Schon damals war das AEK2 nicht bloß Werkzeug, sondern Komplize. Der Anschlag besitzt ein eigentümliches Gewicht, einen Widerstand, der sich an die Fingerkuppen schmiegt. Das Klacken ist trocken, autoritär, fast schon „amtlich“. Die ALPS-Switches unter den Tasten zählen unter Sammlern zum Maßstab dessen, was eine mechanische Tastatur sein soll. Wer auf ihr tippt, hat den Eindruck, „echte“ Arbeit zu verrichten. Jenes mittlerweile rare Gefühl, das einen erdet und das Denken beim Texten in geordnete Bahnen zwingt. Texte, die ich darauf verfasste, fielen, so bilde ich es mir bis heute ein, eine Spur disziplinierter aus, weil jeder Anschlag eine Verbindlichkeit darstellt.
Vergessen hatte ich das AEK2 nie, doch erst mein geschätzter Kollege Sven brachte den Stein wieder ins Rollen: Sein Special zum Thema mechanische Tastaturen ließ eine wohlige Welle von Nostalgie über mich hereinbrechen. Ich tat daraufhin, was Erwachsene mit Hang zur Tastenromantik in solchen Fällen tun, und öffnete kleinanzeigen.de. Wenige Tage und 80 Euro später hielt ich ein gut erhaltenes Exemplar in den Händen, auf dem ich auch diese Zeilen tippe. Ich darf bestätigen: Die Begeisterung von einst ist keine verklärte Erinnerung. Sie ist taktil und akustisch belegbar noch immer da.
Der 1986 mit dem Apple IIGS eingeführte Apple Desktop Bus (ADB) wurde von Steve Wozniak mitentwickelt. Über einen 4-Pin-Mini-DIN-Stecker, der auch bei S-Video zum Einsatz kommt, ließen sich Tastaturen, Mäuse und Grafiktabletts in Reihe verbinden. 1998 löste USB den ADB am iMac G3 ab.
Ganz so trivial wie das Auspacken war die Inbetriebnahme nicht, denn die alte Dame kommt nicht mit USB, sondern mit einer ADB-Buchse daher, jenem mausgrauen Mini-DIN-Stecker, der vor der USB-Ära an jedem Mac saß. Theoretisch hätte ich mir einen Adapter zusammenlöten können, praktisch gewinnt in solchen Fragen meist die Vernunft, jenes lieber Profis zu überlassen. Eine kurze Reddit-Recherche führte mich zum „tinkerBOY ADB to USB Converter“, der von Kennern empfohlen wird. Rund 50 Euro inklusive Versand, gefertigt in Handarbeit auf den Philippinen – das bedeutet, man muss sich in Geduld üben, eine Tugend, die man sich beim Tippen auf einer derartigen Tastatur ohnehin angewöhnt. Als das Päckchen eintraf, war der Rest unspektakulär: Adapter zwischengesteckt, USB-Stecker in den Mac, fertig!
Seither steht das AEK2 wieder auf meinem Schreibtisch, flankiert von einem aktuellen Mac und einem Bildschirm, von dem ich vor 30 Jahren nur hätte träumen können. Diese Tastatur ist für mich der Beweis, dass gutes Werkzeug nicht altert. Es ist, das gebe ich zu, ein unvernünftiges Gerät: groß, laut und mit dem Mittagsschlaf von Bürohund Bazu schwer verträglich. Doch beim Schreiben tut es exakt das, was gute Apple-Hardware seit jeher am besten kann: Sie verschwindet hinter ihrer Aufgabe.
Tastaturen für den Mac
Dieser Artikel ist Teil unserer kleinen Artikelserie „Tastaturen für den Mac“. Hier findest du alle weiteren Artikel aus der Reihe:
- Mehr Spaß beim Tippen
- Hau in die Tasten!
- Die Mutter aller Tastaturen: das Apple Extended Keyboard

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.
Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.
Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.

