Vom Regal bis ans Seeufer

Sonos Play im Test: Der Allrounder mit dem überzeugenden Doppelleben

Morgens auf der Ladeschale im Wohnzimmer, mittags auf dem Balkon, abends am Lagerfeuer – der Sonos Play ist der erste Sonos-Speaker, dem man das wirklich abnimmt.

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Der Sonos Play sieht aus wie ein geschrumpfter Move 2. Das ist nicht abwertend gemeint: Das ovale, aufrechte Gehäuse mit dem umlaufenden Textilgitter wirkt schlicht und zeitlos, in Schwarz oder Weiß. Mit knapp 19 Zentimetern Höhe und 1,3 Kilogramm ist der Play tatsächlich portabel – ohne dabei wie ein Gadget aus dem Sonderangebot auszusehen. Die mitgelieferte Ladeschale löst das klassische Portabilitätsproblem: Der Play hat einfach seinen festen Platz im Regal. Nehmen Sie ihn mit, wenn Sie wollen – stellen Sie ihn zurück, wenn Sie wieder zuhause sind. Ein USB-C-Kabel übernimmt das Laden, ein Netzteil liegt jedoch nicht bei. Wer keins mit mindestens 18 Watt greifbar hat, muss nachkaufen. Bei 349 Euro darf man das ruhig als Sparsamkeit am falschen Ende bezeichnen.

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Zwei Play-Speaker, zwei Perspektiven: Vorne der schicke Auftritt fürs Wohnzimmer, hinten die Technik fürs Unterwegs. Als Stereo-Paar klingen die beiden deutlich besser als jeder für sich.
Zwei Play-Speaker, zwei Perspektiven: Vorne der schicke Auftritt fürs Wohnzimmer, hinten die Technik fürs Unterwegs. Als Stereo-Paar klingen die beiden deutlich besser als jeder für sich. (Bild: Mac Life)

Das IP67-Rating überzeugte im Test: Der Play übersteht Gartenschlauch, Regendusche und den Spritzer beim Abwasch problemlos. Wer ihn viel draußen nutzt, greift lieber zur schwarzen Variante – Weiß zeigt Gebrauchsspuren deutlich schneller. Ein kleiner Alltagsvorbehalt: Die Silikonflächen an Ober-, Unter- und Rückseite ziehen Staub und Fussel magisch an. Wer den Play auf einem Regal stehen hat, wischt öfter als erwartet.

Sonos Play im Hörtest: Warm, druckvoll und erstaunlich tief

Drei Class-D-Digitalverstärker, zwei angewinkelte Hochtöner, ein Mitteltöner und zwei kraftaufhebende Passivmembranen – die technische Basis  liest sich aufwendig, und das hört man: Der Sonos Play klingt warm und druckvoll, die Höhen sind sauber getrennt, der Bass reicht für die Gehäusegröße erstaunlich tief. Selbst bei maximaler Lautstärke bleibt der Sound kontrolliert, nichts zerrt, nichts übersteuert. Für Küche, Balkon oder den mittelgroßen Garten ist das völlig ausreichend. Wer von klangstarken Standlautsprechern kommt, wird beim Play die letzte Portion Räumlichkeit vermissen – aber das wäre auch ein unfairer Vergleich.

Größenvergleich: Der Sonos Play (Mitte, auf Ladeschale) zwischen einem Sonos Roam (links) und einem Apple HomePod (rechts) – kompakter als erwartet, aber deutlich wuchtiger als der kleine Bruder.
Größenvergleich: Der Sonos Play (Mitte, auf Ladeschale) zwischen einem Sonos Roam (links) und einem Apple HomePod (rechts) – kompakter als erwartet, aber deutlich wuchtiger als der kleine Bruder. (Bild: Mac Life)

Trueplay macht im Alltag einen hörbaren Unterschied: Die Software misst per Mikrofon kontinuierlich die Raumakustik und passt den Equalizer automatisch an – keine manuelle Kalibrierung, kein Einmessen mit dem Smartphone. In einem kleinen Zimmer zügelt der Play den Bass, draußen ohne schallschluckende Wände öffnet er den Sound. Das funktioniert schlicht. Der manuelle Equalizer in der Sonos-App fällt hingegen knapp aus: Nur Bass und Höhen lassen sich regulieren, ein Mittenregler fehlt. Wer feinjustieren möchte, stößt hier schnell an Grenzen.

Sonos Play als Stereo-Paar: Zwei Speaker, eine andere Welt

Wer zwei Sonos Play besitzt, kann sie in der Sonos-App zu einem echten Stereo-Paar verbinden – und das ist womöglich die überzeugendste Art, diesen Speaker zu erleben. Die Einrichtung dauert unter einer Minute: In „Einstellungen > Mein System“ einen der beiden Speaker auswählen, auf „Stereo-Paar erstellen“ tippen, fertig. Es empfiehlt sich ein Abstand von rund 2,5 bis 3 Metern zwischen den Lautsprechern und eine Hörposition von 2 bis 3,5 Metern – klassische Stereo-Aufstellung also.

Rückansicht des Duos: Die Trageschlaufe klappt flach weg, wenn man sie nicht braucht. Gut sichtbar: der Hardware-Mikrofon-Schalter (grün = aktiv), der Einschalter und der USB-C-Anschluss.
Rückansicht des Duos: Die Trageschlaufe klappt flach weg, wenn man sie nicht braucht. Gut sichtbar: der Hardware-Mikrofon-Schalter (grün = aktiv), der Einschalter und der USB-C-Anschluss. (Bild: Mac Life)

Das Ergebnis überrascht dann doch: Die Bühnenbreite wächst spürbar, der Mitteltöner wirkt entlastet und schöpft im Bassbereich deutlich mehr aus. Musik, die am einzelnen Play bereits gut klang, gewinnt plötzlich Tiefe und Staffelung – weniger Bluetooth-Speaker, mehr Hi-Fi-Anlage. Auf dem Schreibtisch war das Stereo-Paar schlicht beeindruckend; aber auch draußen – ein Speaker links, einer rechts vom Gartentisch – lieferte der Klang eine Fülle, die man dem kompakten Format nicht zugetraut hätte.

Wichtig zu wissen: Das Stereo-Pairing funktioniert ausschließlich über WLAN, nicht über Bluetooth. Die Paarung bringt außerdem einen konzeptionellen Haken mit: Wer beide Geräte als Duo verbunden hat, sieht sie in der Sonos-App und via AirPlay 2 nur noch als eine Einheit. Einen der Speaker spontan ins Schlafzimmer tragen? Das geht erst, nachdem man das Paar manuell getrennt hat. Für ein Gerät, das mit maximaler Flexibilität beworben wird, ist das ein kleiner Widerspruch.

Sonos Play als Alternative zum zweiten HomePod

Apple-Nutzer, die bereits einen HomePod oder HomePod mini im Wohnzimmer stehen haben, kennen die Versuchung: Ein zweites Gerät her, und schon hat man echtes Stereo im Raum. Der Play könnte hier eine interessante Alternative sein – nicht weil er klanglich mit dem HomePod gleichzieht, aber weil er einen entscheidenden Vorteil mitbringt: den Akku. Während ein zweiter HomePod (349 Euro) fix an der Steckdose hängt, lässt sich der Sonos Play zum gleichen Preis einfach mitnehmen – auf den Balkon, in die Küche, ins Schlafzimmer. AirPlay 2 unterstützt er ebenfalls, die Integration ins Apple-Universum funktioniert daher reibungslos. Und wer mit einem HomePod mini (109 Euro) eingestiegen ist und einen klanglichen Sprung nach oben plant: Der Play bietet deutlich mehr Lautstärke, echte Portabilität und zusätzlich Bluetooth – für den Fall, dass man mal ohne WLAN unterwegs ist. Der HomePod mini kann das alles nicht.

Die mitgelieferte Ladeschale macht den Play zum Heimspeaker: einfach draufstellen, Kabel ran – fertig. Ein Netzteil liegt allerdings nicht bei.
Die mitgelieferte Ladeschale macht den Play zum Heimspeaker: einfach draufstellen, Kabel ran – fertig. Ein Netzteil liegt allerdings nicht bei. (Bild: Mac Life)

Bluetooth Grouping: Mehrere Sonos Play synchron ohne WLAN

Neu und tatsächlich nützlich: Mehrere Sonos Play – oder auch Play und Move 2 – lassen sich über Bluetooth synchronisieren, ganz ohne WLAN. Den Play mit dem iPhone koppeln, dann auf bis zu drei weiteren Speakern die Wiedergabetaste gedrückt halten – schon läuft dieselbe Musik überall synchron. Die Einrichtung funktioniert im Test reibungslos. Klanglich ist das kein Vergleich zum Stereo-Paar zuhause, aber für den Abend im Garten, am See oder auf dem Balkon ist das genau das Feature, das den Unterschied macht.

Die Sonos-App zeigt, was sie kann: AirPlay-Wiedergabe (links), das eingerichtete Stereo-Paar (Mitte) und das übersichtliche Einstellungsmenü mit allen Systemoptionen (rechts).
Die Sonos-App zeigt, was sie kann: AirPlay-Wiedergabe (links), das eingerichtete Stereo-Paar (Mitte) und das übersichtliche Einstellungsmenü mit allen Systemoptionen (rechts). (Bild: Screenshot)

Klangeinstellungen in der Sonos-App: Trueplay optimiert den Sound automatisch (links), der manuelle Equalizer bietet Bass, Höhen und Balance (Mitte) – ein Mittenregler fehlt leider. Rechts: die verbundenen Streaming-Dienste, darunter Apple Music, Bandcamp und diverse Radiosender.
Klangeinstellungen in der Sonos-App: Trueplay optimiert den Sound automatisch (links), der manuelle Equalizer bietet Bass, Höhen und Balance (Mitte) – ein Mittenregler fehlt leider. Rechts: die verbundenen Streaming-Dienste, darunter Apple Music, Bandcamp und diverse Radiosender. (Bild: Screenshot)

Die Sonos-App: Mächtig, aber gewöhnungsbedürftig

Wer den Sonos Play einrichtet, kommt an der Sonos-App nicht vorbei – und das ist Fluch und Segen zugleich. Die gute Seite: Die App ist das Steuerzentrum eines ausgewachsenen Multiroom-Systems. Hier richten Sie das Stereo-Paar ein, verwalten Räume und Gruppen, streamen direkt aus Apple Music, Spotify oder YouTube Music, und rufen Trueplay auf. Über 100 Streaming-Dienste werden unterstützt, die Oberfläche ist aufgeräumt – und nach dem desaströsen App-Relaunch 2024 hat Sonos offensichtlich nachgebessert. Im Test lief die aktuelle Version stabil und ohne nennenswerte Aussetzer.

Sonos
Sonos
Entwickler: Sonos, Inc.
Preis: Kostenlos+

Die weniger gute Seite: Wer noch nie ein Sonos-Gerät besessen hat, wird die App zunächst als dicht empfinden – sie ist auf ein ganzes System ausgelegt, nicht auf einen einzelnen Lautsprecher. Und ein Manko bleibt ärgerlich: Die App braucht auch dann eine WLAN-Verbindung, wenn der Play gerade über Bluetooth läuft. Wer also unterwegs ohne Heimnetz ist und trotzdem den EQ anpassen möchte, hat schlicht Pech. Apropos EQ: Die manuelle Klangregelung beschränkt sich auf Bass- und Höhenregler – für ein Gerät dieser Preisklasse wäre ein Mittenregler keine übertriebene Forderung.

Die Silikonfläche auf der Oberseite zeigt schon nach kurzer Zeit, was im Text steht: Sie zieht Staub und Fingerabdrücke magisch an. Die Touch-Bedienelemente reagieren dafür präzise.
Die Silikonfläche auf der Oberseite zeigt schon nach kurzer Zeit, was im Text steht: Sie zieht Staub und Fingerabdrücke magisch an. Die Touch-Bedienelemente reagieren dafür präzise. (Bild: Mac Life)

Sonos Play im Akku-Test: 22 Stunden in der Praxis

35-Wattstunden-Akku, laut Sonos bis zu 24 Stunden Laufzeit – im Test realistisch; bei moderater Lautstärke waren gut 22 Stunden drin. Der USB-C-Anschluss dient nebenbei als Powerbank fürs iPhone. Zwei kleinere Ärgernisse bleiben: Der Play schaltet sich im Stand-by etwas schneller ab, als man es sich wünscht. Und das Einschalten über den rückseitigen Knopf braucht einen Moment – bei einem Gerät, das man spontan greifen soll, wirkt das etwas träge.

Fazit

Der Sonos Play ist das überzeugendste Gesamtpaket, das Sonos je in ein portables Gehäuse gesteckt hat. Er klingt zuhause wie ein ausgewachsener Heimspeaker, übersteht draußen Regen und Spritzwasser – und als Stereo-Paar liefert er eine Klangbühne, die man einem 19-Zentimeter-Lautsprecher schlicht nicht zutraut. Wer bereits im Sonos-Ökosystem lebt, greift ohne Zögern zu. Wer neu einsteigt, findet im Play den sinnvollsten Einstiegspunkt des gesamten Sortiments. Und wer bislang dachte, für guten Sound zuhause und unterwegs brauche man zwei Geräte: Der Play macht dieses Argument zunichte – spätestens, wenn man ein zweites kauft.

IP67 bedeutet in der Praxis: einfach ins Gras stellen. Der Play übersteht Regen, Spritzwasser und den Rasensprenger – ohne Murren.
IP67 bedeutet in der Praxis: einfach ins Gras stellen. Der Play übersteht Regen, Spritzwasser und den Rasensprenger – ohne Murren. (Bild: Mac Life)
Testergebnis
ProduktnamePlay
HerstellerSonos
Preis349 €
Webseitehttps://www.sonos.com/de-de/home
Pro
  • warmer, druckvoller Klang
  • Trueplay passt Sound an die Umgebung an
  • als Stereo-Paar doppelt gut
  • Bluetooth Grouping ohne WLAN
  • AirPlay 2
  • 24-Stunden-Akku mit integrierter Powerbank
  • Ladeschale im Lieferumfang
Contra
  • kein Netzteil im Lieferumfang
  • Stereo-Paar lässt sich nicht spontan trennen
  • EQ auf Bass und Höhen beschränkt
  • etwas träges Ein- und Ausschalten
Bewertung
1,5gut