Der neue MacBook Neo entwickelt sich zu einem durchschlagenden Erfolg für Apple – allerdings mit einer unerwarteten Konsequenz. Laut dem Taiwan-basierten Tech-Kolumnisten und ehemaligen Bloomberg-Reporter Tim Culpan steht das Unternehmen vor einem „massiven Dilemma“: Die Nachfrage nach dem günstigen MacBook ist so hoch, dass Apple bald ein Versorgungsproblem mit den verwendeten Chips bekommen könnte.
- Apple nutzt im MacBook Neo fehlerhafte A18 Pro Chips aus der iPhone-Produktion, die sonst entsorgt würden.
- Die Nachfrage ist so hoch, dass der Vorrat dieser Chips ausgeht, bevor die zweite Generation mit A19 Pro kommt.
- Apple muss entweder teure Neuproduktion starten oder niedrigere Gewinnmargen akzeptieren.
Warum der MacBook Neo so günstig ist
Der Grund für den attraktiven Einstiegspreis von 699 Euro liegt in einer cleveren Strategie: Apple verwendet im MacBook Neo sogenannte „gebinnte“ A18 Pro Chips. Diese stammen ursprünglich aus der Produktion für die iPhone 16 Pro Modelle. Während des Herstellungsprozesses kommt es gelegentlich vor, dass einzelne CPU- oder GPU-Kerne fehlerhaft sind. Statt diese Chips zu entsorgen, setzt Apple sie im MacBook Neo ein – mit einer 5-Kern-GPU statt der regulären 6-Kern-Variante.
Binning bezeichnet den Prozess, bei dem Chips mit fehlerhaften Komponenten nicht entsorgt, sondern in abgespeckter Form weiterverwendet werden. Wenn beispielsweise bei einem 6-Kern-GPU-Chip ein Kern defekt ist, wird dieser deaktiviert und der Chip als 5-Kern-Variante verkauft. Dies optimiert die Ausbeute in der Chip-Produktion und reduziert Kosten.
Diese Chips wären sonst Ausschuss und somit praktisch „kostenlos“ für Apple. Eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung, die jedoch nur funktioniert, solange genügend dieser fehlerhaften Chips anfallen.
Die Nachfrage übersteigt die Erwartungen
In der aktuellen Ausgabe seines Culpium-Newsletters berichtet Culpan, dass der MacBook Neo so gut verkauft wird, dass Apples Vorrat an gebinnten A18 Pro Chips mit 5-Kern-GPU aufgebraucht sein wird, bevor die Nachfrage nach dem Laptop gesättigt ist.
Ursprünglich plante Apple, etwa fünf bis sechs Millionen MacBook Neo Einheiten zu produzieren, bevor die Fertigung des Modells mit A18 Pro Chip eingestellt wird. Die Nachfrage ist jedoch so stark, dass die verfügbaren Chips möglicherweise nicht ausreichen, um die Zeit bis zum MacBook Neo der zweiten Generation mit A19 Pro Chip im nächsten Jahr zu überbrücken.
Welche Optionen hat Apple?
Apple steht nun vor mehreren Handlungsmöglichkeiten, die alle mit Herausforderungen verbunden sind:
Neuproduktion von A18 Pro Chips: Die A18 Pro Chips werden mit TSMCs 3-Nanometer-Prozess der zweiten Generation (N3E) gefertigt. Laut Culpan arbeiten TSMCs N3E-Produktionslinien derzeit bereits am Limit. Apple müsste einen Aufpreis zahlen, um die Chip-Produktion wieder aufzunehmen. Zudem müsste bei diesen Chips ein GPU-Kern deaktiviert werden, um die Einheitlichkeit mit bereits verkauften Modellen zu gewährleisten. Dies würde die Gewinnmargen des MacBook Neo schmälern.
Umverteilung der Chip-Produktion: Apple könnte Chip-Kapazitäten, die ursprünglich für andere Geräte vorgesehen waren, umleiten. Auch diese Option wäre teurer als die ursprüngliche Kalkulation mit den gebinnten Chips.
Einstellung des günstigsten Modells: Theoretisch könnte Apple das 699-Euro-Modell mit 256 Gigabyte Speicher einstellen und nur noch das 799-Euro-Modell mit 512 Gigabyte Speicher und Touch ID anbieten. Diese Option erscheint jedoch unwahrscheinlich, da Apple die Erschwinglichkeit des MacBook Neo stark bewirbt.
Vorgezogene Einführung mit A19 Pro: Eine frühere Markteinführung eines MacBook Neo mit dem A19 Pro Chip aus dem iPhone 17 Pro wäre ebenfalls kostspieliger – zumindest bis Apple einen ausreichenden Vorrat an gebinnten A19 Pro Chips mit 5-Kern-GPU aufgebaut hat.
Akzeptierte Margeneinbußen als wahrscheinlichste Lösung
Die wahrscheinlichste Strategie: Apple könnte den Einstiegspreis von aktuellen und zukünftigen MacBook Neo Modellen bei 699 Euro belassen und einfach niedrigere Gewinnmargen akzeptieren. Dies würde besonders Sinn ergeben, da das MacBook Neo als Einstiegsprodukt neue Kundinnen und Kunden in das macOS- und Apple-Ökosystem lockt.
Der Erfolg des MacBook Neo zeigt sich in den Zahlen: Zwei Wochen nach Beginn der Vorbestellungen im vergangenen Monat erklärte Apple-CEO Tim Cook, der Mac habe seine „beste Startwoche aller Zeiten für Mac-Erstkäufer“ erlebt. Dies deutet darauf hin, dass der MacBook Neo tatsächlich ein massiver Erfolg ist.
Aktuell weisen alle Konfigurationen des MacBook Neo im Apple Online Store in den USA und vielen anderen Ländern eine Lieferzeit von zwei bis drei Wochen auf – ein weiteres Indiz für die hohe Nachfrage.
Das „massive Dilemma“ ist letztlich ein Luxusproblem: Apple hat mit dem MacBook Neo ein Produkt geschaffen, das deutlich erfolgreicher ist als erwartet. Die Herausforderung besteht nun darin, die Versorgung sicherzustellen, ohne die Gewinnmargen zu stark zu belasten oder Kundinnen und Kunden zu enttäuschen.







