iPhone 18 Pro im Test: Blendend gut – und blendend teuer
Der erste Eindruck entsteht nicht über dem Datenblatt brütend, sondern an einem langen Wochenende mit zwei Stunden am Stück in der Welt von „Control“ in Vorfreude auf den zweiten Serienteil. Das neue iPhone blieb beim Spielen spürbar kühler als der Vorgänger, die Bildrate durchweg stabil. Ein gewissermaßen wassergekühltes Telefon, das dauerhaft volle Leistung liefert, ohne einzuknicken, ist zwar nicht das fliegende Auto, das uns die Zukunft einst versprach – aber immerhin ein Fortschritt.
Die andere Hälfte der Geschichte steckt als die offensichtlichere Neuerung hinter der Kameraabdeckung: eine mechanische Blende mit vier Stufen zwischen f/1.48 und f/4.0. Die neue Dampfkammer und Blende sieht niemand, sie machen zusammen mit dem A20-Pro-Chip aber primär den Unterschied zum Vorjahr aus.
Beim genauen Hinsehen sichtbar ist die geschrumpfte Dynamic Island. Auch die Rückseite wurde verbessert: Glas und Aluminium tragen jetzt denselben Farbton, und das neue Schwarz ist das dunkelste, das Apple je einem Pro-Modell gegönnt hat. Der Rest ist alljährliches „höher, schneller, weiter“: Apples eigenes C2-Modem im europäischen Pro Max, Ceramic Shield 2 vorn, der bewährte Aluminium-Unibody drumherum.
Und dann ist da die Küchenwaage. 249 Gramm zeigt sie an, 16 mehr als beim Vorgänger. Aber niemandes Kraft scheitert an 16 Gramm mehr – schwer ist es dennoch.
Bleibt der Preis: 1.599 Euro für die Einstiegskonfiguration mit 256 Gigabyte, 150 Euro mehr als im Vorjahr. Wer ein iPhone drei bis fünf Jahre behält, verteilt die Summe auf gut tausend Tage. Die folgenden sechs Seiten setzen deshalb auf Praxis statt Punktestände, denn die Investition will wohl überlegt sein.
Die Technik
Der A20 Pro ist Apples erster iPhone-Chip aus 2-Nanometer-Fertigung. Die interessanteste Änderung steckt im Detail: Die unverändert 12 Gigabyte an Arbeitsspeicher sitzen nicht mehr über dem Prozessor, sondern daneben. Der Speicher heizt den Rechenkern nicht länger mit auf, und die Recheneinheiten halten ihr Tempo länger, statt zu deren Schutz zurückzurudern.
Benchmarks zeigen rund ein Viertel mehr Tempo beim Prozessor und über 40 Prozent bei der Grafik im Vergleich zum Vorjahr. Im Alltag spielen diese Zahlen dennoch die zweite Geige. Spannend wird es nach zwanzig Minuten Last. Dort trennten sich bisher Datenblatt und Wirklichkeit – die Bildrate sackte ab, der Export zog sich, das Gehäuse wurde unangenehm heiß. Das 18 Pro Max bleibt hier gelassener. Wird es doch einmal warm, verteilt sich die Wärme großflächiger. Den größten Gewinn an Dauerleistung verbucht, na klar, das größere Pro Max. Der Blick auf Vergleichswerte zeigt, dass das kleine 18 Pro im Stresstest kaum besser durchhält als sein Vorgänger. Wichtiger als jeder Spitzenwert in einem Benchmark erscheint uns die gefühlte Reserve an Power: Ein Chip, der 2026 nicht ins Schwitzen kommt, hat 2029 noch Luft für Software, die es heute nicht gibt.
6 CPU-Kerne, zwei für Leistung, vier für Effizienz, übernehmen die klassische Rechenarbeit. 7 GPU-Kerne, einer mehr als beim Vorgänger, kümmern sich indes um die Grafik. Jeder davon trägt einen Neural Accelerator, der Aufgaben der Künstlichen Intelligenz direkt dort erledigt, wo die Daten ohnehin liegen. Dazu kommen eine doppelte Neural Engine mit je 16 Kernen und eine Speicheranbindung mit bis zu 50 Prozent mehr an Bandbreite.
Der wichtigste Eingriff betrifft jedoch die Anordnung der Komponenten. Diese sei hier nochmals wiederholt: Bisher stapelte Apple den Arbeitsspeicher über dem Chip, jetzt liegen beide nebeneinander. Die Wärme nimmt einen direkteren, kürzeren Weg und die Schutzschaltung drosselt daher später.
Die Dampfkammer ist eine flache, luftleer gepumpte Metallkammer mit einer winzigen Menge Wasser. Über dem Chip verdampft die Flüssigkeit und entzieht ihm Wärme. Der Dampf wandert zur kühleren Gehäuseseite, kondensiert und fließt durch eine feine Kapillarstruktur zurück – ein Kühlkreislauf ganz ohne Pumpe, ohne Lüfter und ohne Geräusch.
Der Trick liegt im Phasenwechsel: Verdampfendes Wasser nimmt ein Vielfaches der Energie auf, die eine Metallplatte transportieren könnte. Apple nutzt entionisiertes Wasser, damit die Kapillaren nicht verkalken – ein Problem, das Besitzer von Dampfbügeleisen aus leidvoller Erfahrung kennen.
Die zweite Generation bietet nun die dreifache Fläche, nimmt Wärme schneller auf und verteilt sie großflächiger. Graphit und sogenanntes Nanotwin-Kupfer halten zusätzlich den Bildschirm kühler – auch dieser produziert im Betrieb ordentlich Wärme, die nun besser abgeführt wird.
Pro Steuerelemente
Wer bisher manuell fotografieren wollte, musste sich im App Store nach Apps Dritter umsehen. Die Pro Steuerungen holen die klassischen Stellschrauben der Fotografie in Apples eigene Kamera-App. Alles, was gerade niemand selbst regeln möchte, übernimmt dabei die Automatik. Die neue Kamera-App bekommen alle iPhones mit iOS 27, die Pro Steuerungen indes nur die 18-Pro-Modelle. Sie wirken auch beim Filmen, müssen dort aber vor der Aufnahme sitzen.
1 – Blende
Vier Stufen stehen zur Wahl, f/1.48, f/1.8, f/2.8 und f/4.0. Fremde Kamera-Apps dürfen feiner abstufen.
2 – Verschlusszeit
Von 1/16000 bis 1 Sekunde. Kurze Zeiten frieren Bewegung ein, lange verwischen sie. Unterhalb von 1/30 Sekunde lohnt eine Stütze.
3 – Weißabgleich
Die Kelvin-Skala reicht von warmem Kerzenlicht bis zu kaltem Schatten. Ein fester Wert hält die Farben innerhalb einer Serie einheitlich.
4 – Fokus
Die Schärfe lässt sich von Hand auf einen Punkt legen – hilfreich ist das etwa, wenn die Automatik durch Glas, Gitter oder Regentropfen das falsche Motiv wählt.
5 – Histogramm
Klebt die Kurve rechts am Rand, fressen die Lichter aus, klebt sie links, saufen die Schatten ab.
6 – Einstellungen beibehalten
Eigene Voreinstellungen fehlen. Unter „Einstellungen > Kamera > Einstellungen beibehalten“ merkt sich die App aber etwa die zuletzt genutzte Blende.
7 – Leiste anpassen
Welche Werkzeuge in der Leiste liegen, lässt sich durch langes Gedrückthalten dieses Bereiches frei festlegen.
8 – Leiste jederzeit ein- und ausblenden
Ein Wisch nach oben über diesen Bereich des Bildschirms öffnet die Auswahl der Werkzeuge, ein Wisch nach unten räumt das Bild frei.
Apple hat die Infrarotkamera für Face ID unter das Display verlegt, ein Feld besonders angeordneter Pixel lässt gerade genug Licht hindurch – nur in praller Sonne zeichnet sich die Kamera schemenhaft ab. Die Aussparung schrumpft um rund ein Viertel, neben der Uhrzeit bleibt sichtbar mehr Luft. Zugleich fasst die Dynamic Island nun in Summe drei Live-Aktivitäten, etwa Navigation, Musik und Timer. Schon bei zweien zeigt die rechte mehr Informationen. Face ID arbeitet so zuverlässig wie zuvor.
Die Kamera in der Praxis
Anders als der Zoom wirkt die Blende indirekt: Sie bestimmt, wie viel Licht auf den Sensor fällt – und wie viel vom Bild scharf erscheint. Geöffnet auf f/1.48 sammelt die Hauptkamera so viel Licht wie nie zuvor in einem iPhone. Das hilft abends, in Kirchen und Restaurants. Bei gleicher Verschlusszeit wählt das 18 Pro Max eine niedrigere ISO-Stufe als der Vorgänger, das Bildrauschen sinkt deutlich. Der Nachtmodus braucht statt fünf bis acht oft nur ein bis drei Sekunden – eine gute Nachricht für alle, deren Hände nicht aus dem gleichen Holz wie Stative geschnitzt sind. Zugleich schrumpft die Schärfentiefe: Das Motiv steht frei, der Hintergrund wird butterig. Bisher rechnete das iPhone diesen Effekt nach, jetzt entsteht er zumindest teilweise in der Optik.
Geschlossen auf f/4.0 kehrt sich das um. Vorder- und Hintergrund liegen gemeinsam in der Schärfe, Lichtpunkte werden durch Beugung an den sechs Lamellen zu Sonnensternen. Beim Filmen in grellem Licht erlaubt sie längere Verschlusszeiten und damit natürliche Bewegungsunschärfe.
Auch wer nie manuell arbeitet, profitiert. Die Automatik öffnet nachts auf f/1.48 und schließt bei Motiven dicht vor der Linse auf f/4.0 – bei Gruppenfotos steht so auch die hintere Reihe nicht mehr im Nebel des weichgezeichneten Hintergrunds. Bei Landschaften ohne nahen Vordergrund bleibt der Unterschied zum Vorgänger gering. Heller wirken die Fotos trotzdem, das verdanken sie aber eher der neuen Bildverarbeitung, nicht dem Objektiv.
Die Blende bleibt der Hauptkamera vorbehalten, Ultraweitwinkel und Frontkamera ändern sich im Ergebnis nicht. Wichtiger als alle Zahlen: Wer die Pro Steuerungen nie öffnet, verliert nichts: Auch das 18 Pro Max bleibt eine Kamera zum Draufhalten und Losknipsen.
Kaufberatung
Pro oder Duo?
Das iPhone Duo ist eine echte Alternative: gleicher A20 Pro, 5,4 Zoll außen, 7,6 Zoll innen. Zugeklappt ein kompaktes iPhone, aufgeklappt fast ein Tablet – ideal zum Zeitunglesen, für Karten und für zwei Apps direkt nebeneinander.
Dagegen stehen Einschränkungen: keine Telekamera, keine variable Blende, Touch ID statt Face ID, nur eSIM. Mit 254 Gramm wiegt es sogar noch ein klein wenig mehr als das Pro Max, und der Preis beginnt ab stolzen 2.299 Euro. Vorbestellungen starten am 16., der Verkauf am 23. Oktober. Kurz: Wer fotografiert, nimmt das Pro. Wer viel liest und am Gerät arbeitet, wartet das Duo zumindest ab.
Wie viel Speicher?
256 Gigabyte reichen den meisten. Eine Fotomediathek aus zehn Jahren belegt erfahrungsgemäß 60 bis 120 Gigabyte, ein ordentlicher Musikvorrat 20 bis 40, iOS 27 rund 10 Gigabyte. Kritisch wird es bei ProRes: Eine Minute 4K-Video verschlingt mehrere Gigabyte, ein Drehtag füllt eine ganze Speicherstufe. Wer so filmt, greift zu 512 Gigabyte oder sichert lieber gleich auf ein externes Laufwerk.
1 Terabyte lohnt für Archive, die vollständig liegen sollen – und gerade hier langt Apple zu: Der Aufpreis zum Vorjahr beträgt bei 512 Gigabyte 150 Euro, bei 1 Terabyte 400 Euro. 2 Terabyte verbuchen wir unter „Spezialistenausrüstung“: 1.500 Euro Aufpreis zur Grundausstattung, das ist der Preis eines ordentlichen MacBook Air.
Für 50 Prozent in rund 15 Minuten verlangt Apple ein Netzteil ab 60 Watt mit USB PD 3.1 und einstellbarer Spannung, etwa den hauseigenen „40W Dynamic Power Adapter mit 60W Max“ für 45 Euro. Je nach Netzteil erreicht das Pro Max die Marke oder verfehlt sie knapp. Kabellos sind über MagSafe und Qi2 höchstens 25 Watt drin, die Hälfte dauert rund 30 Minuten. Hüllen des 17 Pro Max passen dank identischer Maße meist. Aluminium verkratzt leichter als Titan – eine Hülle schadet also nicht.
iPhone Pro oder Pro Max?
Zwischen Pro und Pro Max liegen 150 Euro, 0,6 Zoll Diagonale und 38 Gramm. Chip und Kamerasystem sind identisch. Das Max hält, na klar, länger durch und verteidigt sein Tempo unter Dauerlast besser. Das Pro passt in schmale Taschen und läuft laut Apple mindestens so lange wie das 17 Pro Max. Die Entscheidung zwischen beiden Größen fällt nicht anhand des Datenblatts, sondern wortwörtlich in der eigenen Hand.
Siri AI
Wegen des Digital Markets Act startet die neue Siri auf iPhone, iPad und Apple Watch in der EU vorerst nicht, einen Termin kann Apple nicht nennen. Auf dem Mac läuft Siri AI auch hierzulande. Die übrigen Werkzeuge der Apple Intelligence funktionieren ebenfalls.
Referenzbilder und iPhone-Synchronisierung
Die Aufnahme von Referenzbildern fehlt vorerst, das Spiegeln des iPhone auf dem Mac bleibt in der EU auch weiterhin leider gesperrt.
Nur hier – und auch in den USA
„iPhone Handoff“ nutzt eine Rufnummer abwechselnd auf zwei iPhones. Einziger Partner neben T-Mobile USA ist die Telekom, als Teil von MultiSIM (6,95 Euro im Monat, in MagentaMobil L und XL inklusive).
Zwei Neuerungen tragen diesen Pro-Jahrgang. Die mechanische Blende holt eine gestalterische Entscheidung zurück ins Objektiv, die zuletzt Algorithmen trafen – und sie wirkt auch dann, wenn niemand einen Regler anfasst. Freistellungswunder darf niemand erwarten: Der Sensor einer Vollformatkamera ist noch immer rund zwölfmal größer. Aber die gestalterischen Möglichkeiten sind gewachsen. Etwas unerwartet entpuppt sich die verbesserte Dampfkammer im Verbund mit dem neuen Chip-Aufbau als großes Plus: Hohe Leistung liegt nicht nur kurz an, sondern bleibt. Kein Feuerwerk, in der Summe aber ein spürbar besseres Gerät.
Dem steht ein Preis gegenüber, der Haltung, und ein Gewicht, das Muskeln verlangt. Bei drei bis fünf Jahren Nutzung geht die Rechnung trotzdem auf, Apples Update-Politik macht das glaubhaft. Und wem 249 Gramm zu viel sind, bekommt im 18 Pro dieselbe Kamera – und spart 150 Euro.
Wer ein 17 Pro Max besitzt, darf entspannt bleiben: Der Vorsprung ist real, zeigt sich aber nicht täglich. Wer vom 16er- oder 15er-Modell kommt, erlebt einen Sprung in fast jeder Disziplin. Bleibt der Wermutstropfen für alle in der EU: Ausgerechnet der Echtheitsnachweis von Fotos startet hier nur zur Hälfte, Siri AI bleibt ohne Termin, und auf die iPhone-Synchronisierung warten wir hier schon seit Jahren.

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.
Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.
Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.
Fazit
Ein Pro-Modell ohne Paukenschlag, das trotzdem fast alles besser macht als im Vorjahr – wir nennen es liebevoll das neue „iPhone 17 Pro Max S“ im Wissen, dass S-Jahre immer die besten Jahre waren!
| Produktname | iPhone 18 Pro Max |
|---|---|
| Hersteller | Apple |
| Preis | 1.599 € |
| Webseite | apple.com/de |
| Pro |
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| Contra |
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| 1,1sehr gut |




























