Deutsche Corona-Tracing-App jetzt verfügbar

Corona-Warn-App veröffentlicht: Die FAQ mit den wichtigsten Fragen und Antworten

Wie funktioniert die neue Corona-Warn-App überhaupt? Wer hat sie entwickelt? Und wie steht es um den Datenschutz? Diese und andere Fragen beantworten wir in unserer umfassenden FAQ zur offiziellen Corona-Tracing-App.

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Seit Wochen wird sie diskutiert, nun endlich ist sie verfügbar: Die Corona-Warn-App der Bundesregierung. Entwickelt von der Telekom und SAP, soll die neue Smartphone-App Infektionsketten schneller erkennen und unterbrechen können. Bisher muss dies sehr aufwendig und meist telefonisch durch die Gesundheitsämter erfolgen. Die App ist kein Ersatz für die manuelle Erfassung von Infektionen, aber sie soll eine Erleichterung darstellen und Zeit einsparen.

Ob die Corona-Warn-App dieses Versprechen nach nur wenigen Wochen Entwicklungszeit auch wird halten können, werden die kommenden Tage, Wochen und Monate zeigen. Doch was bisher zur App bekannt ist, macht zumindest Hoffnung.

Was ist der Zweck der neuen Corona-Warn-App? 

Die neue Corona-App warnt ihre Nutzer nachträglich, falls sie in den letzen Tagen Kontakt mit Corona-Infizierten hatten. Da der Krankheitsverlauf des Corona-Virus häufig völlig ohne Symptome abläuft, beziehungsweise die ersten Tage nach der Infektion meist symptomfrei sind, begibt sich eine infizierte Person zu Beginn der Krankheit meist nicht in Quarantäne, sondern geht einkaufen, ist vielleicht täglich auf der Arbeit und trifft dort Kollegen oder besucht die inzwischen wieder geöffneten Restaurants oder Geschäfte.

Treten nun nach einigen Tagen doch Symptome auf und ist ein offizieller Corona-Test der Gesundheitsämter positiv, dann kann die App alle Nutzer warnen, die in den vergangenen Tagen mit der infizierten Personen eine gewisse Zeit räumlichen Kontakt hatten. Diese Nutzer können nun ebenfalls einen Test durchführen und sich in Quarantäne begeben. So sollen Infektionsketten frühzeitig unterbrochen werden. 

Ab wann warnt die Corona-App ihre Nutzer?

Die Corona-App misst zwei entscheidende Werte: Die Dauer des Kontakts und die Distanz zwischen den Nutzern. Aus diesen Daten errechnet die App einen Risikowert und gibt ihn an die Nutzer weiter. 

Läuft man in einem Geschäft nur an einer infizierten Person vorbei, ist das Infektionsrisiko zu gering als dass die App eine Warnung ausgibt. Sitzt man in einem Büro aber für mehrere Stunden neben einer infizierten Person, dann ist das Infektionsrisiko ungleich höher und die App warnt einen, falls diese Person sich einige Tage später als infiziert herausstellen sollte.

Wie funktioniert die Corona-Warn-App technisch?

Die Tracing-App erstellt bei der Einrichtung einen geheimen Schlüssel aus einer zufälligen Zeichenfolge. Anhand dieses Schlüssels erzeugt die App regelmäßig neue Identifikationsnummern. Diese IDs sendet das Smartphone per Bluetooth in die Umgebung aus.

Die Tracing-App kann die IDs aber nicht nur aussenden, sondern auch empfangen. Dies geschieht allerdings nur für wenige Sekunden alle fünf Minuten. Damit werden zwar kurzzeitige Kontakte eventuell nicht erfasst, um Strom zu sparen ist eine permanente Empfangsbereitschaft aber nicht sinnvoll.  

Begegnen sich zwei Nutzer nun zum Beispiel auf der Straße und stehen länger als fünf Minuten zusammen, tauschen ihre beiden Smartphones die IDs verschlüsselt untereinander aus – das natürlich nur wenn auch auf beiden Smartphones die Corona-Warn-App installiert ist. 

Sobald ein Nutzer nun positiv getestet wurde, kann er freiwillig entscheiden seinen geheimen Schlüssel auf den Server der Corona-Warn-App zu laden. Dies passiert allerdings nur wenn der Nutzer diesen Vorgang aktiv anstößt. Der Server selbst kann nur auf den geheimen Schlüssel zugreifen, weitere Daten werden nicht erhoben. 

Alle Corona-Tracing-Apps setzen sich einmal am Tag mit dem Open-Telekom-Server in Verbindung und laden die geheimen Schlüssel der infizierten Nutzer herunter. So können die Apps auf dem Smartphone selbst die IDs mit den geheimen Schlüssel vergleichen, die in den vergangenen Tagen mit anderen Apps ausgetauscht wurden und können erkennen, ob eine dieser IDs zu einer infizierten Person gehört. Ist dies der Fall, warnt die App seinen Nutzer und gibt ihm Handlungsempfehlungen.

Die Corona-Warn-App ermittelt einen Risikowert und zeigt diesen dem Nutzer an
Die Corona-Warn-App ermittelt einen Risikowert und zeigt diesen dem Nutzer an (Bild: Corona-Warn-App)

Mit welchen Smartphones ist die Corona-Warn-App kompatibel?

Für Apple gilt: Die App ist ab dem iPhone 6s kompatibel, setzt aber mindestens iOS 13.5 voraus. Für Android gilt: Das Smartphone darf nicht älter als fünf Jahre sein und mindestens Android 6 muss installiert sein. Die Corona-Warn-App ist jeweils im Apple App Store und im Google Play Store zu finden.

Wirkt sich die App negativ auf den Smartphone-Akku aus?

Die Entwickler geben an, dass die Akkulaufzeit nicht signifikant unter der App leiden soll. Tatsächlich kommt zur Erfassung der Kontakt Bluetooth LE (Low Energie) zum Einsatz, welches stromsparend Daten im Hintergrund tauschen kann. Und die Entwickler setzen auf die neue Systemschnittstelle von Apple und Google, die den Stromverbrauch für Tracing per Bluetooth ebenfalls senken soll.

Wie sehr sich die App aber tatsächlich auf den Akku auswirkt, werden Tests in den kommenden Tagen zeigen müssen. 

Wo kann ich die Corona-Warn-App herunterladen?

Die App steht jeweils im Apple App Store und im Google Play Store zum kostenlosen Download bereit. Ein Download wird auch nur aus diesen beiden offiziellen Quellen empfohlen. 

Woher weiß die Corona-Warn-App, dass man infiziert ist?

Die App selbst kann nicht erkennen, ob sich ein Nutzer mit Corona infiziert hat. Stattdessen kann der Nutzer selbst und freiwillig entscheiden, ob er nach einem positiven Testergebnis dieses in der App hinterlegt. Hierzu sind alle Testergebnisse der Gesundheitsämter mit einer TAN oder einem QR-Code ausgestattet, welche mit der App eingescannt werden können. So wird sichergestellt, dass sich auch wirklich nur Nutzer als positiv in der App registrieren, die nachweislich infiziert sind. Ohne offizielle Testergebnisse können keine Warnungen versendet werden.

Wie steht es um den Datenschutz?

Die Bundesregierung hat sich dazu entschieden, den Quellcode der Corona-App bereits vor einiger Zeit öffentlich zugänglich zu machen und so Sicherheitsexperten die Möglichkeit zu geben, das Programm auf IT-Sicherheit und Datenschutz zu überprüfen. Auch von einer zunächst geplanten zentralen Datenspeicherung auf einem Server ist man inzwischen wieder abgerückt. Noch sind nicht alle Tests abgeschlossen, bisher schnitt die App aber sehr gut ab und scheint nach aktuellen Erkenntnissen dem strengen deutschen Datenschutz zu entsprechen. 

Die App speichert keinerlei personenbezogenen Daten, bei der Anmeldung in der App werden diese Daten auch nicht abgefragt. Die Anwendung greift auch nicht auf die GPS-Ortungsdaten des Smartphones zu, daher können auch keine Bewegungsprofile erstellt werden. Alle anonymisierten Daten werden dezentral und verschlüsselt auf dem Smartphone des jeweiligen Nutzers gespeichert. 

Warnt die App einen Nutzer vor einer möglichen Ansteckung, werden dabei keine Namen oder andere personenbezogenen Daten weitergegeben. Lediglich das Datum des möglichen Kontakts wird genannt. Eine Uhrzeit oder gar eine Ortsangabe nennt die App nicht, um so die Anonymität der Infizierten zu schützen.

Markus Beckedahl weist in seinem Kommentar bei netzpolitik.org richtigerweise darauf hin, dass „wer Whatsapp auf dem eigenen Smartphone installiert hat, Facebook im Gegenzug für die Nutzung viel detailliertere Daten über die eigenen sozialen Verbindungen schenkt als es die [Corona-Warn-]App jemals könnte.“

Wer kann die Daten der Corona-Warn-App einsehen?

Im Grunde nur der App-Nutzer selbst. Die App gibt der direkten Umgebung nur anonymisierte Identifikationsnummern weiter. Auf einem Server werden lediglich anonyme Schlüssel gespeichert. Nur in der Kombination von Schlüssel und ID kann eine Infektionskette nachverfolgt werden. Diese Verknüpfung findet auf dem Smartphones der Nutzers statt und wird nicht weitergegeben oder mit dem Server geteilt. Weder die Bundesregierung, noch die an der App beteiligten Firmen können auf die Daten innerhalb der Smartphone-App zugreifen.

Ist die App auch für andere Länder verfügbar?

Die Corona-Warn-App ist nur für Deutschland verfügbar. Andere Ländern entwickeln eigene Apps, so ist zum Beispiel die Corona-Warn-App der französischen Regierung vor einigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Noch ist unbekannt, ob und wie die deutsche Corona-Warn-App zum Beispiel zur französischen App kompatibel sein wird.

Gibt es eine Pflicht die App zu installieren? 

Nein, es gibt keine Pflicht die App zu installieren. Die Bundesregierung betont, dass die Nutzung auf Freiwilligkeit beruht. Allerdings steigt die Wirkung der App, je mehr Menschen in Deutschland sie auch aktiv nutzen. Experten der University of Oxford gehen davon aus, dass 60 - 70 Prozent der Menschen in Deutschland die App nutzen müssten, damit sie effektiv die Infektionsketten reduzieren kann. Es müssten also knapp 50 Millionen Menschen in Deutschland die App auf ihrem Smartphone installieren, was für eine Smartphone-App eine ziemlich große Zahl ist.

Damit zum Beispiel Arbeitgeber oder Versicherungen die Installation der App nicht voraussetzen können, fehlt ebenfalls noch eine rechtliche Regelung, die die Freiwilligkeit noch einmal unterstreicht. 

Wie kann ich die App deinstallieren?

Wie jede andere App auch. Auf einem iPhone einfach lange auf die App drücken, bis sich ein Menü öffnet. Hier „App löschen“ auswählen. 

Da die gesammelten IDs nur innerhalb der App gespeichert werden, werden sie mit der App gelöscht. Die eventuell mit dem Server ausgetauschten Schlüssel werden nach zwei Wochen automatisch gelöscht. Außerdem hat jeder Nutzer die Möglichkeit das Tracing in der App jederzeit zu deaktivieren.