Apple und Intel

Apple und Intel schließen Chip-Deal – bald wieder Intel Inside?

Nach jahrelangen Spannungen nähern sich Apple und Intel wieder an. Intel soll künftig Chips für Apple-Geräte fertigen – eine Diversifizierung mit Risiken.

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Nach über einem Jahr intensiver Verhandlungen haben Apple und Intel eine vorläufige Vereinbarung getroffen, die Intel als Chip-Hersteller für Apple-Geräte vorsieht. Dies berichtet das Wall Street Journal und markiert damit eine überraschende Wende in der Beziehung zwischen den beiden Technologie-Giganten.

Quickread: Auf einen Blick
  • Apple und Intel haben eine vorläufige Vereinbarung getroffen, bei der Intel Chips nach Apples Designs fertigen soll – ähnlich wie TSMC.
  • Die Partnerschaft könnte ab 2027 oder 2028 starten und Einstiegs-M-Serie-Chips sowie iPhone-Prozessoren umfassen.
  • Apple will seine Abhängigkeit von TSMC reduzieren, da dieser durch den KI-Boom zunehmend ausgelastet ist.

Intel als reiner Auftragsfertiger – nicht als Chip-Designer

Die geplante Zusammenarbeit unterscheidet sich grundlegend von der früheren Partnerschaft. Intel würde Chips nach Apples eigenen Designs fertigen – ähnlich wie es derzeit TSMC tut. Im Gegensatz zur Mac-Ära, als Apple Intel-designte Prozessoren mit x86-Architektur nutzte, würde Intel nun lediglich als Auftragsfertiger für Apples eigene Arm-basierte Chip-Designs fungieren.

Frühere Gerüchte deuteten bereits darauf hin, dass Intel einige der günstigeren Prozessoren für Apple-Geräte produzieren könnte. Dazu gehören möglicherweise die Einstiegs-M-Serie-Chips für ausgewählte iPad- und Mac-Modelle. Konkrete Details, welche Apple-Produkte Intel-gefertigte Chips erhalten werden, sind allerdings noch unklar.

Intels Neuausrichtung unter CEO Lip-Bu Tan

Die Annäherung zwischen Apple und Intel wurde maßgeblich durch personelle Veränderungen bei Intel ermöglicht. Nachdem Intel im vergangenen Jahr CEO Pat Gelsinger durch Lip-Bu Tan ersetzte, leitete dieser eine umfassende Revitalisierung von Intels Chip-Fertigungsgeschäft ein.

Prozessknoten erklärt!

Ein Prozessknoten bezeichnet die Fertigungstechnologie für Halbleiter und wird in Nanometern angegeben. Je kleiner die Zahl, desto mehr Transistoren passen auf einen Chip, was zu höherer Leistung und besserer Energieeffizienz führt. Intels 14A-Prozess mit 1,4 Nanometern gehört zu den fortschrittlichsten Fertigungstechnologien.

Tan konzentriert sich besonders auf Intels fortschrittlichsten Prozessknoten 14A, der 2028 in Produktion gehen soll. Intel sucht aktiv nach Kunden für diese 1,4-Nanometer-Technologie. Zusätzlich fertigt Intel bereits Chips auf dem 18A-Knoten mit 1,8 Nanometern sowie auf älteren Prozessknoten.

Apple diversifiziert seine Lieferkette

Die Beweggründe für Apples Interesse an Intel als zusätzlichem Lieferanten sind vielfältig. Derzeit ist Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSMC) Apples einziger Hersteller für Apple Silicon. Diese Abhängigkeit von einem einzelnen Zulieferer birgt Risiken – insbesondere in Zeiten hoher Nachfrage.

Während der jüngsten Telefonkonferenz zu den Quartalsergebnissen bestätigte CEO Tim Cook, dass iPhone-17-Modelle im letzten Quartal aufgrund von Engpässen bei A19- und A19-Pro-Chips von TSMC nicht in ausreichender Menge verfügbar waren. Die Lieferprobleme verdeutlichen die Notwendigkeit einer diversifizierten Lieferkette.

TSMC unter Druck durch KI-Boom

TSMC gehört zu den weltweit größten Chip-Herstellern und produziert nicht nur für Apple, sondern auch für Unternehmen wie Nvidia. Der anhaltende KI-Boom und die enorme Nachfrage nach KI-Servern haben TSMCs Kapazitäten für Chips in Verbrauchergeräten eingeschränkt. Apple verfügt dadurch über weniger Verhandlungsmacht, um TSMC zur Priorisierung seiner Chip-Produktion zu bewegen.

Historischer Kontext der Apple-Intel-Beziehung

Bevor Apple 2020 auf Apple Silicon umstieg, nutzte das Unternehmen Intel-Chips für seine Macs. Die Zusammenarbeit war jedoch von kontinuierlichen Verzögerungen bei der Chip-Entwicklung geprägt. Mit der Einführung eigener ARM‑basierter Prozessoren, die von TSMC gefertigt werden, konnte Apple Updates in einem regelmäßigeren Rhythmus bereitstellen.

Intel produziert sowohl eigene Chips als auch Chips für andere Unternehmen. Apple hatte Intel bisher nicht als Zulieferer in Betracht gezogen, da das Unternehmen hinter anderen Chip-Herstellern wie TSMC und Samsung zurücklag – und aufgrund der belasteten gemeinsamen Geschichte.

Zeitplan und technische Details

Analysten erwarten, dass Intel frühestens 2027 oder 2028 mit der Lieferung von Apple-Chips beginnen könnte. Die Produktion würde voraussichtlich Intels 18A- oder 14A-Prozessknoten nutzen. Für iPhone-Modelle könnte dies bedeuten, dass Intel ab 2028 einen Teil der A21- oder A22-Chips für Geräte wie das iPhone 20 fertigen würde.

Die Vereinbarung könnte auch Mac- und iPad-Chips umfassen. Analyst Ming-Chi Kuo prognostizierte bereits, dass Intel ab Mitte 2027 Apples günstigste M-Serie-Chips für ausgewählte Mac- und iPad-Modelle liefern könnte.

Strategische Bedeutung für beide Unternehmen

Für Apple bedeutet die Partnerschaft mit Intel eine Stärkung der US-amerikanischen Fertigung – ein Aspekt, der mit den politischen Bestrebungen der Trump-Administration nach inländischer Produktion übereinstimmt. Gleichzeitig würde Apple seine Abhängigkeit von einem einzelnen Zulieferer reduzieren.

Für Intel stellt die Zusammenarbeit eine wichtige Gelegenheit dar, sich als wettbewerbsfähiger Auftragsfertiger zu etablieren. Die US-Regierung hatte bereits im vergangenen Jahr eine zehnprozentige Beteiligung an Intel übernommen, um das Unternehmen zu unterstützen.

Die endgültigen Details der Vereinbarung müssen noch ausgearbeitet werden, und es bleibt abzuwarten, ob Intel die hohen Qualitäts- und Produktionsstandards erfüllen kann, die Apple von seinen Zulieferern erwartet.

Standpunkt

Wenn Intel tatsächlich liefern kann und konkurrenzfähige Fertigungsprozesse auf die Beine stellt, ist das gut für alle Beteiligten. Apple hätte einen Fertiger mehr, auf den Aufträge verteilt werden können. Intel hat einen prestigeträchtigen Kunden. Gleichzeitig kann sich Trump als Sieger sehen, dass Elektronik (und dann auch noch von Apple) in den USA gefertigt wird, und Apple wird seinem Versprechen ein Stück weit gerechter, in die USA investieren zu wollen.

Dass sich Intel und Apple zeitweise eher nicht so nahestanden, ist dabei nebensächlich. Erinnern wir uns an die Zeit vor der TSMC-Exklusivität zurück: Auf der einen Seite hat Apple damals noch Samsung in Grund und Boden verklagt wegen Android und war gleichzeitig Kunde bei den Koreanern für die Fertigung der iPhone-Chips. Das eine schließt das andere also keineswegs aus.

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