Top-Themen

Themen

Service

Test

Tablet gegen Notebook

Ausprobiert: Kann das iPad Pro ein MacBook ersetzen?

Für Apples Marketingabteilung ist das iPad Pro eine echte Alternative zum MacBook – handlicher, leichter, mit Touchdisplay und iOS 11 will es für viele Nutzer sogar ein vollständiger Ersatz sein. Rund ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung des iPad Pro mit 10,5 Zoll ist es Zeit für ein Resümee. Wir beschreiben ganz persönlich, ob uns der Funktionsumfang jetzt schon ausreicht, um als Ersatz dienen zu können.

Im Juni vergangenen Jahres war es soweit: Das neue iPad Pro mit 10,5 Zoll Bildschirmdiagonale wurde der Öffentlichkeit vorgestellt und der große Bruder mit 12,9 Zoll erhielt ein Hardware-Update. War die Pro-Reihe der Apple-Tablets bisher schon schnell, so erreicht sie nun völlig neue Sphären. Betrachtet man nur die technischen Daten, scheint die Werbekampagne Recht zu behalten und das iPad Pro tatsächlich eine Alternative zum MacBook zu sein. Doch trifft das auch im Alltag zu? Kann der mobile Mac dank dem iPad nun endgültig Zuhause bleiben?

Die Hardware

Mit der Hardware verdient sich das iPad tatsächlich seinen Namenszusatz „Pro“. Besonders der A10X-Fusion-Prozessor mit sechs Kernen sticht im Arbeitsalltag in Verbindung mit 4 GB Arbeitsspeicher hervor. Drei der Prozessorkerne sind für rechenintensive Aufgaben zuständig, die anderen drei werden automatisch dann eingesetzt, wenn weniger leistungshungrige Prozesse erledigt werden müssen. So spart das iPad Pro Strom und schont den Akku.

Hüllen mit Tastatur

Apple bietet mit dem Smart Keyboard eine ziemlich dünne, aber auch sehr teure Hülle mit externer Tastatur. Ein Blick auf das inzwischen sehr große Angebot anderer Hersteller lohnt sich. Eigentlich ist für alle Geschmäcker etwas dabei.

Das iPad Pro aus Apples Werbung
Das iPad Pro aus Apples Werbung (Bild: Apple)

Auch die Grafikberechnung übernimmt der A10X und kann dort ebenfalls glänzen. In Grafik-Benchmarks erreicht das iPad Pro sogar das Leistungsniveau der aktuellen Generation des MacBook Pro und lässt sämtliche Tablet-Konkurrenz weit hinter sich – weder Samsung noch Huawei können da mithalten.

Aber wie macht sich diese schiere Leistung im Alltag bemerkbar? Hauptsächlich durch extrem geringe Ladezeiten. Apps öffnen fast unverzüglich, Bildbearbeitung ist auch mit großen und hochauflösenden Bildern kein Problem und selbst Videoschnitt stellt das iPad Pro vor keine allzu großen Herausforderungen. Im App Store lässt sich aktuell noch immer kein Spiel finden, welches auf dem iPad Pro nicht flüssig laufen würde.

Neben der Prozessorleistung fällt bei der Nutzung das hervorragende Display auf. Auch hier klotzt Apple eher, als das gekleckert wird, und stattet das Gerät scheinbar mit allem aus, was technisch möglich ist. Neben True-Tone, also der automatischen Anpassung der Farbtemperatur an die Umgebung für realistische Weißwerte, ist das Display noch einmal heller geworden als beim Vorgänger. Zwar spiegelt das Frontglas noch immer ziemlich, aber beim Arbeiten in der Sonne muss nun nicht mehr geraten werden, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Texte und Fotos wirken wie gedruckt – gerade zum Lesen eignet sich das iPad Pro hervorragend.

Ein Aspekt, der nicht sofort auffällt, aber auch nicht zu unterschätzen ist, ist die nun erhöhte maximale Bildwiederholungsrate von 120 Bildern die Sekunde. Für das menschliche Auge sind Bewegungen auf dem iPad-Display somit völlig stufenlos und flüssig. Nervige Ruckler, zum Beispiel beim Scrollen von Webseiten, gehören der Vergangenheit an. Auch dieser Punkt macht das iPad zu einem extrem angenehmen Arbeitsgerät.

So weit schlägt sich das iPad also sehr gut. Doch sobald man einen USB-Stick oder eine SD-Karte in der Hand hält, gelangt man bereits an die Grenzen des Tablets. Zwar verbaut Apple dankenswerter Weise noch einen klassischen Klinkenstecker für Kopfhörer, aber sonst findet sich nur noch ein Lightning-Anschluss an der Unterseite. Für Apple leider inzwischen Tradition: Ohne Adapter geht nichts. Kein externer Speicher, kein Kartenleser, kein externer Monitor oder Beamer sind ohne Lightning-Adapter mit dem iPad zu verbinden. Um fair zu bleiben: Auch die aktuelle Generation des MacBook Pro kann hier nicht punkten. Wer sich also nicht komplett mit neuem Zubehör für USB-C eindeckt, der bekommt nichts an seinen Laptop angeschlossen. Das Problem ist also eher Apples radikaler Minimalismus als vielmehr das Konzept des iPad.

Pencil und Touch

Ein schneller Prozessor, viel Arbeitsspeicher und eine gute Grafik: Da sind sich iPad und MacBook sehr ähnlich. Nun gibt es aber auch Punkte, die das iPad einem klassischen Laptop voraus hat. In Verbindung mit dem Apple Pencil verwandelt sich das Tablet in ein quasi endloses Notizbuch, extrem flexibles Zeichenbrett und kreatives Allroundtalent.

Die Verbindung von Apples smartem Stift und dem iPad Pro funktioniert nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr gut. Eingaben werden direkt und ohne Verzögerung erkannt. Und auch verschieden festes Drücken und die Handhaltung werden realistisch umgesetzt und lassen schnell vergessen, dass man nicht auf echtem Papier schreibt. Wer zudem gern zeichnet, findet im iPad ein hervorragendes Hilfsmittel.

Darüber hinaus ist das iPad ein großer Schritt in Richtung des papierlosen Büros. In einer Besprechung kann man schnell Notizen per Hand festhalten, Bilder einfügen und direkt an die Kollegen verschicken, ohne erst ein Blatt einzuscannen. Und selbst das kann das iPad Pro mit iOS 11 mithilfe der integrierten Kamera erledigen: Dank Augmented Reality erkennt die Notiz-App automatisch die Ausrichtung des zu scannenden Dokuments und lichtet es perspektivisch passend ab – wieder ein paar Punkte, die für das iPad Pro sprechen.

Per Split-Screen und Drag-and-Drop lassen sich fast alle Elemente einfach durch Drücken und Ziehen verschieben und kopieren.
Per Split-Screen und Drag-and-Drop lassen sich fast alle Elemente einfach durch Drücken und Ziehen verschieben und kopieren. (Bild: Screenshot)

Universal-Apps

Gerüchteweise plant Apple demnächst, dass Entwickler Universal-Apps für das iPad und den Mac anzubieten, um so nur noch eine Anwendung programmieren und supporten müssten. Sollte das stimmen, dürfte die Anzahl an professionellen Apps für das iPad stark ansteigen. Wenn Apple dann noch ein paar Schranken von iOS öffnet, könnte das iPad in naher Zukunft vielleicht doch zur vollwertigen Alternative werden.

Software

Mit der eben angesprochenen Scanfunktion sind wir bereits in den Bereich der Software vorgedrungen. iOS 11 bietet besonders für das iPad sehr viele neue Funktionen, und ein großer Teil davon soll tatsächlich ganz explizit die Arbeit damit erleichtern. Vieles ist Nutzern schon vom macOS bekannt: So erhält das iPad endlich eine App zur Verwaltung des Dateisystems, das klassische Dock findet seinen Weg auf mobile Geräte und Multitasking wird immer mächtiger. Doch so schade es ist, gerade bei der Software verspielt das iPad Pro die Chance, dem MacBook wirklich Konkurrenz zu machen.

Die Dateien-App ist nur auf den ersten Blick so praktisch und umfangreich wie erwartet: Denn in Wirklichkeit ist sie viel eher ein Zugang zur iCloud und anderen Online-Speicherdiensten wie Google Drive und Dropbox. Einen tatsächlichen Zugriff auf das Dateisystem des iPad bietet die App nicht. Apple versucht schon lange, die Nutzer immer mehr ihrer Daten in der Cloud verlegen zu lassen – und es mag auch wirklich praktisch sein, eine Datei auf diesem Weg nahtlos zwischen verschiedenen Geräten synchronisieren zu können. Aber im täglichen Arbeitsablauf möchte man eben nicht jede Datei in die digitale Wolke verschieben, sondern nur lokal speichern. Auf dem iPad gelingt dies nur, wenn die Datei direkt in der verwendeten App gespeichert wird und falls nötig dann mithilfe der Teilen-Funktion in eine andere kopiert wird. Apple verspielt hier eine echte Chance, iOS und macOS deutlich aneinander anzunähern.

Besser umgesetzt ist das neue Dock, welches sich nun aus jeder App heraus öffnen lässt, um zum Beispiel eine weitere Anwendung im Multitasking neben einem bereits offenem Fenster zu platzieren. Bis zu drei Apps gleichzeitig lassen sich so nun verwenden und Dinge per Drag-and-Drop verschieben. Das klappt tatsächlich auch sehr gut, dauert aber mit dem Finger oder Apple Pencil noch immer etwas länger als mit einer Maus oder dem Trackpad auf dem Mac.

Auf Seiten der Software schlägt das MacBook das iPad also – zumindest, wenn es um professionelles Arbeiten geht.

Besonders für Bildbearbeitung gibt es ein tolles Angebot an professionellen Anwendungen und Zeichen-Apps für das iPad.
Besonders für Bildbearbeitung gibt es ein tolles Angebot an professionellen Anwendungen und Zeichen-Apps für das iPad. (Bild: Screenshot)

Profi-Apps

Neben dem Betriebssystem sind natürlich auch die Programme elementar wichtige Punkte – ein Smartphone ist eben nur so praktisch und funktional wie die darauf installierten Apps. Und auch für Tablets gilt diese Regel. Die tolle Hardware des iPad Pro schreit geradezu nach professionellen Anwendungen im Stile von Photoshop und Final Cut Pro.

Leider ist das Feld solcher Programme noch relativ überschaubar. Adobe zum Beispiel bietet bisher nur deutlich abgespeckte Versionen seiner Anwendungen an. Besser macht es da Affinity mit Photo – die iPad-App des Unternehmens wurde nicht ohne Grund von Apple im Zuge der iPad-Vorstellung auf der Bühne präsentiert. Affinity Photo bietet fast den identischen Funktionsumfang der bereits unter vielen Nutzern beliebten Desktop-Versionen und ist damit auch mobil eine echte Konkurrenz zu Photoshop.

Leider nehmen nicht viele Entwickler das iPad so ernst, denn im Bereich Video- und Audioschnitt gibt es bisher wenige Programme, die mit der Variante für macOS mithalten können. Deutlich besser sieht es da im Office-Bereich aus. Sowohl Apples eigene Produktlinie mit Pages, Numbers und Keynote, als auch der Platzhirsch Microsoft mit Word, Excel und PowerPoint sind vertreten.

Will man das iPad als Schreibmaschine einsetzen, aber nicht auf der Display-Tastatur herumtippen, sondern lieber eine physische nutzen, muss man entweder auf das mit 179 beziehungsweise 189 Euro (für das 12.9 Zoll-Modell) extrem teure (und gewöhnungsbedürftige) Smart Keyboard von Apple selbst zurückgreifen, oder sich bei anderen Herstellern umschauen.

Fazit

Das iPad Pro kommt dem MacBook Pro immer näher. Die Hardware muss sich keinesfalls verstecken und ist teilweise deutlich schneller als die einiger noch von Apple aktuell verkauften Mac-Modelle. Der Bildschirm gehört zu den besten LCD-Displays, welche aktuell zu finden sind. Und in Verbindung mit dem Apple Pencil bietet das iPad Pro sogar einen deutlichen Mehrwert zum MacBook.

Doch der Apple Pencil ist keineswegs im Kaufpreis ab 729 Euro für das 10.5-Zoll-Modell enthalten: Der smarte Stift schlägt nochmals mit 109 Euro zu Buche und auch eine Tastatur muss auf Wunsch extra erstanden werden. Greift man zur teuersten Version des iPad Pro, also das Modell mit 12.9 Zoll, 512 GB und LTE-Modul und kauft das Smart Keyboard und den Pencil dazu, kostet das Gesamtpaket sage und schreibe 1747 Euro. Das ist zwar immer noch günstiger als ein MacBook Pro, aber nicht mehr weit davon entfernt.

Wer also vor der Entscheidung MacBook oder iPad Pro steht, sollte sich vorher gut überlegen, für was er die Geräte einsetzen will. Wer hauptsächlich im Internet surft, gern mal ein Spiel spielt und Filme, Serien und Musik auf seinem Gerät konsumieren möchte, für den ist das iPad wahrscheinlich die bessere Wahl. Und auch wer kreativ sein möchte und neben gelegentlicher Fotobearbeitung viel zeichnet, sollte einmal ausprobieren, ob das iPad Pro nicht eine gute Alternative zum analogen Zeichenblock sein könnte. Ein Laptop wird tatsächlich häufig nicht mehr benötigt.

Für professionelle Fotobearbeitung und Videoschnitt, den Umgang mit vielen Dateien und das produktive Arbeiten mit einer Vielzahl an Apps ist das MacBook aber noch immer deutlich besser geeignet. iOS 11 ist ein guter Schritt in die Richtung, das iPad Pro immer mehr zum absoluten Profigerät zu machen, aber es bleibt trotzdem noch viel Luft nach oben. Die Hardware hat definitiv das Potenzial dazu, die Software leider noch nicht.

Kommentar: Auf der Suche nach dem goldenen Mittelweg

Die große Werbekampagne rund um das iPad Pro steht unter dem Motto „What’s a Computer?“, was frei übersetzt so viel bedeutet wie: „Wer braucht schon noch einen Computer?“. 

Nun Apple, für mich lautet die Antwort immer noch: Jeder, der damit professionell arbeiten möchte. Ja, das iPad Pro ist mit seiner aktuellen Hardwareaustattung und iOS 11 so produktiv einsetzbar wie noch nie. Und dennoch kann ich in meinem Arbeitsalltag noch immer nicht auf mein MacBook verzichten. Das liegt nicht an der Leistung der iPad-Hardware, die habe ich selbst mit mehreren Gigabyte großen Bild- und Videodateien nicht zum Schwitzen gebracht, sondern es liegt viel mehr an iOS: Selbst in der aktuellen Version ist es schlicht und ergreifend ein mobiles Betriebssystem.

Für mein Smartphone ist das genau richtig. Dort möchte ich gar nicht irgendwelche Programme von Drittanbietern außerhalb des App Store installieren. Dort brauche ich auch kein vollständiges Dateisystem wie unter macOS. Aber auf dem iPhone schreibe ich auch keine Artikel, schneide Videos und Audiodateien und bearbeite Bilder.

Natürlich kann ich das alles dank iOS 11 auch auf dem iPad Pro. Doch dort sind viele Dinge meist umständlicher und so brauche ich im Schnitt einfach länger. Und auch das Angebot an professioneller Software ist noch ausbaufähig.

Der Weg, den Apple einschlagen möchte, ist für mich erkennbar, aber es gibt noch viel zu tun. Schon lange heißt es von Seiten Apples, man würde nie macOS und iOS zu einem gemeinsamen Betriebssystem verschmelzen lassen, wie es zum Beispiel Microsoft mit Windows 10 versucht. Das finde ich als Mac-Nutzer einen guten Ansatz, ich brauche dort kein vollwertiges Touch-Display und ich möchte auch kein iPad, auf dem ein reines macOS läuft. Die Entwickler von Apple scheinen zum Glück weiter nach dem goldenen Mittelweg zu suchen. Bis Apple den gefunden hat, nutze ich gern weiter beide Geräte. Nur für unterschiedliche Aufgaben.

Mehr zu diesen Themen:

Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit!

Hier können Sie ihre Meinung zum Artikel "Ausprobiert: Kann das iPad Pro ein MacBook ersetzen?" äußern. Melden Sie sich hierfür mit ihrem maclife.de-Account an oder füllen sie die untenstehenden Felder aus.

Meiner Meinung nach, wird ein Ipad nie ein Mac ersetzen.
Einer der Hauptgründe ist für mich, solange man kein USB Stick oder eine SD Karte oder andere Peripherie Geräte anschliessen kann, ist man immer angebunden an die Cloud, oder man muss sich die Dokumente per Mail zusenden.

Auch ist die Dateispeicherung ein grosses Problem, weil man nicht einfach schnell was ablegen kann auf dem Desktop oder in einen Ordner. iOs ist und bleibt ein Mobiles Betriebssystem. Aber Apple wird dies bestimmt nie ändern.

Kommt darauf an, was man damit machen möchte/muss. Bestimmt reicht vielen Privatanwendern ein iPad.

Ein sehr ausführlicher und neutral gehaltener Artikel, der sehr deutlich die Vor- und Nachteile aufzeigt. Eine gute Entscheidungshilfe, wenn ein Kauf bevorsteht.

Das iPad hat aber auch einen Vorteil man kann auf dem MacBook kein Netflix und co offline nutzen und sich so z.b im Flugzeug oder im Zug die Zeit vertreiben.

Für Web Designer ist das iPad Pro eine fast unverzichtbare Ergänzung zum Mac. Allerdings ersetzt das iPad Pro meiner Erfahrung nach nicht den Mac. Mit einem Code Editor wie z.B. Brackets kann ich auf dem Mac sekundenschnell mehrere HTML oder CSS Dateien öffnen und zwischen den Dateien ebenso schnell hin und her switchen. Das iPad Pro ist dafür nur bedingt geeignet. Auch das Erstellen von WordPress Seiten ist mit dem iPad Pro nicht optimal. Leider kann ich daher auf den Mac (noch) nicht komplett verzichten.

Ich glaube wenn  einführen würde, dass man USB Sticks in der Dateien App öffnen kann, kommt das iPad dem MacBook schon sehr nahe.
Schön wäre auch, wenn man MP3 Dateien in die Musik App kopieren könnte.