Apple: Klimaziele stellen Zulieferer vor wachsende Probleme
Apple verfolgt das Ziel, seine gesamte Wertschöpfungskette bis 2030 klimaneutral zu gestalten. Doch ausgerechnet bei der Herstellung wichtiger Elektronikkomponenten zeigen sich Schwierigkeiten. Laut einem Bericht von DigiTimes haben Hersteller von Leiterplatten zunehmend Probleme, ihre Emissionen zu reduzieren. Verantwortlich dafür sind unter anderem der steigende Energiebedarf moderner Fertigungsverfahren und fehlende Alternativen bei bestimmten Materialien.
- Apple will seine Wertschöpfungskette bis 2030 klimaneutral gestalten.
- Leiterplattenhersteller kämpfen laut DigiTimes mit steigendem Energiebedarf.
- Knapp 60 Prozent der Branchenemissionen sollen auf eingekauften Strom entfallen.
- CO2-ärmere Materialien erfüllen noch nicht alle technischen Anforderungen.
- Apple verlangt bis 2030 erneuerbaren Strom für die Produktion seiner Geräte.
Mehr Leistung bedeutet höheren Energieverbrauch
Die Anforderungen an Leiterplatten steigen. Insbesondere Anwendungen im Bereich künstlicher Intelligenz und High-Performance-Computing (HPC) benötigen immer komplexere elektronische Komponenten. Ihre Herstellung verbraucht entsprechend mehr Strom und Wasser.
Eine Leiterplatte, auch Printed Circuit Board (PCB) genannt, verbindet elektronische Bauteile über feine Leiterbahnen miteinander. Sie bildet die Grundlage vieler elektronischer Geräte, darunter Smartphones, Computer und Server. Besonders leistungsfähige Systeme benötigen häufig komplexe Leiterplatten mit mehreren Schichten. Ihre Herstellung erfordert aufwendige Verfahren und kann entsprechend viel Energie und Wasser verbrauchen.
Damit entsteht für die Hersteller ein Zielkonflikt: Einerseits verlangen Unternehmen wie Apple und Google eine klimafreundlichere Produktion. Andererseits wächst der Ressourcenbedarf durch technisch anspruchsvollere Produkte.
Dem Bericht zufolge reagieren die Zulieferer bereits auf diese Anforderungen. Sie veröffentlichen verstärkt Nachhaltigkeitsberichte, beziehen mehr Strom aus erneuerbaren Energiequellen und versuchen, auch die Emissionen ihrer eigenen Lieferketten zu reduzieren.
Stromverbrauch verursacht einen Großteil der Emissionen
Besonders wichtig ist die Energieversorgung der Produktionsstätten. Einer von DigiTimes zitierten Analyse zufolge entfallen knapp 60 Prozent der Emissionen der Leiterplattenindustrie auf eingekauften Strom.
Apple verlangt von seinen direkten Fertigungszulieferern, dass sie vor 2030 für die Produktion von Apple-Produkten vollständig auf erneuerbaren Strom umstellen. Die Vorgabe ist Bestandteil der Umweltstrategie des Unternehmens.
Im Umweltfortschrittsbericht 2026 nennt Apple bereits Fortschritte: Im Jahr 2025 erzeugten die von Zulieferern beschafften und in Apples Lieferkette eingesetzten erneuerbaren Energieanlagen mehr als 38 Millionen Megawattstunden Strom. Dadurch seien nach Unternehmensangaben mehr als 26 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen vermieden worden.
Der steigende Energiebedarf bei der Fertigung anspruchsvoller Leiterplatten erhöht allerdings den Druck, zusätzliche erneuerbare Stromquellen zu erschließen.
Klimafreundlichere Materialien sind noch nicht überall geeignet
Neben dem Stromverbrauch stellt auch die Materialauswahl ein Problem dar. Hersteller könnten ihre Emissionen grundsätzlich durch den Einsatz CO2-ärmerer Materialien reduzieren. Allerdings erfüllen verfügbare Alternativen laut Bericht noch nicht sämtliche technischen Anforderungen moderner Hochleistungsleiterplatten.
Gerade bei besonders anspruchsvollen Komponenten müssen Materialien bestimmte Leistungs- und Zuverlässigkeitsanforderungen erfüllen. Ein Austausch ist deshalb nicht ohne Weiteres möglich.
Hinzu kommt der Prüfaufwand. Neue Materialien müssen umfangreiche Tests durchlaufen, bevor sie in größerem Umfang eingesetzt werden können. Das erschwert eine schnelle Umstellung der Fertigung.
Apple hält an seinem Ziel für 2030 fest
Apple hat sich vorgenommen, seine gesamte Wertschöpfungskette und den Lebenszyklus seiner Produkte bis 2030 klimaneutral zu gestalten. Dazu gehören neben der eigenen Geschäftstätigkeit insbesondere die Herstellung von Komponenten, die Montage der Geräte und weitere Schritte entlang der Lieferkette.
Die aktuellen Schwierigkeiten bei Leiterplattenherstellern zeigen jedoch, dass der Ausbau erneuerbarer Energien allein nicht sämtliche Herausforderungen löst. Gleichzeitig müssen Fertigungsprozesse effizienter werden und geeignete Materialien zur Verfügung stehen.
Ob die betroffenen Zulieferer ihre Emissionen trotz steigender technischer Anforderungen schnell genug reduzieren können, lässt sich anhand des Berichts nicht abschließend beurteilen.









