Modellieren und Erkennen

Consideo Modeler

Ob das Modellierungswerkzeug Consideo Modeler bei der Suche nach der Weltformel behilflich sein kann, wissen wir nicht, es würde uns aber nicht überraschen, wenn dem so wäre. Schließlich will der Modeler allen helfen, die bei ihren Entscheidungen viele Faktoren zu berücksichtigen haben.

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Vielfach wird von Forschern die Gegenwart als Informationsgesellschaft beschrieben. Ihre Eigenschaften sind eine Überfülle und Gleichzeitigkeit von Informationen, die in wechselhaften Beziehungen zueinander stehen. Diese zu ordnen und zu gewichten, ist eine komplexe Aufgabe, die von vielen Entscheidern nicht mehr ohne weiteres zu leisten ist. Daher werden neue Werkzeuge benötigt; eines hiervon möchte Consideos Modeler sein.

Ursache-Wirkungsmodelle lassen sich mit dem Modeler ebenso erstellen, wie Problemlösungsstrategien durchspielen, Szenarios für Produktplanungen, Umsatzprognosen und Marketingkampagnen konzipieren. Es lassen sich komplizierte Prozesse visualisieren und dabei Effekte entdecken, die verstärkend oder schwächend wirken, indem Einflüsse von zuvor gesammelten Faktoren in Beziehung gesetzt werden. Das Ganze klingt sehr abstrakt, ist aber in der Anwendung recht bodenständig.

Fünf Stufen

Zum Modellieren eines Projekts durchläuft der Anwender fünf Stufen, diese sind in Form von Knöpfen oben rechts am Fenster sichtbar: Zuerst wird das Projekt betitelt und beschrieben, Ziele werden definiert, Zeiträume eingegrenzt und – falls notwendig – zu komplexe Einflüsse ausgeklammert.

Im nächsten Schritt „Definiere“ werden in Frage kommende Faktoren gesammelt, die in irgendeiner Weise Einfluss auf das Projekt haben. Die Faktoren werden einfach per Doppelklick auf einer virtuellen Tafel erzeugt. Die Kästchen lassen sich einfärben und anordnen. Faktoren, die sich nach diesem Brainstorming für die Aufnahme in das Wirkungsdiagramm qualifizieren, werden ausgewählt und über Bearbeiten -> Übertrage Hauptfaktoren ins CLD in der Menüleiste zur Weiterverarbeitung vorbereitet. „CLD“ steht für den englischen Begriff „Causal-Loop-Diagram“, einem Standard für Wirkungsdiagramme.

Im nun folgenden Schritt „Verbinde“ werden die Faktoren verknüpft. Dabei können mit Pfeilen Wirkungen skizziert und anhand von Werten Gewichtungen vorgenommen werden; der Modeler ist klug genug, nach Abschluss der Verbindungen Rückkopplungsschleifen zu erkennen. Somit werden Bezüge deutlich, die sich auf andere Weise nicht so einfach erkennen lassen. Die wichtigsten Faktoren können durch das Einblenden einer „Ursache-Wirkungs-Matrix“ identifiziert werden.

Hiernach kann unter „Quantifiziere“ das eigene qualitative Modell in ein neues überführt werden, das auf Wunsch auch Werte im Zeitverlauf berücksichtigt, wobei erwartetes und gewünschtes Verhalten modelliert werden können. Auch Formeln lassen sich im integrierten Editor anlegen, so dass das Modell dynamisch auf sich veränderte Parameter reagiert. Spätestens hier merkt man als Anwender, was hinter dem oberflächlich doch recht einfach wirkenden Modeler steckt. Möchte man das Potenzial der Software voll zur Entfaltung bringen, lohnt sich ein Blick in das mitgelieferte 88-seitige PDF-Handbuch.

Im schließlich letzten Schritt – „Simuliere“ – lassen sich verschiedene Szenarios des eigenen Modells durchspielen.

Dabei kann der Anwender Parameter verändern und sich die unterschiedlichen Simulationsergebnisse im Vergleich ansehen. Somit lassen sich beispielsweise Marketingkampagnen unter verschiedener Gewichtung von Zuflüssen auf ihre mögliche Effizienz und Effektivität untersuchen. Consideo liefert Beispiele mit, und auch auf der Internetseite stehen sehr unterschiedliche Modelle bereit; sie reichen von „Autokauf“ und „Lebensfreude“ über „Unternehmensgründung“ bis hin zu „Grenzen des Wachstums“.

Modeler am Mac

Der Modeler ist in Java geschrieben und läuft daher mit nur wenigen Änderungen auch unter Windows und Linux. Der Preis für die Plattformunabhängigkeit wird jedoch am Mac-untypischen im Erscheinungsbild von Bedienelementen und Dialogfenstern deutlich. Gespeichert werden die Projekte im XML-Format, was die Weiterverarbeitung erleichtert, allerdings lassen sich die Dokumente nicht per Doppel­klick öffnen, sondern müssen stets über den Öffnen-Dialog im Programm selbst aufgerufen werden. Als Importformate kommen Excel- und Komma-separierte-Tabellen in Frage. Für den Export stehen PS, PDF und HTML zur Verfügung. Der Modeler läuft stabil und schnell. Er setzt mindestens Mac OS X 10.4 „Tiger“ voraus.

Fazit

Die größte Stärke des Modeler ist gleichzeitig seine größte Schwäche: Das Programm lässt sich für fast alles einsetzen, so dass man als Anwender zunächst nicht weiß, wie und wo man anfangen soll. Hat man das Prinzip jedoch erst einmal verstanden, funktioniert die Vorgehensweise erstaunlich gut.

Als den „,iPod unter den Simulationstools“ bezeichnet der Hersteller die eigene Software, was etwas hoch gegriffen scheint, denn so intuitiv wie ein iPod lässt sich der Modeler nicht bedienen. Dafür entschädigt sein enormer Funktionsumfang, der mit den eigenen Ansprüchen wächst. Aktuell stören einige Kleinigkeiten, wie beispielsweise die Unfähigkeit des Modeler, sich nach erneutem Programmstart den zuletzt verwendeten Speicherort zu merken. Consideo arbeitet jedoch fleißig an der Software und veröffentlicht zügig kleine Verbesserungen.

Testergebnis
ProduktnameModeler v3.03
HerstellerConsideo
Preis250 €
Webseiteconsideo-modeler.de
Pro
  • sehr großer Leistungsumfang
Contra
  • Mac-untypische Oberfläche
SystemvoraussetzungenMac OS X 10.4, Java 1.5
Bewertung
1,9gut

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