras überhitzen, filmt die 4P rund zwei Stunden am Stück, ehe die Hitzeabschaltung greift.
Für wen lohnt sich das?
Ideal ist die Pocket 4P für alle, die auf Reisen filmen wollen, ohne viel schleppen zu müssen. Wer oft zum Tele greift, gewinnt gegenüber der Osmo Pocket 4 spürbar, wer gradet, bekommt mit D-Log 2 erstmals in dieser Klasse echte Reserven. Wer nur weitwinklig vor sich hin vlogt, spart 100 Euro und greift zum kleineren Schwestermodell. Und das iPhone? Bleibt vorn, wo es immer vorn war: beim Fotografieren, beim schnellen Teilen und beim Gewicht in der Hosentasche.

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.
Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.
Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.
Fazit
Mit zwei echten Brennweiten, extrem ruhigem Bild und starker Leistung auch in der Dämmerung ist die Osmo Pocket 4P die bislang erwachsenste Pocket-Kamera.
| Produktname | Osmo Pocket 4P |
|---|---|
| Hersteller | DJI |
| Preis | 599 € |
| Webseite | www.dji.com |
| Pro |
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| Contra |
|
| 1,3sehr gut |








