Quartalszahlen erklärt

Quartalszahlen: Ganz tief in Apples Zahlen – was sie wirklich verraten!

Zahlen sind langweilig? Von wegen! Wir haben uns in die wenigen Zahlen vertieft, die Apple überhaupt regelmäßig veröffentlichen muss: die Quartalsberichte. Am Beispiel des ersten Quartals 2026 (Q1 2026) zeigen wir, was in Tims Numbers-Tabelle alles steckt – und das ist mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.

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Die öffentliche Zahlenshow macht Apple nicht freiwillig und, wenn man die Unternehmenspolitik im Stile eines Schweigeklosters kennt, wohl auch nicht gerne. Umso spannender ist sie, denn es ist der einzige nackte Blick, den Apple in sein Innerstes erlaubt, kein Marketing, kein Hochglanz, kein Werbesprech – die Zahlen sind Klartext.

Naja, nicht immer. Apple ist auch hier ein Zauberer und verschleiert hübsch die Details. Es liefert nur das, was es muss und oft genug nur grobe Zahlen. So nennt das Unternehmen zwar Umsatzzahlen für Europa, aber keinen Gewinn in Europa (außerdem gehört zu Europa auch Afrika und Saudi-Arabien, aber dazu später mehr). Und schlüsselt die Umsätze der iPhone-Modelle nicht auf. Ein iPhone ist in der Bilanz einfach ein iPhone, egal, ob 17, Pro, Air oder auch 16 und 16e, die noch immer im Verkauf sind. Damit bleibt es Marktanalysten vorbehalten, den Erfolg (oder Misserfolg) eines Modells zu vermuten.

Warum kam iOS 26 schon 2025?

Wer sich in 2025 wunderte, dass die neue iPhone-Betriebssystem-Version iOS 26 hieß, der hatte noch keinen Blick in die Bilanzen geworfen. Dort beginnt das Jahr immer im Oktober des Vorjahres!

Apple veröffentlichte seinen „Financial Results and Record Revenue Growth“ des 1. Quartals 2026 am 29. Januar 2026. Moment! 1. Quartal? Im Januar? Apple bastelt sich, wie viele andere US-Firmen auch, sein eigenes Geschäftsjahr. Die einzige Vorgabe der Finanzaufsicht: Es muss zwölf Monate umfassen und darf nicht einfach geändert werden, der Rest ist eigentlich egal. Und damit das Jahr gut mit den neuen Modellen und dem wichtigen Weihnachtsgeschäft startet, beginnt Apple sein Geschäftsjahr am 1. Oktober.

Doch nicht genug des fröhlichen Kalenderpuzzles: Das erste Quartal endete bereits am 27. Dezember 2025. Ja, 27. Dezember, nicht am 31. Dezember, das 2. Quartal begann also am 28. Dezember 2025. Auch hier rechnen die Unternehmen anders als der Teil der Menschheit mit gregorianischem Kalender:

Finanzbuchhalter und der Wirtschaftsingenieur Tim Cook hassen unregelmäßige Abrechnungen wie einen Februar mit 28 Tagen und einen März mit 31. Von der unterschiedlichen Anzahl an Wochenenden ganz zu schweigen. Also ignorieren sie die Reform des Papstes Gregor XIII., der die Unwucht des julianischen Kalenders korrigierte, und erfanden das 4-4-5-Modell. Und hier wird es wirklich seltsam, denn das Modell ignoriert den Jahreskalender vollständig und macht sich seinen eigenen, der dafür schön regelmäßig ist:

Monat 1:    4 Wochen (28 Tage)
Monat 2:    4 Wochen (28 Tage)
Monat 3:    5 Wochen (35 Tage)

So sieht jedes Quartal aus, egal, wie das Datum oder der Wochentag lautet. Doch immer noch nicht genug Verwirrung und vollständige Ignoranz gegenüber 444 Jahren Kalenderreform. Wer genau rechnet, wird feststellen, dass das Apple-Jahr nur 364 Tage hat und nicht – wie das astronomische Jahr – genau 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden. Was tun? Alle fünf bis sechs Jahre fügt Apple eine 53. Woche in die Bilanzen ein, zuletzt im Geschäftsjahr 2023. Diese Woche wird dann an die allerletzte Bilanz-Woche hinzugefügt, also im September. 

Da Apple an der US-Börse NASDAQ gelistet ist, unterliegt es den strengen Regularien der US-Wertpapieraufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) und dem Securities Exchange Act von 1934, der auch genau vorschreibt, wann (spätestens 40 Tage nach Ende) und in welcher Form (10-Q) die Quartalszahlen zu veröffentlichen sind. Das wäre in unserem Beispiel der 5. Februar 2026 gewesen. Der Streber Apple hat also eine Woche früher beim Oberlehrer Finanzaufsicht seine Arbeit abgegeben und das Fleißkärtchen eingesteckt.

1. Der Titel

Schauen wir uns zunächst den Titel einer solchen Bilanz-Veröffentlichung an: CONDENSED CONSOLIDATED STATEMENTS OF OPERATIONS (Unaudited). „Condensed“ bedeutet verkürzt, damit nicht jede kleine Rechnung aufgeführt werden muss. „Consolidated“ meint die gesamte Firma Apple Inc., die hier als eine einzige Einheit betrachtet wird. Die „Statements of operations“ sind der feststehende Ausdruck für eine Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) oder für Nicht-Buchhalter: Einnahmen minus Ausgaben gleich Gewinn. Und schließlich ein „Unaudited“, weil die Wirtschaftsprüfer sich in der Regel nur den Jahresbericht anschauen und nicht jedes Quartal.

2. Einheiten

Ach ja! Weil Apple reicher ist als Dagobert Duck, steht in Klammern, dass alle Zahlen in Millionen ausgewiesen sind. Dann sind 30.000 als Zahl schnell 30 Milliarden US-Dollar.

In dem Zahlenmonster, das jedes börsennotierte Unternehmen liefern muss, stehen keine Rechenoperatoren wie Plus oder Minus. Das ist für einen Mathe-Leistungskurs verwirrend, denn eine Zahl muss manchmal addiert und manchmal subtrahiert werden. Ob das eine oder das andere, ergibt sich nur aus der Beschreibung. So werden „Taxes“, also Steuern natürlich gezahlt, stehen mit Minus in der Rechnung und die Umsätze „Products“ und „Services“ müssen zum „Total net sales“ addiert werden. Apropos Mathematik-Leistungskurs: Eine negative Zahl (die mit dem Minuszeichen davor) steht in Klammern, aber wirklich wichtig sind die doppelt unterstrichenen Zahlen als Endergebnis. Doch der Reihe nach.

Zum Vergleich sind immer die Zahlen des gleichen Quartals des Vorjahres angegeben. Diese Zahlen ignorieren wir hier, denn es geht um den Quartalsbericht an sich und nicht um die Entwicklung der Zahlen.
Zum Vergleich sind immer die Zahlen des gleichen Quartals des Vorjahres angegeben. Diese Zahlen ignorieren wir hier, denn es geht um den Quartalsbericht an sich und nicht um die Entwicklung der Zahlen.

3. Net Sales

Die „Net Sales“, gleich „Umsatzerlöse“, bezeichnen den reinen Erlös aller Verkäufe. Obwohl es im Englischen „Net“ heißt, so ist all das hier noch „brutto“, also vor Abzug der Kosten. Das „Net“ schleicht sich ein, weil Retouren, Rabatte und vor allem die Umsatzsteuer (Punkt 10) wirklich vorher herausgerechnet werden. Hier hat Apple 143.756.000.000 US-Dollar stehen, in Worten einhundertdreiundvierzig Milliarden siebenhundertsechsundfünfzig Millionen, runden wir auf 144 Milliarden auf. Stapelt man diese Summe in 100-US-Dollar-Scheinen, wäre man im Weltall, rund 124,5 Kilometer hoch.

4. Produkte & Services

Apple unterscheidet seine Umsätze grob in zwei Sparten, in Produkte (113,7 Milliarden Umsatz) und in Services (30 Milliarden). Letztere ist seit Jahren eine der spannendsten Zahlen, denn inzwischen machen die Services rund ein Viertel des Umsatzes aus. Diese Zahl hat Apple von Jahr zu Jahr gesteigert. 2015 lag sie bei knapp 5 Milliarden und machte nur 6,7 Prozent am Gesamtumsatz aus. Hier lässt sich, schwarz auf weiß, Apples (erfolgreiche) Strategie erkennen.

5. Cost of sales

Jeder Betreiber, jede Betreiberin einer Dönerbude weiß hoffentlich, dass der nächste schmerzliche Punkt kommen muss: die Ausgaben. Sie werden hier unterteilt in „Cost of sales“ und die „Operating expenses“. Diese Zahlen rechnen wir minus, wir subtrahieren sie also. Schlappe 74,5 Milliarden in einem Quartal sind (denken wir an die 4-4-5-Regel für 91 Tage) etwa 800 Millionen US-Dollar, für die der CEO täglich (!) einen Scheck ausstellen musste. Wofür? Materialkosten (Display, Chips, Gehäuse), Löhne, Fertigungskosten, Lizenzen oder auch für die iCloud-Rechenzentren (Cost of sales) und für Werbung, Forschung & Entwicklung oder sein eigenes Gehalt (Operating Expenses). Sind 74,5 Milliarden US-Dollar viel? Dazu später mehr, wenn es um den Gewinn geht.

6. Gross Margin

Mit „Gross Margin“ macht Apple es den Mathephobikern etwas einfacher und macht eine kurze Zwischenrechnung für das Bruttoergebnis. Das ist der Betrag, der vom Umsatz übrig bleibt, wenn man die direkten Herstellungskosten abzieht. Es ist eine Art Rohgewinn für den reinen Verkauf und eine wichtige Kenngröße, wie profitabel Apple wirklich ist, und zwar zu 48,1 Prozent, ein extrem starker Wert für einen Hardware-Hersteller. So rechnet Apple:

   143.756 Total Net Sales 
-   74.525 Total Cost of Sales 
=   69.231 Gross Margin

7. Operating Expenses

Mit „Operating Expenses“ geht das Geldausgeben Tag für Tag weiter. Auf Deutsch sind es die operativen Betriebskosten, wie „Research and Development“ (10,9 Milliarden) und der Vertrieb, zum Beispiel die Apple Stores oder die Verwaltung im Apple Park (7,5 Milliarden). In dieser Zahl versteckt sich die Erklärung für Apples KI-Schwäche! Die Google-Mutter Alphabet gab 2025 rund 90 Milliarden für Investitionen aus und Sundar Pichai kündigte für 2026 zwischen 175 und 185 Milliarden US-Dollar an, die vor allem in KI fließen dürften. Da sind Apples 10,9 Milliarden für alle Sparten, alle Technologien, alle Geräte, sagen wir, eher sparsam.

8. Operating income

„Operating income“ ist eine nette Zahl für Apple. Damit wird das eigentliche Kerngeschäft berechnet, also der Umsatz minus Kosten, das waren im 1. Quartal 2026 mehr als 50,8 Milliarden US-Dollar. 

9. Other income

Das „Other income“ sind meist Zinsen, die ein Pluszeichen haben wie hier oder gezahlt werden müssen wie im Vorjahr. 150 Millionen US-Dollar verdiente Apple im 1. Quartal 2026 wie jeder gute Kapitalist nur durch den Besitz von Geld. An anderer Stelle unter „Cash“ steht, dass Apple 45.300.000.000 US-Dollar als Bargeld auf dem Tagesgeldkonto hat, das erklärt die 150 Millionen Plus-Zinsen. Übrigens: Tim Cook verdiente 2025 rund 74 Millionen US-Dollar. Allein mit den Zinseinnahmen könnte das Unternehmen seinen Chef für zwei Jahre bezahlen.

10. Provision for income taxes

„Provision for income taxes“ klingt komisch, aber mit „Provision“ ist hier die „Rückstellung“ gemeint und mit „income“ eben die Einnahmen. Die Finanzämter dieser Welt dürfen sich auf 8,9 Milliarden US-Dollar von Apple freuen. 

11. Net Income

Endlich sind wir bei der wichtigsten Zahl angekommen, dem „Net Income“, also dem Nettogewinn. Das ist der Betrag, der nach Abzug aller Kosten (wirklich aller, auch Zinsen, Steuern, Privatjet und Kantine) tatsächlich in den Geldspeicher wandert, bei Apple waren das am 27. Dezember um 24 Uhr 42,1 Milliarden US-Dollar. Vergessen wir nicht, dass dies in genau 91 Tagen verdient wurde!

12. Earnings per share

Was interessiert die Aktionäre und Aktionärinnen? Die „Earnings per share“, die hier 2,85 US-Dollar (keine Milliarden, wirklich nur knapp drei US-Dollar!) betrugen. Damit wird der Nettogewinn pro Aktie berechnet. Das ist eine wichtige Kennzahl an der Börse, wichtiger als die absoluten Zahlen. Basic? Diluted? Basis? Verwässert? Hier wird ein Szenario durchgespielt. In „Basis“ sind alle Aktien berechnet, die frei verkäuflich sind, das sind bei Apple fast alle (99,6 Prozent) der unter 13 berechneten Anzahl. „Verwässert“ spielt das Szenario durch, dass alle Aktien-Optionen der Mitarbeitenden sofort eingelöst würden, was etwas mehr Aktien wären und somit einen Cent (2,84 US-Dollar) weniger Gewinn ausmachen würde. Den Unterschied können wir bei Apple vernachlässigen.

13. Shares used in computing earnings per share

Wie viele Aktien hat Apple ausgegeben? Hier steht es. Am 27. Dezember 2025 waren es – buchhalterisch – 14.815.307.000 Aktien, die „ausstehend“ sind. Das bedeutet, sie waren nicht im Besitz Apples. Aber Vorsicht! Diese Zahl ändert sich ständig und im Laufe des Quartals, deshalb sind die genannten Zahlen gewichtete Durchschnitte, keine absolute Zahl an diesem Tag. Nicht ohne Grund heißt es „Shares used in computing earnings per share“, etwa „Aktien, die zur Berechnung des Gewinns pro Aktie verwendet werden“. Apple hat in den letzten Jahren konsequent die Zahl der ausstehenden Aktien verringert (2013 waren es noch 26 Milliarden).

Apple in Person von Luca Maestri und Kevan Parekh als CFOs hat also wie kein anderes Unternehmen eigene Aktien gekauft („Buybacks“) und die Zahl der ausstehenden Aktien in zehn Jahren quasi halbiert. Ist das gut? Ja, es zeigt, dass Apple in seine eigene Stärke vertraut und finanziell extrem gesund ist, eigentlich zu viel Geld hat. Ist das schlecht? Ja, statt eigene Aktien zu kaufen, könnte Apple das Geld investieren, zum Beispiel in die Buchstaben K und I. Dann würde das Geld unter Punkt 7 auftauchen.

14. Net sales by reportable segment

„Net sales“, diese Zahl taucht dreimal auf und ist immer dieselbe, nur anders erklärt. Hier nach Regionen, unten nach Sparten. Apple verfällt aber wieder in den Dark-Mode und nennt an dieser Stelle wiederum den Umsatz und nicht den Gewinn. So können wir nicht sagen, welche der Regionen oder Sparten besonders profitabel ist. Apples Buchhalter mögen gut in Mathe sein, in Erdkunde steht wohl ein „stets bemüht“, denn die Einteilung der Apple-Welt ist reichlich seltsam: Apple teilt den Planeten in Regionen auf und nennt Nord-, Mittel- und Südamerika gleich im Plural „Americas“. Komplizierter wird es mit „Greater China“, „Japan“ und „Rest of Asia Pacific“. Das gefällt der Volksrepublik China, denn unter „Greater China“ fällt China, Hongkong und auch Taiwan. Japan ist als Markt groß, weshalb es als einziges Land einsam genannt ist, eine Ehre, die nicht einmal die USA erhalten. Unter den „Rest of Asia Pacific“ fallen Kleinigkeiten wie Australien, Südkorea, Singapur, Indonesien, Malaysia, Thailand, Philippinen, Vietnam und Neuseeland. Spektakulär falsch ist das „Europe“, das auch alle afrikanischen Länder, Indien und den gesamten Nahen Osten eingemeindet. Zur Ehrenrettung muss man sagen, dass Apple dies in der Jahresbilanz auch ausweist und sagt: „Europe includes European countries, as well as India, the Middle East and Africa.“ Grundsätzlich gilt schon immer: Der Heimatmarkt USA ist der wichtigste für Apple.

15. Net sales by category

Seit 2018 nennt Apple keine Stückzahlen der verkauften Geräte mehr, sondern nur noch Kategorien (wie iPhone, Mac, iPad, Wearables, Home, Accessoires und Services) und dort auch nur den Umsatz, nicht den Gewinn. Wie immer macht hier das iPhone das Butter-und-Brot-Geschäft von Apple aus und war im ersten Quartal 2026 mit 85,2 Milliarden US-Dollar für knapp 60 Prozent des Geldsegens verantwortlich. Auch hier zeigt sich, wie wichtig „Services“ für Apple wurden und im ersten Quartal 2026 30 Milliarden US-Dollar ausmachten.

Das war der erste Teil, das operative Geschäft, des Quartalsberichts. Die folgenden zwei Seiten beschreiben die langfristigen Effekte mit den Vermögenswerten („Assets“) und Verbindlichkeiten („Liabilities“), die wir mit einem Satz zusammenfassen: Apple wird immer reicher!

Umsatzrendite wird nicht ausgewiesen

Eine Zahl, die Apple nicht ausdrücklich ausweist, ist die Umsatzrendite (englisch „Net Margin“), die die Frage beantwortet: Lohnt sich der Aufwand überhaupt? Was bleibt übrig? Die „Net Margin“ ist leicht auszurechnen, wenn wir den „Net Income“, also den Jahresüberschuss durch die „Total Net Sales“, den Gesamtumsatz teilen, erhalten wir den Wert 29,3 Prozent, sprich: Von jedem Umsatz-US-Dollar bleiben 29,3 Cent auf dem Konto übrig. Apple ist ein hoch-effizientes Unternehmen! Zum Vergleich: Bei Amazon liegt die Marge bei knapp 11 Prozent. (Für die Experten und Expertinnen: Dies ist die Nettomarge, nicht die operative Marge, die nur das Kerngeschäft umfasst, da ist Apple sogar noch besser mit 35,4 Prozent.)