Test: Tone2 Saurus

Beat 708.2012 - von Mario Schumacher

Saurus

Bewertung:
sehr gut (5.5)
Preis: 99 Euro
Webseite:
Hersteller: Tone2
Alternative: Synapse Audio DUNE 118 Euro, u-he Diva 165 Euro, Image-Line Sawer 77 Euro
charaktervoller Sound
vielseitige Klangerzeugung
immenses Klangpotenzial
einfache Bedienbarkeit
hochwertige Effekte
geringer Ressourcenbedarf
sehr gutes Preisleistungsverhältnis
einseitige Klangbibliothek
Eckdaten:
• flexibler VA-Synthesizer
• mono- und polyphon spielbar
• zwei Oszillatoren
• zwei Suboszillatoren
• resonanzfähiges Multimode-Filter
• drei Hüllkurven & zwei LFOs
• mächtiger Arpeggiator
• 15-fache Mod-Matrix
• hochwertige Effekte
• geringer Ressourcenbedarf
• 563 Presets renommierter Sounddesigner
• 32/64-Bit-Unterstützung
• für Windows und OS X
• Kopierschutz: Key-File
• Format: VST, AU, unabhängig

Mit zwei Oszillatoren und zwei Suboszillatoren, einem Multimode-Filter sowie umfangreichen Modulationsmöglichkeiten setzt Saurus auf die klassische Synth-Architektur. Doch braucht man wirklich einen weiteren Virtuell-Analogen? Um dies gleich vorwegzunehmen: Wie die bisherigen Klangerzeuger von Tone2 setzt sich auch dieser durch zahlreiche spannende Details von der Masse an Synthesizern ab.

Perfekte Unperfektion?
Die viel zitierte Wärme analoger Synthesizer entsteht gerade durch ihre kleinen Unvollkommenheiten. Neben dem Driften analoger Oszillatoren bildet Saurus auch die charakteristischen Eigenheiten analoger Filterschaltungen im Detail nach. Für seine beiden Oszillatoren stehen acht Wellenformen zur Auswahl, wobei auch Mischformen und Exoten für Vokal- oder orgelähnliche Klänge an Bord sind. Alle Wellenformen lassen sich in ihrer Pulsweite modulieren. Darüber hinaus kann die Startphase der Oszillatoren angepasst und der Grundklang mithilfe des Tone-Reglers zwischen dumpf und brillant justiert werden. Dank Oszillatorsync sowie Amplituden-, Frequenz- und Ringmodulation beherrscht das Plug-in auch kreischende, schneidende und aggressive Sounds. Für die Sub-Oszillatoren stehen acht auf Sägezahn und Rechteck basierende Wellenformen zur Auswahl. Leider ist der Rauschgenerator nur über die Modulationsmatrix zugänglich.
Im Drift-Modus werden die charmanten Stimmungsungenauigkeiten analoger Synthesizer simuliert, leider jedoch ohne regelbare Intensität. Insbesondere für breite Vintage-Sounds hätte es hier noch ein wenig mehr sein können. Dennoch punktet das Plug-in mit einem vollen, lebendigen Oszillatorklang. Natürlich gibt es auch eine Glide-Funktion sowie einen zwei- und einen vierfachen Unisono-Modus. Der psychoakustische "Boost"-Effekt, der Klängen bei Bedarf zu mehr Präsenz verhilft, sollte für überzeugende analoge Sounds deaktiviert werden.

Gut gebrüllt, Dino!
Auch das Filter von Saurus ist mit sechs Typen äußerst vielseitig: Mit den Betriebsarten Tief-, Band- und Hochpass sowie Kerb- und Formantfilter kann es weitreichend in das Frequenzspektrum eingreifen, wobei auch hohe Resonanzwerte und die Selbstoszillation zu überzeugen wissen. Der 12-dB-Tiefpass weckt Erinnerungen an den bissigen Klangcharakter des Korg MS-20. Dank Filter-FM, -Feedback und Verzerrung bietet die Filtersektion vielseitigen Klang zwischen satt und brutal kreischend.

Es lebt!
Für Leben in der Bude sorgt Saurus' leistungsfähige Modulationsabteilung mit drei sehr schnellen ADSR-Hüllkurven und zwei LFOs, die auch Raten im Audiobereich unterstützen. Dank einer 15-fachen Mod-Matrix sind lebhafte und dynamische Klänge ein Kinderspiel, wobei auch Rauschen als Modulationsquelle genutzt werden kann. Modifier gestatten zudem die Bearbeitung von Modulationssignalen durch Operationen wie Multiplikation oder Filterung. Mit seinem Arpeggiator wartet das Plug-in überdies mit einem mächtigen Kreativwerkzeug auf, mit dem Sie komplexe Sequenzen inklusive Akkorden und schnellen Notenwiederholungen, Parametermodulationen sowie Gate-Effekte erzeugen können. Auch die Effekte Chorus, Hall, Delay sowie Röhrensättigung können sich hören lassen. Einen Phaser oder Equalizer vermisst man hingegen.

Wollmilchsaurus?
Die Bedienoberfläche von Saurus präsentiert sich nachvollziehbar strukturiert, sodass man schnell ans gewünschte klangliche Ziel kommt. Eine durchdachte Preset-Verwaltung mit Kategorien hilft, sich in der 563 Presets starken Soundbibliothek zurecht zu finden. Die Preset-Auswahl ist allerdings recht Club-lastig. So bleibt zu hoffen, dass Tone2 noch einen soliden Grundstock klassischer analoger Sounds nachreicht. Klanglich ist die musikalische Echse sehr flexibel, wodurch Emulationen analoger Legenden wie Minimoog oder Roland Juno ebenso leicht von der Hand gehen wie zeitgemäße Sounds. In unserem Test wusste das Plug-in insbesondere bei kraftvollen Bässen, butterweichen Flächen und durchsetzungsfähigen Lead-Sounds zu punkten.

Fazit
Auf eindrucksvolle Weise bringt Saurus eine vielseitige Klangerzeugung und eine einsteigerfreundliche und intuitive Bedienung unter einen Hut. So ist das Plug-in sowohl für Synthese-Padawane als auch für Yedi-Meister der Soundprogrammierung zu empfehlen. Auch wenn es Synthesizern wie Diva in puncto Authentizität nicht ganz das Wasser reichen kann, glänzt es mit einem lebendigen, ausdrucksstarken und durchsetzungsfähigen Klang. Wer auf ein enormes Klangpotenzial, einen attraktiven Preis sowie einen geringen Ressourcenhunger Wert legt, wird Saurus nicht mehr missen wollen.


 

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