Wie Sie sicher schon wissen, hat Apple auf der jüngsten WWDC macOS 27 Golden Gate vorgestellt – ein durchaus spannendes Release. Das neue Betriebssystem bringt eine komplett neue, von Apple Intelligence angetriebene Siri, mehr Leistung, Unterstützung für Ultra-Wide-Displays und sogar erweiterte Kindersicherheitsfunktionen mit. Allerdings wird es nicht für alle Mac-Nutzer verfügbar sein.
Um macOS 27 zu nutzen, benötigen Sie einen Mac, der nach 2020 verkauft wurde und über einen Apple-Silicon-Chip (M1 oder neuer) verfügt. Auf älteren Macs oder MacBooks mit Intel-Chip läuft das Betriebssystem nicht – diese bleiben bestenfalls bei macOS 26 Tahoe hängen. Das dürfte niemanden überraschen. Schon macOS 26 Tahoe unterstützte etliche Intel-Macs nicht mehr, darunter das MacBook Air 2020 und das 13-Zoll-MacBook Pro mit zwei Anschlüssen. Dass es früher oder später auch den Rest treffen würde, war absehbar.
Seit Apple Silicon am 22. Juni 2020 für den Mac angekündigt wurde, hat sich die Technik enorm weiterentwickelt. Das System-on-a-Chip-Design (SoC) vereint CPU, GPU, Neural Engine und Unified Memory in einer Architektur und bietet dadurch beispiellose Effizienz. Da Apple die volle Kontrolle über Hardware und Software hat, verschafft sich das Unternehmen so einen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz.
Wie Daniel Nenni, Halbleiterexperte und Gründer des offenen Branchenforums Semiwiki, erklärt, kann Apple den Chip nun exakt auf seine Software zuschneiden und beides parallel entwickeln. Zudem macht sich Apple mit eigenen Chips unabhängig von einem Drittanbieter – nämlich Intel –, der damals mit Problemen kämpfte: Die Chips liefen heiß, waren stromhungrig, und der Wechsel von 14-Nanometer- auf 10-Nanometer-Fertigung geriet ins Stocken. Doch wie schon der Wechsel von der Motorola-68000-Serie zu PowerPC 1994 und von PowerPC zu Intel 2005 etliche Geräte zurückließ, trifft auch der Umstieg auf Apple Silicon ältere Rechner – darunter alle Mac-Pro- und iMac-Pro-Modelle. Während sich die Entwickler von Apple nun voll auf die Zukunft von macOS auf eigener Technik konzentrieren können, ohne Rücksicht auf Intels x86-Chips nehmen zu müssen, stehen Besitzer eines Intel-Mac vor wichtigen Entscheidungen.
Da sich macOS 27 Golden Gate auf keinem Intel-Mac installieren lässt – auch nicht mit dem Opencore Legacy Patcher –, sollten Sie ein Upgrade in Erwägung ziehen. Der Zeitpunkt ist günstig: Da der Arbeitsspeicher (RAM) tendenziell noch teurer wird, kann sich der Kauf eines Mac jetzt lohnen, bevor die Preise weiter steigen.
Damit sich das Upgrade weniger schmerzhaft anfühlt, können Sie Ihren alten Mac zu Geld machen. Intel-Macs lassen sich weiterhin bei Apple in Zahlung geben, oder Sie wenden sich an Anbieter wie Back Market. Auch der Verkauf über Ebay oder andere Marktplätze ist möglich. Wie viel Sie dafür bekommen, hängt jedoch vom Alter, den technischen Daten und dem Zustand Ihres Mac ab.
Sparen können Sie auch mit einem generalüberholten Mac oder einem Gebrauchtgerät. Beachten Sie aber: Für macOS 27 Golden Gate benötigen Sie mindestens ein MacBook Air M1, MacBook Pro M1, 13-Zoll-MacBook Pro M1 (2020), 14-Zoll-MacBook Pro M1 Pro (2021), 16-Zoll-MacBook Pro M1 Pro (2021), iMac M1 (2020), Mac mini M1 (2020) oder ein Mac Studio (2022) – je neuer das Gerät, desto besser. Auch auf dem 799 Euro teuren MacBook Neo läuft macOS 27.
Die Uhr tickt
Sie können jetzt einfach nichts tun. Vielleicht reicht Ihnen macOS 26 Tahoe völlig aus – zweifellos ein solides, funktionsreiches Betriebssystem, das Mac-Nutzer schon seit gut einem Jahr zuverlässig begleitet. Da Apple nach dem Start von macOS 27 Golden Gate voraussichtlich noch einige Jahre Sicherheits- und Safari-Updates liefert, stehen Sie mit Ihrem Intel-Mac nicht sofort im Regen, falls Sie dabei bleiben möchten. Auch für Nutzer der Vorgängerversion macOS 15 Sequoia gibt es gute Nachrichten: Sie soll bis Herbst 2028 unterstützt werden.
Danach müssen Sie sich entscheiden: Bleiben Sie bei einem Mac, der nur eine veraltete Version ausführt, oder steigen Sie auf ein Gerät um, das macOS 27 Golden Gate oder neuer unterstützt? Wer dann weiter einen Intel-Mac nutzt, verliert an Sicherheit. Erschwerend kommt hinzu: Ab macOS 28, das nächstes Jahr erscheinen soll, lassen sich Intel-Apps auf Apple-Silicon-Macs gar nicht mehr ausführen. Wer stark auf solche Apps angewiesen ist, steckt dann in einem echten Dilemma.
Derzeit laufen Intel-Apps dank der dynamischen Übersetzungsschicht Rosetta 2 nahtlos auf Apple Silicon. Nutzer müssen der Installation nur einmal zustimmen, danach arbeitet sie unsichtbar im Hintergrund und die App funktioniert wie gewohnt. Rosetta 2 bleibt Bestandteil von macOS 27, wird aber ab macOS 28 gestrichen. Die einzige Ausnahme bilden laut Apple bestimmte ältere, nicht mehr gepflegte Spiele, die auf Intel-Frameworks basieren.
Die Wahl klingt zunächst hart: Wer Intel-Apps braucht, bleibt entweder beim Intel-Mac und irgendwann bei einem nicht mehr unterstützten System oder wechselt zu Apple Silicon und bleibt bei macOS 27. Ganz so dramatisch ist es aber nicht. macOS 27 bringt zwei Warnsysteme mit, die zeigen, welche Ihrer Apps betroffen sind: einen Hinweis, wenn eine App Rosetta nutzt und mit macOS 28 nicht mehr funktioniert, sowie eine Liste problematischer Apps, die Sie in den Systemeinstellungen unter „Allgemein > Info“ finden. Klicken Sie neben „Intel-basierte Apps“ auf „Details“.
Mit diesem Wissen können Sie gezielt nach einer Universal- oder Apple-Silicon-kompatiblen Version jeder App suchen. Schauen Sie im Mac App Store nach, prüfen Sie die Update-Funktion in der App selbst oder besuchen Sie die Website des Entwicklers. Das Problem: Manche Apps wurden seit Jahren nicht mehr aktualisiert – besonders bei Spezialwerkzeugen, sehr alter Software und Plug-ins.
Falls sich herausstellt, dass eine bestimmte App künftig wegfällt, finden Sie über die Website alternativeto.net eine Apple-Silicon-kompatible Alternative – einfach den Namen der betroffenen App eingeben. Es lohnt sich auch, regelmäßig die Website des Entwicklers zu prüfen: Die Entscheidung von Apple gegen Intel-Support könnte manchen Hersteller endlich zu einem passenden Update bewegen.
Dass jemand, der sich 2019 für mindestens 6.499 Euro einen Mac Pro gekauft hat, diesen sieben Jahre später nicht mit macOS 27 Golden Gate nutzen kann, wirkt auf den ersten Blick unfair. Doch abgesehen von dieser Ausnahme ist der Zeitpunkt für Apple genau richtig, um den nächsten Schritt zu gehen. Der Konzern aus Cupertino bietet Updates in der Regel etwa sechs bis sieben Jahre lang ab Markteinführung an. Bei Intel-Macs ließe sich sogar argumentieren, dass Apple angesichts des Aufwands für zwei parallele Versionen recht großzügig war.
Fällt eine dieser Versionen weg, kann sich Apples Entwicklerteam stärker auf künftige Betriebssysteme konzentrieren – ein guter Zeitpunkt, um sich von Intel zu verabschieden. Apple-Silicon-Chips bringen einen enormen Leistungsschub, und wer einen Mac mit mindestens 12 GB Unified Memory und einem M3-Prozessor oder neuer wählt, erhält Zugriff auf die fortschrittlichsten Funktionen von Apple Intelligence. Auch neuere Macs profitieren von besserem Software-Support.
Parallelbetrieb
Klingt das nicht akzeptabel und möchten Sie auch künftig Intel-Apps auf einem Apple-Silicon-Mac nutzen, gibt es einen Workaround: Sie können ein älteres macOS in einer virtuellen Maschine auf einem Apple-Silicon-Mac mit macOS 28 betreiben. Dabei läuft auf Ihrem Mac eine Software, die ein physisches Hardwaresystem emuliert, sodass ein anderes Betriebssystem samt kompatibler Apps isoliert ausgeführt werden kann. Dafür benötigen Sie eine VM-App wie Parallels Desktop, Crossover oder VMware Fusion Player.
Aktuell lässt sich beispielsweise Parallels Desktop 26 installieren, dazu macOS 12 Monterey oder neuer herunterladen. Beim Start einer Intel-App werden Sie einfach zur Installation von Rosetta aufgefordert – danach läuft alles wie gewohnt. Eine virtuelle Maschine erlaubt unter macOS 27 Golden Gate übrigens auch Windows und Linux. Laut Parallels läuft mit Parallels Desktop Version 26 sogar Windows 11 per Virtualisierung auf dem Mac, und ein Update im vergangenen Jahr ermöglichte bereits 64-Bit-Intel-Systeme auf Apple-Silicon-Macs. Auch Apple selbst hat in macOS 27 Unterstützung für Intel-Apps in einer Arm-Linux-Distribution integriert.
Trotzdem ist die Botschaft von Apple eindeutig: Der Umstieg von Intel-Macs auf Apple-Silicon-Geräte ist erwünscht, ebenso der Wechsel von Intel-Apps zu für Apple Silicon optimierter Software. Die Alternative bleibt sonst ein veraltetes Betriebssystem oder die Suche nach einem künftigen Workaround für ältere Apps.
Für ein einfacheres Leben und um von neuester Hardware, besseren Betriebssystemen und aktueller Software zu profitieren, ist der Umstieg vom alten Intel-Mac auf ein aktuelles Apple-Silicon-Gerät am Ende wohl die beste Wahl.

Wenn jemand bei der Mac Life Ordnung ins Chaos bringt, dann ist es Sven T. Möller – und das gleich in doppelter Hinsicht. Als Layouter gibt er jeder Ausgabe ihre unverwechselbare Gestalt, als Redakteur sorgt er dafür, dass Apple-Themen mit der nötigen Tiefe behandelt werden. Sven ist seit Mitte der 2000er Jahre an Bord und damit eines der echten Urgesteine des Teams. Smarthome beschäftigt ihn als Eigenheimbesitzer mit besonderer Ernsthaftigkeit – und gelegentlich auch Frustration. Außerdem ist er mit Leidenschaft Musikhörer, wobei „hören“ bei Sven gerne auch als „beschallen“ interpretiert werden darf: Tests etwa für Bluetooth-Lautsprecher verantwortet er, frei nach dem Motto „je größer und lauter, desto besser“. Sven ist Mitbegründer und Co-Host des Apple-Podcasts Schleifenquadrat.
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