Tastaturen für den Mac

Mehr Spaß beim Tippen

Es muss nicht immer ein Magic Keyboard sein: Wir zeigen sechs Tastaturen für Mac-Nutzer, die mehr Tippgefühl, bessere Akustik oder mehr Tempo auf den Schreibtisch bringen.

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Wer ein aktuelles MacBook kauft oder zu einem der Desktop-Macs gleich die passenden Eingabegeräte von Apple mitbestellt, tippt auf sehr flachen Tasten. Das hat nachvollziehbare Gründe: Bei tragbaren Geräten zählt jeder Millimeter, und Apple hat seine Magic Keyboards auf minimale Bauhöhe bei zugleich hoher Alltagstauglichkeit optimiert. Die einzelnen Tasten fallen größer aus als bei so manchem Windows-Laptop und funktionieren auch dann zuverlässig, wenn man sie nicht exakt in der Mitte trifft. Noch weniger Hub hast du nur, wenn du auf der virtuellen Tastatur eines iPhone oder iPad tippst. Diese Reduktion hat allerdings einen Nachteil: Beim Schreiben geht ein Teil der Haptik verloren, die Tasten lassen sich weniger deutlich erfühlen.

Wenn du auf Apple-Tastaturen häufiger danebengreifst und dir insgeheim ein prägnanteres Schreibgefühl zurückwünschst, haben wir eine gute Nachricht: Die Auswahl an Tastaturen ist heute größer denn je, und ständig kommen neue Modelle hinzu. Wer tiefer in das Thema einsteigt, landet schnell in einer Welt, die erstaunlich komplex ist und deren Verästelungen weit reichen. Wir sind bewusst nur bis zu den ersten Abzweigungen vorgedrungen und haben sechs spannende, sehr unterschiedliche Modelle herausgefiltert, die eines gemeinsam haben: Sie setzen nicht auf die Scherenmechanik der Apple-Keyboards und tippen sich deshalb deutlich anders.

Was ist „hot-swappable“?

Wer sich auf die Suche nach einer neuen Tastatur macht, begegnet früher oder später dem Begriff „hot-swappable“. Gemeint sind damit die Schalter einer Tastatur, also die Bauteile zwischen Tastenkappe und Platine. Trägt eine Tastatur diese Bezeichnung, kannst du die Switches besonders einfach austauschen, ganz ohne Löten. Du ziehst einen Schalter heraus und setzt einen anderen ein. Auf diese Weise änderst du mühelos das Tippgefühl oder ersetzt einen defekten Switch im Handumdrehen.

Logitech MX Mechanical

Beginnen wir mit der mechanischen Variante aus Logitechs beliebter Master-Serie. Sie ist als MX Mechanical mit 110 Tasten und als kompakte MX Mechanical Mini mit 85 Tasten erhältlich. Man spricht hier auch von einer 75-Prozent-Tastatur beziehungsweise von einer Variante ohne Nummernblock. In der uns vorliegenden großen Version sitzen mechanische Switches fest im Gehäuse, genauer die Choc V2 von Kailh. Der im Vergleich zu einer Apple-Tastatur fast schon endlos wirkende Tastenweg verläuft linear, bietet also keinen spürbaren Widerstand am Auslösepunkt. Die Tastenkappen aus dem weniger hochwertigen Kunststoff ABS besitzen ein proprietäres, eher niedriges Profil. Sie sind sphärisch geformt und zugleich leicht zylindrisch gewölbt. Insgesamt schreibt es sich angenehm, auch wenn die Tasten auf den Switches etwas wackelig sitzen. Da die MX Mechanical an Mac und Windows gleichermaßen funktioniert, tragen einige Tasten eine doppelte Beschriftung. Als Mac-Nutzer musst du dich deshalb zunächst an das zusätzliche „Start“ auf der Optionstaste gewöhnen.

Logitech richtet sich an ein breites Publikum und punktet eher mit Alltagstauglichkeit als mit ausgeprägter Individualität. Das zeigt auch die praktische Tastaturbeleuchtung in schlichtem Weiß: Ein Näherungssensor aktiviert das Licht, während ein Umgebungslichtsensor die Helligkeit automatisch anpasst. Für die Neubelegung der Medientasten ist die recht schwerfällige Software „Logi Options+“ zuständig. Dort siehst du auch, mit welchem von maximal drei Geräten die Tastatur gerade gekoppelt ist.

Keychron K5 Max

Unser nächster Testkandidat erinnert in seiner Grundidee an die MX Mechanical. Die K5 Max von Keychron liegt uns ebenfalls im 100-Prozent-Format vor, kleinere Varianten sind ebenfalls erhältlich. Allen gemein ist eine Bauweise, die konsequent auf das Nötigste reduziert wurde: Wo die Tasten enden, endet auch das Gehäuse. Das sieht modern aus, hat im Alltag aber kleine Nachteile. So kann sich beim Anheben der Tastatur schon einmal eine Tastenkappe lösen, wenn man abrutscht. Darunter kommen die roten Mechanical-2.0-Switches von Gateron zum Vorschein. Sie wirken etwas stabiler als die Kailh-Schalter der Logitech und klingen einen Hauch satter. Anders als bei Logitech lassen sich die Switches bei Keychron austauschen. Gateron bietet die Varianten Red, Brown, Blue und Banana an: Red arbeitet linear und fühlt sich besonders glatt und leichtgängig an, Brown bietet einen dezenten taktilen Druckpunkt ohne Klickgeräusch, Blue kombiniert einen spürbaren Druckpunkt mit einem deutlichen Klick und fällt dadurch akustisch wie haptisch am stärksten auf, und Banana arbeitet ebenfalls taktil, wirkt aber kräftiger und markanter als Brown. Ein Set mit 110 Schaltern kostet etwa 45 Euro. Der Umbau dauert je nach handwerklichem Geschick ungefähr 15 bis 20 Minuten.

Tastenkappen-Profile

In Cupertino heißt der Standard „Chiclet“, manche sprechen vom „Kaugummi-Profil“: flach, quadratisch, minimalistisch. Dieses Profil prägt das Tippgefühl auf MacBook und Magic Keyboard, bietet aber nur wenig haptische Variation. Mechanische Tastaturen arbeiten deutlich differenzierter.

Cherry: niedriges Profil mit zylindrischer Wölbung, sehr beliebt bei Schnellschreibern.

OEM (Original Equipment Manufacturer): etwas höher als Cherry und Standard bei vielen mechanischen Tastaturen.

OMA (Original Mechanical Architecture): verbindet die Höhe klassischer Schalter mit stärker gerundeten Kanten für einen sicheren Sitz der Finger.

OSA (OEM Spherical Angled): kombiniert OEM-Höhe mit einer sphärischen Vertiefung und erleichtert das blinde Zentrieren.

SA (Spherical All-over): sehr hohe Kappen mit tiefer Rundung für ein ausgeprägtes Schreibmaschinengefühl.

MDA (Minimized Dish Architecture): flacher als SA, griffig und kontrolliert, ohne so wuchtig zu wirken.

MOA (Marshmallow Optimized Architecture): gleich hohe, stark gerundete Kappen, weich im Anschlag und optisch eigenständig.

Lofree Flow 2

Eine noch recht junge mechanische Tastatur mit niedrigem Profil ist die Lofree Flow 2. Von allen Testkandidaten kommt sie dem Magic Keyboard optisch am nächsten, ist allerdings deutlich höher. Das hochwertige Gehäuse ist präzise aus einem Aluminiumblock gefräst, die Kanten wirken sogar noch schärfer als beim MacBook Pro. Zusammen mit einem Gewicht von knapp 900 Gramm unterstreicht das die edle Anmutung. Den Ein- beziehungsweise Umschalter versteckt Lofree clever unter einem der Füße zur Anpassung des Aufstellwinkels. Auf der rechten Seite sitzt ein berührungsempfindlicher Streifen, über den sich die Lautstärke und bei gedrückter fn-Taste auch die Bildschirmhelligkeit regeln lassen. Das ist praktisch, verlangt aber etwas Eingewöhnung, weil wir beim Arbeiten hin und wieder versehentlich die Musik aufdrehten.

Die Flow 2 gibt es in drei Größen mit 96, 75 und 65 Prozent sowie mit drei unterschiedlichen Switches. Für unseren Test hatten wir eine weiße Tastatur mit Nummernpad und Surfer-Switches sowie eine schwarze 75-Prozent-Version mit Void-Switches unter den Fingern. Die Schalter der Cloud Series entstanden in Kooperation mit Kailh und klingen hervorragend beziehungsweise fühlen sich beim Tippen ausgesprochen gut an, denn die Void-Switches arbeiten nahezu lautlos. Hier zeigt sich deutlich, wie viel Wert Lofree auf das Tippgefühl legt. Und auf Ästhetik. Das geht allerdings zulasten der Handhabung. Denn die Tasten der Flow 2 sind so dicht und gleichmäßig angeordnet, dass sich etwa Pfeiltasten und Nummernpad mit den Fingern nur schwer ertasten lassen. Daran ändern auch die dezenten Fühlwarzen wenig.

Die einfarbige Hintergrundbeleuchtung beherrscht lediglich drei Modi: aus, atmen und dauerhaftes Leuchten. Letzteres fällt in einem völlig dunklen Raum allerdings erstaunlich hell aus.

Unser Tipp

Keychron K2 HE: Hall-Effekt für Vielschreiber

(Bild: Sven T. Möller)

Die Keychron K2 HE ist die erste Wahl für alle, die ein nostalgisches Schreibgefühl mit modernster Technik suchen. Das 75-Prozent-Layout der Special Edition besticht durch edle Holzelemente und ein massives Gewicht. Ihr Herzstück sind die magnetischen Gateron-Switches: Dank Hall-Effekt lässt sich der Auslöseweg flexibel zwischen 0,2 und 3,8 Millimeter per Software justieren. Die hochwertigen PBT-Keycaps im OSA-Profil führen den Finger präzise zur Tastenmitte. Leider sind sie nicht durchscheinend und die Beleuchtung eher ein Stimmungslicht. Dennoch sind die 174 Euro eine lohnende Investition in Stil und Tippkomfort.

Design & Klang

Lofree Flow 2: Stylisch und wohlklingend

(Bild: Sven T. Möller)

Die Lofree Flow 2 setzt neue Maßstäbe bei Design und Akustik. Ihr präzise aus Aluminium gefrästes Gehäuse wirkt hochwertiger als Apples Magic Keyboard. Die in Kooperation mit Kailh entwickelten Switches – besonders die fast lautlose „Void“-Variante – bieten ein unglaublich gutes Tippgefühl. Der Klang der „Surfer“-Schalter ist präzise und erinnert an Regentropfen. Ein innovativer Touch-Streifen an der Seite steuert bequem Lautstärke und Helligkeit. Die kompakte Anordnung der Tasten macht blindes Tippen anfangs jedoch etwas gewöhnungsbedürftig. Ein stilvolles Designobjekt für den Schreibtisch ab 169 Euro.

Zum Zocken

Wooting 60HE v2: Die Gaming-Maschine

(Bild: Sven T. Möller)

Für E-Sportler ist die Wooting 60HE v2 die absolute Referenz. Mit einer Pollingrate von 8.000 Hertz eliminiert sie jede spürbare Verzögerung. Die magnetischen „Lekker Tikken“-Switches ermöglichen Profi-Features wie „Rapid Trigger“, bei dem Tasten ohne vollen Rückweg sofort erneut auslösen. Besonders clever: Die geteilte Leertaste bietet eine zusätzliche fn-Taste für den Daumen. Über die Wootility-App lässt sich jede Taste bis auf den Millimeter genau personalisieren und die Tastatur in eindrucksvollem und gleichsam nützlichem Licht erstrahlen. Pure Performance für anspruchsvolle Gamer für 225 Euro.

Hator Skyfall Pro Wireless

Mit der Skyfall Pro Wireless bewegen wir uns erstmals in höhere Gefilde. Die Tastatur mit mittelhohem Profil stammt eigentlich aus dem Gaming-Bereich, funktioniert am Mac im Büro aber ebenfalls sehr gut. Hator legt zwar Keycaps für unterschiedliche Layouts bei, darunter Deutsch, UK und Nordic, mit der Windows-Beschriftung müssen Mac-Anwender jedoch leben. Dafür belohnt die Skyfall Pro mit nahezu lautlosen und angenehm weichen Aurum-Vanilla-Schaltern aus eigener Entwicklung. Zusätzlich dämpfen ein Gasket-Mount-Aufbau, eine mehrschichtige Schalldämmung und geölte Stabilisatoren das Tippgeräusch wirksam. Das macht die Tastatur ideal für Leisetipper und Großraumbüros.

Mit oder ohne Kabel?

Alle getesteten Modelle lassen sich per Bluetooth, 2,4-GHz-Dongle oder USB-C-Kabel mit dem Mac verbinden, mit Ausnahme der Wooting. Sie setzt konsequent auf Kabelbetrieb. Für eine klar auf Gaming ausgelegte Tastatur ist das nachvollziehbar, denn Funkverbindungen können selbst bei guter Technik zusätzliche Latenz verursachen.

Die verspielte Hintergrundbeleuchtung inklusive Seitenlicht kannst du ebenso in der Software „SyncHUB“ einstellen wie die Funktionen der Sondertasten. Als einziges Modell im Test bietet die Skyfall Pro zwei fn-Tasten rechts zwischen Alt- und Control-Taste, mit denen du die verschiedenen Ebenen ansteuern kannst. Ebenfalls ungewöhnlich ist die kleine LCD-Anzeige: Sie zeigt wahlweise Uhrzeit und Tastaturinfos oder ein selbst hochgeladenes Pixelbild beziehungsweise GIF an. Im Alltag macht das allerdings kaum einen Unterschied. Der gut erreichbare Drehknopf ist da deutlich praktischer, um schnell Lautstärke oder Bildschirmhelligkeit zu regeln.

Interessantes Konzept: Wooting teilt die Leertaste für eine mit dem Daumen gut erreichbare fn-Taste, während man sich mit WASD durch Videospiele bewegt.
Interessantes Konzept: Wooting teilt die Leertaste für eine mit dem Daumen gut erreichbare fn-Taste, während man sich mit WASD durch Videospiele bewegt. (Bild: Sven T. Möller)

Keychron K2 HE

Solche Spielereien suchst du bei der K2 HE von Keychron vergeblich. Ihre Stärke verrät bereits der Namenszusatz „HE“ und liegt unter den 84 Tasten: Statt mechanischer Schalter mit festem physischem Auslösepunkt arbeiten hier die Double-Rail-Magnetic-Switches von Gateron mit dem sogenannten Hall-Effekt. Im Keychron Launcher kannst du unter anderem den Auslöseweg selbst bestimmen, also festlegen, wie weit du eine Taste drücken musst, damit sie als betätigt erkannt wird. Das können minimale 0,2 Millimeter oder die vollen 3,8 Millimeter sein. Auf die weiteren Vorzüge magnetischer Schalter kommen wir gleich noch bei Wooting zurück.

Neben ihren inneren Werten überzeugt die K2 HE auch mit einer edlen Optik. In der Special Edition fassen Holzelemente die knapp ein Kilogramm schwere Tastatur seitlich ein. Die hochwertigen Tastenkappen bestehen aus PBT. Sie laufen spitzer zu als bei allen anderen Modellen, wodurch die Oberfläche zwar kleiner, der Abstand zwischen den Tasten zugleich aber größer ausfällt. Zusammen mit dem OSA-Profil findet der Finger beim blinden Tippen sehr sicher die Mitte, fast wie bei einer analogen Schreibmaschine. Gleichzeitig liegt hier auch der größte Kritikpunkt der deutschen Version, denn die Tastenkappen sind nicht durchscheinend. Die Hintergrundbeleuchtung bleibt also auf den Raum zwischen den Tasten beschränkt und dient bestenfalls als Stimmungslicht. Wer die Beschriftung auch im Dunkeln klar erkennen möchte, muss in ein zusätzliches Keycap-Set investieren. Der Klang wiederum ist satt und angenehm zurückhaltend, auch wenn er nicht ganz so charakterstark ausfällt wie bei der Lofree.

Magisch, mechanisch, magnetisch

Apple adelt seine Eingabegeräte mit dem Prädikat „Magic“. Doch blickt man unter die Tastenkappen aktueller MacBooks und Desktop-Pendants, offenbart sich eher solide Ingenieurskunst als echte Zauberei. Das Fundament des Tippgefühls bei Apple bildet heute wieder der Scherenmechanismus. Hierbei stützen zwei ineinandergreifende Kunststoffbügel die Taste und sorgen für Stabilität. Es ist die Rückkehr zur Vernunft nach dem wohl dunkelsten Kapitel der Hardware-Historie: dem Butterfly-Mechanismus. Jene extrem flache Konstruktion sollte das MacBook noch schlanker machen, war aber so anfällig, dass bereits ein Krümel das Ende der Tippfreude bedeuten konnte. 

Abseits der flachen Apple-Welt thronen die mechanischen Tastaturen. Hier ist jede Taste ein eigenes Bauteil mit einer Metallfeder und einem elektrischen Kontakt. Das Ergebnis ist ein unerreichtes haptisches Feedback und eine Langlebigkeit, die Generationen von MacBooks überdauert. Der Preis dafür ist eine gewisse Unbeholfenheit im Design – sie sind klobig und oft laut – im Großraumbüro macht man sich damit selten Freunde.

Die technologische Speerspitze markiert derzeit der Hall-Effekt, die magnetische Revolution des Tippens. Im Gegensatz zur klassischen Mechanik verzichten diese Tastaturen auf den physischen Kontaktschluss. Benannt nach dem Physiker Edwin Hall, nutzt diese Technik eine elektrische Spannung, die durch ein Magnetfeld beeinflusst wird. Ein kleiner Magnet unter der Taste nähert sich beim Drücken einem Sensor auf der Platine an. Da sich das Magnetfeld mit der Annäherung verändert, kann der Sensor zu jedem Zeitpunkt exakt bestimmen, wie tief die Taste bereits gedrückt wurde. Das ist nicht nur nahezu verschleißfrei, sondern ermöglicht eine bisher ungekannte Freiheit: Du kannst den Auslösepunkt per Software auf den Millimeter genau justieren. Ob die Taste bereits bei einem sanften Hauch oder erst nach energischem Durchdrücken reagiert, entscheidet kein Bauteil mehr, sondern der persönliche Geschmack. Während Apple also die Magie der Beständigkeit pflegt, zeigt der Magnetismus, dass die Zukunft des Tippens längst ohne Reibungsverluste auskommt.

Wooting 60HE v2

Unter Gamern und E-Sportlern gilt Wooting seit Jahren als Referenz. Die Weiterentwicklung der beliebten 60HE+ greift viele Kundenwünsche auf und hat uns gezeigt, wie individuell und vielseitig eine Tastatur heute sein kann. Schon der Bestellprozess offenbart die enorme Auswahl: vom Gehäuse aus ABS oder Aluminium über das Layout und sechs verschiedene Schaltervarianten bis hin zu den Keycaps. Da unser Testmodell nicht vormontiert erhältlich ist, erreicht uns die Tastatur in Einzelteilen und gibt uns die Möglichkeit, den Aufbau einer Tastatur von Grund auf nachzuvollziehen. Wooting lässt seinen Kunden dabei größtmögliche Freiheit.

Soll die Platine im Gehäuse verschraubt werden oder reicht es, sie einzulegen, sodass Reibung sie an Ort und Stelle hält? Welche Dämpfung darf es sein: Silikon, EPDM-Schaum oder gar keine? Braucht es den ikonischen Strap, oder soll das Gehäuse bewusst schlicht bleiben?

Unser Testmodell im Aluminiumgehäuse kam mit einem Satz Hall-Effekt-Switches, die auf den wunderbaren Namen „Lekker Tikken“ hören und genauso fantastisch klingen. Je nach Dämpfung mal satter, mal klickender, aber stets präzise. Für die 60HE v2 hat Wooting zudem ein Bedienkonzept entwickelt, das die Tastatur noch besser für Spiele nutzbar macht: Die geteilte Leertaste integriert in der Mitte eine gut erreichbare fn-Taste. Sie aktiviert eine weitere Ebene der 60-Prozent-Tastatur. So werden WASD zu Pfeiltasten, aus den Zahlen werden Funktionstasten, und auch Lautstärke sowie Bildschirmhelligkeit lassen sich darüber steuern. Besonders gelungen ist dabei, dass die Tasten passend zu ihrer Funktion leuchten. Und alles, wirklich alles, lässt sich in der vorbildlichen App „Wootility“ anpassen.

Dort bestimmst du auch den Auslösepunkt, entweder für alle Tasten gemeinsam oder für jede einzelne Taste separat. Für Spieler hält Wootility darüber hinaus spezielle Funktionen bereit: Dank „Rapid Trigger“ kannst du eine Taste besonders schnell erneut auslösen, ohne dass sie vollständig in ihre Ausgangsposition zurückkehren muss. „Rappy Snappy“ und „Snappy Tappy“ verdienen zwar schon wegen ihrer Namen Aufmerksamkeit, priorisieren in der Praxis aber die tiefer gedrückte beziehungsweise zuletzt gedrückte Taste. Und speziell für Rennspiele kann sich die 60HE v2 sogar als Controller ausgeben und den Auslöseweg der Hall-Effekt-Switches als analoges Signal zum Gasgeben nutzen.

Pollingrate

Diese Zahl gibt an, wie oft pro Sekunde die Tastatur Daten an den Mac funkt. Während heute 1.000 Hertz keine Seltenheit mehr sind und spürbare Verzögerungen eliminieren, bedeuten die 8.000 Hertz der Wooting quasi das Ende jedweder Latenz.

Fazit

So unterschiedlich die vorgestellten Modelle ausfallen, so verschieden sind auch ihre Einsatzgebiete. Die MX Mechanical und die K5 Max empfehlen sich für den sanften Einstieg in die mechanische Welt. Ihr niedriges Profil verlangt keine große Umgewöhnung. Die Logitech ist das Arbeitstier, während die K5 Max so kompakt wie möglich gebaut ist und in unseren Ohren etwas gefälliger klingt.

Hators Skyfall Pro fühlt sich für Nutzer eines Magic Keyboard komplett anders an. Die Tasten sind hoch, lassen sich aber butterweich tippen. Wer ein lautloses Eingabegerät fürs Büro oder zum Streamen sucht und sich an der Windows-Beschriftung nicht stört, wird hier glücklich. Unsere Empfehlung für Vielschreiber ist die Keychron K2 HE. Nicht nur optisch erinnert sie stark an eine Schreibmaschine. Wem aufgrund der Höhe auf Dauer die Hände ermüden, der kann zusätzlich in eine Handballenauflage investieren. Die Wooting 60HE v2 ist wenig überraschend prädestiniert fürs Gaming. Gleichwohl macht sie auch beim Schreiben Spaß, wenn man sich erst einmal an die geringe Größe und die Bedienung über die zweite Ebene gewöhnt hat.

ABS, PBT Double Shot

Wer nicht nur auf den Anschlag, sondern auch auf die Haptik achtet, landet schnell beim Material der Tastenkappen. ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) ist günstig und glatt, neigt mit der Zeit aber zum unschönen „Speckglanz“. PBT (Polybutylenterephthalat) fühlt sich rauer an, ist meist widerstandsfähiger und bleibt länger ansehnlich. Besonders langlebig ist das Double-Shot-Verfahren. Dabei wird die Beschriftung nicht aufgedruckt, sondern aus einem zweiten Kunststoff geformt. So bleibt sie auch bei intensiver Nutzung dauerhaft erhalten.

Mein langer Weg

Als Gestalter mochte ich lange Apples radikal flache Tastaturen. Mit wachsendem Schreibpensum stieg allerdings auch die Neugier auf mechanische Alternativen. Dieser Vergleichstest brachte für mich keinen eindeutigen Sieger hervor, wohl aber eine klare Erkenntnis: Tastaturen sind hochgradig individuell. Je nach Aufgabe darf deshalb durchaus mehr als ein Modell auf dem Schreibtisch oder in der Schublade liegen.

Tastaturen für den Mac

Dieser Artikel ist Teil unserer kleinen Artikelserie „Tastaturen für den Mac“. Hier findest du alle weiteren Artikel aus der Reihe:

  • Mehr Spaß beim Tippen
  • Hau in die Tasten!
  • Die Mutter aller Tastaturen: das Apple Extended Keyboard
Sven T. Möller // Layouter & Redakteur
Sven T. Möller

Wenn jemand bei der Mac Life Ordnung ins Chaos bringt, dann ist es Sven T. Möller – und das gleich in doppelter Hinsicht. Als Layouter gibt er jeder Ausgabe ihre unverwechselbare Gestalt, als Redakteur sorgt er dafür, dass Apple-Themen mit der nötigen Tiefe behandelt werden. Sven ist seit Mitte der 2000er Jahre an Bord und damit eines der echten Urgesteine des Teams. Smarthome beschäftigt ihn als Eigenheimbesitzer mit besonderer Ernsthaftigkeit – und gelegentlich auch Frustration. Außerdem ist er mit Leidenschaft Musikhörer, wobei „hören“ bei Sven gerne auch als „beschallen“ interpretiert werden darf: Tests etwa für Bluetooth-Lautsprecher verantwortet er, frei nach dem Motto „je größer und lauter, desto besser“. Sven ist Mitbegründer und Co-Host des Apple-Podcasts Schleifenquadrat.

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