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Zwischen den Welten

Lofree Hyzen im Test: Hybrid-Tastatur mit mechanischen und magnetischen Switches

Tippen wie auf einer Mechanik, auslösen wie ein Magnetschalter: Lofree verspricht mit der Hyzen das Ende einer Grundsatzentscheidung, die Vielschreiber und Spieler bisher zwei Tastaturen gekostet hat. Wir haben ein Vorserienmodell ausprobiert – und dabei ein paar Kanten entdeckt, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn.

Von   Uhr

Schon das Auspacken fällt aus dem Rahmen. Die Hyzen steckt in einem Etui, das aussieht wie eine Pille in Großaufnahme: länglich, an beiden Enden rund, überzogen mit einer Oberfläche, die man für Filz halten würde – bis man zudrückt und die harte Schale darunter spürt. Nimmt man die Tastatur heraus, merkt man sofort: Hier hat jemand nicht gespart. Das Gehäuse wird aus einem einzigen Aluminiumblock CNC-gefräst, das Ergebnis wiegt rund 1.900 Gramm. Zum Vergleich: Das ist mehr als ein 14-Zoll-MacBook Pro, und zwar für ein Tastaturformat mit gerade einmal 65 Prozent Größe. Verrutschen ist kein Thema, Mitnehmen dagegen schon – denn die Pille ist bei aller Originalität alles andere als platzsparend. Sie wandert bei uns eher in den Schrank als in den Rucksack.

Sommer-Angebot

Die Optik ist konsequent kantig, und das ist ebenfalls wörtlich zu nehmen: Die Fasen an den Gehäusekanten sind deutlich schärfer ausgeführt als etwa die sorgfältig verrundeten Kanten eines MacBook. Beim Anheben und Umsetzen der Tastatur ist das spürbar, und auch die vordere Gehäusekante hätte ein, zwei Zehntel mehr Radius vertragen. Lofree bietet für rund 25 Euro Aufpreis eine magnetisch andockende Handballenauflage an, die sich bündig an die Front schiebt – bei zwölf Grad Neigung und dieser Bauhöhe ohnehin eine sinnvolle Ergänzung.

Der USB-C-Anschluss sitzt tief in einer Mulde, flankiert von den Prüfzeichen. Darüber der Umschalter für Kabel-, Funk- und Aus-Betrieb, rechts der große Lautstärkeregler.
Der USB-C-Anschluss sitzt tief in einer Mulde, flankiert von den Prüfzeichen. Darüber der Umschalter für Kabel-, Funk- und Aus-Betrieb, rechts der große Lautstärkeregler. (Bild: Mac Life)

Unter der Vorderkante versteckte sich ein anderer schöner Effekt: Dort sitzt über die gesamte Breite eine LED-Leiste, die nicht nach oben, sondern nach unten auf den Schreibtisch strahlt. Das Ergebnis ist ein weiches, diffuses Ambient-Licht, das die Tastatur förmlich auf der Tischplatte schweben lässt – in der Farbe frei wählbar und in der Handballenauflage der silbernen Variante gleich nochmals als sanfter Schimmer weitergeführt. Wer es dezent mag, stellt eine einzelne statische Farbe ein und lässt die Effektspielereien aus; zu diesem Gehäuse passt Zurückhaltung deutlich besser als ein Regenbogen.

Klappfüße gibt es nicht, stattdessen eine fest eingebaute Neigung von zwölf Grad. Das ist sportlich, deutlich steiler als bei einem Magic Keyboard, und braucht ein paar Tage Eingewöhnung. Der Grund dafür sitzt in der obersten Reihe.

Die F-Reihe, die es nur auf Wunsch gibt

Ein 65-Prozent-Layout hat keine Funktionstasten. Lofree löst das ungewöhnlich: Links neben der Escape-Taste sitzt ein mechanischer Kippschalter. Legt man ihn um, leuchtet oberhalb der Zahlenreihe ein schmales, hochauflösendes Display auf (Wer erinnert sich noch an die Touch Bar?) und zeigt F1 bis F12 – die Zahlenreihe wird so zur Funktionsreihe. Eine zweite Ebene mit Medien- und Helligkeitssteuerung erreicht man zusätzlich über die Funktionstaste.

Das ist clever gelöst, funktioniert im Alltag zuverlässig und erklärt nebenbei die steile Neigung: Flacher könnte man das Display hinter den Tastenkappen kaum noch ablesen. Und der Schalter selbst hat einen Nebeneffekt, den Lofree so kaum eingeplant haben dürfte: Er rastet mit einem so satten, gut gedämpften Klacken ein, dass wir ihn beim Nachdenken immer wieder hin- und hergeschoben haben. Als Fidget-Toy ist die Hyzen konkurrenzlos.

Der Hebel links neben Escape ist der heimliche Star der Hyzen: Er rastet so satt ein, dass wir ihn beim Nachdenken immer wieder hin- und hergeschoben haben. Die rote Escape-Taste liegt als Wechselkappe bei.
Der Hebel links neben Escape ist der heimliche Star der Hyzen: Er rastet so satt ein, dass wir ihn beim Nachdenken immer wieder hin- und hergeschoben haben. Die rote Escape-Taste liegt als Wechselkappe bei. (Bild: Mac Life)

Weniger überzeugend ist der große Lautstärkeregler auf der Rückseite. Die Rasterung fühlt sich zunächst wunderbar präzise an, doch zwischen zwei Rastpunkten liegt eine spürbare Totzone: Man dreht ein Stück weit ins Leere, bevor der nächste Schritt greift. Dazu kommt, dass jede Raste die Lautstärke gleich um zwei Schritte verändert und sich der Regler nicht zum Stummschalten eindrücken lässt. Ein zweiter, kleinerer Drehregler daneben schaltet zwischen Kabelbetrieb, Funk und Aus um.

Nexus: der Switch, der beides kann

Das eigentliche Argument der Hyzen sitzt unter den Tastenkappen. Der zusammen mit Kailh entwickelte Nexus-Switch behält die Metallkontakte eines klassischen mechanischen Schalters bei, trägt aber zusätzlich einen Magneten im Stem. Die Platine liest ihn mit TMR-Sensoren aus. TMR steht für Tunnel-Magnetowiderstand: Winzige Schichtstapel ändern ihren elektrischen Widerstand, sobald sich das Magnetfeld darüber verschiebt. Weil dieser Effekt viel stärker ausfällt als beim verbreiteten Hall-Prinzip, lässt sich die Position des Magneten – und damit die Eintauchtiefe der Taste – feiner und rauschärmer bestimmen. Positiver Nebeneffekt: Die Sensoren brauchen weniger Strom, was dem Akkubetrieb zugutekommt.

Per Tastenkombination beziehungsweise über ein Profil in der Software wechselt die Tastatur zwischen beiden Betriebsarten. Im mechanischen Modus löst sie aus, wenn sich die Kontakte berühren – klassisch, ohne Schnickschnack. Im magnetischen Modus übernimmt der Magnet, und damit stehen die Möglichkeiten offen, für die man sonst ein separates Gaming-Board kauft: frei einstellbarer Auslösepunkt zwischen 0,01 und 3,5 Millimetern, Rapid Trigger, SOCD, Dynamic Keystrokes, Mod Tap. Sieben Profile lassen sich hinterlegen.

Zwischen Cybertruck und Hi-Fi-Verstärker: messerscharfe Fasen, das Lofree-Logo dezent ins Aluminium geprägt und zwei Drehregler wie an einer Endstufe.
Zwischen Cybertruck und Hi-Fi-Verstärker: messerscharfe Fasen, das Lofree-Logo dezent ins Aluminium geprägt und zwei Drehregler wie an einer Endstufe. (Bild: Mac Life)

Entscheidend ist: Klang und Anschlagsgefühl bleiben in beiden Modi identisch. Und beides ist gut. Der lineare Nexus mit rund 40 Gramm Auslösekraft läuft ausgesprochen sauber, die Stabilisatoren sind ab Werk ordentlich geschmiert, Klappern haben wir nirgends gehört. Fünf Dämpfungslagen und eine Gasket-Montage sorgen für ein tiefes, trockenes Klangbild – wobei die Aufhängung trotz Gasket eher straff ausfällt. Wer es weich mag, wird das anders bewerten.

Die Platine nimmt außerdem gewöhnliche mechanische MX-Switches mit drei oder fünf Pins auf. Man ist also nicht auf Lofrees Ökosystem festgelegt und kann theoretisch sogar mischen – etwa Magnetschalter unter WASD und Mechanik für den Rest.

Mac-Alltag, Funk und Software

Die Tri-Mode-Variante verbindet sich per USB-C, per Bluetooth oder per 2,4-GHz-Dongle. Der Empfänger liegt bei und ermöglicht auch kabellos 8.000 Hertz Abtastrate – eine Zahl, die im Marketing großgeschrieben wird, im Alltag am Mac aber ehrlicherweise keinen spürbaren Unterschied zu den üblichen 1.000 Hertz macht. Relevanter ist der Akku: 10.000 Milliamperestunden sind für eine Tastatur außergewöhnlich viel, entsprechend selten muss man laden.

Konfiguriert wird im Browser über Lofrees Web-Tool, das damit auch unter macOS läuft – eine eigene App braucht es nicht. Belegungen, Makros, die beiden RGB-Ebenen und sämtliche Magnetparameter lassen sich dort anpassen. Mac-Beschriftungen auf den Tastenkappen hat Lofree angekündigt, entweder direkt aufgedruckt oder als Ersatzkappen im Lieferumfang. Verbindlich bestätigt ist das zum Testzeitpunkt noch nicht.

Konfiguriert wird im Browser: Im Lofree Hub lässt sich der Auslösepunkt für jede Taste einzeln festlegen. Rechts daneben die Feineinstellung für Rapid Trigger.
Konfiguriert wird im Browser: Im Lofree Hub lässt sich der Auslösepunkt für jede Taste einzeln festlegen. Rechts daneben die Feineinstellung für Rapid Trigger. (Bild: Screenshot)

Was Sie vor dem Kauf wissen sollten

Unser Testgerät war ein Vorserienmodell und ausschließlich im amerikanischen Layout verfügbar. Für den deutschen Schreibtisch ist das ein handfester Nachteil: keine Umlaute, kein ß, verschobene Sonderzeichen. Ob und wann eine deutsche Version kommt, ist offen.

Dazu kommen die üblichen Vorbehalte gegenüber Crowdfunding-Produkten. Andere Tester berichten von Software-Fehlern und schwankender Fertigungsqualität bei frühen Exemplaren; Lofree hat für die Serienfertigung Nachbesserungen zugesagt, unter anderem an der Beschriftung der Tastenkappen und beim anfänglich reichlich großzügig verteilten Logo-Einsatz.

Und schließlich der Preis. Nach dem Ende der Kickstarter-Kampagne ruft Lofree 279 US-Dollar für die kabelgebundene und 299 US-Dollar für die Tri-Mode-Version auf, umgerechnet rund 225 beziehungsweise 240 Euro. Das ist selbst für eine Aluminiumtastatur mit Sonderfunktionen ein stolzer Kurs.

Die transluzenten Tastenkappen lassen die Beleuchtung durchscheinen. Am rechten Rand der Funktionsleiste zeigt „BT" an, dass die Tastatur per Bluetooth verbunden ist.
Die transluzenten Tastenkappen lassen die Beleuchtung durchscheinen. Am rechten Rand der Funktionsleiste zeigt „BT" an, dass die Tastatur per Bluetooth verbunden ist. (Bild: Mac Life)

Fazit

Die Hyzen ist keine Tastatur, die man nebenbei kauft. Sie ist zu schwer, zu kantig, zu teuer und zu auffällig für einen Impulskauf. Was sie technisch versucht, ist aber echte Pionierarbeit: Mechanik und Magnetauslösung in einem Schalter, ohne dass eine der beiden Seiten spürbar leidet. Wer bisher zwei Tastaturen auf dem Schreibtisch hatte – eine zum Schreiben, eine zum Spielen –, bekommt hier erstmals eine überzeugende Alternative. Für alle anderen bleibt sie ein schönes, sehr schweres Statement, dessen Preis-Leistungs-Verhältnis vor allem über die Optik funktioniert. Solange kein deutsches Layout verfügbar ist, empfehlen wir ohnehin abzuwarten.

Testergebnis
ProduktnameHyzen
HerstellerLofree
Preisca. 250 €
Webseitewww.lofree.co
Pro
  • Nexus-Switch verbindet mechanisches Tippgefühl mit Magnetfunktionen
  • hochwertiges Aluminiumgehäuse
  • Ambient-Licht unter der Vorderkante
  • beleuchtete F-Reihe per mechanischem Kippschalter
  • Hot-Swap für mechanische und magnetische Switches
  • riesiger Akku
  • Konfiguration im Browser
Contra
  • bislang nur amerikanisches Layout
  • Lautstärkeregler mit Totzone zwischen den Rasten
  • scharfe Gehäusekanten
  • feste steile Neigung
  • hoher Preis
  • hohes Gewicht
Bewertung
2,2gut