Sound trifft RGB

Klipsch ProMedia Lumina im Test: Sound mit Lichtshow für den Schreibtisch

Die ProMedia Lumina sind die Neuauflage einer Klipsch-Legende aus den späten Neunzigern. Das 2,1-Kanal-System aus zwei Satelliten und einem Subwoofer soll den bekannten Klipsch-Klang mit moderner Technik und RGB-Beleuchtung verbinden.

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Schon beim Auspacken zeigt sich, dass hier jemand ernsthafte Designarbeit geleistet hat. Im Karton liegen ein USB-C-Kabel, ein zweipoliges Netzkabel sowie die beiden Satelliten und der Subwoofer. Ein Klinkenkabel für den analogen AUX-Eingang gehört nicht zum Lieferumfang, wer diesen Anschluss nutzen möchte, muss selbst eines besorgen. Das gesamte System bringt zusammen etwa 7 Kilogramm auf die Waage, der Subwoofer macht davon den Großteil aus. Das Gewicht und die saubere Verarbeitung vermitteln direkt einen hochwertigen Eindruck.

Sommer-Angebot

Design und Verarbeitung

Die Satelliten kommen im Holzfinish mit sichtbarer Maserung und silbernen Details und wirken hochwertiger, als es der Preis vermuten lässt. Auffällig: Es gibt keine Frontblende. Die Treiber liegen offen, was optisch Geschmackssache ist, aber die Konstruktion sichtbar macht. Der Neigungswinkel lässt sich um bis zu 18 Grad anpassen, sodass sich die Speaker gut auf die Ohrhöhe ausrichten lassen – praktisch bei einem Steh-Sitz-Schreibtisch oder wenn die Speaker erhöht stehen.

Im Alltag fügen sich die Satelliten unauffällig neben Mac und Zusatzdisplay ein.
Im Alltag fügen sich die Satelliten unauffällig neben Mac und Zusatzdisplay ein. (Bild: Sven T. Möller)

Beim Subwoofer fällt ein anderer Punkt auf: Er kommt komplett ohne Abdeckung. Der Treiber liegt frei, ein Gitterrost hätte hier für zusätzlichen Schutz gesorgt. Wer Kinder oder Katzen hat, sollte den Subwoofer entsprechend platzieren, da sich der recht kräftige Hub des Treibers durchaus einladend sein kann. Dafür ist das Gehäuse angenehm flach gebaut und findet unter fast jedem Tisch Platz, selbst wenn dort eine Querstrebe im Weg ist. Der Bassreflex-Port sitzt seitlich, sodass sich der Subwoofer wahlweise mit der Rückseite zur Wand aufstellen lässt, ohne den Bass zu verschlucken.

Kabel, Anschlüsse und Konnektivität

Die Satelliten hängen nicht per einfachem Klinkenkabel am Subwoofer, sondern über einen proprietären DB9-Steckverbinder. Beide Kabel sind mit rund 2 Metern Länge fest am jeweiligen Satelliten verbaut und lassen sich nicht abtrennen, dafür schrauben sie sich robust an der Rückseite des Subwoofers fest, sodass nichts versehentlich herausrutscht. Wer einen größeren Abstand zwischen Sub und Satelliten benötigt, ist auf passende Verlängerungen angewiesen.

Auf der Rückseite verbinden Sie beide Satelliten über die proprietären DB9-Stecker mit dem Subwoofer.
Auf der Rückseite verbinden Sie beide Satelliten über die proprietären DB9-Stecker mit dem Subwoofer. (Bild: Sven T. Möller)

Am Subwoofer selbst stehen USB-C mit eingebautem DAC, ein AUX-Eingang und Bluetooth 5.3 zur Verfügung. AirPlay unterstützt das System leider nur über den Umweg des angeschlossenen Mac. Praktisch: Über USB-C vom Rechner und gleichzeitig per Bluetooth vom Smartphone lässt sich das System parallel ansteuern. Der linke Satellit besitzt zusätzlich einen USB-C-Port, der jedoch ausschließlich zum Laden externer Geräte dient und keine Audiodaten überträgt. Der rechte Satellit bündelt sämtliche Bedienelemente: Lautstärketasten, eine Taste zum Umschalten der Eingangsquelle zwischen Analog, USB-C und Bluetooth, eine Taste für die Beleuchtung sowie einen 3,5-Millimeter-Ausgang, über den sich auch ein Mikrofon nutzen lässt. Einen dedizierten Ausschalter oder eine Stummschaltung gibt es nicht, dafür lässt sich das System durch längeres Halten der Eingangstaste komplett abschalten. Eine Fernbedienung gibt es ebenfalls nicht.

Bedienung

Statt eines Drehreglers gibt es nur Tasten für die Lautstärke. Das funktioniert, ist aber weniger intuitiv und präzise als ein klassischer Regler, zumal die Logik dahinter nicht auf Anhieb einleuchtet: Ein kurzer Druck auf die mittlere Taste wechselt zum Beispiel den Beleuchtungsmodus, während sich das System nur durch mehrsekündiges Halten ausschalten lässt. Eine Balance-Regelung für Links und Rechts fehlt komplett – ein Manko, wenn die Aufstellung am Schreibtisch nicht symmetrisch ist. Der Lautstärkeregler am Subwoofer ist rein digital, er steuert also denselben Wert wie die App, nicht etwa eine unabhängige analoge Stufe.

Statt eines Drehreglers setzt Klipsch bei der ProMedia Lumina auf Tasten.
Statt eines Drehreglers setzt Klipsch bei der ProMedia Lumina auf Tasten. (Bild: Sven T. Möller)

App und Klanganpassung

Windows-Nutzer bekommen mit der Klipsch-Control-Desktop-App den vollen Funktionsumfang, darunter die reaktive Beleuchtung, die sich am Bildschirminhalt orientiert. Mac-Nutzer müssen zur Steuerung auf die Klipsch-Connect-Plus-App für iOS und Android zurückgreifen, die per Bluetooth arbeitet, auch während gleichzeitig eine USB-Verbindung aktiv ist und im Alltag etwas träge reagiert. 

Klipsch Connect Plus
Klipsch Connect Plus
Entwickler: Klipsch Group, Inc.
Preis: Kostenlos

Klanglich lässt sich über einen 6-Band-Equalizer nachjustieren, allerdings nur mit festen Frequenzbändern und nicht parametrisch, eine feinere Anpassung von Frequenz, Pegel und Bandbreite ist also nicht möglich. Dazu kommen feste Klangprofile für Musik, Film und einen virtuellen Surround-Modus, der vor allem die Höhenwiedergabe verändert. Die Lautstärke des Subwoofers lässt sich ebenfalls direkt in der App regeln.

Zur detaillierten Steuerung müssen Apple-Fans die iPhone-App nutzen.
Zur detaillierten Steuerung müssen Apple-Fans die iPhone-App nutzen. (Bild: Screenshot)

Beleuchtung

Die LEDs sitzen ausschließlich an der Rückseite der Satelliten und sorgen für indirektes Ambientlicht mit mehreren Modi: Regenbogen, Atmen, Statisch, Aurora, Musik-Reaktion sowie, nur unter Windows, Bildschirm-Reaktion und eine Anbindung an Windows Dynamic Lighting. In der Praxis zeigt sich: Vor einer dunklen Wand geht der Effekt größtenteils verloren, da das Licht kaum reflektiert wird und nur diffus sichtbar bleibt. Eine separate Abschaltung der vorderen Anzeige-LED ist nicht vorgesehen.

Die rückseitige LED-Beleuchtung sorgt für den namensgebenden „Lumina“-Effekt.
Die rückseitige LED-Beleuchtung sorgt für den namensgebenden „Lumina“-Effekt. (Bild: Sven T. Möller)

Klang

Beim Klang zeigt sich die Klipsch-Handschrift deutlich: Jeder Satellit kombiniert einen 3-Zoll-Mitteltöner mit einer 1-Zoll-Kalotte, die in ein sogenanntes MicroTractrix-Horn eingebettet ist. Diese Bauweise erhöht den Wirkungsgrad des Hochtöners und sorgt für klare, detailreiche Höhen bei geringer Verzerrung. Der Subwoofer misst 6,5 Zoll und liefert für seine kompakte Größe kontrollierten, konturierten Bass bis in den Bereich von 40 bis 50 Hertz.

Messungen zeigen einen um 3 bis 5 Dezibel angehobenen oberen Hochtonbereich, was auf Dauer etwas anstrengend wirken kann. Da es sich um ein Horn-System handelt, reagiert der Klang zudem empfindlich auf die genaue Kopfposition. Dreht man die Satelliten um etwa 20 bis 30 Grad von der direkten Hörachse weg, wird der Frequenzgang spürbar ausgewogener, ohne dass der Klang an Präsenz verliert. Wer möglichst neutral hören möchte, sollte also nicht direkt auf die Speaker, sondern etwas an den Ohren vorbeizielen. Bei sehr hohen Pegeln setzt hörbare Kompression ein, was angesichts der kompakten Bauweise der Satelliten und des Subwoofers zu erwarten ist und im Nahfeld am Schreibtisch kaum ins Gewicht fällt. Im direkten Vergleich mit ähnlich positionierten Modellen fällt die Klipsch-Abstimmung etwas präsenter und weniger linear aus, bietet dafür aber mit dem separaten Subwoofer mehr Tiefgang, als es die meisten Konkurrenten in dieser Preisklasse und Größenordnung schaffen.

Der Neigungswinkel des Satelliten lässt sich für optimale Hörposition anpassen.
Der Neigungswinkel des Satelliten lässt sich für optimale Hörposition anpassen. (Bild: Sven T. Möller)

Einordnung

Klipsch ruft für die ProMedia Lumina eine UVP von 350 Euro auf – dank Preiserhöhung inzwischen 50 Euro weniger als Apples HomePod. Wer die Ausstattung mit separatem Subwoofer, RGB-Beleuchtung und App-Anbindung bedenkt, bekommt allerdings ein Paket, das sich preislich nur schwer eins zu eins mit reinen Regallautsprechern vergleichen lässt.

Testergebnis
ProduktnameProMedia Lumina
HerstellerKlipsch
Preis350 €
Webseitewww.klipsch.com
Pro
  • klarer, detailreicher Klang mit kontrolliertem Bass
  • neigbare Satelliten für flexible Ausrichtung
  • USB-C-Ladeport am linken Satelliten
  • robuste, fest verschraubte Kabelverbindungen zum Subwoofer
Contra
  • keine macOS-App
  • kein AirPlay
  • keine Balance-Regelung
  • Bedienung über Tasten statt Drehregler, keine Fernbedienung
  • Beleuchtung wirkt vor dunklen Wänden kaum
Bewertung
2,3gut