PCIE-AUDIOKARTE

Test: Marian Seraph AD2

Beat 708.2011 - von Henning Schonvogel

Seraph AD2

Bewertung:
sehr gut (6.0)
Preis: 449 Euro
Webseite:
Hersteller: Marian
Alternative: Lynx L22 749 Euro www.dbsys.de ESI Maxio 032E 699 Euro www.esi-pro.de
hochwertiger Aufbau
exzellente Klangqualität
stabiler Betrieb
XLR-Anschlüsse
TDM-Sync-Bus
Beast-DSP-Mixer
Eckdaten:
• PCIe-Audiokarte
• zwei analoge Ein- und Ausgänge
• zwei AES/EBU-Ein- und Ausgänge
• 140 dB Dynamik
• Samplingraten: 6 kHz – 192 kHz (analog)
• Samplingraten: 22 kHz – 192 kHz (digital)
• 32-Bit-D/A-Wandler
• 24-Bit-A/D-Wandler
• Signal-to-Noise-Ratio: 123 dB
• Frequenzgang: 0 Hz – 61 kHz
• BNC-Wordclock
• „Beast“-DSP
• TDM-Sync-Bus

 Zugegeben: Nach der großartigen Trace-Serie ist die Erwartungshaltung an Marians neue PCIe-Karte besonders hoch. Ob es den Leipzigern abermals gelingt, die Messlatte höher zu legen?

Neben guter Klangqualität ist vermehrt auch die Vernetzung mit digitalem Equipment ein wichtiger Aspekt in Heim- und Semipro-Studios, denn hohe Latenzen und vor allem digitale Sync-Probleme führen nicht selten zu Frust. Mit der Seraph AD2 möchte Marian gestressten Tontechnikern nun eine Alternative bieten. Durch kompromisslose Qualität und vielseitige Studiolösungen bekannt, setzt das Unternehmen die Erwartungen gezielt hoch an. Kann die neue Seraph-Karte diese aber auch tatsächlich erfüllen?

Im Kleinen groß

Die Seraph AD2 ist eine kompakte PCIe-Einbaukarte, die technisch der PCI-Express-Base-1.1-Spezifikation folgt, mit einer Lane also maximal 250 MB pro Sekunde und Richtung erreicht. Das Slotblech ist mit einem Wordclock- beziehungsweise Superclock-Eingang sowie zwei Mehrpolsteckern ausgestattet, die analogen und digitalen Anschlüsse werden mittels Kabelpeitsche ausgeführt. Im Einzelnen stehen zwei Ein- und Ausgänge in analoger sowie AES/EBU-Ausführung bereit. Zum Aufbau der Karte wurden ausschließlich hochwertige Komponenten verwendet, spezielle Transferroutinen für Hochgeschwindigkeitsübertragung sollen den reibungslosen Betrieb in 32 Bit garantieren. Zusätzliche Unterstützung in puncto Synchronisation wird durch das optionale „AD MWX“-Board geboten, das neben zwei MIDI-Ein- und Ausgängen auch einen Wordclock-Sync-Ausgang bietet. Der TDM-Sync-Bus ermöglicht den gemeinsamen Betrieb mit bis zu drei weiteren Marian-Interfacekarten. Hierbei können Clocksignale und Start/Stop-Befehle ausgetauscht werden, das intelligente Bus-Management erlaubt den Transfer von mehreren Kanälen. Signale werden im Mischpult jeder verbundenen Karte angezeigt, was dem Arbeitsfluss sehr zugute kommt. Auch bei der Verwendung nur einer Karte bringt der Sync-Bus Vorteile, die sich durch flexibles Routing im Marian-eigenen Softwaremischpult bemerkbar machen. „Total Recall“ erlaubt die schnelle Wiederherstellung von Einstellungen.

Feine Daten

Die Wertetabellen der Seraph AD2 wissen auch eingefleischte Studioprofis zu beeindrucken: 140 dB Dynamik und ein Frequenzgang von 0 Hz bis 61 kHz bei Samplingraten von bis zu 192 kHz sprechen für sich. Die A/D-Wandlung erfolgt in 24 Bit, auf der Seite der D/A-Wandlung sind bis zu 32 Bit möglich. Der Rauschabstand liegt bei 123 dB, die Werte für den Klirrfaktor bewegen sich unter 0,0008 Prozent für die Ein- bzw. 0,00045 Prozent für die Ausgänge.

Das Biest

Das Seraph-AD2-System verfügt über einen speziellen Softwaremixer, der den klangvollen Namen Beast-DSP-Mischpult trägt. Dieses soll in vielen Studioumgebungen ein externes Mischpult wie auch Patchbays überflüssig machen. Die internen technischen Daten zeigen sich auch hier beeindruckend: 64 latenzfreie Kanäle stehen zur Verfügung, jeweils mit einem vierkanaligen Equalizer ausgestattet. Dieser ist in zwei vollparametrische Mitten sowie Low- und High-Shelf aufgeteilt, für (Sub-)Mixe stehen sieben Summenkanäle zur Verfügung. Dank flexiblem Routing können auch aufwendige Verschaltungen realisiert werden und auch die erneute Aufnahme bereits auf Festplatte gebannter Spuren ist kein Problem. Angetrieben wird das „Biest“ durch eine 52-Bit-Mixing-Engine, die einzelnen Kanäle arbeiten intern in 32 Bit. Damit können auch aktuelle DAWs bis an ihre qualitativen Grenzen ausgefahren werden, MIDI-Steuerbarkeit garantiert eine gute Haptik.

Genuss

In der Praxis zeigt sich die Seraph AD2 als unkompliziert. Die Installation läuft einfach und schnell. Latenzzeiten halten sich in angenehmen Grenzen. Die Klangqualität ist den Daten entsprechend sehr hoch und befriedigt auch professionelle Ansprüche kompetent. Im Gegensatz zu Soundkarten des Einsteigersektors sind Lautstärkeeinbußen in Höhen oder Tiefen nicht zu verzeichnen, aufgenommene Signale wirken dank der hohen Auflösung ausgesprochen nuanciert. Auch der Beast-DSP-Mixer weiß durch Übersicht und hochwertigen Klang zu überzeugen, die Equalizer sind sowohl für eine grobe (Vor-)Bearbeitung als auch für hochwertige, feine Eingriffe zu gebrauchen.

Fazit

Die Seraph AD2 glänzt durch stabilen Betrieb und hohe Klangqualität. Mit ihrem kompromisslosen Konzept weiß sie sich von vielen Mitbewerbern abzusetzen, was sich aber natürlich auch im Preis widerspiegelt. Dieser mag bei den gebotenen zwei Kanälen auf Einsteiger vielleicht eher abschreckend wirken, professionelle Nutzer werden den hochwertigen Aufbau allerdings zu schätzen wissen. Das Beast-DSP-Mischpult tut sein Übriges, die Seraph als eine interessante Komplettlösung darzustellen, die im (semi-)professionellen Sektor viele Freunde finden dürfte.

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