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Report: Produzentenschmiede

Beat 1.2011 - von Marco Scherer

Produzenten-
schmiede

Bewertung:
befriedigend (4.0)
Preis: 714 Euro ab 2 Pers.: 571 Euro
Hersteller: Kohlbecker/le Mar in Frankfurt/Main
viele praktische Beispiele
großer persönlicher Erfahrungsschatz
Wohnzimmeratmosphäre
Produzentenpool
wenig Raum für offene Fragen
viele Themen nur angeschnitten
relativ lockere Aufmachung
keine Studiopraxis
Eckdaten:
• Dreitägiges Kompaktseminar
• mit Michael Kohlbecker
• und Gabriel le Mar
• Mindestalter: 16 Jahre
• Teilnehmerzahl: 5 Personen
• Ratenzahlung möglich
• Musiksparten: Techno, Chill-Out, Lounge, Klassik, House, Pop

Aus der Praxis für die Praxis – so wirbt Michael Kohlbecker für seine Produzenten-Seminare. Klingt vielversprechend! Also macht Beat die Probe aufs Exempel – und schreibt sich ein.

Wer im Musikbusiness oben mitspielen möchte, benötigt nicht nur kreative Einfälle. Gefragt sind auch ein gewisses Maß an musikalischem Fachwissen, technische Kenntnisse und die richtigen Kontakte. Genau hier setzt die Produzentenschmiede des Frankfurter Duos Michael Kohlbecker und Gabriel le Mar an und verspricht nicht weniger als den gewissen Faktor „X“, ein Rundum-sorglos-Paket für Produzenten. Werden die – nicht gerade preiswerten – Seminare in der Praxis den hohen Erwartungen gerecht, oder bleibt es bei bloßen Verheißungen?

Das Versprechen

Mit dem Besuch des Seminars bei den Produzentenschmiede-Erfindern soll Musikern alles mitgegeben werden, was sie zur professionellen Arbeit für die Stilrichtungen Techno, Chill-Out, Lounge, Klassik, House und Pop benötigen. Dies umfasst neben der Auswahl der richtigen Technik auch das Wissen über Verwertungsrechte sowie Tipps zum Verkauf von eigenen Titeln. Weiterhin werden Teilnehmer über Gesellschaften wie GEMA, GVL und KSK informiert und erhalten eine Einführung in Musiktheorie, Kompositionslehre und verschiedene Klangsynthesen. Dazu stehen neben der Durchführung einer kompletten Produktion noch etliche weitere Punkte auf dem äußerst umfangreichen Plan des dreitätigen Seminars.

Die Umsetzung

Mit entsprechend hohen Erwartungen besuchen wir das Seminar, welches in einem riesigen Bunker in Frankfurt stattfindet. Für die ersten beiden Tage ist viel Theorie sowie die Erstellung eines Tracks angekündigt. Nette Atmosphäre und indirekte Beleuchtung sorgen für heimisches Flair zum Wohlfühlen im fensterlosen Studiokomplex. Da die Anzahl der Teilnehmer auf maximal fünf beschränkt ist, gleicht der Kurs eher einem persönlichen Gespräch denn einem anonymen Vortrag, was das Lernen zu einem Vergnügen macht.

Höchst motiviert lauschen wir den leidenschaftlichen Ausführungen von Kohlbecker, der sich vor Musikbegeisterung stellenweise fast überschlägt. Er spricht schnell, ehrlich und ungefiltert. In seiner Präsentation geht es nicht um theoretische Musik, sondern um konkrete Tipps aus über 21 Jahren Berufserfahrung. Wir lernen kein stures Fachwissen, sondern bekommen praktische Hinweise.

Schon nach dem ersten Tag wissen wir, welches Equipment wir brauchen, und welches nicht. Wie unser Studio zu verkabeln ist und welche Mikrofone sich für gute Aufnahmen eignen. Aus kreativer Sicht lernen wir, wie Melodien harmonisch aufgebaut werden und wie ein Track DJ tauglich zu arrangieren ist. Auch erfahren wir Praktisches über Urheberrechte und welche Lizenzanteile uns beim Verkauf von Tonträgern und digitalen Veröffentlichungen zustehen. Ebenso werden wir dazu motiviert, alle unsere guten musikalischen Ideen in verschiedenen Branchen anzubieten, denn vielleicht eignet sich unser „Meisterwerk“ für einen Hollywoodstreifen, statt nur in einem Onlineshop zu versauern.

Live is life

Der für den dritten Tag angesetzte Ableton-Live-Intensivkurs wird von Gabriel le Mar gehalten. Seine lockere und offene Art führt direkt zu Beginn zu intensiven Gesprächen rund um Studiosetup, Technik und deren Vorzüge. Fragen aller Teilnehmer werden sofort an der Leinwand beantwortet und le Mar geizt nicht mit Tipps und Kniffen. Wir kreisen lange um das Thema DJing mit Live, was zwar nicht zum Programm des Seminars gehört, sich aber ganz nach dem Interesse des größeren Teils des Publikums richtet.

Produzentenpool

Als besonderen Bonus werden alle Teilnehmer in den sogenannten Produzentenpool aufgenommen. Gegenseitiges Remixen, Kooperationen aller Art und viele andere Synergien sowie die Kanalisierung gemeinsamer Ziele und Interessen sollen hier die Grundlage bilden. So haben die Teilnehmer die Möglichkeit, sich von Kohlbecker und Le Mar beraten zu lassen, sowie das Netzwerk zum Verkauf von Produktionen zu nutzen. Bei einem der regelmäßigen Treffen lernen wir viele begeisterte Teilnehmer kennen und können interessante Kontakte knüpfen. Toll!

Yin & Yang

Wo viel Licht ist, ist auch Schatten. Während des gesamten Seminars werden wir häufig durch Telefonate unterbrochen und dem rasenden Tempo des Vortrags ist geschuldet, dass stellenweise nur an der Oberfläche gekratzt wird. Für tiefergehende Fragen fehlt es an Ruhe und Zeit. Die angesetzte Produktion eines kompletten Tracks findet nicht statt, ebenso die Vorstellungsrunde, bei denen Teilnehmer ihre eigenen Produktionen vorspielen können. Zum angekündigten Thema Mastering lernen wir nur, dass man es eigentlich nicht braucht, wenn man die richtigen Sounds gewählt und den eigenen Track gut abgemischt hat. Hier wünschen wir uns für künftige Kurse mehr Tiefe. Vorbildlich wäre auch ein praxisnaher Teil, bei dem die Teilnehmer selbst Hand an der Studiotechnik anlegen dürfen, um das Erlernte direkt umzusetzen.

Fazit

Die Produzentenschmiede bietet tolle Ansätze und ein sehr eigenes Konzept, das sich stark von spezialisierten Workshops abhebt und Musikern eine geballte Ladung an Grundkenntnissen mitgibt. Gemessen am Preis aber sollte das Seminar in der Theorie, vor allem aber in der Praxis tiefer ins Detail gehen. Dank Produzentenpool aber hat man jederzeit die Kompetenz von Kohlbecker und le Mar zur Verfügung, kann so also offene Fragen nachträglich klären und sogar wertvolle Kontakte knüpfen. Und das ist schließlich unbezahlbar.

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