Der derzeitige Ausbau von KI-Infrastruktur könnte nach Ansicht des Tech-Kritikers Ed Zitron in einer wirtschaftlichen Krise enden. In einem Interview mit MacRumors argumentiert der Autor des Newsletters „Where’s Your Ed At“, dass sich die hohen Ausgaben für Sprachmodelle und Rechenzentren kaum refinanzieren ließen. Apple könnte von einem möglichen Einbruch dagegen weniger stark betroffen sein als andere große Technologiekonzerne.
- Ed Zitron hält die Kostenstruktur vieler KI-Dienste für nicht tragfähig
- Hohe Investitionen in Rechenzentren könnten sich laut seiner Prognose nicht refinanzieren
- Apple gibt im Vergleich zu anderen Tech-Konzernen weniger für KI-Infrastruktur aus
- Die zurückhaltende Strategie könnte Apple bei einem Markteinbruch schützen
- Ein Platzen der KI-Blase ist eine Prognose und keine bestätigte Entwicklung
Zitron kritisiert vor allem die Kostenstruktur generativer KI-Dienste. Anders als bei klassischer Software verursache jede Anfrage laufende Rechenkosten. Gleichzeitig seien Nutzer häufig nicht bereit, den tatsächlichen Preis dieser Rechenleistung zu tragen. Anbieter würden deshalb Abonnements verkaufen, deren Gebühren die entstehenden Kosten teilweise nicht abdeckten.
Hohe Kosten für jede KI-Anfrage
Große Sprachmodelle verarbeiten Eingaben und erzeugen Antworten mithilfe sogenannter Tokens. Je umfangreicher eine Anfrage oder Antwort ausfällt, desto mehr Rechenleistung wird benötigt. Besonders bei KI-Agenten, die komplexe Aufgaben eigenständig bearbeiten sollen, könnten die Kosten schnell steigen – auch dann, wenn das gewünschte Ergebnis ausbleibt.
Tokens sind kleine Texteinheiten, die Sprachmodelle beim Verarbeiten von Eingaben und Erzeugen von Antworten verwenden. Anbieter berechnen die Nutzung ihrer Modelle häufig anhand der verbrauchten Token. Lange oder komplexe Aufgaben verursachen deshalb mehr Rechenkosten.
Nach Zitrons Einschätzung fehlt vielen KI-Unternehmen deshalb ein tragfähiges Geschäftsmodell. Er verweist unter anderem auf die hohen Verluste führender Anbieter und auf Unternehmenskunden, die ihre KI-Ausgaben nur schwer konkreten Produkten oder Produktivitätsgewinnen zuordnen könnten.
Hinzu kommen umfangreiche Investitionen in neue Rechenzentren. Deren Bau dauere häufig mehrere Jahre und koste Milliarden. Sollten Anbieter wie OpenAI oder Anthropic ihre Nachfrage nicht langfristig finanzieren können, könnten Betreiber, Kreditgeber und Investoren auf einem Teil der Kosten sitzen bleiben.
Apple investiert deutlich vorsichtiger
Apple nimmt laut Zitron innerhalb der Branche eine besondere Position ein. Während Microsoft, Google, Amazon und andere Unternehmen hohe Summen in eigene KI-Infrastruktur stecken, halte sich der iPhone-Konzern bei seinen Investitionen vergleichsweise zurück.
Statt jedes benötigte KI-Modell selbst zu entwickeln und dafür umfangreiche Rechenzentren zu bauen, könne Apple auf externe Technik zurückgreifen und einen Teil der Verarbeitung direkt auf seinen Geräten erledigen. Damit behandle das Unternehmen KI eher wie eine austauschbare Technologie als wie die Grundlage eines vollständig neuen Geschäftsmodells.
Diese Strategie wurde Apple in den vergangenen Jahren häufig als Rückstand ausgelegt. Zitron interpretiert die Zurückhaltung dagegen als möglichen Vorteil. Sollte die Nachfrage nach KI-Rechenleistung sinken oder sollten hoch bewertete Anbieter in Schwierigkeiten geraten, wäre Apple weniger stark an deren Infrastruktur und Finanzierung gebunden.
Apple Intelligence als Warnsignal
Auch der durchwachsene Start von Apple Intelligence könnte den Kurs des Unternehmens beeinflusst haben. Mehrere Funktionen wurden verspätet veröffentlicht oder stießen wegen unzuverlässiger Ergebnisse auf Kritik. Zitron vermutet, dass Apple deshalb vorsichtiger geworden sei und seinen Ausbau generativer KI nicht mit derselben Geschwindigkeit wie andere Konzerne vorantreibe.
Ob Apple Intelligence bei den Nutzern tatsächlich grundsätzlich unbeliebt ist, lässt sich aus dem Interview allerdings nicht ableiten. Dabei handelt es sich um Zitrons persönliche Einschätzung. Ebenso ist ein Zusammenbruch des KI-Marktes keineswegs belegt.
Sollten die Investitionen in Rechenzentren jedoch deutlich zurückgehen, könnte Apple laut Zitron sogar günstige Übernahmen prüfen. Denkbar sei ebenso, dass der Konzern weitgehend an der Seitenlinie bleibe und seine bisherige Strategie fortsetze.
Ein Preisrückgang bei Speicherchips und Rechenzentrumskomponenten könnte Apple zusätzlich helfen. Der starke Ausbau von KI-Systemen beansprucht derzeit große Teile der verfügbaren Halbleiterproduktion. Eine nachlassende Nachfrage könnte den Kostendruck auf andere Elektronikprodukte reduzieren.
Zitrons Prognose bleibt eine bewusst pessimistische Gegenposition zu den Erwartungen vieler Technologieunternehmen und Investoren. Generative KI würde selbst bei einem wirtschaftlichen Einbruch voraussichtlich nicht verschwinden. Ein Platzen der von ihm beschriebenen Blase könnte jedoch dazu führen, dass Projekte eingestellt, Anbieter übernommen und Investitionen abgeschrieben werden.



