In welche neuen Audio-Welten man mittlerweile mit 3D Audio vordringen kann, ist hinlänglich bekannt. Es lohnt trotzdem, bei Apple Music auf das kleine Dolby-Atmos-Logo unter den Künstlernamen zu achten. Denn nicht nur bei neuen Veröffentlichungen schwirren einem die 3D-Klänge von allen Seiten um die Ohren. Auch Altmeister wie Elton John haben ihre früheren Alben klanglich auf den neuesten Stand gebracht, und auf einmal schwebt hinten links eine Hi-Hat, der Chor singt rechts vorne, man selbst steht mitten in der Band. Beeindruckend.
Neben der aktuellen Klangqualität der AirPods Max 2 präsentierte Apple bei dem kleinen Event vor allem Erweiterungen bei Apple Music. Eine gute Nachricht vorweg: Stephen Campbell, Global Head of Dance, Electronic & DJ Mixes, betonte, dass bei Apple noch immer Menschen die Playlists, DJ-Mix-Reihen oder Live-Club-Sets kuratieren. Die redaktionelle Betreuung jenseits von Algorithmen lebt also. Welche neuen Bestandteile erwarten die Hörerinnen und Hörer bei Apple Music?
Ab zu echten Musikerinnen und Musikern
Eine der großen Fragen für alle, die Live-Musik lieben, ist die, wie man an Informationen zu anstehenden Veranstaltungen kommt. Mal liefert sie ein Newsletter, mal eine Webseite, mal geben Freunde ein paar Tipps. Schön wäre es doch, alles an einem Ort zu haben: neue Veröffentlichungen, Playlists und Veranstaltungsinfos. Mit „Konzerte“ integriert Apple diese wichtige Rubrik in Apple Music. Spotify hat es vorgemacht, Apple zieht jetzt nach. Noch finden sich hier jedoch vornehmlich die Auftritte der großen Namen, inklusive der Möglichkeit, Tickets zu kaufen. Eine deutlich umfangreichere Liste an Veranstaltungen – groß und klein – wäre wünschenswert; sie kommt hoffentlich noch.
Das automatische DJ-Set
Das Überblenden von Liedern ist eine feine Sache; gerade bei tanzbarer Musik wäre es aber reizvoll, wenn ein DJ die eigene Playlist in Szene setzte – passend zu den Beats pro Minute, also mit fließenden Übergängen, die den Tempi der Lieder Rechnung tragen. Genau das bietet Apple Music nun mit der Funktion „AutoMix“. Ein Fingertipp genügt, und ein virtueller DJ verwandelt die eigene Song-Zusammenstellung in ein durchgehendes, rhythmisch angepasstes Musik-Amalgam, das keine Pausen kennt.
Was singen die da?
Bei so manchem Song in fremder Sprache ahnt man, dass das Gesungene über gewisse Parolen und Allgemeinplätze nicht hinausgeht. Es gibt aber Unmengen an Liedern, deren Inhalt man doch gerne verstehen würde und die über ein gehauchtes „Ti amo“ hinausgehen. Apples Übersetzungsfunktion zeigt nun nicht nur, worum es in jeder Zeile geht, sondern auch – lautschriftlich –, wie man mitsingen kann. Zwar übersetzen hier zunächst Maschinen, darüber hinaus findet aber eine Qualitätskontrolle durch Fachleute für Sprache statt.
Sing mit – allein oder im Duett
Auch im Hinblick auf Karaoke legt Apple nach. Neuerdings lässt sich die Lautstärke der Originalstimme selbst bestimmen – und so kann man sich Unterstützung vom Original holen. Ein Tippen auf das Mikrofon-Symbol genügt, um sie zu regulieren. Sehr nützlich ist außerdem, dass sich das iPhone fortan als Mikrofon verwenden lässt, indem man es mit Apple TV verbindet. Selbst wenn nur eine Person über ein Apple-Music-Abo verfügt, können weitere Mitsingende mit ihrem iPhone dazukommen.
Club-Sets und Festivals zu Hause
Für alle, die Dance-Musik lieben, ist Apple ein ziemlich großer Schritt gelungen. In Zusammenarbeit mit zahllosen Künstlerinnen, Künstlern und DJs gibt es nunmehr Übertragungen ganzer DJ-Sets (teilweise in immersivem Spatial Audio) von Festivals wie Parookaville, aber auch aus Clubs weltweit. Sogar tief in der Vergangenheit vergrabene Kult-Sets sind verfügbar. Möglich macht dies eine Technologie, die auch bei Shazam zum Einsatz kommt. Der Clou: Rechteinhaber werden innerhalb der Mixe identifiziert und direkt vergütet, bisher hinderliche Lizenzfragen sind also gelöst. Nicht unwichtig für die Kunstschaffenden, von denen Plattformen wie Apple Music profitieren.
Fazit
Die Neuerungen bei Apple Music sind dezent, aber spürbar – und im Falle der Rubriken Konzerte und AutoMix sowie des Angebots an elektronischer „Live-Musik“ beachtlich und wichtig. Gerade bei den Konzerten ist Quantität jedoch essenziell; hier sollte die Menge an Veranstaltungen schnell wachsen.

Tobias Friedrich führt den Beweis, dass man mit einem Mac wirklich alles machen kann – Romane schreiben eingeschlossen. 1969 in Göttingen geboren und inzwischen überzeugter Berliner, hat er in seiner Karriere Musik komponiert (für seine Bands Viktoriapark und Husten), Sachbücher verfasst, ein Musikmagazin herausgegeben und die Berliner Musik-und-Lese-Show „Ein Hit ist ein Hit" mitgegründet. Sein Debütroman „Der Flussregenpfeifer“, die wahre Geschichte eines Mannes, der 1932 mit dem Faltboot auf Weltreise ging, landete auf der SPIEGEL-Jahresbestsellerliste. Für die Mac Life schreibt er, wie man kreativ und produktiv bleibt: ob als digitaler Nomade oder als Romanautor mit Deadline.

