Portal
Fenster zur Natur: Der Schreibtisch steht in einem Zimmer ohne nennenswerte Aussicht, draußen hupt seit acht Minuten jemand wie ein Irrer. Portal setzt dagegen, und zwar mit bemerkenswertem Aufwand: Die App des Londoner Entwicklungsteams Portal Labs verwandelt den Mac in ein Fenster, hinter dem der Skógafoss im Morgengrauen rauscht, ein Hasenglöckchen-Wald in der Frühsonne steht oder ein Regenwald in Costa Rica lockt. Über 120 solcher Portale hat das Team gefilmt, mit digitalen Kinokameras in bis zu 12K-Auflösung und im erweiterten P3-Farbraum. Die Szenen laufen im Vollbild oder als bewegter Hintergrund, gesteuert über ein Icon in der Menüleiste.
Der eigentliche Trumpf steckt im Ton. Portal liefert Dolby Atmos mit bis zu 7.1.4 Kanälen, dazu Ambisonics-Aufnahmen mit bis zu 16 Kanälen. Mit AirPods Pro und AirPods Max kommt Head-Tracking hinzu: Dreht sich der Kopf, bleibt der Klang des Wasserfalls dort, wo er im virtuellen Raum hingehört.
Dazu kommen Funktionen jenseits der Dekoration: ein Wecker mit simuliertem Sonnenaufgang, ein Einschlaftimer, ein Pomodoro-Timer für Fokusphasen und Atemübungen. Lampen von Philips Hue und Nanoleaf übernehmen auf Wunsch die Farbstimmung der Szene. Der Ton lässt sich mit eigener Musik oder Podcasts mischen, Szenen offline sichern und per Kurzbefehl starten. Apple führte Portal als Tipp der Redaktion und nominierte die App zudem „Mac-App des Jahres“. Einziges Manko: Die Oberfläche spricht aktuell leider nur Englisch.
Fazit: Gestalterisch ein Fest für Augen und Ohren: Portal ist die schönste Ablenkung, die ein Mac derzeit zu bieten hat.
Offline Files

Der allwissende Index: In jedem Arbeitszimmer steht irgendwann dieses eine Regal mit externen Platten, beschriftet in einer Handschrift, die niemand mehr zu entziffern vermag. Offline Files des Berliner Kameramanns Paul Kothe indiziert interne, externe und Netzlaufwerke einmal und behält den Inhalt danach im Kopf. Die Suche läuft daher auch, wenn die Platte im Schrank liegt, das Suchergebnis nennt Dateiname, Pfad und vor allem das Laufwerk, das Sie dann schlicht aus dem Regal ziehen. Erfasst werden Größe, Datum, Dateityp und Finder-Tags sowie auf Wunsch Bildinhalte und Metadaten. Vorschaubilder legt die App lokal ab, sodass auch getrennte Volumes Miniaturen zeigen. Wer mag, übergibt den Katalog an Spotlight. Dazu kommen Dublettensuche, Laufwerksgruppen und ein Katalog auf einem Netzlaufwerk, den mehrere Macs nutzen. Auf Wunsch meldet die App, wenn ein Laufwerk seit drei, sechs oder zwölf Monaten nicht mehr angeschlossen war – für Sicherungskopien ein nützlicher Stups. Alles an Daten bleibt lokal.

Die Musik-App verwaltet digitale Musik, ist aber etwas spröde. Diese drei Programme geben ihr zurück, was im Streaming-Zeitalter verloren gegangen ist: das Album als Werk, die Namen dahinter und volle Klang-Kontrolle.
Longplay
Alben statt Playlists: Longplay von Adrian Schönig durchsucht die Mediathek der Musik-App und zeigt nur Alben, von denen alle oder fast alle Titel vorliegen. Das Ergebnis ist eine Wand aus Covern, durch die sich blättern lässt wie einst durch die eigene Plattensammlung. Eigene Musik bringt die App nicht mit – sie spielt ausschließlich das ab, was bereits in der Mediathek steht. Der Reiz steckt in den Sortierungen: Eine Sortierung verrechnet die eigene Bewertung mit dem letzten Abspieldatum und fördert Alben zutage, die Sie einmal geliebt und dann vergessen haben. Andere Vorgaben ordnen nach Häufigkeit, Erscheinungsjahr oder auch Optik der Cover. Sammlungen gruppieren Alben nach Stimmung, Jahrzehnt oder Anlass, intelligente Sammlungen legt man per Kurzbefehl oder KI-Assistent an, sie aktualisieren sich danach selbstständig. Dazu kommen AppleScript, Scrobbeln an Last.fm oder ListenBrainz, iCloud-Abgleich mit der iPhone-Fassung und ein MCP-Server (Model Context Protocol).
Musicsmart
Wer hat diesen Song eigentlich geschrieben? Musicsmart von Marcos Tanaka beantwortet genau das. Die App bündelt Credits aus mehreren Onlinequellen und listet die Namen hinter Komposition, Arrangement, Produktion, Gesang, Tontechnik, Label und Verlag samt Aufnahmeorten sowie den gespielten Instrumenten. Ein Abonnement bei Apple Music oder Spotify ist nicht nötig: Titel lassen sich in der App suchen, aus anderen Programmen hineinreichen oder über die eingebaute Musik-Erkennung auf Basis von Shazam erfassen. Musicsmart fasst die Credits eines kompletten Albums zusammen, inklusive der Angabe, an wie vielen Titeln eine Person beteiligt war. Auf unterstützten Geräten schreibt Apple Intelligence eine Übersicht der Produktionsangaben, Liner Notes. Die Begleittexte der Plattenhülle lassen sich übersetzen. Wie viel die App zu einem Titel weiß, schwankt allerdings deutlich: Bei Pop und Rock ist die Datenlage unseren Stichproben nach ordentlich, bei Jazz und Klassik dünner.
Soundsource

Das große Mac-Mischpult: Genau genommen hat Soundsource mit Apple Music nichts zu tun – und trotzdem verändert es den Umgang mit digitaler Musik. Die App holt die Tonsteuerung des Mac als kleines Mischpult in die Menüleiste, wo sie jederzeit griffbereit ist: Lautstärke pro Programm, Ausgabegerät pro Programm, Klangeffekte pro Programm. Die Musik-App darf so etwa über die guten Lautsprecher laufen, während die Videokonferenz am eingebauten Ausgang quäkt. Zehnband-Equalizer und beliebige Audio-Unit-Plug-ins lassen sich einschleifen, wahlweise auch systemweit. Version 6 ergänzt Ausgabegruppen für mehrere Geräte gleichzeitig und bringt erstmals AirPlay-Ausgabe an HomePod, Sonos und andere Funklautsprecher. Dazu kommen sogenannte Quick Configs: gespeicherte Klangkonfigurationen, zwischen denen ein Klick genügt – etwa je nach Arbeitsplatz. Der Kauf läuft direkt über den Hersteller, die Oberfläche der App ist auf Englisch.
Preis: 49 US-Dollar
Web: rogueamoeba.com

Stefan beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Computern – angefangen beim „Brotkasten", dem C64, und Amiga 500, lange bevor Apple-Geräte seinen Alltag bestimmten. Der eigentliche Einstieg in die Mac-Welt führte über die Musikproduktion: Über die Magazine Keyboards, Keys und Beat führte ihn sein Weg schließlich zur Mac Life, deren Website er seit 2007 verantwortet. Seit 2023 ist er zudem Chefredakteur des gedruckten Magazins.
Besonders faszinieren ihn die Schnittstellen zwischen Technik und Kreativität – vom Mac als Werkzeug für Musik, Foto und Video hin zu neuen Apple-Technologien wie Vision Pro oder KI-Funktionen. Wenn Stefan nicht gerade neue Apple-Hardware testet, fotografiert er mit Vorliebe aus ungewöhnlichen Perspektiven, gerne per Drohne oder seiner Mittelformatkamera.
Neben der Redaktion ist er außerdem Host des Apple-Podcasts „Schleifenquadrat". Seine Begeisterung für Musik & Sounds begleitet ihn bis heute. Kein Wunder, denn Anfang der 2000er-Jahre etwa wirkte er unter anderem an Samples mit, die Teil von Logic Pro wurden.










