Entscheidung abgenommen

Kolumne: Wenn Fotos nicht mehr die Realität abbilden

Ich knips mir die Welt, wie sie mir gefällt! Die neuen iPhone-Modelle verändern das Bild nicht erst bei der späteren Bearbeitung, sondern bereits beim Fotografieren. Die Geräte nehmen uns also einige Entscheidungen ab. Seine Meinung dazu trägt Frank Krug in dieser Kolumne bei.

Von   Uhr

Wem das zu abgehoben klingen mag oder wer sich denkt: „Na, und wenn schon! Eine Sache weniger, um die ich mich kümmern muss!“, der möge sich die Konsequenzen dieses kleinen, aber feinen Unterschieds bewusst machen. Dass man bereits bei der analogen Fotografie, bis zurück zur ersten Lochkamera, eine subjektive Auswahl der Realität getroffen hat, ist kein großes Geheimnis. Grundsätzlich geschieht dies immer noch in zwei klar voneinander getrennten Schritten. Zunächst bei der Bilderfassung mit der Kamera, wo man bereits vielfältige Möglichkeiten hat, das Bild noch vor Betätigung des Auslösers zu beeinflussen. Anschließend bei der Bildbearbeitung, mit weitaus umfangreicheren Möglichkeiten. Grob gesprochen gibt es das Ganze also im Dreierpaket: das Original, das fotografierte Original und die Bearbeitung des fotografierten Originals.

Welches Original darf’s denn nun sein? Sicherlich eine berechtigte Frage, worauf zumindest jeder einzelne der mehr als eine Milliarde Instagram-Nutzerinnen und -Nutzer sofort antworten würde: „Alles, nur eben nicht die ersten beiden!“

Wobei das auch wieder nicht stimmt, schließlich formiert sich in deren Reihen schon wieder eine puristische Protestbewegung, die ihre filterfreien Fotos trotzig mit dem Hashtag #nofilter postet.

iPhones nehmen Entscheidungen vorweg

Mit den neuen iPhone-Modellen ist das alles nur noch Schnee von gestern. Da gibt es kein Vorher und kein Nachher mehr, sondern nur noch das eine allgegenwärtige Jetzt – und zwar detailgetreu optimiert auf dem superhochaufgelösten OLED-Bildschirm. Sämtliche Schikanen wie Belichtung, Weißabgleich, Tiefenschärfe oder Rauschunterdrückung müssen nicht mehr reguliert werden, sondern sind nach Gusto des Herstellers bereits mit eingearbeitet. Das kann dann zwar in einigen Fällen dazu führen, dass die schöne rauschunterdrückte Apple-Welt nicht so ganz dem disharmonischen Original entspricht – aber was soll’s? Alles was krumm ist, wird gerade gemacht. Auf dem Display betrachtet sieht die Welt doch sowieso viel schöner aus. Warum sich mit dem hässlichen Original zufrieden geben?

Alicia Keys und der „White Stripes“-Sänger Jack White sind da offensichtlich anderer Meinung. Sie haben verfügt, dass die Besucher ihrer Konzerte sämtliche Smartphones vor Betreten des Saals luftdicht in Plastiksäckchen verschweißen lassen müssen. Das war allerdings vor Präsentation der neuen iPhone-Modelle. Es ist anzunehmen, dass sie ihre strikten Bestimmungen nun wieder aufweichen werden. Schließlich wird es in ihrem eigenen Interesse sein, die Tiefenschärfe schon während des Livekonzerts korrekt zu setzen und nichts der willkürlichen Entscheidung der Besucher zu überlassen.

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Das ist doch ein alter Hut. Ist doch bei Huawei ähnlich. Und es werden TAUSENDE von Apps herunter geladen, die ähnliches machen. Das ist normal bei der Facebook und Instagram-Generation. Wird auch noch bei Kameras kommen. Wen es stört, der muss ja diesen Trend nicht mitmachen - kann man abschalten, in dem man beispielsweise mit RAW fotografiert. Geht auch bei Handys zwischenzeitlich. Egal wann, jeder Trend wird zuerst mal von vielen beschimpft. Später sind sie froh, wenn er da ist. Fotos haben übrigens fast nie die Realität abgebildet - das interessiert die wenigsten Fotografen. Deshalb werden heute selbst Landschaftsfotos mit Programmen wie Luminar "aufgefrischt".

Hmm,
Klingt ein bisschen danach als würde man hier nicht berücksichtigen, dass jede digitale Kamera quasi erst ein „raw“ Foto macht und dann der jpeg Converter die Farbeinstellungen adjustiert.
Neu ist dich nur, dass man nun einen intelligenteren Converter verwendet.

Wer keinen jpeg Konverter haben möchte, der kann einfach eine der zahlreichen Fotoappa aus dem Appstore verwenden.
*closed*

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