Der Waschbär im Garten

Roboup Raccoon 2 SE im Test: Mähroboter ohne Draht für kleine Gärten

Kein Begrenzungsdraht, keine RTK-Antenne, kein hoher Preis: Der Roboup Raccoon 2 SE setzt auf Künstliche Intelligenz und Kamera statt Begrenzungsdraht oder aufwendiger Satellitennavigation. Wir haben den Mähroboter für kleine Gärten in der Praxis getestet.

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Schon beim Auspacken fällt das beigefarbene Kunststoffgehäuse positiv auf – es wirkt edel und hebt sich angenehm von der üblichen schwarzen Plastikoptik ab. Mit 61,7 mal 40,8 mal 28,8 Zentimetern und 12 Kilogramm ist der Raccoon 2 SE kompakt genug, um Engstellen ab 80 Zentimetern Breite zu passieren. Auf der Oberseite sitzen ein übersichtliches Bedienfeld mit PIN-gesichertem Menü, ein knallroter Notausschalter sowie der Regensensor – alles gut zugänglich. Letzterer schickt den Mäher bei Regen automatisch zur Ladestation zurück.

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Die Ladestation muss sorgfältig positioniert werden: parallel zur Rasenkante und mit freiem Blick auf den QR-Code, über den der Mäher seine Basis wiederfindet – kein Funksignal, sondern reine Bilderkennung. Das klappt zuverlässig, solange Code und Kamera sauber sind.

Das Herzstück der Navigation: Die KI-Kamera sitzt erhöht an der Front und sorgt für Orientierung und Hinderniserkennung.
Das Herzstück der Navigation: Die KI-Kamera sitzt erhöht an der Front und sorgt für Orientierung und Hinderniserkennung. (Bild: Mac Life)

Kartierung: automatisch oder manuell

Für Flächen unter 80 Quadratmetern bietet der Raccoon 2 SE einen Zielbereich-Modus: Mäher aufstellen, Taste drücken, fertig – ganz ohne vorherige Kartierung. Der Haken: In diesem Modus fährt er die Kanten nicht systematisch ab. Er arbeitet einfach drauflos, statt erst die Ränder und dann den Innenbereich zu erledigen – eine Methode, die Saugroboter seit Jahren beherrschen. Das Schnittbild wirkt entsprechend etwas konfus. Für den schnellen Einsatz auf dem kleinen Rasen des Nachbarn in der Reihenhaussiedlung taugt der Modus trotzdem: Das Gras wird kürzer.

Das Bedienfeld ermöglicht grundlegende Steuerung ohne App: Starten, Stoppen, Heimschicken – alles auch ohne App.
Das Bedienfeld ermöglicht grundlegende Steuerung ohne App: Starten, Stoppen, Heimschicken – alles auch ohne App. (Bild: Mac Life)

Technische Daten

Mähfläche: bis 600 m²
Schnittbreite: 20 cm
Schnitthöhe: 30–80 mm (12 Stufen)
Akkukapazität: 5 Ah
Ladezeit: 70 min
Mähdauer: bis 150 min
Steigung: bis 36 %
Schutzklasse: IPX6
Abmessungen: 61,7 × 40,8 × 28,8 cm
Gewicht: 12 kg

Für größere Flächen empfiehlt sich die automatische Kartierung per App. An schmalen Engstellen kommt diese jedoch an ihre Grenzen – der Mäher meidet sie bei der automatischen Erkundungsfahrt. Die manuelle Kartierung schafft Abhilfe: Per Joystick-Steuerung in der App lässt sich der Raccoon 2 SE durch problematische Stellen lenken. Nicht komfortabel, aber wirksam. Bis zu drei Mähzonen lassen sich anlegen.

Zwei Modi, ein Kompromiss

Beim Mähen stehen Zufallsfahrt und parallele Linien zur Wahl. Das Linienmuster klingt ordentlicher – doch die Linien orientieren sich nicht an einer Rasenkante, sondern folgen einer internen Ausrichtung. Das Ergebnis ist optisch weniger befriedigend als erhofft. Immerhin: Die Schnitthöhe lässt sich per App in zwölf Stufen zwischen 30 und 80 Millimetern elektrisch einstellen – ein echter Komfortvorteil gegenüber mechanischer Verstellung. Drei Klingen erledigen die Arbeit auf einer Schnittbreite von 20 Zentimetern. Steigungen bis zu 36 Prozent bewältigt der Raccoon 2 SE problemlos.

Mit den drei Wechselklingen am Teller kommt der Raccoon 2 SE auf eine Schnittbreite von 20 Zentimetern.
Mit den drei Wechselklingen am Teller kommt der Raccoon 2 SE auf eine Schnittbreite von 20 Zentimetern. (Bild: Mac Life)

KI-Navigation: leise und vorsichtig

Die kamerabasierte Navigation mit Künstlicher Intelligenz überrascht positiv – für einen Mähroboter dieser Preisklasse. Der Raccoon 2 SE arbeitet angenehm leise, bleibt selten stecken und agiert bei Hindernissen sehr vorsichtig, fast schon übervorsichtig: Er hält früh an, dreht sich kurz neu aus und setzt dann erst fort. Das erhöht das Sicherheitsgefühl, kostet aber Effizienz. Gelegentlich braucht er einen Moment länger, um eine Situation einzuschätzen – die Grenzen des rein kamerabasierten Konzepts zeigen sich hier deutlicher als bei Modellen mit zusätzlichem LIDAR-Sensor.

Seinen 5-Ah-Akku lädt der Raccoon 2 SE in 70 Minuten vollständig auf, danach mäht er bis zu 150 Minuten am Stück. Lädt er zwischendurch auf und setzt anschließend fort, funktioniert das automatisch. Die Schutzklasse IPX6 erlaubt eine Reinigung mit dem Gartenschlauch, vom Einsatz eines Hochdruckreinigers rät der Hersteller indes ab.

Parallel und doch nicht parallel: zwar kann der Raccoon 2 SE in parallelen Linien mähen, orientiert sich dabei aber leider nicht an der Rasenkante.
Parallel und doch nicht parallel: zwar kann der Raccoon 2 SE in parallelen Linien mähen, orientiert sich dabei aber leider nicht an der Rasenkante. (Bild: Mac Life)

App und Konnektivität

Die Roboup-App ist optional, aber empfehlenswert: Erst mit ihr stehen Kartierung, Zeitpläne, Schnitthöhe und Joystick-Steuerung zur Verfügung. Auch ein Wildtierschutzmodus lässt sich einrichten, der bestimmte Uhrzeiten vom Mähbetrieb ausschließt – sinnvoll, denn in einigen Kommunen gilt inzwischen sogar ein gesetzliches Nachtfahrverbot für Mähroboter. Praktisch sind außerdem zwei Kantenoptionen: „Schneiden bis zur Kante“ und „Auf Kante fahren“, jeweils mit einstellbarer Schnitt- beziehungsweise Auffahrdistanz. Das löst eines der häufigsten Kritikpunkte an Mährobotern elegant.

Die Roboup-App zeigt auf einen Blick, was der Mäher kann: Kartierung mit Flächenvorschau, flexible Kantenoptionen und der schnörkellose Zielbereich-Modus für kleine Rasenflächen – alles ohne großen Einrichtungsaufwand.
Die Roboup-App zeigt auf einen Blick, was der Mäher kann: Kartierung mit Flächenvorschau, flexible Kantenoptionen und der schnörkellose Zielbereich-Modus für kleine Rasenflächen – alles ohne großen Einrichtungsaufwand. (Bild: Screenshot)

Weniger elegant: Die App zeigt während des Mähens keine Echtzeit-Positionsanzeige. Wer das von Saugrobotern gewohnt ist, vermisst sie. Die Verbindung läuft per Bluetooth oder WLAN – allerdings nur über das 2,4-GHz-Band, nicht über 5 GHz. In den meisten Haushalten kein Problem, aber ein Punkt, den man bei der Einrichtung im Blick haben sollte.

„Boundary Wire-Free" – der Schriftzug auf der Flanke bringt das wichtigste Verkaufsargument direkt auf den Punkt.
„Boundary Wire-Free" – der Schriftzug auf der Flanke bringt das wichtigste Verkaufsargument direkt auf den Punkt. (Bild: Mac Life)

Fazit: Lohnt sich der Roboup Raccoon 2 SE?

Der Roboup Raccoon 2 SE ist ein sympathischer Einstieg in die drahtlose Mährobotik – aktuell für 500 Euro erhältlich, nach einem Kickstarter-Start für unter 400 Euro. Für kleine, klar abgegrenzte Rasenflächen erledigt er seinen Job zuverlässig und unterbietet die RTK-Konkurrenz beim Preis deutlich. Wer ein perfektes Kantenbild oder eine systematische Flächenabdeckung erwartet, stößt an die Grenzen des kamerabasierten Konzepts. Ein zusätzlicher LIDAR-Sensor würde die Präzision verbessern – aber auch den Preis erhöhen.

Testergebnis
ProduktnameRaccoon 2 SE
HerstellerRoboUp
Preis500 €
Webseitehttps://de.iroboup.com/
Pro
  • kein Begrenzungsdraht, keine RTK-Antenne nötig
  • edles, kompaktes Gehäuse
  • angenehm leiser Betrieb
  • schnelle Ladezeit (70 Minuten)
  • Zielbereich-Modus ohne Kartierung
  • manuelle Kartierung für Engstellen
Contra
  • kein Kantenabfahren im Zielbereich-Modus
  • Linien-Modus ohne Kanten-Ausrichtung
  • automatische Kartierung an Engstellen fehleranfällig
  • keine Echtzeit-Positionsanzeige in der App
  • Navigation teils zögerlich
Bewertung
2,4gut