MACBOOK PRO MIT RETINA DISPLAY IM TEST

Test: MacBook Pro (Retina, Mid 2012)

Mac Life 8.2012 - von Mac Life

MacBook Pro (Retina, Mid 2012)

Bewertung:
gut (5.0)
Preis: ab 2279 Euro
Webseite: www.apple.de
Hersteller: Apple
perfektes Display
sehr gute Leistung
hoher Preis
keine Adapter mitgeliefert

Apple hat auf der WWDC 2012 ein Produktfeuerwerk entfacht und unter anderem ein völlig neues 15-Zoll-MacBook-Pro mit Retina Display vorgestellt: Mac Life hat das MacBook Pro der nächsten Generation getestet.

Das MacBook Pro 15 Zoll mit Retina Display bildet eine völlig neue und eigenständige Klasse von Mobil-Macs. Es ersetzt nicht die gewohnten 15-Zöller, die ebenfalls mit neuen Komponenten ausgestattet wurden, sondern ist als zusätzliche Modellserie erhältlich.

Das Gehäuse des Retina-Gerätes wurde neu gestaltet und ist mit einer Höhe von nur 1,8 cm spürbar flacher als das rund 2,4 cm hohe Schwestermodell ohne Retina-Bildschirm. Dies konnte unter anderem dadurch erreicht werden, dass Apple hier wie im MacBook Air auf ein optisches Laufwerk verzichtet.

Eine weiteres Zugeständnis an das neue flache Design des MacBook Pro ist die Tatsache, dass Apple einen flacheren MagSafe-Standard einführen musste. Der neue Stromanschluss, der auch im aktualisierten MacBook Air zu finden ist, hat zur Folge, dass ältere Netzteile nicht mit den neuen Geräten verwendet werden können. Apples Lösung für den Notfall: Ein MagSafe-auf-MagSafe-2-Adapter für 10 Euro, der so klein ist, dass man ihn garantiert sofort verliert. Im Übrigen erwies sich der neue MagSafe-Anschluss als etwas zu groß, da das Netzkabel schon bei geringem Zug oder kleineren Rucklern abfiel.

Ob das MacBook Pro 15 Zoll mit Retina Display als leicht empfunden wird, hängt von den eigenen Gewohnheiten und Erfahrungen ab: Mit einem Gewicht von 2,02 Kilogramm ist es etwas über 500 Gramm leichter als das gleichgroße Modell ohne den Paradebildschirm. Selbst Besitzer eines MacBook Pro 13 Zoll haben im Vergleich mit dem neuen 15-Zöller noch einige wenige Gramm mehr zu tragen.

Insofern dürften zumindest Anwender, die das Vorgänger-15-Zoll-Modell besitzen oder gar vom 17-Zöller kommen, eine spürbar positiven Unterschied in Sachen Gewicht bemerken. Im Vergleich zum MacBook Air hingen ist das Retina-MacBook jedoch nach wie vor schwer, bringt es doch rund 700 Gramm mehr auf die Waage als ein MacBook Air mit 13-Zoll-Bildschirm.

Neue Anschlüsse

Genau wie alle anderen neuen MacBook-Modelle bietet der 15-Zöller mit Retina Display zwei USB-3.0-Anschlüsse. Einer befindet sich auf der rechten und einer auf der linken Seite des Gehäuses. Mit der Implementierung des USB-3.0-Standards hatte kaum noch jemand gerechnet, die Käufer dürfte es jedoch freuen. Im Vergleich zur immer noch äußerst geringen Anzahl von Thunderbolt-Peripheriegeräten existieren nämlich bereits eine Menge Produkte, die den schnellen USB-Standard unterstützen. Wobei „schnell“ hier natürlich immer relativ ist, bietet Thunderbolt mit theoretischen Übertragungsraten von bis zu 10 Gigabit pro Kanal doch wesentlich höhere Geschwindigkeiten als USB 3.0.

Der abwärtskompatible USB-3.0-Standard wiederum bietet einen zehnfachen Geschwindigkeitsschub gegenüber dem Vorgängerstandard 2.0 und hängt auch FireWire 800 ab. Einen solchen FireWire-Anschluss bietet das MacBook Pro 15 Zoll mit Retina Display übrigens im Gegensatz zu den anderen MacBook-Pro-Modellen nicht mehr. Stattdessen hat Apple dem Gerät neben den beiden USB-Anschlüssen noch einen zweiten Thunderbolt-Port spendiert. Damit ist der 15-Zöller für jegliche Art schneller Peripherie gut gerüstet und bedient den Cosumer- (USB 3.0) wie den Profi-Markt (Thunderbolt) gleichermaßen.

Weiterhin neu ist der HDMI-Anschluss des MacBook Pros mit Retina Display. Ähnlich wie bei USB 3.0 kann Apple auch kaum auf die Unterstützung dieses weit verbreiteten Standards verzichten. Der einfachen Verkabelung mit dem HD-Fernseher oder -Beamer steht also nichts im Wege.

Der US-amerikanische Computerhändler Other World Computing hat das parallele Betreiben von drei externen Bildschirmen am Retina-MacBook-Pro getestet und ist zu beeindruckenden Ergebnissen gekommen. Angeschlossen wurden zwei iMacs via Thunderbolt mit einer Auflösung von jeweils 2560 x 1440 Bildpunkten sowie ein LG-Monitor mit einer Auflösung von 1920 x 1200 Pixeln. Selbst beim parallelen Abspielen von Videos auf alle Bildschirmen kam es zu keinerlei Verzögerungen.

Display-Wunder

Mit 2880 x 1800 Bildpunkten bei einer Pixeldichte von 220 ppi bietet das Retina-MacBook eine nie zuvor dagewesene Auflösung auf einem Mobil-Mac-Bildschirm. Inhalte wirken ähnlich wie auf dem Display des neuen iPads fast wie gedruckt. Apple hat OS X und wichtige Programme für das Retina Display angepasst, so dass Menüschriften und grafische Elemente in der gewohnten Größe – nur eben schärfer – dargestellt werden. Bei der Verwendung von zum Testzeitzeitpunkt noch nicht angepasster Apps wie Firefox oder Google Chrome zeigte sich im Test, dass Menüschriften und Knöpfe pixelig erschienen. Viele Hersteller arbeiten derzeit an einer Anpassung Ihrer Apps an das Retina Display. Daher ist in den nächsten Wochen mit zahlreichen Veröffentlichungen zu rechnen.

Fotos und Bilder auf Internetseiten kommen ebenfalls nur dann richtig zur Geltung, wenn sie hoch aufgelöst sind. Sonst wird ihre Darstellung schnell pixelig. In den Systemeinstellungen unter „Monitore“ kann man beim Retina-MacBook-Pro bei der Auflösung zwischen „Skaliert“ und „Optimal für Retina Display“ wechseln. Entscheidet man sich für die Skalierung, lassen sich zur Verfeinerung fünf Abstufungen zwischen „Größerer Text“ und „Mehr Fläche“ wählen. Auch bei letzterer und somit kleinerer Schrift sahen normale Internetseiten in Safari noch immer schärfer aus als in Google Chrome oder Firefox.

Ohnehin lässt sich der Retina-Bildschirm besser ablesen. Denn Apple verzichtet bei ihm auf die übliche zusätzliche gläsernen Abdeckung. Das Ergebnis sind deutlich reduzierte Reflexionen.

Innenausstattung

Genau wie das „normale“ MacBook Pro 15 Zoll ist das Retina-Modell wahlweise mit 2,3 oder 2,6 GHz schnellem i7 Quad-Core-Prozessor aus Intels „Ivy Bridge“-Familie erhältlich. Das 2,3-GHz-Retina-MacBook ist für 2279 Euro erhältlich und damit 400 Euro teurer als das entsprechende Normal-Modell.

Neben dem Wunderbildschirm werden dafür jedoch auch 8 GB Arbeitsspeicher – im Gegensatz zu 4 GB im Nicht-Retina-Modell – sowie eine 256 GB große SSD geboten. Das Modell ohne Retina Display bietet nach wie vor eine 500 GB fassende herkömmliche Festplatte. Um den Bildschirm auch bei grafikintensiveren Anwendungen angemessen ansteuern zu können, verfügt die Grafikkarte Nvidia GeForce GT 650M des Retina-MacBooks über 1 GB eigenen Grafikspeicher.

Wichtig zu wissen ist, dass der Arbeitsspeicher des Retina-MacBooks fest verlötet ist und somit nachträglich nicht erweitert werden kann. Wahlweise lassen sich ab Werk aber auch 16 GB ordern, was mit zusätzlichen 200 Euro zu Buche schlägt.

Die Batterie des MacBook Pro mit Retina Display lässt sich ebenfalls nicht eigenständig tauschen und ist sogar im Gehäuse verklebt. Einen Wechsel der Mobilstromquelle lässt Apple sich mit 199 Euro vergüten.

Messergebnisse

Mac Life konnte das MacBook Pro mit Retina Display und 2,3-GHz-Prozessor testen. Die erhobenen Benchmark-Ergebnisse verglichen wir mit dem 2,4 GHz schnellen MacBook Pro 15 Zoll aus der Vorgängerserie vom Oktober 2011 sowie dem aktuellen 2,6 GHz schnellen 15-Zöller ohne Retina Display.

Das Benchmarking-Programm Quickbench zum Messen von Lese- und Schreibraten von Daten lieferte mit 485 (Lesen) und 397 (Schreiben) Megabyte pro Sekunde logischerweise deutliche bessere Ergebnisse im Fall des Retina-MacBooks im Vergleich zum Vorgängermodell vom Oktober 2011 (97/98). Den Unterschied macht der Flash-Speicher des neuen Gerätes.

Und auch gefühlt ging alles flotter. Bordprogramme wie Safari starteten in 1 bis 2 Sekunden, und auch der gesamte Startvorgang war mit 16,5 Sekunden schnell, auch wenn aktuelle MacBook Air mitunter nur 15 Sekunden brauchen.

Der neuere Vierkernprozessor machte sich bei der Konvertierung eines 720p-Videos in ein für Apple TV kompatibles Format durch eine Geschwindigkeitssteigerung von etwa 22 Prozent bemerkbar. Das aktuelle MacBook Pro 15 Zoll mit 2,6-GHz-Prozessor war hier allerdings noch einmal etwa 10 Prozent schneller. Auch das Benchmarking-Programm Geekbench offenbarte eine Steigerung der Prozessorleistung beim Retina-MacBook 2,3 GHZ im Vergleich zum MacBook Pro 15 Zoll 2,4 GHz vom Oktober 2011 – wenn auch nur um rund 5 Prozent.

Kommentar: Der erste Retina-Mac Das neue MacBook Pro ist zweifelsohne wieder ein Produkt, mit dem Apple den Unbedingt-haben-wollen-Reiz auslöst. Wer es nur für ein paar Minuten in der Hand halten konnte, findet die „normalen“ Bildschirme unerträglich pixelig. Wie konnte man jemals so etwas benutzen? Laut Apple richtet sich dieses MacBook an Anwender, die damit ernsthaft arbeiten möchten – genügend Leistung bietet es schließlich.Aber mal im Ernst: Möchte man Filme auf einem 15-Zoll-Bildschirm schneiden? Magazine layouten? Fotos retuschieren? Wohl eher nicht. Ein externer Monitor ist für diese Klientel zwingend nötig. Damit ist aber „Retina“ wieder dahin. Ein iMac 27” mit HiDPI-Bildschirm, das wäre es doch. Als das iPhone 4 vorgestellt wurde, war es vielleicht noch nicht abzusehen, aber mittlerweile ist klar, dass sich das Thema „Retina“ noch in einer Übergangsphase befindet. Das neue MacBook ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Erst wenn es Monitore mit großen Bildschirmdiagonalen und hoher Pixeldichte gibt, sind wir wirklich in Retina-Land angekommen. Das MacBook Pro mit Retina Display bildet nur die Vorhut – die Avantgarde. Und avantgardistisch ist es allemal.

Insgesamt zeigte das Retina-MacBook damit eine sehr gute Leistung, zumal sich bei der Akku-Laufzeit wenig geändert hat: Bei der Filmwiedergabe hielt das Retina-MacBook immerhin rund 5 Stunden und 50 Minuten durch und lag damit auf einem Niveau mit dem 2,4-GHz-Modell vom Oktober 2011.

Fazit

Der Bildschirm des Retina-MacBooks ist genial. Ähnlich wie beim neuen iPad fiel es den Testern schwer, nach den diversen Probeläufen zu ihren „alten“ Geräten zurückzukehren. An der Leistung des Retina-MacBooks gibt es ebenfalls nichts zu bemängeln, zumal sich das Gerät im Test als extrem leise zeigte. Lediglich der Preis ist recht happig.

Den vollständigen Test mitsamt ausführlichen Benchmarks finden Sie in der Mac-Life-Ausgabe 08|2012, ab 4. Juli am Kiosk.

Heiko Bichel, Ümit Mericler und Heiko Fleischmann. Fotos des MacBook Pro mit Retina Display: Frauke Antholz

Mehr zu: HiDPI | MacBook Pro | MacBook Pro 2012 | MacBook Pro mit Retina Display | Retina Display

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