iPhone & Co in der Medizin: Das können Smartphones und Tablets bereits leisten

Quelle: https://www.maclife.de/ratgeber/iphone-co-medizin-koennen-smartphones-tablets-bereits-leisten-100104769.html

Autor: Tobias Friedrich

Datum: 11.07.18 - 08:40 Uhr

iPhone & Co in der Medizin: Das können Smartphones & Tablets bereits leisten

Das iPhone ist digitales Schweizer Taschenmesser und Kommunikationsinstrument zugleich. Aber lässt sich die hochmoderne Technik auch medizinisch auf hohem Niveau nutzen? Wir haben einige Anwendungen geprüft und einen Profi befragt. Text: Tobias Friedrich

Spätestens mit Apples Health-App ist das iPhone zu einem persönlichen medizinischen Instrument geworden. Tim Cook und seine Mitarbeiter betonen immer wieder, wie sehr sich die Firma darum bemüht, dass ihre Geräte sowohl für Ärzte als auch für Patienten von medizinischem Nutzen sind. Doch was taugt im täglichen Gebrauch wirklich? Und welche mit dem iPhone funktionierenden Produkte gibt es, die unserer Gesundheit förderlich sind oder uns zumindest helfen? Wir haben uns umgesehen und stellen Ihnen einige Erfindungen für den Hausgebrauch vor, sagen Ihnen, welche Apps bemerkenswert sind, und klären mit einem Experten und anhand von Beispielen, wie der Stand der Entwicklung ist.

Der neue Medizinschrank

Jeder halbwegs gut sortierte Haushalt verfügt heutzutage über einen Medizinschrank, meist mit allerlei Tabletten, Säften und Verbandszeug ausgestattet. Künftig könnte neben diesem Kasten ein weiterer seinen Platz finden, in dem diverse Geräte aufbewahrt werden, die im Zusammenspiel mit dem Smartphone das eigene Wohlbefinden protokollieren, in Zahlen und Werten darstellen und im optimalen Fall helfen, es zu verbessern.

Über einhundert Jahre haben die Menschen mit einem Quecksilber-Fieberthermometer und an den entlegensten Stellen des Körpers die Körpertemperatur gemessen. Das ehemals von Withings entwickelte und inzwischen von Nokia vertriebene Messgerät Thermo (100 Euro) misst das Fieber auf die einfachste, präziseste und zugleich hygienischste Art: Mit dem türgriffgroßen digitalen Messgerät fahren Sie einfach über die Stirn des Patienten. Gemessen wird ohne jeglichen Kontakt die Schläfenarterie, wo das zirkulierende Blut direkt aus dem Körperkern kommt. 16 Infrarot-Sensoren führen mehr als 4.000 Messungen durch, die den heißesten Messpunkt ermitteln. Besser noch: Die automatische Synchronisierung mit der dazugehörigen App erlaubt Ihnen eine Nachverfolgung der Messungen, Erinnerungen werden gesendet und mehrere Nutzer können angelegt und deren Daten gespeichert werden.

Eine ganze Reihe handlicher Messgeräte, die mit dem iPhone korrespondieren, führt der Hersteller iHealth im Sortiment. So messen Sie mit dem Track genannten Blutdruckmessgerät (40 Euro) zwar auf herkömmliche Art am Oberarm Blutdruck und Puls, erfahren die Werte jedoch entweder auf der Digitalanzeige des Geräts oder auf dem Bildschirm Ihres per Bluetooth verbundenen iPhone in der dazugehörigen Myvitals-App. Die Anwendung zeigt einen vollständigen Ergebnis-Verlauf und die Anzeige Ihrer Daten in grafischer Form.

Mühelos in ein Fach des oben erwähnten modernen Medizin-Geräteschranks passen auch die weiteren Produkte des Unternehmens, alle vernetzt und mit entsprechenden Auswertemöglichkeiten versehen: iHealth Gluco (70 Euro) überwacht Ihren Blutzuckerspiegel, während iHealth Wave (80 Euro) ein Aktivitäts-, Schwimm- und Schlaftracker ist, der auch Ihren Schlaf analysiert.

Selbst einen eigenen Sehtest können Sie zu Hause durchführen und das entsprechende Gerät namens Eyeque (30 Euro) ebenfalls im Hi-Tech-Arzneischrank unterbringen. Etwas Übung ist allerdings notwendig, damit Sie mit dem Eyeque Vision Tracker (einer Art Mini-Teleskop, das im Zusammenspiel mit einer kostenlosen App eingesetzt wird) brauchbare Ergebnisse erhalten. Gemessen wird mit einem recht einfachen Sehtest in neun Schritten Sphäre, Zylinder und Achse. Die Werte können Sie speichern und immer wieder mit aktuellen vergleichen.

Zur Prävention von Krankheiten wie Hautkrebs können Sie mit einem kleinen Gadget namens Qsun (100 Euro) beitragen. Die zweite Generation des ansteckbaren Sensors sagt Ihnen ab dem Frühjahr 2018 in Verbindung mit der Qsun-App, wann im Freien welche UV-Belastungen herrschen und welcher Hauttyp sich darauf wie vorbereiten sollte. Dies ist umso wertvoller, da die UV-Belastung sich nicht allein von einer hohen Außentemperatur und einem wolkenlosen Himmel ableiten lässt. Obendrein können Sie mit dem Sensor auch Ihren Vitamin-D-Bedarf eruieren und steuern.

Unter dem Waschtischschrank kann zu guter Letzt die vernetzte Waage Lina (50 Euro) von iHealth deponiert werden. Diese können Sie ebenfalls mit Ihrem iPhone verknüpfen und sich die Entwicklung Ihres Gewichts und Ihres Body-Mass-Index (BMI) anzeigen lassen. Erweiterte Modelle der Waage berechnen darüber hinaus noch die Anteile an Körperfett, magerer Masse, Muskel- und Knochenmasse sowie den Bauchfett- und den Wasseranteil, sodass Sie Ihren Körper bald nicht nur fühlen, sondern auch in Zahlen und Fakten porträtiert bekommen.

Richtig gute Luft

Ein wichtiger Faktor für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden ist die Reinheit der Luft. Erst vor wenigen Wochen stellte die Bundesregierung für das „Sofortprogramm Saubere Luft 2017 – 2020“ eine Milliarde Euro zur Verfügung. Im häuslichen Bereich und unterwegs können Sie eigene Maßnahmen ergreifen. Ein erster Schritt, um herauszufinden, wie die Luftqualität in Ihrer Umgebung ist, ist die Anschaffung eines Geräts, das den Sie umgebenden Raum analysiert und Ihnen mithilfe einer App mitteilt, welchen Schadstoffen oder Allergenen Sie ausgesetzt sind. Der Foobot (200 Euro) macht dies zuverlässig, er zeigt mögliche Ursache an und er ist zudem mit anderen smarten Geräten wie dem Nest Thermostat kompatibel, die er entsprechend anweisen kann, Einstellungen zu ändern.

Analyse und Maßnahme in einem bietet Wynd (200 Euro). Dieser Luftreiniger gewährt Ihnen nicht nur Zugriff auf zahlreiche Daten zur Luftqualität in Ihrer Umgebung, er verfügt auch über einen eingebauten Filter, der die Luft direkt für Sie reinigt. Wynd funktioniert nach einer gewissen Ladezeit auch kabellos. Ein eingebauter Tracker, der kaum größer ist als eine Streichholzschachtel, analysiert die Luftverhältnisse auch losgelöst vom Mutterschiff.

Apropos gesunde Luft: Abschließend sei noch die wohl modernste Form der Aromatherapie erwähnt, die extrem handlichen Inhalations-Sticks namens Monq (20 Euro). Die stiftförmigen Diffuser werden konsumiert wie Zigaretten, sind jedoch zu hundert Prozent schadstofffrei. Für bis zu 200 Züge taugen die in sehr kuriosen Aroma-Mixturen angebotenen Sticks. Im Inneren befinden sich in den unterschiedlichen Versionen ausschließlich organische und vegane, natürliche Öle, frei von Nikotin, Tabak oder künstlichen Zutaten.

Was leistet Apples Health-App?

Zunächst können Sie mit der Health App Ihre Daten und Werte wie Aktivitätsmessungen, Trainings, Herzfrequenz, Blutdruck, Körpermesswerte sowie einiges mehr aufzeichnen und analysieren. Apple hat jedoch erkannt, dass es derart viele gut funktionierende und hilfreiche Anwendungen anderer Entwickler im Gesundheitsmarkt gibt, dass die Health App zudem als eine Art Dach und Sammelbecken dieser Fremd-Apps fungiert. Sortiert in die Bereiche Aktivität, Achtsamkeit, Ernährung und Schlaf können Sie hier gebündelt Ihre Erkenntnisse und Zahlen aus kompatiblen Apps kompilieren und auswerten. Dazu spricht Apple Empfehlungen zu Apps aus, die gut mit der eigenen Anwendung Hand in Hand gehen.
Apple sichert Ihnen zu, dass nur Sie Ihre Daten einsehen können und nur Sie entscheiden, welche Daten Sie an kooperierende Firmen und deren Software weiterreichen möchten. Ebenfalls implementiert ist ein digitaler Notfallpass, der auch ohne Touch ID oder Code zugänglich ist und zum Beispiel Ärzten und Helfern Ihre Blutgruppe anzeigt.
Vielleicht am wertvollsten sind die zusätzlich nutzbaren Apps ResearchKit und CareKit. Dies sind leistungsstarke Werkzeuge, mit denen Sie Ihre Daten – wenn gewünscht – für Studienzwecke freigeben und so der Forschung helfen können. Das CareKit erlaubt Ihnen, Symptome oder Medikation festzuhalten und die Informationen später mit Ihrem Arzt zu teilen.

Die besten Gesundheits-Apps

Ada

„Ada – Deine Gesundheitshelferin“ geht mit Ihnen individuelle Fragen und Krankheitsfälle durch und bietet Ihnen eine erste Analyse und relevante Informationen an. Erkenntnisse gibt es zu zahlreichen Krankheiten. Der Entwickler sagt eine hundertprozentige Vertraulichkeit zu.

Preis: kostenlos  Web: ada.com

Hausmittel Pro

Hausmittel Pro ist eine sehr übersichtlich aufbereitete Anwendung, mit der Sie zumeist ohne einen Gang zur Apotheke Hausmittel für Beschwerden von Bauchschmerzen bis zum Sonnenbrand behandeln können. Über 160 Rezepte, dazu gibt’s Einkaufs- und Favoritenlisten.

Preis: 3 Euro  Web: kigorosa.de

M-Sense

Für Migräne-Patienten eine sehr brauchbare, zertifizierte App, mit der Sie eine Übersicht Ihrer Anfälle mit Details und Medikamenteneinnahme anlegen. Es gibt einen Schmerzkalender, Auswertungen, Grafiken und Analysen. Auch für Ihren Arzt ein wertvolles Werkzeug.

Preis: kostenlos  Web: m-sense.de