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Smartphone-Markt unter Druck

Smartphone-Verkäufe brechen ein – doch Apple wächst gegen den Trend

Der Smartphone-Markt steht in mehreren wichtigen Regionen unter Druck. Neue Zahlen von Counterpoint Research zeigen deutliche Rückgänge in Europa, Indien und Lateinamerika – während Apple vielerorts gegen den Markttrend wächst.

Von   Uhr

Der weltweite Smartphone-Markt entwickelt sich regional unterschiedlich, doch in mehreren wichtigen Absatzgebieten zeigt die Richtung derzeit nach unten. Neue Erhebungen von Counterpoint Research weisen für Europa, Indien, Lateinamerika und China teils deutliche Rückgänge aus. Apple kann sich diesem Trend allerdings in mehreren Regionen entziehen.

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Quickread: Auf einen Blick
  • Smartphone-Auslieferungen in Europa sanken im zweiten Quartal um 10 Prozent
  • Apple erreichte in Europa 34 Prozent Marktanteil und zog mit Samsung gleich
  • In Indien wuchs Apple im untersuchten Zeitraum um 15 Prozent
  • In Lateinamerika legte Apple trotz schrumpfendem Gesamtmarkt um 5 Prozent zu
  • Hohe Speicherpreise dürften den Smartphone-Markt weiter belasten

Europa fällt auf Dreijahrestief

Besonders deutlich zeigt sich die Schwäche in Europa. Im zweiten Quartal 2026 gingen die Smartphone-Auslieferungen laut Counterpoint Research im Jahresvergleich um 10 Prozent auf 35 Millionen Geräte zurück. Damit erreichte der Markt den niedrigsten Wert für ein zweites Quartal seit 2023.

Smartphone-Auslieferungen erklärt!

Mit „Auslieferungen“ oder „Shipments“ erfassen Marktforscher üblicherweise Geräte, die Hersteller in den Vertrieb beziehungsweise an Händler liefern. Die Zahl ist deshalb nicht zwangsläufig identisch mit den tatsächlich an Endkunden verkauften Smartphones.

Als Gründe nennt das Marktforschungsunternehmen gestiegene Komponentenkosten, höhere Gerätepreise und weniger Rabattaktionen. Gleichzeitig habe das wirtschaftliche Umfeld die Nachfrage belastet.

Apple entwickelte sich dagegen deutlich besser als der Gesamtmarkt. Der Konzern gewann gegenüber dem Vorjahresquartal neun Prozentpunkte Marktanteil hinzu und kam in Europa auf 34 Prozent. Damit lag Apple gleichauf mit Samsung. Xiaomi folgte mit 15 Prozent, während keine weitere Marke einen Anteil von mehr als 4 Prozent erreichte.

Counterpoint rechnet damit, dass die Smartphone-Auslieferungen in Europa in den kommenden Quartalen weiter zurückgehen könnten. Vor allem Hersteller günstigerer Modelle könnten unter steigenden Kosten und sinkenden Lagerbeständen leiden.

Apple wächst auch in Indien und Lateinamerika

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Indien. Zwischen Ende März und Anfang August lagen die Smartphone-Verkäufe dort 14 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Lediglich während großer Rabattaktionen konnte der Markt zwischenzeitlich wachsen.

Apple verzeichnete in diesem Zeitraum hingegen ein Plus von 15 Prozent und damit laut Counterpoint das stärkste Wachstum unter den betrachteten Herstellern. Als Gründe nennt das Marktforschungsunternehmen eine anhaltende Nachfrage nach der iPhone-17-Serie sowie Finanzierungs- und Rabattangebote. Samsung und Oppo kamen jeweils auf ein Wachstum von 4 Prozent.

Für das Gesamtjahr erwartet Counterpoint einen Rückgang des indischen Smartphone-Markts um rund 13 Prozent. Preissteigerungen sorgen demnach dafür, dass Verbraucher ihre Geräte länger nutzen oder einen Neukauf auf Aktionszeiträume verschieben.

Auch in Lateinamerika schrumpfte der Markt. Die Smartphone-Auslieferungen gingen im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent zurück – der stärkste Rückgang seit dem dritten Quartal 2023.

Samsung und Apple waren unter den großen Herstellern die einzigen Marken mit Wachstum. Samsung legte um 6 Prozent zu, Apple um 5 Prozent. Im Preissegment oberhalb von 600 US-Dollar kommt Apple laut Counterpoint inzwischen auf einen Marktanteil von rund 51 Prozent.

China bleibt schwieriger Markt für Apple

Anders fällt die Entwicklung in China aus. Dort gingen die Smartphone-Verkäufe in den ersten 30 Wochen des Jahres insgesamt um 8,6 Prozent zurück. Nach dem großen „618“-Shopping-Festival verschärfte sich der Rückgang erneut.

Auch Apple konnte sich dieser Entwicklung zuletzt nicht entziehen. Seit Juli habe sich die Nachfrage abgeschwächt, nachdem Rabatte zurückgefahren wurden und ein Teil der Käufe während der vorherigen Aktionsphase vorgezogen worden war. Counterpoint erwartet, dass diese saisonale Schwäche bis zur Vorstellung der nächsten iPhone-Generation anhalten könnte.

Huawei führt den chinesischen Markt weiterhin an. Seit dem zweiten Quartal lag der wöchentliche Verkaufsanteil des Herstellers laut Counterpoint durchgehend bei mehr als 20 Prozent.

Hohe Speicherpreise belasten die Branche

Ein wichtiger Faktor hinter der aktuellen Entwicklung sind steigende Komponentenpreise. Besonders Speicherbausteine verteuern Smartphones und setzen Hersteller von günstigeren Geräten unter Druck. In Lateinamerika sind drei von vier verkauften Smartphones dem Einstiegs- oder Mittelklassebereich zuzuordnen, wodurch Preissteigerungen dort besonders ins Gewicht fallen.

Counterpoint geht davon aus, dass die angespannte Versorgung mit Speicher und die erhöhten Preise mindestens bis zum Ende des Jahres 2026 anhalten. Erste Anzeichen einer Erholung erwartet das Marktforschungsunternehmen erst ab 2028.

Für Apple bietet die Entwicklung kurzfristig einen Vorteil: Der Konzern ist stärker im hochpreisigen Smartphone-Segment vertreten, das sich in mehreren Regionen robuster entwickelt als der Markt für günstigere Geräte. Ob sich diese Entwicklung fortsetzt, hängt allerdings auch von der Preisentwicklung bei Komponenten und der Nachfrage nach den kommenden iPhone-Modellen ab.

Unsere Einschätzung

Stefan Keller
Die Zahlen zeigen vor allem, wie unterschiedlich sich die aktuelle Kostenentwicklung auf die Hersteller auswirkt. Anbieter mit einem hohen Anteil günstiger Geräte sind stärker von steigenden Komponentenpreisen betroffen. Apple profitiert dagegen von seiner Positionierung im Premiumsegment und kann in mehreren schrumpfenden Märkten Marktanteile gewinnen. China zeigt allerdings, dass auch Apple nicht unabhängig von Rabattaktionen, saisonalen Effekten und einer insgesamt schwächeren Nachfrage ist.