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Farbe vor Pixeln

BenQ PD2732U im Test: Die vernünftige Alternative zum Studio Display?

Kein Aluminium, kein 5K, keine Kamera: BenQ stellt dem Mac einen 27-Zöller zur Seite. Auf Glanz und Gloria verzichtet er, in macOS fügt er sich trotzdem nahtlos ein. Reicht das, um Apples Studio Display auszustechen?

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Ein Monitor, der sich „Creative Pro“ nennt, weckt Erwartungen – und der BenQ PD2732U erfüllt sie zumindest auf den ersten Blick nur zur Hälfte. Wer vom Aluminium eines Studio Displays kommt, blickt kurz betreten zur Seite. Das Gehäuse besteht überwiegend aus Kunststoff, die Rückseite wölbt sich wie ein Röhrenfernseher mit Diätvorsatz. Immerhin: Der Standfuß wirkt solide, der Rahmen fällt oben und seitlich angenehm schmal aus.

Herbst-Angebot

Am Mac, bei uns an einem M4-Max-MacBook-Pro unter macOS 26, zeigt sich der PD2732U von seiner besten Seite. Das beiliegende Thunderbolt-Kabel überträgt Bild, Daten und bis zu 90 Watt Ladeleistung, ein externes Netzteil braucht weder Monitor noch MacBook. Für ein MacBook Air reicht die Leistung locker, für ein 14-Zoll-MacBook-Pro mit M4 oder M4 Pro in aller Regel. Ein 14-Zoll-Modell mit Max-Chip, dem Apple ein 96-Watt-Netzteil beilegt, und ein 16-Zoll-Modell laden unter Volllast eher gemächlich. Auch bei Dauerbetrieb bleibt der Monitor lautlos und kühl – keine Selbstverständlichkeit: Auf unseren Schreibtischen standen schon Displays, die surrten oder als Zweitheizung durchgingen.

Vom Notebook zum ersten Monitor, von dort zum zweiten: Per Thunderbolt-Kette laufen zwei 4K-Bildschirme an einem einzigen Anschluss des Rechners. Das spart Kabel und Ports am MacBook.
Vom Notebook zum ersten Monitor, von dort zum zweiten: Per Thunderbolt-Kette laufen zwei 4K-Bildschirme an einem einzigen Anschluss des Rechners. Das spart Kabel und Ports am MacBook. (Bild: BenQ)

Damit sich der Bildschirm nach Mac-Zubehör anfühlt, gehört die Begleit-App Display Pilot 2 auf den Rechner. Erst sie bringt die Helligkeitstasten der Mac-Tastatur zum Laufen, schaltet den M-book-Modus frei und aktiviert ICCsync: Wechselt man am Monitor den Farbmodus, tauscht macOS das passende Farbprofil gleich mit aus. Der M-book-Modus indes gleicht die Darstellung an die eines MacBook-Displays an, damit auf Fotos beim Verschieben zwischen den Bildschirmen nicht plötzlich die Gesichtsfarbe wechselt. Das gelingt weitgehend, ein Hauch Farbtemperatur trennt die Anzeigen mitunter noch. Wer für Apps gestaltet, simuliert per „iDevice Color Sync“ zudem die Darstellung von iPhone und iPad.

Die Bildqualität ab Werk überzeugt. Graustufen erscheinen neutral und ohne Abrisse. Die Blickwinkel geben keinen Anlass zur Klage, die Hintergrundbeleuchtung flimmert nicht – angenehm bei langen Retuschesitzungen in Lightroom.

Ein Detail verdient Aufmerksamkeit: Ab Werk gleicht eine Funktion die Helligkeit über die gesamte Fläche aus. Das gelingt spürbar, kostet aber etwas Leuchtkraft und Kontrast. Im abgedunkelten Arbeitszimmer bleibt der Ausgleich für die Bildbearbeitung die richtige Wahl, am sonnigen Fenstertisch lohnt sich aber das Abschalten. Die matte Oberfläche trägt die Bezeichnung „Nano Matte Black“. Sie dämpft Spiegelungen gut, ganz verschwinden sie nicht: Auf dunklen Inhalten zeichnen sich helle Kleidung und das eigene Gesicht schemenhaft ab. Apples Nanotexturglas entspiegelt noch wirksamer.

Bedienen lässt sich der Monitor über einen Joystick, der bei unseren Manövern im Menü allerdings gern eine Ebene zu weit springt. Die Rettung liegt neben der Tastatur: Der kabellose „Hotkey Puck G3“ wechselt per Drehrad und drei frei belegbaren Tasten Farbmodi, Eingänge oder den KVM-Schalter. Er funkt per Infrarot und braucht daher Sichtkontakt zum Monitor. Zwar reagiert er mit leichter Verzögerung, ist aber ein echter Komfortgewinn. Für den Betrieb benötigt er zwei AAA-Batterien.

4K, Adobe RGB und Kalibrierung

Das IPS-Panel des Bildschirms misst 27 Zoll und löst mit 3.840 mal 2.160 Bildpunkten auf. BenQ verspricht 99 Prozent Adobe RGB und Display P3. Nachgemessen bleibt der Monitor ab Werk etwas darunter, nach einer Kalibrierung rückt er nah an die Angaben heran und deckt auch den Druckstandard ISO Coated praktisch vollständig ab.

Kalibrieren lässt sich der PD2732U allerdings nur per Software, eine Hardware-Kalibrierung im Monitor fehlt ebenso wie ein eingebauter Sensor. Mac-Nutzende haben hier aber einen kleinen Vorsprung: BenQs Software Aqcolor Pilot erschien für macOS zuerst. Sie arbeitet zuverlässig, bietet aber nur vordefinierte Helligkeitsziele. Mehr Freiheit gewähren die Software des Messgeräts oder DisplayCAL. Das fertige Profil landet in macOS unter „Systemeinstellungen > Displays > Farbprofil“.

Thunderbolt 4 als Eingang und Ausgang, dazu HDMI, DisplayPort und ein USB-C-Upstream: An der Rückseite versammelt der PD2732U alles, was ein Mac-Arbeitsplatz braucht. Die beiden KVM-Buchsen teilen Tastatur und Maus zwischen mehreren Rechnern auf.
Thunderbolt 4 als Eingang und Ausgang, dazu HDMI, DisplayPort und ein USB-C-Upstream: An der Rückseite versammelt der PD2732U alles, was ein Mac-Arbeitsplatz braucht. Die beiden KVM-Buchsen teilen Tastatur und Maus zwischen mehreren Rechnern auf. (Bild: BenQ)

Fast ein Retina-Display

Der Knackpunkt am Mac bleibt die Pixeldichte: Mit 163 Pixeln pro Zoll erreicht der PD2732U nicht die 218 Pixel pro Zoll eines Apple Studio Displays. macOS fühlt sich bei rund 110 oder 220 Pixeln pro Zoll am wohlsten. Die doppelt aufgelöste Standardeinstellung wirkt wie ein Full-HD-Bildschirm – alles groß und scharf, aber mit nur wenig Platz. Für die beliebte Darstellung im Stil von 2.560 mal 1.440 Punkten berechnet macOS ein 5K-Bild und rechnet es herunter. Die Schrift bleibt sauber und frei von Farbsäumen, wirkt aber minimal weicher als auf einem 5K-Panel. In Photoshop entspricht die 100-Prozent-Ansicht dann nicht mehr exakt einem Bildpunkt.

Bei den Anschlüssen spielt BenQ hingegen Apple an die Wand: Thunderbolt 4 als Eingang und als Ausgang für einen zweiten Bildschirm in 4K – Letzteres allerdings nicht an Macs mit M1- oder M2-Basischip –, dazu HDMI 2.0, DisplayPort 1.4, ein USB-C-Upstream sowie USB-A- und USB-C-Buchsen an der Unterkante. Lautsprecher, Kamera und Lichtsensor fehlen, Ton gibt es nur über die Kopfhörerbuchse. Der Standfuß bietet Höhenverstellung, Neigung und Pivot, die seitliche Drehung fällt mit je 15 Grad indes knapp aus.

Für wen lohnt sich der BenQ PD2732U?

Der PD2732U richtet sich an Menschen, für die Farbe Arbeitsmaterial ist: Fotografie, Grafikdesign, Druckvorstufe und Videoschnitt in SDR. Wer Print und Web abstimmt, vergleicht per „DualView“ zwei Farbmodi direkt nebeneinander. Für HDR-Grading fehlt es dem Display aber an Helligkeit.

Ein Glanzstück ist der KVM-Schalter: Hängt das MacBook per Thunderbolt am Monitor, wandern Tastatur und Maus automatisch mit dem Bildeingang zu Mac mini oder gar einem Windows-PC. Der zweite Rechner braucht dafür neben HDMI oder DisplayPort eine USB-Verbindung zum USB-C-Upstream-Port des Monitors. Bequemer geht es kaum.

Das Apple Studio Display (2026) bietet 5K, eine höhere Helligkeit, Thunderbolt 5, Kamera und sehr gute Lautsprecher, kostet mit 1.699 Euro aber mehr als das Doppelte, mit höhenverstellbarem Fuß sogar 2.099 Euro. BenQs 5K-Modell PD2730S liefert Retina-Schärfe für rund 1.100 Euro, im Handel oft unter 1.000 Euro – allerdings ohne Adobe-RGB-Abdeckung. Wer Hardware-Kalibrierung und eingebauten Sensor braucht, greift zum PD2770U für 1.699 Euro – so viel wie ein Studio Display.

Für Fotografie, Layout und Druckvorstufe gebaut: Der PD2732U deckt laut Hersteller 99 Prozent von Adobe RGB ab. Der kabellose Hotkey Puck, hier auf dem Standfuß geparkt, wechselt die Farbmodi per Knopfdruck.
Für Fotografie, Layout und Druckvorstufe gebaut: Der PD2732U deckt laut Hersteller 99 Prozent von Adobe RGB ab. Der kabellose Hotkey Puck, hier auf dem Standfuß geparkt, wechselt die Farbmodi per Knopfdruck. (Bild: BenQ)

Fazit

Der BenQ PD2732U ist kein Schönling vom Schlage eines Apple Studio Displays, aber ein ehrlicher Arbeiter mit erstaunlich viel Farbgefühl. Für Kreative am Mac, die Adobe RGB, viele Anschlüsse und ein einziges Kabel für Bild und Strom suchen – gern auch im Mischbetrieb mit einem PC –, ist er die vernünftigere Wahl, sofern 163 Pixel pro Zoll genügen.

Stefan Molz // Chefredakteur
Stefan Molz

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.

Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.

Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.

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→ Schleifenquadrat-Podcast

Testergebnis
ProduktnamePD2732U
HerstellerBenQ
Preis749 €
Webseitebenq.eu
Pro
  • gute macOS-Integration, ab Werk farbtreu, großer Farbraum, Thunderbolt 4 (90 W), KVM, Hotkey Puck, flimmerfrei
Contra
  • nur 163 ppi, nur Software-Kalibrierung, Helligkeitsausgleich kostet Kontrast, ungenauer Joystick
Bewertung
1,8gut

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