Unabhängig? Wohl kaum...

Apple öffnet sich für unabhängige Reparaturdienstleister - was das für uns Kunden jetzt bedeutet

Apple öffnet sich jetzt auch in Europa mit einem Programm für unabhängige iPhone-Reparaturdienstleister. Für Kunden klingt das erst einmal nach einer positiven Entwicklung, doch es gibt viel Kritik an Apples Umsetzung.

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Im vergangenen Jahr hatte Apple eine Initiative gestartet und nach langer Boykott-Haltung auch Unternehmen, die nicht zu den autorisierten Apple Service Providern gehören, mit Original-Ersatzteilen, Werkzeugen und Reparaturanleitungen versorgt.

Ganz freiwillig lief das aber nicht - erste US-Bundesstaaten hatten das „Recht auf Reparatur“ gesetzlich geregelt und so musste Apple Wohl oder übel mitziehen. Nun weitet der iPhone-Hersteller das sogenannte „Programm für unabhängige Reparaturdienstleister“ deutlich aus. Nach den aktuell rund 140 Partnern in den USA wird es das Angebot schon bald in Kanada und in Europa geben: „Nach einer erfolgreichen Einführung in den USA können sich ab sofort unabhängige Reparaturwerkstätten in 32 Ländern Europas sowie in Kanada für das Programm für unabhängige Reparaturdienstleister von Apple bewerben. Für die Teilnahme an diesem Programm entstehen keine Kosten und die Schulung ist für neue Unternehmen kostenlos,“ erklärte Apple jetzt.

Was steckt hinter dem Programm?

Interessierte Unternehmen können sich für das Programm bewerben und benötigen einen von Apple zertifizierten Techniker, der die Reparaturen durchführen kann.

Das Programm erlaubt dabei unabhängigen Dienstleistern Reparaturen von iPhones außerhalb der Garantie. Qualifizierte Unternehmen bekommen von Apple dann Zugriff auf Originalteile, Werkzeuge, Schulungen, Servicehandbücher, Diagnosen und weiteren Ressourcen.

Was bringt das dem Kunden?

Als Kunde hat man bei einem qualifizierten Dienstleister die Sicherheit, dass die Hardware nach allen Apple-Regeln bei der Reparatur behandelt wird: Das geht los bei Original-Ersatzteilen und dem geschulten Personal, schließt Sicherheitsstandards mit ein und endet bei einem von Apple überprüften Unternehmer-Status. Bei einer vermeintlich billigen iPhone-Reparatur auf einen Scharlatan hereinzufallen, der sich nicht um Datenschutz schert und aus seinem Wohnzimmer heraus arbeitet, kann man dann nicht geraten.

Wie unabhängig ist ein unabhängiger Reparaturdienstleister?

Neben diesem Sicherheitsfaktor gibt es aber auch einige „Schattenseiten“. Zum einen dürften die neuen Werkstätten iPhones nicht unbedingt billiger reparieren als autorisierte Apple Service Provider oder Apple selbst. Zum anderen gibt es viel Kritik an den Vorgaben, die Apple den unabhängigen Partner macht. Apple wird vorgeworfen, seine marktbeherrschende Stellung durch das Programm nur weiter zu untermauern.

Der Vertrag, den unabhängige Dienstleister dabei mit Apple eingehen sollen, ist weitreichend. Er enthält einige mehrdeutige, subjektive und potenziell sehr weit gefasste Definitionen erklärte der Jura-Professor Aaron Perzanowski bereits Anfang des Jahres. "Infolgedessen gibt sie Apple eine Menge Einfluss auf die Unternehmen, die diese Vereinbarung unterzeichnen.“ Dass das nicht das ist, was ein „freies Recht auf Reparatur“ erreichen wollte, dürfte klar sein. Auch unternehmerisch macht das wenig Sinn.

Dennoch: Es ist das richtige Signal, die richtige Richtung, aber noch nicht die besten Umsetzung für alle Seiten.

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