Die Beziehung zwischen Apple und dem taiwanesischen Chiphersteller TSMC hat die Halbleiterindustrie über ein Jahrzehnt lang geprägt. Doch ein aktueller Report von SemiAnalysis zeigt: Der rasante Aufstieg von KI-Computing verändert die Machtverhältnisse grundlegend. Apple verliert zunehmend an Einfluss über den wichtigsten Chip-Partner – und damit über die Entwicklung neuer Fertigungstechnologien.
- Apples Ausgaben bei TSMC stiegen von zwei Milliarden US-Dollar (2014) auf 24 Milliarden US-Dollar (2025), der Umsatzanteil erreichte zeitweise 25 Prozent.
- KI-Unternehmen wie NVIDIA können mittlerweile ähnlich große Chip-Volumina abnehmen und reduzieren Apples Einfluss auf neue Fertigungsknoten.
- Apple erkundet Alternativen wie Intels 18A-P-Prozess für bestimmte Komponenten, um die Abhängigkeit von TSMC zu verringern.
Wie Apple zum wichtigsten TSMC-Kunden wurde
Die Partnerschaft zwischen Apple und TSMC begann 2014 mit dem A8-Chip und entwickelte sich zu einer der folgenreichsten Beziehungen der Tech-Industrie. Apple war bereit, frühzeitig und in großem Umfang in neue Fertigungsprozesse zu investieren. Das Unternehmen aus Cupertino übernahm die Anfangskosten, finanzierte Verbesserungen der Ausbeute und passte seinen jährlichen Produktzyklus an TSMCs Roadmap an.
Diese Strategie zahlte sich aus: Apples jährliche Ausgaben bei TSMC stiegen von rund zwei Milliarden US-Dollar im Jahr 2014 auf etwa 24 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025. Der Anteil am TSMC-Umsatz wuchs von einstelligen Prozentwerten auf zeitweise 25 Prozent. Über weite Strecken des vergangenen Jahrzehnts machte Apple mehr als die Hälfte der Anfangsproduktion jedes neuen Fertigungsknotens aus – in manchen Fällen sogar nahezu die gesamte Produktion. Faktisch finanzierte Apple damit die Entwicklung modernster Fertigungstechnologien, als kein anderer Kunde dazu in der Lage war.
KI-Boom schafft neue Großkunden
Ein Fertigungsknoten bezeichnet eine Generation von Halbleiter-Fertigungstechnologie, die durch die Strukturgröße der Transistoren charakterisiert wird – etwa 3 Nanometer oder 2 Nanometer. Kleinere Knoten ermöglichen leistungsfähigere und energieeffizientere Chips, da mehr Transistoren auf gleicher Fläche untergebracht werden können. Die Entwicklung eines neuen Knotens erfordert Milliarden-Investitionen und dauert Jahre, weshalb große Abnehmer wie Apple für Chip-Hersteller entscheidend sind.
Die Situation hat sich dramatisch gewandelt. Der Aufstieg von KI-Beschleunigern hat eine zweite Klasse von Großkunden geschaffen, die erhebliche Mengen an fortschrittlicher Fertigungskapazität benötigen. Unternehmen wie NVIDIA können mittlerweile ähnlich große Volumina abnehmen wie Apple. TSMCs Umsatzmix hat sich entsprechend verschoben.
Smartphones machten einst fast die Hälfte von TSMCs Erlösen aus. Dieser Anteil ist deutlich gesunken, während High-Performance-Computing-Anforderungen – einschließlich KI – zum größten Segment geworden sind. Apple bleibt zwar der größte Einzelkunde nach Umsatz, ist aber nicht mehr der einzige Kunde, der neue Kapazitäten finanzieren kann.
Apples Anteil an neuen Fertigungsknoten schrumpft
Die Veränderung zeigt sich bereits bei kommenden Fertigungsknoten. Apples Anteil an der Frühproduktion für TSMCs N2- und A16-Knoten wird voraussichtlich geringer ausfallen als bei früheren Generationen. Der A16-Knoten ist speziell für High-Performance-Computing-Workloads konzipiert – nicht für mobile Geräte.
Laut den Modellrechnungen von SemiAnalysis verbessert sich Apples Position bei späteren Knoten wie A14 wieder. Diese werden von Anfang an so entwickelt, dass sie sowohl mobile als auch High-Performance-Produkte unterstützen. In diesem Szenario steigt Apples Anteil an früher Kapazität wieder, da iPhone- und Mac-Chips erneut die Haupttreiber des Volumens werden.
Apple sucht nach Alternativen zu TSMC
Obwohl Apple weiterhin auf TSMC für seine fortschrittlichsten Chips angewiesen ist, erkundet das Unternehmen laut SemiAnalysis Alternativen für weniger riskante Komponenten. Die Diversifizierung der Lieferkette soll das Risiko verringern, ohne die Flaggschiff-Produkte zu gefährden.
Intels kommender 18A-P-Prozess könnte eine Option für bestimmte Apple-Silicon-Chips sein. Dies würde Apple mehr Flexibilität verschaffen, ohne die Produktion der wichtigsten Produkte zu beeinträchtigen. Die Abhängigkeit von einem einzigen Partner birgt erhebliche Risiken – insbesondere angesichts geopolitischer Spannungen rund um Taiwan.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die schwindende Dominanz Apples bei TSMC markiert einen Wendepunkt in der Halbleiterindustrie. Über ein Jahrzehnt lang konnte Apple durch seine Kaufkraft und sein Timing die Entwicklung neuer Fertigungstechnologien maßgeblich beeinflussen. Diese Ära geht zu Ende.
Für Apple bedeutet dies nicht zwangsläufig einen Nachteil. Das Unternehmen profitiert weiterhin von TSMCs führender Technologie und hat durch die Diversifizierung seiner Lieferkette sogar an strategischer Flexibilität gewonnen. Gleichzeitig muss Apple akzeptieren, dass es die Roadmap nicht mehr allein bestimmen kann. Die KI-Revolution hat neue Player auf den Plan gerufen, die ähnlich große Investitionen tätigen können – und damit auch Mitspracherecht einfordern.







