Die Apple Vision Pro kann vieles, aber präzises Zeichnen gehörte bislang nicht dazu. Der Logitech Muse möchte das als erster räumlicher Eingabestift für Apples Mixed-Reality-Headset ändern. Zuerst gilt es dazu, die „Logi Options+ Mobile“-App zu laden. Sie erklärt das Pairing des Stifts und dessen grundlegende Funktionen. Das klingt komplizierter, als es ist: Schlicht zwei Tasten am Stift gedrückt halten und dann in den Bluetooth-Einstellungen der Apple-Brille verbinden – vom Start ins Ziel in unter zwei Minuten. Danach haben wir zwei Szenarien sowohl auf dem M2- als auch dem M5-Modell der Vision Pro unter visionOS 26.3 durchgespielt. Erstes Szenario: kreatives 3D-Zeichnen in AirDraw. Die Spitze setzt die Linie exakt dort, wo sie hin soll, die Neigung regelt die Strichstärke intuitiv – und das, obwohl man wortwörtlich in der Luft hängt. Es zeigt sich aber auch, dass die Lernkurve für räumliches Zeichnen steil ist. Geld verdienen wir hier bei der Mac Life mit unserer digitalen Kunst wohl nie.
Das zweite Szenario: Notizen und Skizzieren in Freeform und Notizen, was seit visionOS 26.3 nativ mit dem Muse-Stift funktioniert. Auf einer virtuellen Fläche fühlt sich der Muse fast wie ein Apple Pencil an, nur eben schwebend im Raum. Für schnelle Markierungen in Meetings ein echter Zugewinn gegenüber nackten Fingern. Der Nutzwert ist auch für Normalsterbliche hoch, denn Anmerkungen gehen leicht von der Hand.
Leichtgewicht mit Infrarot-Innenleben
Der Muse misst 16,5 mal 1,77 Zentimeter und wiegt gerade einmal 31 Gramm. Im Vergleich zum Apple Pencil fällt er damit deutlich dicker aus, liegt aber dank seiner konischen Form sicher in der Hand. Das mattschwarze Gehäuse aus Kunststoff ist transparent für Infrarot und ermöglicht die Positionserkennung des Muse im Raum durch die Kameras der Vision Pro.
Das Tracking erfolgt mit sechs Freiheitsgraden, die druckempfindliche Spitze variiert Linienstärke und Deckkraft stufenlos. Im Lieferumfang stecken eine schmale und eine breite Wechselspitze. Geladen wird der Stift per USB-C, ein Kabel legt Logitech aber nicht bei. Allzu oft muss auch nicht zur Strippe gegriffen werden, denn die Akkulaufzeit beträgt bis zu zehn Stunden – wer den Stift am Kabel lässt, arbeitet unterbrechungsfrei.
Eine lohnenswerte Investition
Vor allem Kreative, welche die Vision Pro als räumliche Leinwand nutzen möchten, bekommen mit dem Muse ein neuartiges und unverzichtbares Werkzeug an und in die Hand. Auch für Architektur- und Designteams, die 3D-Modelle mit Anmerkungen versehen möchten, lohnt sich die im Vergleich zum Preis einer Vision Pro sehr überschaubare Investition von rund 140 Euro. Wer das Apple-Headset indes primär als „Kino“ für Filme, Safari und Mac-Bildschirm verwendet, braucht den Stift eher nicht. Allerdings verpasst man dann auch das ziemlich coole Gefühl, in drei Dimensionen zeichnen zu können – zugleich erspart man sich aber auch die Enttäuschung, dass beeindruckende digitale Kunst nicht im Handumdrehen entsteht.
Der Pencil für die Vision
Der Logitech Muse ist ein gelungenes Zubehörteil für die Vision Pro und beweist, was räumliches Computing kann. Das Unternehmen konnte dabei auf seine Erfahrung bei der Entwicklung des Mixed-Reality-Stifts MX Ink für die Meta-Quest-Brillen zurückgreifen und so aus dem Stand heraus ein überzeugendes Produkt abliefern. Das präzise Tracking in sechs Freiheitsgraden mit geringer Verzögerung, das überzeugende haptische Feedback und das gute Handling bringen echte Stiftpräzision auf die Vision Pro. Die Kehrseite: Das App-Ökosystem steckt noch in den Kinderschuhen. Doch ein Anfang ist gemacht.
»Wir sehen großes Interesse aus professionellen Bereichen, in denen räumliches Verständnis und Anmerkungen entscheidend sind.«
Wie genau funktioniert das 6DoF-Tracking von Muse technisch und welche Rolle spielen die Infrarot-LEDs in Verbindung mit den Vision Pro-Kameras?
Muse kombiniert das datenschutzkonforme optische Tracking von Apple Vision Pro mit einer integrierten 6DoF-IMU. Die Vision-Pro-Kameras erkennen die Infrarot-LED-Marker von Muse, während die IMU eine hochauflösende Bewegungserfassung ermöglicht. Computer-Vision- und Sensor-Fusion-Algorithmen kombinieren diese Signale, um auch bei schnellen Bewegungen oder kurzen Unterbrechungen ein stabiles und reaktionsschnelles Tracking zu ermöglichen.
Welche App würdest du zum Ausprobieren empfehlen, um den Muse am schnellsten zu verstehen?
Zum schnellen Einstieg empfiehlt sich ein Blick auf Apples eigene Apps Freeform und Notizen, die den Umgang mit dem Muse intuitiv vermitteln. Wer sich für digitale Kunst interessiert, sollte Crayon 3D-Sketching ausprobieren, für 3D-CAD-Anwendungen bietet sich Spatial Analogue an. Als vielseitige Allround-Lösung für Zusammenarbeit und allgemeine Nutzung ist Dopple von Interaptix eine Empfehlung.
Gibt es bereits Interesse aus professionellen Bereichen wie Architektur, Medizin oder Ingenieurwesen, und gibt es entsprechende App-Kooperationen?
Ja, wir sehen großes Interesse aus professionellen Bereichen, in denen räumliches Verständnis und Anmerkungen entscheidend sind, darunter Design, Architektur und Ingenieurwesen. Was App-Kooperationen angeht, freuen wir uns, dass Entwicklerinnen und Entwickler aktiv Muse-Unterstützung hinzufügen und neue Anwendungsfälle für das Gerät erforschen.
Freeform
Apples kostenlose und unterschätzte Whiteboard-App unterstützt mit Veröffentlichung von visionOS 26.3 den Logitech Muse zum Zeichnen, Annotieren und Skizzieren.
Preis: kostenfrei
Notizen
Die systemeigene Notiz-App erlaubt seit visionOS 26.3 Eingaben per Muse. Das ist ideal etwa für schnelle Skizzen und, ganz wortwörtlich, handschriftliche Notizen.
Preis: kostenfrei
AirDraw
Mit dem 3D-Zeichenwerkzeug AirDraw lässt sich frei im Raum zeichnen. Die App unterstützt Schwerkraft-Effekte, reflektierende Oberflächen und Drucksensitivität.
Preis: 5,99 Euro
TouchDesk
TouchDesk verwandelt jeden Tisch in eine digitale Leinwand. Die App speichert deine Kunstwerke automatisch in iCloud, als Vollversion kostet die Anwendung 22,99 Euro.
Preis: kostenfrei*
Sketch Pro
Eine vielseitige Zeichen-App mit Stift- sowie Pinselwerkzeugen. Nutzt die Drucksensitivität des Muse für variable Linienstärken und Deckkraft. Abo ab 99 Cent/Woche.
Preis: kostenfrei*
Circuit Flux
Verwandelt die Vision Pro in eine virtuelle Elektronik-Werkbank, auf der sich per Handgeste Bauteile platzieren lassen, um Löten zu üben. Die Vollversion kostet 9,99 Euro.
Preis: kostenfrei*
* = In-App-Käufe möglich
Fazit
Der Logitech Muse verwandelt die Vision Pro in ein Kreativwerkzeug. Tracking, Haptik und Ergonomie überzeugen. Was derzeit noch fehlt, ist Software: Erst mit mehr Apps wird der Stift sein volles Potenzial entfalten.
| Produktname | Logitech Muse |
|---|---|
| Hersteller | Logitech |
| Preis | 139,99 € |
| Webseite | www.logitech.de |
| Pro |
|
| Contra |
|
| 1,8gut |









