Auto-Software

Rivian hält an Verzicht auf Apple CarPlay fest

Rivian will Apple CarPlay weiterhin nicht in die eigenen Fahrzeuge integrieren. Softwarechef Wassym Bensaid begründet das mit einer engeren Verzahnung von Fahrzeugfunktionen, Navigation und KI-Assistenten.

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Rivian hält an seiner Linie fest: Apple CarPlay und Android Auto sollen weiterhin nicht Teil der eigenen Fahrzeuge werden. In einem Gespräch mit The Verge erklärte Softwarechef Wassym Bensaid, der Elektroautohersteller wolle die Software-Erfahrung im Auto nicht an eine Smartphone-Spiegelung abgeben.

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Quickread: Auf einen Blick
  • Rivian will Apple CarPlay weiterhin nicht in die eigenen Fahrzeuge integrieren.
  • Softwarechef Wassym Bensaid sieht eigene Fahrzeugsoftware als bessere Lösung.
  • KI-Assistenten sollen künftig viele App-Funktionen im Auto übernehmen.
  • Laut Rivian ist die Nachfrage nach CarPlay in internen Umfragen deutlich gesunken.
  • Volkswagen könnte auf der gemeinsamen Plattform dennoch CarPlay anbieten.

Warum Rivian CarPlay ablehnt

Bensaid begründet die Entscheidung vor allem mit Kontrolle über die gesamte Benutzeroberfläche. Lösungen wie CarPlay würden nach seiner Darstellung den Bildschirm des Fahrzeugs weitgehend übernehmen. Rivian setze stattdessen auf eine eigene Oberfläche, die Navigation, Fahrmodi, Effizienzwerte und Komfortfunktionen enger miteinander verbinden soll.

Das ist ein zentraler Unterschied zu klassischen Infotainment-Systemen. Rivian betrachtet die Fahrzeugsoftware nicht nur als Anzeige für Apps, sondern als Teil eines größeren Systems, das direkt mit dem Auto verbunden ist. Dazu gehören etwa Einstellungen für Klima, Sitzposition, Routenplanung oder Energieverbrauch.

Agentische KI soll Apps teilweise ersetzen

Bensaid sieht die Zukunft weniger in einzelnen App-Symbolen auf dem Fahrzeugdisplay, sondern in stärker integrierten KI-Assistenten. Nach seiner Einschätzung könnten solche Systeme künftig viele Aufgaben übernehmen, für die Fahrerinnen und Fahrer heute CarPlay oder Android Auto nutzen.

Agentische KI erklärt!

Agentische KI beschreibt Systeme, die nicht nur einzelne Sprachbefehle beantworten, sondern Aufgaben selbstständig über mehrere Schritte hinweg ausführen können. Im Auto könnte ein solcher Assistent etwa Navigation, Musik, Kalender oder Fahrzeugfunktionen verbinden, ohne dass Fahrerinnen und Fahrer dafür mehrere Apps öffnen müssen.

Ganz kurzfristig ist das aber offenbar nicht gemeint. Auf die Frage, ob eine solche Alternative heute schon verfügbar sei, sagte Bensaid laut The Verge sinngemäß: nein. Die technischen Grundlagen seien jedoch inzwischen vorhanden, um neue Formen der Interaktion zwischen Auto, Smartphone und digitalen Assistenten zu entwickeln.

Kundennachfrage soll gesunken sein

Interessant ist auch Rivians Blick auf die eigene Kundschaft. Bensaid verweist auf interne Umfragen: Beim Start von R1T und R1S hätten demnach mehr als 70 Prozent der Kundinnen und Kunden CarPlay gefordert. In einer aktuellen Umfrage liege dieser Wert laut Rivian bei unter 25 Prozent.

Diese Zahlen stammen von Rivian selbst und lassen sich von außen nicht unabhängig bewerten. Sie zeigen aber, wie der Hersteller seine Strategie einordnet: Je mehr Funktionen die eigene Software abdeckt, desto weniger wichtig soll Smartphone-Projektion im Alltag werden.

Volkswagen kann anders entscheiden

Bemerkenswert ist der Kontext der Aussagen. Bensaid ist nicht nur Softwarechef von Rivian, sondern auch Co-CEO des Joint Ventures von Rivian und Volkswagen. Diese Plattform soll künftig Software und elektrische Architektur für Elektroautos im Volkswagen-Konzern liefern. The Verge zufolge kann Volkswagen dabei eigene Entscheidungen zur Benutzeroberfläche treffen – inklusive CarPlay-Unterstützung. Rivian selbst will CarPlay jedoch weiterhin nicht übernehmen.

Für Käuferinnen und Käufer bleibt die Entscheidung damit klarer als die technische Debatte dahinter: Wer ein Rivian-Fahrzeug möchte, bekommt eine stark integrierte Hersteller-Software, aber kein Apple CarPlay. Rivian setzt darauf, dass KI-Funktionen und tiefere Fahrzeuganbindung diesen Verzicht langfristig ausgleichen können.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
Rivians Argument ist nachvollziehbar, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Eine tief integrierte Fahrzeugsoftware kann sinnvoll sein, wenn es um Reichweite, Routenplanung, Ladezustand oder Fahrmodi geht. Genau dort hat der Hersteller Zugriff auf Daten, die ein Smartphone-System nicht ohne Weiteres bekommt.

Schwieriger wird es bei der Grundannahme, dass möglichst viel Bedienung über eine zentrale Touchscreen-Oberfläche laufen sollte. Das sieht auf Produktfotos oft aufgeräumt aus, ist im Alltag aber nicht automatisch die bessere Lösung. Gerade häufig genutzte Funktionen wie Temperatur, Lüftung oder Sitzheizung profitieren von festen Bedienelementen. Ein Knopf oder Regler ist ertastbar und sitzt immer an derselben Stelle. Eine Touchscreen-Fläche kann dagegen je nach Kontext anders aussehen, verschoben sein oder erst nach einem zusätzlichen Tipp sichtbar werden. Das erhöht die Ablenkung – gerade während der Fahrt.

Bei CarPlay muss man zudem unterscheiden. Über CarPlay Ultra, das tiefer in Anzeigen und Fahrzeugfunktionen eingreift, kann man aus Herstellersicht durchaus diskutieren. Das klassische CarPlay für Navigation, Medien, Telefonie und Apps ist dagegen längst mehr als ein Komfort-Extra. Für viele Nutzerinnen und Nutzer ist das Smartphone der zentrale digitale Hub. Kontakte, Kalender, Musikdienste, Podcasts, Nachrichten und Karten sind dort bereits aktuell und eingerichtet.

Auch für Autohersteller ist das ein pragmatischer Vorteil: Wenn CarPlay oder Android Auto sauber laufen, müssen sie nicht jede Infotainment-Funktion selbst auf dem Niveau von Apple oder Google pflegen. Aktuelle Karten, App-Ökosysteme und Medienwiedergabe kommen dann aus einem System, das Nutzer ohnehin täglich verwenden. Genau deshalb wirkt Rivians Verzicht nicht nur wie ein Software-Statement, sondern auch wie eine Wette darauf, dass die eigene Lösung im Alltag dauerhaft besser ist als das Smartphone. Diese Wette muss Rivian erst noch einlösen.

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