TSMC-Kundenhierarchie verschiebt sich

Nvidia verdrängt Apple als größten TSMC-Kunden

Nach mehr als zehn Jahren an der Spitze muss Apple seine Position als wichtigster TSMC-Kunde an Nvidia abgeben – eine Folge des KI-Booms.

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Quickread: Auf einen Blick
  • Nvidia generiert 2026 etwa 33 Milliarden US-Dollar Umsatz bei TSMC, Apple nur noch 27 Milliarden US-Dollar.
  • KI-Chips sind größer und teurer in der Herstellung als Apples A- und M-Serie-Prozessoren.
  • Apple verliert strategischen Einfluss bei TSMC und muss mit höheren Chip-Kosten rechnen.

Nvidia hat Apple im Jahr 2026 als größten Kunden des Chipherstellers TSMC abgelöst. Das berichtet CNBC. Analysten prognostizieren, dass Nvidia in diesem Jahr rund 33 Milliarden US-Dollar Umsatz bei TSMC generieren wird, während Apple auf etwa 27 Milliarden US-Dollar kommt. Diese Verschiebung spiegelt die stark gestiegene Nachfrage nach KI-Chips wider und markiert einen grundlegenden Wandel in der Halbleiterindustrie.

Nvidia überholt Apple bei TSMC-Umsätzen

Nach mehr als einem Jahrzehnt als wichtigster Kunde von Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. hat Apple diese Position an Nvidia verloren. Laut Schätzungen von Analysten wird Nvidia im Jahr 2026 etwa 22 Prozent des gesamten TSMC-Umsatzes ausmachen, während Apples Anteil auf rund 18 Prozent sinkt. Nvidia-Chef Jensen Huang bestätigte diese Entwicklung kürzlich in einem Podcast.

Die Verschiebung der Machtverhältnisse bei TSMC ist eine direkte Folge des globalen Ausbaus der KI-Infrastruktur. Nvidias Grafikprozessoren werden in Rechenzentren großer Cloud-Anbieter als Beschleuniger für KI-Anwendungen eingesetzt – und die Nachfrage steigt rasant.

Unterschiedliche Chip-Architekturen treiben Umsätze

Ein wesentlicher Grund für Nvidias wachsenden TSMC-Umsatz liegt in der Art der benötigten Chips. KI-Beschleuniger sind deutlich größer, komplexer und teurer in der Herstellung als Apples A- oder M-Serie-Prozessoren. Sie erfordern modernste Fertigungsverfahren, fortschrittliche Packaging-Techniken und höhere Wafer-Kosten – all das führt zu höheren Einnahmen pro Chip für TSMC.

TSMC erklärt!

Taiwan Semiconductor Manufacturing Company ist der weltweit größte Auftragsfertiger für Halbleiter. Das Unternehmen produziert Chips für andere Firmen wie Apple, Nvidia oder AMD, die selbst keine eigenen Fabriken betreiben. TSMC gilt als technologischer Vorreiter und fertigt die modernsten Prozessoren der Welt.

Apple hingegen produziert deutlich höhere Stückzahlen, benötigt aber kleinere System-on-a-Chip-Designs, die auf Energieeffizienz und Verbrauchergeräte optimiert sind. Das Ergebnis: niedrigere Herstellungskosten pro Einheit.

Apple verliert strategischen Einfluss bei TSMC

Die wachsende Abhängigkeit TSMCs von KI-Kunden könnte direkte Auswirkungen auf Apple haben. Während das Unternehmen weiterhin zu den wichtigsten Kunden des Auftragsfertigers zählt, ist es nicht mehr der primäre Treiber für TSMCs Kapazitätserweiterungen oder Investitionsentscheidungen. Analysten gehen davon aus, dass Nvidia faktisch Apples Rolle als Großkunde übernommen hat, der die Entwicklung neuer Fertigungsverfahren mitgestaltet und Investitionen in modernste Prozesstechnologien rechtfertigt.

Apple muss sich zudem zunehmend gegen andere Unternehmen um Chip-Kapazitäten bei TSMC durchsetzen. Laut einem Bericht des Semiconductor-Analysten Tim Culpan ist Apple nicht mehr automatisch bevorzugt, wenn es um Zugang zu modernsten Fertigungskapazitäten geht. Das Unternehmen konkurriert nun direkt mit KI-fokussierten Kunden wie Nvidia und AMD um Lieferungen, insbesondere bei den fortschrittlichsten Prozessknoten.

Höhere Kosten für Apple-Chips erwartet

KI-Beschleuniger verbrauchen deutlich mehr Wafer-Fläche pro Einheit als Smartphone-Prozessoren. Das bedeutet, dass selbst eine kleinere Anzahl von KI-Kunden einen überproportional großen Anteil der fortschrittlichen Fertigungskapazitäten beanspruchen kann. Apples Chip-Designs werden daher nicht mehr automatisch in allen zwei Dutzend Fertigungsanlagen von TSMC priorisiert.

Der Bericht legt nahe, dass Apple möglicherweise höhere Silizium-Kosten für künftige Chip-Generationen zahlen muss, da es mit KI-Kunden konkurriert, die bereit sind, Aufpreise für bevorzugten Zugang zu zahlen. Während es unwahrscheinlich ist, dass Apple aufgrund unzureichender Wafer-Kapazitäten keine Produkte ausliefern kann, könnte anhaltender Preisdruck bei fortschrittlichen Prozessknoten die Produktmargen oder Preisstrategien in den kommenden Jahren beeinflussen.

TSMC hat Berichten zufolge bereits begonnen, wichtige Kunden wie Apple über weitere Preiserhöhungen zu informieren. Die Preissteigerungen sollen sich im Bereich von acht bis zehn Prozent bewegen und im kommenden Jahr in Kraft treten. Sie betreffen fortschrittliche Fertigungsverfahren unter fünf Nanometern – also genau jene Technologien, die Apple für seine A- und M-Serie-Chips verwendet.

Apple erkundet Alternativen zu TSMC

Angesichts der veränderten Machtverhältnisse bei TSMC erkundet Apple laut Berichten Alternativen für weniger kritische Komponenten und bestimmte Kategorien, um seine Lieferkette zu diversifizieren. Intels kommender 18A-P-Prozess könnte eine Option für einige Apple-Silicon-Chips sein, ohne dabei Flaggschiff-Produkte zu gefährden.

Analyst Ming-Chi Kuo berichtete Ende November 2025, dass Apple möglicherweise Intel als wichtigen neuen Lieferanten für seine M-Serie-Chips hinzuziehen könnte. Dies würde eine bedeutende Verschiebung darstellen, da Apple derzeit ausschließlich mit TSMC für die Produktion seiner M-Serie-Chips zusammenarbeitet.

Nvidias kometenhafter Aufstieg

Nvidias Aufstieg spiegelt sich nicht nur in den TSMC-Umsätzen wider, sondern auch in der Marktkapitalisierung des Unternehmens. Im Juli 2025 wurde Nvidia als erstes börsennotiertes Unternehmen mit einer Marktbewertung von vier Billionen US-Dollar bewertet. Im Oktober 2025 durchbrach das Unternehmen als erstes die Fünf-Billionen-US-Dollar-Marke.

Apple erreichte im Oktober 2025 ebenfalls eine Marktkapitalisierung von vier Billionen US-Dollar, liegt aber weiterhin hinter Nvidia zurück. Microsoft ist das dritte Unternehmen, das diese Schwelle überschritten hat.

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