Das iPhone 5 war ein Meilenstein in Apples Produktgeschichte. Erstmals „wuchs“ das Smartphone und präsentierte sich mit einem größeren Bildschirm. Bis dato besaß jedes iPhone einen 3,5-Zoll-Bildschirm, doch im September 2012 vergrößerte sich die Anzeige auf 4 Zoll. Zwei Jahre später wuchs das iPhone erneut und präsentierte sich erstmals mit 4,7 Zoll und stolzen 5,5 Zoll.
Doch nicht alle iPhone-Fans konnten sich mit den neuen Bildschirmgrößen anfreunden. Die damals beginnenden und stetigen Preissteigerungen der neuen iPhone-Modelle gefielen nicht allen. Die Rufe nach einem günstigen Einstiegsmodell und damit eine direkte Antwort auf den stetig wachsenden Android-Markt setzten Apple unter Druck. Im Frühjahr 2016 präsentierten Tim Cook und Greg Joswiak Apples Reaktion: das iPhone SE.
Ein großer Schritt für klein
Am 21. März 2016 lud Apple die Presse zu einem Special Event auf dem Firmengelände ein. Tim Cook führte durch die Präsentation und übergab das Zepter für den iPhone-Teil an Greg Joswiak. Dieser betonte die Beliebtheit der damals neuen Modelle iPhone 6s und iPhone 6s Plus, konzentrierte sich aber schnell auf die kleineren Modelle mit einem 4-Zoll-Bildschirm. Damals führte Apple neben den neuen Modellen ebenfalls noch das iPhone 5s mit eben jenem 4-Zoll-Bildschirm im Angebot.
Im Jahr 2015 verkaufte Apple immerhin noch mehr als 30 Millionen Geräte in dieser Größe. Diese Kundschaft würde laut Joswiak aus zwei Gründen zu diesem älteren Modell greifen. Zum einen besäße das kompakte Design immer noch eine große Fangemeinde. Zum anderen würden diese Geräte attraktiv für Neukunden, besonders in China, sein. Was Joswiak damit wohl eigentlich sagen sollte: Der vergleichsweise günstige Preis war für viele Neukunden ein ausschlaggebendes Argument. Deshalb wollte Apple diese Kundschaft fortan mit dem eigenen iPhone-SE-Modell ansprechen.
Ohne die Namensgebung des neuen Gerätes zu erklären, führte Joswiak durch das Design und die verbaute Hardware. Er deklarierte das iPhone SE dabei als das „leistungsstärkste 4-Zoll-Mobiltelefon aller Zeiten“. Zum Startpreis von 399 US-Dollar (hierzulande 489 Euro) für das 16-GB-Modell und mit einem baldigen Verkaufsstart rundete er die kompakte Präsentation des Gerätes ab. Nach nur wenigen Minuten zum iPhone SE widmete er sich den Neuerungen in iOS 9, um anschließend die Bühne für Tim Cook, Phil Schiller und das iPad freizugeben.
Neue Innereien, alte Hülle
Greg Joswiak präsentierte das neue iPhone SE in kompakten acht Minuten und hätte sich dennoch eine Menge Zeit sparen können. Denn die Grundidee des iPhone SE ist simpel, aber clever: Apple nahm das vom iPhone 5 bekannte Gehäuse und steckte einfach die vom neuesten iPhone 6s bekannten Chips und Innereien hinein. Der vom iPhone 6s bekannte A9-Chip war damals Apples bester iPhone-Chip und ermöglichte Funktionen wie die Siri-Aktivierung mit einem Sprachbefehl statt Knopfdruck.
Das neue iPhone SE versprach eine bessere Batterieleistung als das 5s. Apple verbesserte ebenfalls das Kamerasystem und brachte eine höhere Auflösung, Panorama-Bilder, Live Photos, die neue Blitzfunktion für Selfies sowie Videoaufzeichnungen in 4K auf das kompakte iPhone. Schnellere LTE- und WLAN-Verbindungen spendierte Apple ebenso wie einen Touch-ID-Sensor und damit auch die Apple-Pay-Funktion.
Mit dem iPhone SE wollte Apple die besten Eigenschaften der alten und neuen iPhone-Modelle miteinander kombinieren. Die Idee war damals neu für Apple und das Ergebnis einiger Experimente. Mit der Einführung des iPhone 5c im Herbst 2013 versuchte man sich bereits dieser Idee, allerdings genau andersherum. Beim 5c steckte Apple alte Innereien in eine neue, bunte Hülle. Das iPhone 5c kam allerdings weder bei der Fachpresse noch bei der Kundschaft gut an. Deshalb sollte das iPhone SE nun das Experiment umdrehen.
Wann war der Verkaufsstart des iPhone SE?
Apples Marketing-Manager Greg Joswiak präsentierte das erste iPhone SE auf einem Apple Event am 21. März 2016. Drei Tage später startete dann der Vorbestellungsprozess. Der Verkauf begann ab dem 31. März 2016.
Wie viel kostete das iPhone SE?
Das iPhone SE sollte einen kostengünstigen Einstieg in Apples Smartphone-Welt darstellen. Der Startpreis betrug in Deutschland 489 Euro (heute: rund 635 Euro) für das Basis-Modell mit 16 GB Speicher.
Wann wurde das iPhone SE eingestellt?
Die erste Generation des iPhone SE verschwand nach 18 Monaten kommentarlos aus Apples Produktportfolio. Erst im April 2020 gab es einen Nachfolger mit dem gleichen Namen. Apple löste das iPhone SE dann endgültig im Februar 2025 ab. Dann erschien das iPhone 16e und sollte künftig das kostengünstige Einstiegsmodell unter den iPhones sein. Der Preis war mit 699 Euro aber deutlich gestiegen.
Langsame Weiterentwicklung in die Identitätskrise
Das iPhone SE war ein größerer Hit als die gescheiterte 5c-Idee, doch Apple entwickelte das kompakte Einstiegs-iPhone nur zögerlich weiter. Im Frühjahr 2017, also ein Jahr nach der ersten SE-Generation, verdoppelte Apple den Speicher auf 32 GB und 128 GB ohne Preisänderung. Im September 2018 verschwand das iPhone SE dann sang- und klanglos aus Apples Produktportfolio.
Erst im April 2020 feierte das Gerät mit seiner zweiten Generation ein Comeback. Allerdings verschob sich der Fokus auf eine kompakte Form hin zu einem reduzierten Preis. Denn die zweite SE-Generation kombinierte iPhone-11-Hardware mit dem iPhone-8-Design. Das machte aus dem „leistungsstärksten 4-Zoll-Telefon“ neuerdings ein 4,7-Zoll-Smartphone.
Bis zur dritten SE-Generation mussten Fans nur zwei Jahre warten. Im März 2022 lieferte Apple nach und bestückte das alte iPhone-8-Design mit den Innereien der damals neuen iPhone-13-Generation. Allerdings löste sich die Idee eines kompakten Einstiegs-iPhones nun fast gänzlich auf. Zum Startpreis von 519 Euro war es alles andere als günstig. Die kompakte Größe trat ebenfalls weiter in den Hintergrund, denn zeitgleich stand das iPhone 13 mini in den Regalen der Apple-Händler. Das mini-iPhone war insgesamt kompakter als das iPhone SE, obwohl es einen größeren Bildschirm besaß. Kurzum: Das iPhone SE steckte in einer Identitätskrise.
Die erste Generation des iPhone SE markierte den Endpunkt für manche iPhone-Entwicklungen. Das Modell von 2016 war das letzte neue iPhone mit einer Bildschirmgröße von 4 Zoll. Die Speichergröße von 16 GB für das Basismodell gab es nach dieser Generation nie wieder bei einem iPhone. Das iPhone SE war darüber hinaus das letzte iPhone mit einem separaten Kopfhöreranschluss.
Das Experiment ist gescheitert
Apple hält zehn Jahre nach dem ersten iPhone SE weiterhin an der Grundidee fest. Der Fokus hat sich im Laufe der Jahre und nach weiteren Experimenten allerdings verschoben. Apple hat mittlerweile erkannt, dass ein kompaktes iPhone zwar lautstarke, aber zu wenige Fans besitzt. Parallel zum iPhone SE versuchte Apple, diese Kundschaft mit eigenen „mini“-iPhones zu erreichen. Sowohl die iPhone-12- als auch die iPhone-13-Generationen sollten mit eigenen Mini-Modellen im aktuellen Design und mit neuester Technik bedienen. Diese Idee verwarf Apple allerdings schnell. Vermutlich wegen zu schwacher Verkaufszahlen.
Das iPhone SE ersetzte Apple im Februar 2025 durch das iPhone 16e. Damit reihte sich das Einstiegs-iPhone erstmals mit einer passenden Versionsnummer direkt in die aktuelle Smartphone-Generation. Erneut machte Apple einige Abstriche bei der Hardware und setzte auf das Design vergangener Modelle. Allerdings war es dann vorbei mit vergleichsweise günstigen Einstiegspreisen. Das iPhone 16e startete bei 699 Euro und war damit 180 Euro teurer als das letzte SE-Modell. Im Frühjahr 2026 gab es mit dem iPhone 17e ein Update mit deutlich besseren Funktionen zum gleichen Preis.
Die Idee eines kompakten Einstiegsgerätes ist und bleibt eine gute. Apple hat zuletzt mit dem MacBook Neo bewiesen, dass neue Kundschaft damit erreicht werden kann. Leider konnte das iPhone SE diese Idee für das iPhone nur knapp neun Jahre am Leben erhalten. Mit der Einführung des iPhone 16e hat sich Apple bedauerlicherweise aus diesem Bereich verabschiedet.








