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Das Mac OS, das nie erschien

Apples gescheitertes Copland-System läuft jetzt direkt im Browser

Apple wollte mit Copland in den 1990er-Jahren das klassische Mac-Betriebssystem grundlegend modernisieren – doch das Projekt wurde eingestellt. Rund 30 Jahre später hat Entwickler Michael Steil eine der letzten Versionen in einem Emulator zum Laufen gebracht, der direkt im Browser startet.

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Ein Stück Apple-Geschichte lässt sich jetzt direkt im Browser ausprobieren: Entwickler Michael Steil hat eine der letzten Versionen von Copland in einem angepassten Power-Mac-Emulator zum Laufen gebracht. Das Betriebssystem sollte Mitte der 1990er-Jahre die technische Grundlage für die nächste Mac-Generation liefern, wurde von Apple jedoch nie fertiggestellt.

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Quickread: Auf einen Blick
  • Apples nie veröffentlichtes Copland-System läuft jetzt im Browser
  • Entwickler Michael Steil nutzt dafür eine angepasste Version von DingusPPC
  • Für den Start von Copland D11E4 waren elf Änderungen am Emulator nötig
  • Copland sollte System 7 ablösen, wurde von Apple aber 1996 eingestellt
  • Technologien aus Copland flossen später in das klassische Mac OS ein

Steil nutzt für das Projekt den quelloffenen PowerPC-Emulator DingusPPC. Wie er auf seiner Website Pagetable erklärt, waren elf Änderungen am Emulator notwendig, damit die Copland-Version D11E4 startet. Eine für den Browser angepasste Variante läuft über WebAssembly und kann auf modernen Rechnern ungefähr die Geschwindigkeit der damaligen Hardware erreichen.

Emulator erklärt!

Ein Emulator bildet die Hardware eines anderen Computers per Software nach. Dadurch können Betriebssysteme und Programme ausgeführt werden, obwohl die ursprünglich dafür vorgesehene Hardware nicht vorhanden ist. Im Fall von Copland übernimmt DingusPPC die Rolle eines damaligen Power Mac.

Eine der letzten Copland-Versionen wird wieder nutzbar

Bei D11E4 handelt es sich um eine der letzten Entwicklungsfassungen von Copland. Das System gilt als schwierig auf echter Hardware zu betreiben und war laut Steil bislang nicht auf diese Weise in einer Emulation verfügbar.

Die Browser-Version ist dabei mehr als eine reine Startanimation. Nutzer können innerhalb von Copland beispielsweise das Programm GXSlidemaster oder Eric’s Solitaire öffnen. Vollständig oder für den produktiven Einsatz gedacht ist die Umgebung allerdings nicht – schließlich handelt es sich um eine unfertige Entwicklungsfassung eines Betriebssystems, das nie regulär veröffentlicht wurde.

Auch technische Eigenheiten der damaligen Software sind erhalten geblieben. Läuft der emulierte Code beispielsweise in eine sogenannte Assertion, landet das System im Debugger. Von dort lässt sich die Ausführung anschließend fortsetzen.

Eine Assertion ist eine im Programmcode hinterlegte Prüfung. Entwickler legen damit fest, welcher Zustand an einer bestimmten Stelle erwartet wird – beispielsweise, dass der verfügbare Arbeitsspeicher einen gültigen positiven Wert hat. Trifft diese Annahme nicht zu, kann das Programm anhalten und den Debugger aufrufen. Entwickler können dann untersuchen, warum das System in diesen unerwarteten Zustand geraten ist.

Copland sollte System 7 ablösen

Apple hatte Copland als grundlegende Modernisierung seines damaligen Macintosh-Betriebssystems geplant. Das Projekt sollte unter anderem eine modernere technische Architektur schaffen und das in die Jahre gekommene System 7 langfristig ersetzen.

Die Entwicklung geriet allerdings zunehmend aus dem Zeitplan. Apple stellte Copland schließlich 1996 ein und übernahm einzelne Technologien später in reguläre Versionen des klassischen Mac OS.

Gleichzeitig begann das Unternehmen, nach einer externen Grundlage für seine zukünftigen Betriebssysteme zu suchen. Im Dezember 1996 kündigte Apple die Übernahme von NeXT an. Damit kehrte auch Steve Jobs zum Unternehmen zurück. Die Technik von NeXTSTEP beziehungsweise OpenStep bildete später eine wesentliche Grundlage für Mac OS X.

Damit dokumentiert die nun verfügbare Copland-Emulation einen interessanten Übergang in Apples Softwaregeschichte: Sie zeigt den internen Ansatz, mit dem Apple sein Mac-Betriebssystem ursprünglich selbst modernisieren wollte – bevor sich das Unternehmen für die NeXT-Technologie und damit einen völlig anderen technischen Weg entschied.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
Für den Alltag hat die Copland-Emulation naturgemäß keinen praktischen Nutzen. Technisch und historisch ist das Projekt dennoch bemerkenswert: Statt Copland nur über Screenshots und alte Berichte betrachten zu können, lässt sich eine der letzten Entwicklungsfassungen nun unmittelbar ausprobieren. Gerade weil Apple das System nie regulär veröffentlichte, wird damit ein ungewöhnliches Kapitel der Mac-Geschichte deutlich zugänglicher.

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